Experte Klodt

In der rechtsdrehenden ZEIT darf der IFW-Experte Henning Klodt mal so richtig zeigen, was man heute unter „Wirtschaftswissenschaft“ versteht.

Das IfW (Institut für Weltwirtschaft in Kiel) gehört zu den führenden neoliberalen Propagandaeinrichtungen. Präsident des IfW ist Dennis Snower, welcher stets durch chronische Inkompetenz auffällt.

Am 22. Juli 2010 haben Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker in der ZEIT erklärt, warum das jahrelange Festhalten an der Exportfixierung zwangsläufig zu Krisen führt und weshalb es so wichtig ist, durch höhere Löhne den lohndumping-angetriebenen Export zu bremsen und eine stabile Binnenwirtschaft zu etablieren.

Selbstverständlich kann es die INSM-Propagadapostille nicht lassen, Flassbeck als „linken Ökonomen“ zu bezeichnen.

Nun gut…Schwamm drüber.

Der Beitrag von Flassbeck und Spiecker sorgt im neoliberalen Expertenclub für helle Empörung. So sah sich das IfW Kiel dazu ermutigt, seinen Leiter des Zentrums für Wirtschaftspolitik, Henning Klodt, an die Front zu schicken.

Experte Klodt ist kaum bekannt, da seine Weisheiten selbst den neoliberalsten Medien zu blöd sind.

In der ZEIT schreibt er nun als „Antwort“:

Wir haben kein Lohnproblem!

Es stimmt: Deutschland darf sich nicht auf den Export verlassen.

Doch Wachstum entsteht nicht durch höhere Löhne, sondern über mehr Bildung.

Soso… ergibt das einen Sinn? Mal sehen:

Die Gewerkschaften gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr, seit im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung der Organisationsgrad (…) dramatisch gesunken ist.

Warum das so ist…scheinbar hat der Herr Experte keine Ahnung. Ihm langt die bloße Feststellung.

Und auch die Regierung ist weder willens noch in der Lage, den lohnpolitischen Kurs vorzugeben.

Gott sei Dank! Seit 5 Jahren quält mich der furchtbare Alptraum, ein gewisser VW-Personalchef hätte sich beim Rumhuren in Brasilien irgendwelche „Arbeitsmarktreformen“ ausgedacht, um mit gesetzlicher Armut und Sanktionen das Lohnniveau abstürzen zu lassen.

Nur ein böser Alptraum…schließlich sagt mir der Herr Experte, dass es eine solche Regierung in Deutschland nicht gibt und auch nie gegeben hat.

Und dies hat nichts mit schlaffen Gewerkschaften oder unternehmerfreundlichen Regierungen zu tun, sondern mit Hartz IV.

Oh Gott! Doch kein Alptraum!

Die Hartz-Gesetze haben also einen neuen Niedriglohnsektor geschaffen, in dem „viele neue Arbeitsplätze“ entstanden sind.

Und das auch noch ganz ohne schlaffe Gewerkschaften oder unternehmerfreundliche Regierungen?

Wie konnte es dann zu solchen Gesetzen kommen? Möchte der Herr Experte Klodt mir etwa erzählen, der Gott „Globalisierung“ hätte Peter Hartz mit den Hartz-Geboten auf Steintafeln zum Genossen der Bosse „SPD“-Bundeskanzler geschickt?

Und wieder tischt uns ein „Experte“ die 10 Jahre alte Story von den „alternativlosen Reformen“ auf.

Die tief greifenden Reformen im Sozialbereich haben eine derart weitreichende Reintegration ehemaliger Problemgruppen in den Arbeitsmarkt bewirkt

Der Kern des Pudels, wie Goethe sagen würde.

Nicht etwa ein Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft hat Arbeitsplätze geschaffen, sondern die „Reform des Sozialstaates“.

Wie geht sowas? Indem man den Sozialbereich derart wegkürzt, dass bezahlte Arbeit wie auch Arbeitnehmerrechte zum Ausnahmefall werden. Dann kann man nicht nur echte Arbeitsplätze durch Teilzeit- und Leiharbeit ersetzen, sondern auch noch fröhlich an den Statistiken herummanipulieren.

Und schon werden die Hartz-Reformen verschiedener nicht-unternehmerfreundlichen Regierungen zum „Erfolgsmodell“. Hurra!

Doch der Abbau der strukturellen Arbeitslosigkeit in Deutschland vollzog sich (aus Gründen, die nicht zuletzt bei der Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen zu suchen sind) in erster Linie durch eine Ausweitung des Niedriglohnsegments.

Strukturelle Arbeitslosigkeit wurde abgebaut? Und warum stieg sie in einer Konjunkturkrise derart an, das man (fast unbegrenzt) Kurzarbeit ermöglicht hat?

Ohne diese Kurzarbeit-Aktion von CDU und „SPD“ wäre das eigentliche Konjunkturproblem der Nicht-Exportwirtschaft offen erkennbar geworden. Und das durfte nicht passieren.

Wir haben ja schließlich Strukturprobleme, nicht wahr?

(aus Gründen, die nicht zuletzt bei der Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen zu suchen sind)

Na sicher doch. Arbeitslose sind alle ungebildet und unqualifiziert. Zumindest die große Mehrheit von knapp 15% der HartzIV-Sozialschmarotzer.😀

Die Ausweitung des Niedriglohnsektors konnte natürlich nicht ohne Konsequenzen für die Produktivitätsstrukturen bleiben.

Ursache und Wirkung…

Der Herr Experte ist also der Meinung, dass man vom Lohnniveau eines Arbeitnehmers auf seine Qualifikation schließen könne… selten so gelacht!😀

Dank der gottgegebenen Hartz-Gesetze ist es auch für Höchstqualifizierte zumutbar (unter Androhung existenzgefährdender Strafen), seine volle Qualifikation und damit Produktivität in einen Hungerlohnarbeitsplatz einzubringen.

Huhn und Ei des Experten Klodt: Aus dem Einkommen schlussfolgert er eine geringe Qualifikation, welche er dann als Legitimation für das geringe Einkommen benutzt.

Nennenswerte Qualifikationsansprüche scheint das IfW Kiel an seine Direktoren nicht zu stellen.🙂

Sie übersehen, dass eine expansive Lohnpolitik in Deutschland an der Grundkonstellation in den Schuldenländern gar nichts ändern würde. Sie würde zwar die deutschen Exporte bremsen, aber die Vorstellung, dadurch würden die griechischen Exporte quasi automatisch steigen, ist in einer global verflochtenen Weltwirtschaft mehr als naiv.

Wer hier wohl naiv ist…

Es ist durchaus richtig, das steigende Löhne in Deutschland nicht automatisch zu höheren Importen aus Griechenland führen.

Aaaaaber: Der Herr Experte Klodt ignoriert schlicht die Auswirkungen auf den Euro-Wert.

Der künstlich „stark“ gehaltene Euro macht es den Griechen nahezu unmöglich, zu kostendeckenden Preisen zu exportieren. Egal wohin auf dieser Welt.

Und der Nicht-Euroraum-Tourismus (externe Geldquelle!) kommt mit zunehmender Euro-Stärke völlig zum Erliegen.

Wenn die Vereinigten Staaten ihr Defizit in den Griff bekommen und der chinesische Nachfragesog nach deutschen Investitionsgütern nachlässt, wird die deutsche Wirtschaft automatisch geringere Exportüberschüsse erzielen.

Und dann? Was passiert wohl mit dem Heiligen Wachstum, wenn die Exporte in absehbarer Zeit wieder auf 2009er Niveau abstürzen?

Mal sehen, was der Experte sagt:

Wenn die Exportüberschüsse zurückgehen, wird die wirtschaftliche Dynamik nicht mehr im gleichen Maße wie früher vom industriellen Sektor ausgehen können.

Zumindest diese Erkenntnis hat sich schon zum IfW ausgebreitet. Grund zur Hoffnung?

Natürlich nicht:

Stattdessen wird der an der Binnennachfrage orientierte Dienstleistungssektor in den Vordergrund rücken – insbesondere die modernen, von den Informations- und Kommunikationstechnologien geprägten unternehmensnahen Dienstleistungen.

Hmmm… das ergibt schon wieder keinen Sinn.

Wenn die Exporte (wieder) einbrechen, ist in Wirtschaft und Politik erstmal „Sparen!“ angesagt.

Wer sollte da noch irgendwelche Dienstleistungen in Anspruch nehmen? Man denke nur mal an das Schicksal der unternehmensnahen Dienstleistung Leiharbeit zu Beginn der Krise.

Selbige wurden schneller storniert, als die Sklaventreiber die Kündigungen verschicken konnten!

Manchen „Experten“ ist in ihren Wahnvorstellungen und ihrem Aberglauben wirklich nicht mehr zu helfen…

Wie dagegen die von Flassbeck und Spiecker empfohlene Strategie, auf breiter Front die Löhne zu erhöhen, diesen Strukturwandel befördern soll, ist schwer nachvollziehbar.

Klar…die Realität ist für einen IfW-Experten natürlich völlig unverständlich. Erst Recht, wenn sie nicht zu seinen „Theorien“ passt.

Erklärbär für IfW-Experten:

Jeder Strukturwandel (z.B. die Industrialisierung vor 150 Jahren) wird ausgelöst durch Nachfrage.

Erst als die Nachfrage die Produktion der Manufakturen überstieg, wurde in industrielle Dampfmaschinen und Elektrizität investiert.

Auch der Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft (ich habe allerdings erhebliche Zweifel daran) kann nur durch Nachfrage nach Dienstleistungen in Gang gesetzt werden, nicht durch krisenbedingten Rückgang der Industrieproduktion.

Nur… wer sollte derartige Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wenn die Konten und Taschen der unteren 90% der Bevölkerung bereits durch die Industriebesitzer geleert wurden?

Was der „Leiter des Zentrums für Wirtschaftspolitik“ beim IfW bis heute nicht kapiert hat:

Die Nachfrage schafft das Angebot, nicht umgekehrt. Das ist noch nie anders gewesen.

Wozu sollte ich etwas anbieten, was niemand haben will, Herr „Experte“ Klodt?

Welche Dienstleistungen wird der Industriesektor Maschinenbau der Bevölkerung wohl anbieten, wenn es tatsächlich zu einem „Strukturwandel“ von der Industrie hin zu Dienstleistungen käme?

Die letzte Epoche derartiger „unternehmensnaher Dienstleistungen“ bestand übrigens aus Tagelöhnern im goldenen Mittelalter.😉

Eine Erklärung, wie man Wachstum nicht durch höhere Löhne, sondern nur durch höhere Bildung erreichen will, habe ich übrigens nicht gefunden.

Stattdessen nur Lobgesang auf angeblich „geringqualifizierte“ Tage- und Hungerlöhner.

Ja was denn nun, Herr „Experte“?

Sie vertrauen offensichtlich weiterhin darauf, mit Hilfe der Hartz-Gesetze des Kapitalistenregimes aus gut- und hochqualifiziertem „Humankapital“ von Sozialleistungen abhängige Niedriglöhner machen zu können.

Wie sagte doch gleich der INSM-Erfinder Kannegießer in derselben ZEIT?

„Sozial ist, was Arbeit schafft“

( © NSDAP 1932)

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2 Kommentare - “Experte Klodt”

  1. Flying Circus Says:

    Hähä. Sehr schön.

    Aber hey, das mit Angebot und Nachfrage haben doch auch ganz andere nicht realisiert (oder kapiert), siehe ein angesehener Professor für Ökonomie, der Konsum (mit anderen Worten: Nachfrage!) sogar als „schädlich“ bezeichnet.
    Daß sich letztlich alle Transaktionen auf die Endverbraucherebene zurückführen lassen, wird da ausgeblendet. Nach uns die Sintflut.

  2. wareluege Says:

    Ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt…
    Erstmal erscheint es mir wichtig zu zeigen, DAS etwas gewaltig schiefläuft.
    Wenn das erkannt wurde, kann man nach den Gründen fragen. Dies wäre dann…die Systemfrage.
    Aber zuerst muss klargestellt werden, das es tatsächlich einen Änderungsbedarf gibt.😉


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