Fehldiagnosen

Als man mich in den Wald verschleppt hatte geschah das in der Annahme, ich stünde kurz vor dem Durchdrehen.

Kaum zurück in der „realen“ Welt muss ich allerdings feststellen, dass offiziell „normale“ Menschen noch viel verrückter und verwirrter sind, als ich es mir überhaupt vorstellen kann.

Dazu gehört z.B. der „Journalist“ Lars Halter, welcher für n-tv bei der sog. „Telebörse“ aus den USA allerlei merkwürdige Dinge „berichtet“.

Die Kanzlermarionette Merkel bekam kürzlich von der Präsidentenmarionette Obama die sog. „Freiheitsmedaille“.

Wofür? Für ihr Engagement für die Interessen der USA vor, während und nach der Spekulantenkrise.

Schließlich sind ihr die USA zutiefst dankbar dafür, dass sie zusammen mit dem Vollpfosten Steinbrück den deutschen Zockern und ihren Banken erlaubt hat, die USA von ihren hochwertvollen Hypotheken und sonstigen „Finanzprodukten“ zu befreien. Nicht zu vergessen natürlich die amerikanischen Heuschrecken, denen Merkel und Steinbrück Tür und Tor geöffnet haben, um in Deutschland ungeniert und ungehindert auf Raubzug zu gehen.

Der „Journalist“ Lars Halter ist denn auch voll des Lobes:

The Good Germans

nennt er seine Lobeshymne auf das angebliche „USA-Vorbild Deutschland“.

„The German Example“, titelt die „New York Times“ und fordert die USA auf, sich an Deutschland ein Beispiel zu nehmen. „Kein Einzelfall“, berichtet Wall-Street-Korrespondent Lars Halter. Nicht nur in Sachen Steuer- und Finanzpolitik werde bewundernd nach Berlin geblickt.

Aha…mal sehen, was so bewundernswert ist an der schwarz-gelb gesteuerten Titanic…

Während sich in Washington Republikaner und Demokraten derart beschießen, dass weder in der Steuer- und Finanzpolitik noch sonst wo Fortschritte gemacht werden können, galoppiert Deutschland in die Zukunft.

Wow! „Deutschland galoppiert in die Zukunft„! Angesichts der Zustände in diesem Land rasen wir allerdings ungebremst in den Abgrund. Oder soll eine stetig steigende Armut etwa „Zukunft“ sein?

Auf den Punkt gebracht hat Deutschland seinen Haushalt in den letzten Jahren mit drastischen Sparmaßnahmen und den zukunftsorientierten Programmen der Regierung auf Vordermann gebracht.

Ab in den Wald mit dir! Solche Halluzinationen lassen sich beim besten Willen nicht mehr mit übel getreckten Drogen erklären.

In Deutschland hingegen hat die starke Regulierung in vielen Branchen unter anderem eine Finanzkrise von US-Ausmaßen verhindert.

Regulierung? Hallo? Wo denn? Nichtmal NACH der Zockerkrise wurde irgendetwas irgendwo reguliert. Ganz im Gegenteil: Jahrelang hat man die neoliberale „Deregulierung“ gepredigt und anschließend hat man mal eben 500 Milliarden Euro für die Banken bereitgestellt, um die angebliche „Kernschmelze“ zu verhindern.

Während die USA wenigstens Lehman Brother untergehen liessen, haben Merkel und Steinbrück hunderte Milliarden Euro neuer Schulden dazu verwendet, um die HRE, die Allianz, die Commerzbank uva. aus dem Casino freizukaufen.

Berlin hat sich immer wieder für die Gewerkschaften starkgemacht und unter anderem dafür gesorgt, dass die Macht der Arbeitnehmerverbände nicht zu sehr gebrochen wurde.

Jaaa….nach den ganzen „Arbeitsmarktreformen“ hat das Kapitalistenpack natürlich eine wahnsinnige Angst vor jeder Gewerkschaft. Alles klar…

In Deutschland ist das Durchschnittseinkommen der Bevölkerung seit 1985 um satte 30 Prozent gestiegen – in den USA in der gleichen Zeit um magere sechs Prozent.

Jaja…das liebe „Durchschnittseinkommen“ wieder. Zum Glück fragt ja niemand danach, wie sich dieses Einkommen in den letzten 20 Jahren so verteilt hat. Nicht wahr, Herr Halter?

Zum Teil liegt das an einer guten Arbeitsmarktpolitik in Deutschland, die viele Arbeitslose wieder in Jobs vermittelt hat. Arbeitslosigkeit ist weniger attraktiv geworden,

Genau! Ich kann mich noch gut an frühere Zeiten erinnern, als hunderte Leute jeden Tag vor dem Arbeitsamt Schlange standen, um endlich arbeitslos werden zu dürfen. Man…war Arbeitslosigkeit damals attraktiv!

Es gibt ein Steuersystem, in dem die Vermögenden ihren fairen Anteil am Allgemeinwohl leisten.

Wenn Ackermann, Quandt, Klatten und Hundt das lesen, fallen sie vor Lachen bestimmt tot vom Stuhl! Wozu brauchen wir noch eine RAF?

Die finanzielle Stabilisierung in Deutschland in den letzten Jahren ist nur zu 60 Prozent auf Kostensenkungen und eine effizientere Arbeit in Berlin zurückzuführen. Ganze 40 Prozent stammen aus Steueranhebungen

Finanzielle Stabilisierung? Im Staatshaushalt? Öhhmmm….

Ich erläutere hier jetzt nicht schon wieder, worin diese „nur 60% Kostensenkungen“ bestanden und wer für die 40% Steuererhöhungen zur Kasse gebeten wird. Dazu verweise ich nur auf das „Sparpaket“, mit denen die Unterschicht die Bankenrettung finanziert und die „sozial gerechte“ Mehrwertsteuererhöhung.

Anreize für die Unterschicht

heißt ein weiterer Artikel des „Journalisten“ Lars Halter.

All das, was er in oben zerpflückten Artikel an Deutschland gelobt hat, kritsisert er nun postwendend wieder:

Statt den Konsum im großen Stil anzukurbeln, beschränkt sich Washington darauf, Top-Verdienern Steuergeschenke zu machen. Die Rechnung kann nicht aufgehen.

Echt? Wer hätte das gedacht? Dabei war doch genau diese Politik in Deutschland für die Amerikaner eben noch so „vorbildlich“?

Die meisten Unternehmen stehen nach wie vor ganz gut im Futter, doch hohe Arbeitslosigkeit, nachlassender Industrieausstoß, fallende Immobilienpreise und ein miserables Verbrauchervertrauen machen wenig Hoffnung auf Stabilität und Sicherheit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Sieht es hier etwa anders aus? Die Konzerne verteilen ihre Beute in Milliardenhöhe an die Eigentümer, die Arbeitslosigkeit ist nur noch über die Statistik unter 10% zu halten und von „Verbrauchervertrauen“ kann der Einzelhandel seit mehreren Jahren eh nur noch im Suff träumen.

Die soziale Mobilität der US-Amerikaner, also die Möglichkeit, sich aus der Unterschicht in die Mittelschicht oder noch weiter nach oben zu arbeiten, ist deutlich geringer als in den meisten Industrienationen. Washington tut nichts dafür, dies zu ändern.

Warum auch? Schließlich heißt das große Vorbild ja „Deutschland“. Nicht wahr, Herr Halter?

Die kämpfen mit hoher Arbeitslosigkeit in einem Staat, der sich nicht einmal mehr Reparaturen an der Infrastruktur leisten kann.

Preisfrage: Die USA oder Deutschland?🙂

Dafür gibt es Steuersenkungen für die Top-Verdiener. Ökonomen sind sich einig, dass diese (…) in Sachen Wirtschaftswachstum keinen Beitrag leisten.

Was gibt es daran zu kritisieren? Das haben Eichel, Steinbrück und Co doch genauso gemacht und werden dafür in den USA auch noch bewundert. Ja..was denn nun?

Unter Experten ist unumstritten, dass Steuersenkungen für die Oberschicht die Konjunktur nicht anfachen.

Effektive Hilfestellung für die Wirtschaft ist nur am anderen Ende der Skala möglich: bei den Geringverdienern.

Und beim „Vorbild Deutschland“ zahlt man auf Kapitaleinkommen, Zinsen usw. weniger Steuern als auf Einkommen aus echter Arbeit. Und für die Geringverdiener und Tagelöhner gibt es nichtmal einen gesetzlichen Mindestlohn wie in den USA.

Höherer Konsum ist höhere Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen.

Und nun ratet mal fleißig, in welcher „Vorbildnation“ man diesen Fakt bis heute vehement leugnet…

Ich glaub, ich krieche wieder zurück in den Wald und verfalle in stumpfsinniges Grübeln…

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7 Kommentare - “Fehldiagnosen”

  1. Hetman Says:

    bleib bloß hier!
    wir haben deine scharfzüngigen kommentare vermißt!!!
    willkommen zurück!

  2. wtfomglol Says:

    Schön wieder was von dir zu lesen. Und auch von mir ein Willkommen zurück.

  3. bojenberg Says:

    „Ich glaub, ich krieche wieder zurück in den Wald und verfalle in stumpfsinniges Grübeln…“

    Bueddee nich! welcome back!🙂

  4. bojenberg Says:

    moecht noch kurz anmerken, das die heuschreckenplage ursprünglich nicht durch die schwaz-geld-neolibs ins land geholt wurde, sondern von den rot-gruenen-neolibs! (natuerlich unter applaus der schwarz-geld-neolibs!)

    nur so am rande …

  5. Flying Circus Says:

    Auch von mir ein herzliches Willkommen Zurück – so langsam begann ich, mir Sorgen zu machen …

  6. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2011-06-20…

    Statistisches Bundesamt: Stundenlohn nur 0,5 Prozent über 2005 Deutsche Arbeitnehmer waren 2010 öfters krank – oder auch nicht Sackgasse Sozialstaat: Die ewige Wiederholung falscher Behauptungen (Neoliberale) Fehldiagnosen Griechenland: Finanzminister…

  7. chriwi Says:

    Deutschland kann ein Vorbild für die USA sein. Im Gegensatz zu den USA schaffen wir es unsere Arbeitslosen zur Arbeit zu zwingen. Die Ausbeutung ist viel effizienter. Auch haben wir keinen Mindestlohn und die Vernetzung zwischen Wirtschaft und Politik ist deutlich besser. Ich glaube nicht, dass Wallstreetmanager zum Geburtstag ins Weiße Haus kommen. Im Bezug Korruption und Wirtschaftshörigkeit ist Deutschland also in einigen Bereichen vor den USA.


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