Lug und Trug – Update

Es ist Sonntag.

Eigentlich der Anne-Will-Tag.

Aber das wäre heute mal so richtig öde. Ich habe nur mal schnell die Gästeliste angesehen und fand das alte „Muster der Mehrheit“ bei den Lobbyisten der Privaten Krankenversicherungen.

Was soll daran spannend sein? Tja…wenn ein Vertreter der Bürgerversicherung von den radikalen Linksextremisten dabei wäre…

Aber so? Zeitverschwendung!

Nun ist der Sonntag aber auch der Tag des „Presseclubs„. Es geht mal wieder darum, wie weit Angie die CDU nach rechts bringen müsste, um eine „Neue Konservativ-Bürgerliche Partei“ zu verhindern.

Natürlich darf Rechtsausleger Stürmer von Springers „WELT“ nicht fehlen.

Also mache ich mir meine eigene Presseschau. Mal wieder aus der Not heraus, mich nicht für einen bestimmten volksverblödenden Artikel entscheiden zu können.

#1 Brüderle in BILD

Die BILD fragt das Brüderle, ob er denn Lust hätte, die Westerwelle als FDP-Vorsitzender zu ersetzen.

Natürlich hat er Lust…wo er doch ein so kompetenter Wirtschaftsminister ist:

Der Export bringt Geld in den Binnenmarkt, das setzt sich in höherem Konsum und höheren Einkommen fort.

Seine selbstgelobte Kompetenz und sein selbsthalluzinierter Erfolg basieren offensichtlich auf jahrelanger Realitätsverweigerung.

Er hat bis heute nicht wahrgenommen, dass die von ihm vorgetragene Theorie bereits zu Zeiten des „Deutschland ist auch in diesem Jahr wieder Exportweltmeister“ vom herrschenden Kapital widerlegt wurde.

#2 Versicherungsbetrüger der FDP

Ebenfalls in BILD (wo sonst?) darf sich das schleimig-gelbe Generalsekret der FDP zu einem neuen „Reformvorschlag“ äußern.

Christian Lindner möchte 1,5 Mrd Euro aus der Arbeitslosenversicherung in den Staatshaushalt „umleiten“.

Dazu soll das Alg1 als Versicherungsleistung für Ü50-Arbeitslose um mehrere Monate gekürzt werden, um es in neue Hinzuverdienstregeln für das steuerfinanzierte Alg2 umzuwandeln.

Mit höheren Zuverdienstgrenzen sollen Hungerlöhne „attraktiver“ gemacht werden. Dabei würde der Herr Schäuble aber weniger bei der „Anrechnung aufs HartzIV“ sparen, wenn statt bisher 100 Euro dann 150 oder 200 Euro anrechnungsfrei wären.

Also will das gelbe Natterngezücht jährlich 1,5 Mrd Euro aus der Versicherung in Schäubles Kasse umverteilen.

Nicht vergessen: Die DDR war der Unrechtsstaat!

#3 Demokratie als Party-Event

In der WELT darf Reinhard Mohr erklären, dass die Anti-Stuttgart21-Demonstrationen nur ein Event von undemokratischen Berufsdemonstranten sind, die einfach nur Langeweile haben und man sie deshalb nicht beachten sollte.

Ob in Stuttgart oder Berlin-Mitte – Protest ist chic geworden.

Immer mehr Protestprofis betreten die bunte Szene, die einst von Rauschebärten und lila Latzhosen geprägt war – Eventmanager des zivilen Ungehorsams, gewiefte PR-Spezialisten, die von der Generation Greenpeace gelernt haben. Politische Kreativität wird da rasch zum Budenzauber…

Wenn BaWü nun Rot-Grün regiert wäre oder der „Atomdeal“ mit Beteiligung der Linken zustande gekommen wäre…er würde sich ganz anders zu den Demonstrationen äußern. Da bin ich mir ziemlich sicher.😀

# 4 Deutsche Eliten verbreiten die Angst-Epidemie

In Springers WELT darf sich Margarete Wolf darüber beklagen, dass das Wort „Reform“ nicht mehr bejubelt wird wie früher sondern Panik, Angst und Schrecken auslöst.

Frau Wolf trat übrigens 2008 bei den Grünen aus, weil sie als Kernkraftlobbyistin den Atomausstieg nicht verhindern konnte.

Wir brauchen einen Diskurs, der eingebildeten Behauptungen wie „Globalisierung macht arm“ mit Fakten begegnet

Tja Frau Wolf…

Auch am 20. Jahrestag der ungezügelten Globalisierung gibt es keine derartig bejubelbaren Fakten. Nur die amtlich nachgewiesene „eingebildete Behauptung„, dass man in Deutschland wegen der Globalisierung und der damit verbundenen „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ heute wieder beim Lohnniveau von 1991 angekommen ist.

Man sollte dem Statistischen Bundesamt verbieten, „eingebildete Behauptungen“ zu beweisen!

#5 Angela Merkel macht es wie einst Helmut Kohl

Das WELT-Merkelzäpfchen Torsten Krauel schreibt:

Bei Stuttgart 21 und dem Atomausstieg hält Angela Merkel es wie einst Helmut Kohl – Verlässlichkeit geht über alles.

Völlig richtig!

Nur…was heute „Verlässlichkeit“ genannt wird, bezeichnete man zu Kohls Zeiten noch als Korruption, Lobbyismus und undemokratisches „Aussitzen von Problemen“.

Allerdings hat Kohl damals mehr Reden vor Untersuchungssausschüssen gehalten als im Bundestag. Aber damals waren „SPD“ und Grüne ja auch noch Oppositionsparteien.

#6 Sozialrassist Gunnar Heinsohn staunt

Abiturienten aus armen Herkunftsländern liegen bei der Universitätszugangsprüfung der USA weit vorne. Soziologe Gunnar Heinsohn staunt über die Resultate.

Eigentlich sollten sie, deren Herkunftsländer zu den ärmsten gehören, immer noch am Ende der Skala stehen und nicht ganz oben.

Ja…eigentlich. Und was sagt uns das über die allseits verkündeten „Fakten“ über die „bildungsfernen Migranten mit Integrationsverweigerung“?

Wie beim Mindestlohn lebt Deutschland auch hier auf einer isolierten Insel, auf der alles anders ist als im Rest der Welt.

Da staunt selbst der „Experte“…😀

#7 Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus

Deutschlands Arbeitsmarkt entwickelt sich prächtig, bald sind wohl weniger als drei Millionen Menschen ohne Job.

Doch was gut klingt, bereitet Ökonomen große Sorge: Dem Land droht ein Fachkräftemangel, der durch das Altern der Gesellschaft noch verstärkt wird. Der Ausweg: mehr Zuwanderung.

Auch das ehemalige Nachrichtenmagazin wiederholt stur die Billiglohn-Arbeitskräfte-Propaganda der Arbeitgeberverbände und der lobbyismusfreien Bundesregenten.

Mit Rechentricks ist der robuste Arbeitsmarkt nicht zu erklären.

Im August lag die Zahl (1-Euro-Jobs, diverse „Maßnahmen“, Krankheit) bei gut 4,2 Millionen Menschen – fast sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Nicht nur die Rechentricks wurden erweitert, sondern auch die Sanktionen und „Sparvorgaben“, um Menschen in Hungerlöhne, Leiharbeit und Tagelöhnertum zu pressen.

Für den von Herrn Aust rechtsgewendeten „Spiegel“ lautet die Lösung natürlich „Rentenalter anheben und Zuwanderung aus Osteuropa vereinfachen!

#8 Gentechnik für Arme

Ebenfalls im Spiegel ist zu lesen, das die Ministerin für Konzernschutz, Ilse Aigner (CSU), die Entscheidung für oder gegen Gentechnik den Bundesländern überlassen will.

Wer mag wohl wirtschaftlich so am Boden liegen, dass die Gentechnik-Konzerne wie Monsanto, Bayer oder Europlant sich die Zulassungen für kleines Geld ganz einfach kaufen können?

Gentechnikverseuchung in ha Ackerfläche

#9 Agenda 2020

Einen anderen Weg als Springer & Co schlägt die Sueddeutsche ein.

Sie erklärt die aktuellen Fälschungen und Kaffeesatz-Prognosen des Arbeitsmarktes zu „Trügerischen Botschaften„.

Zu allzu viel Selbstlob besteht für die Bundesregierung aber kein Anlass. Bis zur Vollbeschäftigung gibt es noch viel zu tun.

Es ist Zeit für eine Agenda 2020.

Man erklärt, dass die allseits prophezeite „Vollbeschäftigung“ nur dann erreicht werden kann, wenn der „bevorstehende Arbeitskräftemangel“ frühzeitig durch noch mehr „Fordern statt Fördern“ gegenüber den faulen HartzIV-Schmarotzern verhindert wird.

Beim „Thema Agenda 2020“ der Sueddeutschen tauchen dann auch wieder bekannte „Reformer“ wie z.B. Hotte Köhler oder auch DIW-Chef Zimmermann auf, welcher gern mal eine 25% Mehrwertsteuer und eine „Rente mit 70 oder mehr“ fordert.

#10 Kein „Basisgeld“

Die Umbenennung des Alg 2 in „Basisgeld“ wird wohl nicht kommen.

Frau Merkel möchte den Status beibehalten, dass „HartzIV“ weiterhin mit der sog. „SPD“ in Verbindung gebracht wird.

Sie scheint von den völlig unschuldig dreinblickenden Grünen gelernt zu haben.

Die „Bildungs-Chipkarte“ wird wohl auch ein Reinfall, da es noch einige Jahre dauern kann, bis die EU-weite Ausschreibung des Konzeptes erfolgt ist und man einen Weg gefunden hat, die Infrastruktur unter Umgehung geltender Gesetze dem „Arvato“-Dienstleister von Bertelsmann zu überlassen.

Damit die hochkompetente Leyendarstellerin mit ihrem Hang zu abenteuerlichen Behauptungen doch noch einen „Erfolg“ verzeichnen kann, wird es wohl „nur“ bei einer Küruung der neuen „Leyengabe“ ab 2011 bleiben.

Sie hat ja schon im Bundestag betont, wie wichtig ihr das „Lohnabstandsgebot“ bei der Neuberechnung ist.

Sahras Antwort:

http://www.youtube.com/watch?v=LU3Hd04qq38

Update

Das Bundesmerkel in WELT:

Wir haben die Krise gemeinsam gemeistert

Ohnehin ist zu bedenken, dass im Zuge der Konjunkturstabilisierung die Bundesschulden in diesem Jahr eine neue Rekordhöhe erreichen werden.

Nicht etwa die 150.000.000.000 Euro für die Gläubigerbanken der HRE und andere Vertreter des Kapitalisten- und Spekulantenpacks…neee: „die teuren und nutzlosen Konjunkturprogramme sind an allem Schuld!

Der Rest ihres stinkenden Eigenlobes kann man sich schenken, falls man keine Blutdrucksenker griffbereit hat.

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4 Kommentare - “Lug und Trug – Update”


  1. […] Verfasst  von wareluege […]


  2. […] Ware Lüge (lesen!) Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Politisches und mit Lobbyismus, Notleidende […]

  3. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-09-20…

    FDP will Arbeitslosengeld-Kürzungen bei über 50-Jährigen Neuberechnung: Von der Leyen will Hartz-IV an Löhne koppeln Wenn das Geld nicht mehr für die Miete reicht Nur 9,2 Prozent der 63-Jährigen haben eine Vollzeitbeschäftigung Keine Bafög-Erhöhung zu…


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