Aromatherapie

Jeder kennt das: Man greift in den Schrank, holt eine Packung Kaffee heraus, öffnet sie und dann…hmmmmm.

Einfach genial, was da in die Schnuppernase kriecht.

Selbst bei mir wirkt das, obwohl ich eher die Erfindung des Grafen Grey in heißem Wasser bade.

Nun haben wir also wiedermal Oktober und ein frisches Kaffeearoma weht durchs Land.

Die sog. „Wirtschaftsforscher“ haben ihren gammligen Kaffeesatz umgerührt und die Medien verteilen ihn mit viel heißer Luft.

Und wie das bei Drogenjunkies so ist: alle verfallen in einen hysterieartigen Freudentaumel. Allerdings halluzinieren sie keine rosa Elefanten oder fliegende Kaninchen, sondern…. ein Super-Mega-Wirtschaftswachstum!

Selbstverständlich ist Springers WELT ganz vorn dabei wenn es darum geht, den Leuten mit dieser heißen Luft voller Kaffeesatzausdünstungen die Sinne zu verwirren.

Super-Konjunktur für viele Jahre

Führende Wirtschaftsforscher sind zuversichtlich wie nie: Deutschland stehe vor vielen „guten Jahren“ – aus mehreren Gründen.

Namentlich genannt wird allerdings nur das Ifo-Institut des Prof. UnSinn. Er meldet sich für diese Lachnummer allerdings nicht selbst zu Wort, sondern ein gewisser Kai Carstensen.

Prof. UnSinns „Konjunkturchef“ hat seine brot- und sinnlose Kunst beim IfW Kiel gelernt. Dem „Wirtschaftsforschungsinstitut“ des Prof. Dennis Snower.

Und weil die Welt nunmal eine Kugel ist und alle Wege bekanntlich nach Rom führen: Snower gehört zum „Freundeskreis“ des Ifo-Institutes und des IZA des Arbeitslosen-Versteigerers Zimmermann.

Nicht das noch jemand den Unsinn glaubt, „unsere“ Wirtschaftslobbyisten würde unabhängig voneinander im Kaffeesatz rühren und die Regierung „beraten“.

Wir bekommen also nun „über viele Jahre“ ein Turbo-Mega-Hyper-Super-Wirtschaftswachstum.

soso… mal schauen:

Die Prognostiker erwarten, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen wird.

Ok…in diesem Jahr sollen es 3,5% werden. Suuuuuper!

Allerdingens… für die stärkste Wirtschaftsmacht Europas sind 3,5% einfach nur ein Trauerspiel.

Selbst so große Industrienationen wie Albanien oder Portugal verfallen in helle Panik, wenn das Wachstum dort auf 3,5% zurückgehen sollte. In Spanien hat man sogar (vor der Kreditklemme) einen „Nationalen Krisenrat“ einberufen, um aus der 3%-Rezession wieder herauszufinden.

Und in neoliberalen Kapitalismus-Wunderland? Da erklärt man lausige 3,5% doch glatt zur „Super-Konjunktur„.

Vor soviel Sachverstand kann man nur noch auf die Knie fallen…und heulen.

Für 2011 erwarten die Forscher zwar ein deutlich geringeres Wachstum von nur noch zwei Prozent; dieser Wert liegt aber immer noch weit über dem langfristigen deutschen Trendwachstum.

Hmmm…. *kopfkratz*

Diese „Experten“ bestimmen die deutsche Wirtschafts,- Arbeitsmarkt- und Reformpolitik seit inzwischen 10 Jahren.

Rückblickend stellen selbige „Fachleute fest“: 2% Wachstum liegen über dem langfristigen Trend der Vergangenheit.

Das kann doch nur bedeuten: Die bis heute von neoliberalen Wahnvorstellungen geprägte Wirtschaftspolitik hat mit einem Wachstum von weniger als 2% nichtmal die Euro-Inflation ausgleichen können.

Damit sind die Kaffeesatzumrührer und ihre Heißluft-Medien auf ganzer Linie gescheitert.

Was sie aber nicht davon abhält, trotzdem ungeniert weiterzumachen. Mit tatkräftiger Unterstützung des schwarz-gelben Lumpenpacks.

Wie sagte Albrecht Müller doch gleich? „Es sind Drogensüchtige. Wirkt die Droge nicht, erhöhen sie einfach die Dosis.

Die Zahl der Arbeitslosen soll 2011 im Jahresdurchschnitt auf 2,9 Millionen sinken

Ok…wir haben heute 6,7 Mio Arbeitslose und nochmal mind. 5 Mio unfreiwillig unterbeschäftigte Niedriglöhner.

Beachten wir nur die Arbeitslosen, müssten 2011 mal eben 3,8 Mio Arbeitsplätze vom Himmel fallen.

Was natürlich eine sehr realistische Annahme ist, zumal das Wachstum ja gleichzeitig um 1,5% zurückgehen soll.

Übrigens…seit wir von geballter Kompetenz wie Merkel, Westerwelle, Brüderle und Leyen regiert werden, sind wöchentlich (Durchschnittswert) 11.424 Arbeitsplätze abgeschafft worden. Hauptsächlich im nutzlosen und unbedeutenden „Binnenmarkt“. Während des Schröder-Regimes (vor den Hartz-Reformen) waren es durchschnittlich pro Woche ca. 5000.

Im Jahr 2011 werden laut „Experten“ also wöchentlich 84.500 Arbeitsplätze entstehen.

Noch Fragen?

Die Inflation soll im kommenden Jahr wieder leicht anziehen und im Jahresdurchschnitt bei 1,6 Prozent liegen.

Jaaa…so eine Inflation ist natürlich so richtig gut fürs Wirtschaftswachstum, nicht wahr?

Geringe Finanzierungskosten beflügeln Investitionen, Konsum und Hausbau – das dürfte die Binnennachfrage ankurbeln.

Aha…bisher war man immer der Meinung, das kreditfinanziertes Wachstum nur ein kleines Strohfeuer sei und man bekanntlich niemals mehr Geld ausgeben dürfe als man einnimmt.

Hat zumindest eine namentlich nicht bekannte schwäbische Hausfrau mal erzählt.

Die stärkere Nachfrage aus dem Inland käme just zur richtigen Zeit. Denn das Exportwachstum wird in den kommenden Monaten bereits stark nachlassen.

Da kommt sie aus dem Sack gehüpft, die Miezekatze.

Die ganze Kaffeesatz-Aromatherapie beruht also ausschließlich auf der Annahme, die Bürger würden hemmungslos auf Kredit shoppen, um damit den bevorstehenden Exportrückgang auszugleichen.

Dabei macht der Export ja nur 50% des BIP aus, nicht wahr? Also kein Problem, Leute!

„Beim privaten Konsum ist erstmals seit mehreren Jahren mit einem starken Anstieg zu rechnen“

ein paar Sätze weiter:

sollen die Ausgaben der privaten Haushalte 2011 um 1,4 Prozent steigen

Ok…das hat mich nun gänzlich überzeugt!

Die Inflation soll auf 1,6% steigen, die Konsumausgaben um 1,4% und daraus soll dann ein Wirtschaftswachstum entstehen, welches den größten Teil der heutigen Exportquote ersetzen soll.

*nochmal_kopfkratz* (Mir stehen schon wieder die Haare zu Berge)

Steigen die Preise um 1,6%, muss man für die gleiche Menge an Waren und Dienstleistungen 1,6% mehr Geld ausgeben.

Der Kaffeesatz duftet aber nur nach 1,4% mehr Ausgaben. Nach Adam Riese und Eva Zwerg macht das einen Umsatzrückgang im Binnenmarkt um mindestens 0,2% aus. Also eindeutig „ein starker Anstieg„.

Wachstum…wir kommen!

Ebenfalls in WELT:

Herbstgutachten

Arbeitnehmer können sich auf Lohnplus freuen

Achja?

Das verfügbare Einkommen, in das neben Löhnen auch Sozialleistungen oder Kapitalerträge einfließen, steige im nächsten Jahr um 2,8 Prozent,

Nur zur Erinnerung: Die Hälfte des Volkseinkommens besteht aus Kapitaleinkommen. Die andere Hälfte teilen sich Arbeitnehmer, Rentner, Arbeitslose, Beamte usw.

Vom Anstieg des „verfügbaren Einkommens“ profitieren die Kapitalbesitzer also zu mindestens 1,4%.

Von der verbleibenen Hälfte wird aber auch nur ein winziger Teil konsumrelevant:

Bei Arbeitslosen, Geringverdienern und Rentnern wird sich das Einkommen nicht konsumsteigernd erhöhen. Bei den Spitzenverdienern wird es wie auch bei den Kapitalgewinnlern nicht konsumsteigernd eingesetzt.

Also verbleiben nur eine Handvoll Leute mit sichtbaren Einkommenserhöhungen.

Aber auch deren Verwendung ist bereits geregelt: Herr Rösler hat ja bei Maischberger schon festgelegt, wozu das „mehr Netto“ verwendet werden soll: für die zusätzlichen monatlichen Prämienzahlungen für private Kranken,- Pflege- und Rentenversicherungen.

Was die „Wirtschaftsexperten“ und die Medien natürlich in keinster Weise davon abhält, Aufschung und „Konsum-Boom“ vorherzusagen.

Realitätsbewusstsein sieht anders aus. Ganz anders.

Deutschland, hör endlich auf zu jammern!

So fordert die WELT-„Journalistin“ Andrea Seibel.

Frau Seibel gehört zum harten Kern der neofaschistischen Hetzer des Springer-Konzerns.

Sie bringt ständig Kommentare im Stil von:

Regierung setzt dem ruinösen Sozialstaat ein Limit

Der Sozialstaat hat die Länder an den Rand des Bankrottes gebracht. Die Minimalerhöhung des Hartz-IV-Satzes zeigt den richtigen Weg.

Heute verlangt sie nun, dass wir endlich mal mit dem Jammern aufhören sollen.

Die Kanzlerin ist angesehen, die Handhabung der Finanzkrise ist im internationalen und besonders europäischen Vergleich gelungen, der Export stabil, die Binnennachfrage hervorragend, die Arbeitslosenzahlen unter der Drei-Millionen-Grenze.

Das Erschreckende ist: Die Seibel glaubt den Unfug den sie da schreibt!

mit Stuttgart 21 feiert die Fortschrittsfeindlichkeit fröhliche Urstände

Ahja… Was an Mafia-Strukturen zwischen CDU und FDP, Bahn und Baukonzernen „fortschrittlich“ sein soll, ist mir grad nicht erkennbar. Aber zum Glück bin ich nicht allein.

Man muss sich von Deutschland räumlich, d.h. physisch entfernen, um einen anderen Blick auf das Land zu bekommen.

Ein anderer Blick will heißen: einen positiven.

Ok!

Frau Seibel kann „das Jammern“ (haben in der WELT schonmal die Reichen „gejammert“???) also nicht verstehen. Schließlich sieht sie „mit Abstand zu Deutschland“ eine angesehene Kanzlerin, eine gelungene Finanzkrisen-Politik, stabile Exportquoten, eine „hervorragende“ Binnennachfrage und eine sensationell niedrige Arbeitslosenquote.

Ich gehe jede Wette ein… der Stoff, den sich Frau Seibel für derartige Artikel in die Nase zieht ist selbst den kolumbianischen Drogenbaronen zu heikel…

Wer in Stuttgart „feiernde Demonstranten“ sieht, der sieht auch rosa Elefanten auf fliegenden Kaninchen reiten. Da bin ich mir ganz sicher.

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3 Kommentare - “Aromatherapie”

  1. wareluege Says:

    Der „kleine Teil des Umsatzes“ liegt laut genannten „Experten“ bei 59%.
    Der von dir genannte „Eigenbedarf“ nur bei 20%.

    Eine „Wuchtbrumme“ wie das INSM-Deutschland bräuchte wesentlich mehr Wachstum als 3,5%.
    Hierzulande werden schließlich jedes Jahr gigantische Geldmengen benötigt, um die Renditen der oberen Zehntausend zu erzwingen.
    Für den dummen Pöbel bleibt da nunmal nichts übrig.

    Bereits im letzten Aufschwung 2007-2008 haben die Pfeffersäcke das gesamte Wachstum an sich gerissen um ihre Gier damit zu stillen.

  2. mattys33 Says:

    also mir fehlen die worte eine frau seibel sollte sich mit unserer (IM Erika) kurzschliessen und dann solte man beide über die erdkante werfen,evtl könnte IM Erika ,ach ja angela merkel den letzten FDJ bericht noch ….
    ach egal einfach rüber mit dem pack über die erdkante

  3. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-10-18…

    Lohndumping: Zeitarbeit wird zum Massenphänomen Hessen: Schwarz/Gelb will Lehrer in Leiharbeit Was ist tatsächlich los auf dem Arbeitsmarkt? Deal: CDU stimmt für Zeitarbeiter-Mindestlohn und SPD für fünf Euro bei Hartz IV Hartz IV-Reform: In Karlsruhe…


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