Spiel des Lebens

Marlon Roulette – New Age:

Wenn Liebe ein Wort wäre, würde ich es nicht verstehen.
Der einfachste Klang, mit vier Buchstaben.
Was immer es war, ich bin jetzt drüber weg.
Mit jedem Tag wird es besser.

Tatsächlich. Die ersten Wochen waren die Qual. Aber nun wird der Abstand immer größer. Seele und Herz finden langsam wieder ihren Frieden.

Ich gehe weg, von allem was ich hatte.
Ich brauche einen Raum mit neuen Farben.

Ich gehe mit leichtem Zögern, aber dennoch fest entschlossen in ein neues Leben. Es gab Höhen, es gab Tiefen…aber keinen Tag ohne Hoffnung und Zuversicht.

New Age – eine neue Zeit

Eine eMail…nur ein paar Zeilen. Nichts konkretes…nur die Wahrheit. Es folgten 3 Tage schwimmen in Adrenalin. Gestern war es dann soweit. Ein Anruf…nur 3 Minuten lang.

Er kannte nur meine eMail. Und den angehängten Lebenslauf. Er rief mich an. 3 Minuten lang. Dann war alles klar.

Es dauerte noch eine gute halbe Stunde bis mir bewusst wurde, was da gerade geschehen war: Ich bin am Ziel angekommen!

Mitte Juni bin ich losgegangen. Mit leeren Händen und leeren Taschen. Nichts weiter als das Ziel vor Augen und dem Entschluss, mich durch nichts und niemanden aufhalten zu lassen.

Ich habe viel gelernt unterwegs: wie man das System be- und ausnutzt, wie man Beamte und Behörden manipulieren muss, wie man Gesetze und Vorschriften interpretieren muss, um sie umgehen zu können.

In den Momenten, in denen ich nichts mehr zu verlieren hatte, fühlte ich mich keineswegs klein und schwach. Ich fühlte mich unbesiegbar. Und ich war unbesiegbar! Allein der Satz „Wenn Sie sich mir in den Weg stellen, habe ich nichts mehr zu verlieren!“ hatte den gleichen Effekt als hätte ich gesagt „Ich hab die RAF im Kurzwahlspeicher!

Die Angst sitzt tief. Vor allem bei jenen, welche sich Kraft ihres Amtes und ihrer Macht für unantastbar halten. Der Kaiser ist nackt. Immer.

Nun ist es schon Sonntag und die Uhr zeigt 04:00 an. An Schlaf ist nicht zu denken. Zu tief sitzt der Eindruck. Eine völlig aberwitzige Idee für einen Neuanfang…ich besaß nicht die kleinste Qualifikation für den neuen Job. Gestern wurde ich 3 Minuten lang fast angebettelt, so schnell wie möglich den Vertrag zu unterschreiben.

Prioritäten sind wichtig. Die Firma ist relativ groß, aber sauber. Der Chef kommt wie alle anderen auch jeden Morgen zur Arbeit und sitzt nicht nur in seiner Villa und starrt auf seine stetig wachsenden Kontostände. Und er bezahlt seine Leute relativ gut. In Zeiten der Sklaverei und des hemmungslosen Lohndumpings schon auffallend.

Nun bin ich genau da angekommen, wo ich hinwollte: Punktlandung! Ich habe den Job und die Firma.

Ein Wunder? Nein!

Das kann jeder schaffen, wenn er nur will! Auch hier: Nein!

Der Wille allein reicht nicht. Man muss auch skrupellos sein. Man muss den Mut aufbringen, erhobenen Hauptes in den Kampf zu ziehen anstatt auf Mitleid und Gnade zu hoffen.

Vielen…zuvielen Leuten wurde dieser Kampfgeist ausgetrieben. Anstatt wie früher ihre Rechte als Arbeitslose einzufordern, sind sie heute eingeschüchtert und ängstlich. Um der verhartzten Willkür dieses Unrechtsstaates zu entgehen, muss man im Staub kriechen und alles vermeiden, was irgendwie auffallen könnte.

Aber irgendwann wird der Tag kommen, an dem man aufwacht und der erste Gedanke „Was hab ich noch zu verlieren?“ lautet. Wer nichts hat, dem kann man nichts wegnehmen. Man kann nur noch gewinnen.

wovor ich jetzt Angst habe

Ich habe wieder Angst. Angst davor, von der „schweigenden Mehrheit“ assimiliert zu werden. Von jenen Massen, welche etwas zu verlieren haben und aus lauter Angst nach Unten treten während sie die Stiefel derer lecken, die auf ihnen herumtrampeln.

Ich habe Angst davor, eines Tages genauso gleichgültig und oberflächlich eingeschläfert zu sein.

Angst davor, einen neuen Akt des Terrors gegen die „Unterschicht“ durch das Kapitalistengesindel emotionslos und gleichgültig zur Kenntnis zu nehmen. Ganz nach dem Motto „Was geht mich fremdes Elend an?

Gibt es einen Schutz davor?

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2 Kommentare - “Spiel des Lebens”

  1. Teja552 Says:

    Ich teile deine Angst und reiche das weiter!

  2. Cinderella Says:

    Oberflächlich und gleichgültig wird man als Egoist. Nutze Deinen Verstand nicht nur für`s eigene Wohlergehen und bleibe menschlich in dieser Gesellschaft.

    Ich bin mir sicher, Deine Angst ist unbegründet. Wenn sich mehr Menschen in Deutschland Gedanken über die derzeitigen Zustände und die daraus resultierenden Zukunftsoptionen machen würden, sähe es anders aus:

    http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

    Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt . . .

    LG und viel Glück ;-))


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