Peers Märchenstunde

Der angebliche „Krisenmanager“ Steinbrück (sog. „SPD“) hat sich mal wieder in die Öffentlichkeit getraut und der ARD ein Interview gegeben.

Eine halbe Stunde lang gab ihm Stephan Lamby* vom NDR Gelegenheit, sich zu merkwürdig seichten Fragen passende Helden-Legenden auszudenken.

Allein der Titel

Steinbrücks Blick in den Abgrund – Macht und Ohnmacht eines Krisenmanagers

ist schon eine pure Provokation der Realität.

Am „Abgrund“ standen lediglich ein paar Zockerbanken und ihre Aktionäre, welche mit Hilfe von Merkel und Steinbrück 2008 die Macht bekamen, ein ganzes Land in Geiselhaft zu nehmen, um die Erstattung ihrer „Verluste“ zu erpressen.

Ebenso zynisch ist es, Steinbrück als „Krisenmanager“ zu bezeichnen.

Sein einziges „Management“ bestand von Oktober 2008 bis September 2009 ausschließlich darin, Ackermann & Konsorten die Stiefel zu lecken (Jörg Asmussen half natürlich dabei) und der Bevölkerung einzureden, die „Bankenrettung“ würde dem Gemeinwohl dienen.

Wesentlich dienlicher wäre es gewesen, den Banken klarzumachen, dass das neumoderne Prinzip der „Eigenverantwortung“ auch für die Reichen zu gelten hat.

• Zur Rentengarantie (Mai 2009): „Einer meiner schwersten Fehler. Ich hätte nicht mitmachen dürfen. Das war ein Tabubruch.“ „Im Sinne der Generationsgerechtigkeit eine falsche Entscheidung.”

Papagei! Kaum wird angesichts Merkelscher Sparpläne die Rentengarantie in Frage gestellt von Wirtschaft und Brüderle, tut Steinbrück mal wieder so, als wäre er schon immer dagegen gewesen.

Dabei beruft er sich ausgerechnet auf die Phrase „Generationengerechtigkeit“!

Der Mann hat bis heute nicht begriffen, das er selbst Junge und Alte dieser Generation zum Freiwild der Oberen Zehntausend gemacht hat.

Er und sein (noch amtierender!) Staatsekretär Jörg Asmussen haben doch alles unternommen, um aus diesem Staat einen Selbstbedienungsladen für die Reichen zu machen.

Hat Steinbrück etwa schon seine eigene Steuersenkungspolitik vergessen? Oder seinen heldenhaften Einsatz für Entbürokratisierung und Deregulierung der Finanzindustrie?

Zur Staatshilfe für Opel: „Das war eine strategische Fehleinschätzung der SPD.“ „Die Menschen reagierten nicht in der erwarteten Solidarhaltung der SPD, sondern als Steuerzahler. Als Steuerzahler fiel ihnen ein: Warum sollen wir ein solches Unternehmen retten?”

Ein klassisches Eigentor.

Es wäre die fundamentalste Aufgabe der sog. „SPD“ gewesen, sich den Medien und der FDP entgegenzustellen und die Menschen aufzufordern, solidarisch zu denken und nicht nur im Sinne der Meinungspropaganda der Marktfetischisten.

Aber was hat diese „SPD“ getan? Vor der BILD kapituliert…so wie immer seit der Machtübernahme Schröders.

Zum Krisenmanagement im Oktober 2008, dem TV-Auftritt mit der Kanzlerin („Spareinlagen sind sicher“): „Angst hatte ich nicht, aber – mehr als ich bereit war zuzugeben – die Vorstellung, dass das eine sehr riskante Operation ist. Die Bundesregierung hätte damals zum Bundestag gehen müssen und sich eine parlamentarische Bewilligung abholen müssen.“

Ahja… Merkel und Steinbrück haben als Bundesregierung die Bevölkerung also schamlos belogen. Und sowas nennen diese Leute auch noch „Demokratie“.

Bis heute (!) gibt es keinen Beschluss des Bundestages, irgendwelche Sparbücher abzusichern.

Abgesichert sind (wie könnte es anders sein?) keine Spar,- sondern ausschließlich Geldanlagen von Aktionären, Spekulanten und „Investoren“.

Da bleibt halt nichts übrig für den altersvorsorgesparenden Pöbel. Das war auch nie vorgesehen.

Schließlich ist im Kapitalismus die Politik den Kapitalbesitzern verpflichtet…

Zur Staatsverschuldung von 1,7 Billionen Euro: „Die Höhe dieser Zahl macht mir Angst. Gemessen auch an unserer Wirtschaftsleistung.”

Kein Widerspruch von Steinbrück zu der aktuellen Legende, diese Staatsschulden wären durch den „Sozialstaat“ entstanden unter völliger Ausblendung der Bankenrettungen 2008 und 2009.

„International hätten wir schneller und rigider handeln müssen. Da haben wir uns zu viel Zeit genommen.“

Ein schnelleres Handeln war allerdings absichtlich nicht gewünscht. Die deutschen Kapitalbesitzer haben darauf spekuliert, sich erstmal an den Bankenrettungen anderer Länder bereichern zu können.

Aber nachdem die USA Lehman fallen ließ und auch die Isländer ausländische Ansprüche mit einem „No!“ zurückgewiesen haben, hatte Steinbrück gar keine andere Wahl, als den Banken freien Zugang zur Steuerkasse zu gewähren.

„Die Märkte sind sehr mächtig. Die Märkte steuern im Augenblick die Politik. Oder andersrum: Die Politik trabt den Entwicklungen hinterher.“

Das kann nur am Wetter liegen. Ganz sicher.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das ein „Krisenmanager“ wie Steinbrück je eine Finanzpolitik machen würde, mit der die Finanzmärkte derart dereguliert werden, dass….neee…unvorstellbar!

Steinbrück hat bis heute nicht begriffen, das er selbst und höchstpersönlich massiven Anteil an der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat.

Er spielt heute in den Medien das Unschuldslamm als „Opfer der Sachzwänge“, welche er selbst zu verantworten hat.

Das ist auch wichtig: Nur so kann er der sog. „SPD“ dabei helfen, die Aufarbeitung der Vergangenheit der letzten 10 Jahre zu verhindern und gleichzeitig weiter an der Legende festhalten, „die Finanzmärkte“ seien irgendein übernatürliches Wesen, welches Politik und Gesellschaft wie ein übermächtiges Raubtier unterworfen hat.

Das es diese Art von „Finanzmärkten“ ohne tatkräftige Unterstützung von „SPD“, Grünen, CDU und FDP überhaupt nicht geben würde…muss ja keiner wissen, nicht wahr?

Lustig ist auch der neoliberale Dummschwätzer Reinhard Mohr vom ehemaligen Nachrichtenmagazin.

Er macht sich so seine ganz eigenen Gedanken über dieses Interview:

Ist der Rückblick auf die Krisenjahre 2008/2009 schon eigentümlich fremd und zeitentrückt, so wirkt das künstlich aufrechterhaltene Tremolo von Absturz, Depression und Dauerkrise im Angesicht der guten Zahlen aus der Wirtschaft noch unangemessener, fast wie eine Inszenierung.

Genau! Die Krise ist abgehakt und es gibt aktuell einen sagenhaften Aufschwung! Hurra!

Nunja…der Aufschwung ist tatsächlich nur eine Sage…aber was solls.

Das bis heute nichts (rein garnichts) getan wurde, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern…wen stört das schon in diesem aktuellen Super-Wirtschaftwunder 2010?

Es ist Herrn Mohr lesbar unangenehm, mit diesem Steinbrück-Interview wieder an die Ex-Krise erinnert zu werden. Schließlich soll der dumme Pöbel doch „nach vorn blicken“!

Natürlich hatte Peer Steinbrück keine Angst, sondern Arbeitsdruck und Dauerstress angesichts der „riskanten Operation“ an der wackelnden Bettstatt des globalen Finanzkapitalismus.

Kein Wort darüber, wie Herr Mohr als Kampagnenjournalist (intern) selbst jahrelang die Heiligkeit und Unfehlbarkeit „der Märkte“ gepredigt hat. Alle Warnungen vor dem Finanzmarktkapitalismus kamen für ihn stets von „Sozialnostalgikern“, „Reformverweigerern“ oder Notfalls schlicht von „Alt-Stalinisten“.

Er ist genauso „Opfer“ wie Steinbrück.

Der mit der Angela auf dem Vulkan tanzte und dabei jenes Dreamteam der deutschen Krisenbewältigung bildete, das am 5. Oktober 2008 den verängstigten Bürgern hoch und heilig versicherte: „Ihre Einlagen sind sicher!“

Kein Wort darüber, dass Merkel und Steinbrück einfach nur gelogen haben. Kein Wort darüber, wer die Musik gespielt hat, nach der Merkel und Steinbrück „auf dem Vulkan tanzten“.

Noch einmal werden uns jene Tage in Erinnerung gerufen, da das ganze Banken- und Finanzsystem zusammenzubrechen drohte,

Es stand nie ein „Zusammenbruch“ bevor. Der Schmierfink vom ehemaligen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hält heute noch an der Weltuntergangslegende der Zocker und Spekulanten fest.

Dabei hat allein schon die Existenz von öffentlichen Sparkassen und Genossenschaftsbanken ausgereicht, um einen solchen „allumfassenden“ Zusammenbruch zu verhindern.

Das wird wohl auch der Grund sein, weshalb die Lobbyisten in diversen „EU-Kommissionen“ plötzlich so sehr darauf bestehen, diese Sparkassen und Genossenschaftsbanken unbedingt privatisieren zu müssen.

Alternativlos eben…

Angesichts dieser düsteren Aussichten können die Fernsehzuschauer und Gebührenzahler schon froh sein, dass Steinbrück auch im Nachhinein bekennt, niemals nicht bewusst gelogen zu haben – jedenfalls soweit er sich erinnere.

Derart schwache Erinnerungen findet man sonst nur nach einer Total-Lobotomie.😀

Selbst Altzheimer-Patienten haben noch einen gewissen Rest Erinnerungsvermögen an die Realität. Peer Steinbrück und Reinhard Mohr jedenfalls nicht.

„Selektive Informationen“ – das ja. Man muss den Leuten ja nicht immer die Wahrheit in ihrer ganzen Schärfe an den Kopf schleudern.

Genau! Wozu etwas leugnen, was eh schon jahrelang offensichtlich ist, Herr „Journalist“.

„Selektive Informationen“… das Geschäftsmodell der heutigen „freien und unabhängigen Presse“.

Irgendwann verrät sich jeder Lügner selbst, Herr Mohr!😀

Was soll man sagen? Die Schwarzmaler haben sich geirrt. Wieder einmal.

Hmmm…welche „Schwarzmaler“?

Etwa jene, welche Anfang  2008 vom DIW über das IW Köln bis hin zum UnSinn des Ifo-Institutes für 2009 und 2010 „Vollbeschäftigug“ aus ihrem Kaffeesatz herausgelesen haben?

Nur aufgrund der exorbitanten Profite der Casino-Spekulanten?

Die gleichen „wirtschaftsweisen“ Wahrsager reden heute schon wieder dummes Zeug von „Partylaune im Aufschwung“.

Es waren die angeprangerten „Schwarzmaler“ von Lafontaine bis Bofinger, welche heute ohne zu lügen sagen können „Wir haben Recht gehabt!“.

Alle anderen „Experten“ sind als Lügner, Heuchler und Hochstapler erst wieder ab Mai 2010 unter ihren Steinen hervorgekrochen.

Stephan Lamby

Der „Journalist“, welcher das Steinbrück-Interview führte, ist (natürlich) kein echter „Journalist“.

Er ist vielmehr preisgekrönter Lobbyist für…die Finanzindustrie!

Am 19. Januar 2010 erhielt Lamby den „Medienpreis der Initiative Finanzstandort Deutschland„.

Diese Lobbyorganistation wird getragen von bekannten gemeinnützigen und wohltätigen Unternehmen:

  • Allianz AG
  • bankenverband
  • Bayern LB
  • Commerzbank
  • DekaBank
  • Deutsche Bank
  • Deutsche Börse
  • Deutsche Bundesbank
  • Gemeinschaft der Deutschen Versicherer
  • HypoVereinsbank
  • Morgan Stanley
  • Münchner Rück
  • Postbank
  • Goldman Sachs
  • J.P. Morgan

Stephan Lamby bekam diesen „Medienpreis“ für seine Doku-Show „Retter in Not. Wie Politiker die Krise bändigen wollen„.

Der FAZ-Herausgeber Holger Steltzner (Jury-Vorsitzender) erklärte den inhaltlich wie technisch exzellenten Film mit folgenden Worten:

Der Film zeigt die wichtigsten Entscheidungsträger aus Politik und Finanzwirtschaft bei ihrem Versuch, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Lamby dokumentiert dies aus nächster Nähe und sehr authentisch. Ihm ist es gelungen, einen hervorragenden Beitrag am Puls der Zeit zu produzieren, der das dominierende Thema des Jahres 2009 – zur Rolle und Verantwortung des Staates in der Finanzkrise – im Kern trifft.“

Niemand hat je den Versuch unternommen, die Akteure der Finanzkrise irgendwie zu „bändigen“.

Man hat der Öffentlichkeit ein Theaterstück vorgeführt und Lamby hat dabei tatkräftig geholfen.

Merkel und Steinbrück (sowie ihre Auftraggeber) haben jede Form von Regulierung stets auf die „globale Ebene“ verschoben im Wissen darüber, dass man niemals eine internationale Finanzmarktregulierung gegen die USA u.a. durchsetzen könne.

Selbst Versuche einer Regulierung auf nationaler bzw. EU-Ebene wurden von Merkel und Steinbrück konsequent abgelehnt.

Was zur Hölle hat Lamby da „dokumentiert“?

Für die Dokumentation der Realität hätte er ganz sicher keinen „Medienpreis“ der „Initiative Finanzstandort Deutschland“ bekommen. Ganz sicher nicht…

An der Jury waren beteiligt:

FAZ, Axel- Springer AG, Focus, Börsenzeitung, Deutsche Bank sowie (ich trau mich kaum es zu sagen…) diverse „Kooperationspartner“ der bekannten und beliebten INSM.

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2 Kommentare - “Peers Märchenstunde”

  1. landbewohner Says:

    noch ärgerlicher ist das ganze, wenn man bedenkt, daß man für diesen dreck (die sendung und die darinenthaltene lügenpropaganda) auch noch zwangsbeiträge (gez) zahlen soll oder muss.
    den
    den „stürmer“ musste man damals nicht kaufen.

  2. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-08-05…

    Westerwelle: Gezieltes Töten erhöht Deutschlands Sicherheit Energiekonzerne unter Druck: Parlament prüft Machtmissbrauch bei Strompreisen Umweltminister Röttgen (CDU) lässt Sicherheit von Gorleben durch Atomindustrie bewerten Exportstärke keine Überleg…


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