sieben

Sieben (in Worten 7) Tabs habe ich gerade geöffnet.

Geladen sind die Seiten vom Focus, der WELT, vom Stern, von der Sueddeutschen, der FAZ, der ZEIT und selbstverständlich vom Stürmer…ääähhmmm…der BILD.

1: Focus

Top-Thema des FDP-gesteuerten Focus ist natürlich Superstar Brüderle.

Der von jeglichen Skrupeln und Kompetenzen befreite „Bundeswirtschaftsminister“ ist gerade zum Helden seiner Versicherungsbranche aufgestiegen, weil die anderen Realitätsverweigerer in den Sommerurlaub abgetaucht sind.

Wie hätte er auch sonst aufsteigen können? 🙂

Natürlich will er mal wieder die sog. „Rentengarantie“ abschaffen mit dem „ordnungspolitischen“ Pseudoargument: „Wenn in der Krise die Löhne fallen, müssen die Renten eben hinterherstürzen!“.

Selbstverständlich in völliger Ignoranz der Tatsache, dass die Lebenshaltungskosten nicht zusammen mit den Löhnen fallen und die Kürzung der Löhne ausschließlich auf das Konto der Kurzarbeit und nicht der Tarifverträge geht.

Zur Unterstützuzng der verfassungswidrigen Aktivitäten des Brüderle holt der Focus wieder die einschlägig bekannten „Experten“ aus der neoliberalen Mottenkiste im Artikel: Brüderle erntet Lob für Streichpläne hervor.

Nanu? Streichpläne? Ich hatte bisher nur vernommen, das Brüderle die Renten kürzen wolle…

Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen gab Brüderle recht. „Die Einführung der Rentengarantie durch die große Koalition war unnötig und unsolidarisch. Die Abschaffung wäre das Beste im Sinne der Generationengerechtigkeit“, sagte er.

„Die Senioren profitieren nun in guten Zeiten wie die Erwerbstätigen. Sie müssen bei Minusrunden der Löhne aber keine Einbußen hinnehmen.“

Nur zur Erinnerung: In den „guten Zeiten“ beschloss man ständige Kürzungen mit Nullrunden und dem „Nachhaltigskeitsfaktor“ des „Rentenexperten“ Riester. Nicht zu vergessen die zwangsweise Frühverrentung von Arbeitslosen mit ca. 20%-Kürzung sowie die 67er-Rente.

Der Direktor des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Ulrich Blum, lobte ebenfalls Brüderles Forderung. „Da hat endlich jemand zur Vernunft zurück gefunden“, sagte Blum der „Mitteldeutschen Zeitung“. Die Rentengarantie sei „eine Panikreaktion in der Wirtschaftskrise gewesen, die durch nichts zu rechtfertigen war“

Jaja… Ulrich Blum mal wieder.

Unglaublich, welcher Unfug heutzutage öffentlich als „vernünftig“ bezeichnet werden darf….

In einem weiteren Artikel lässt der Focus auch noch den „Experten“ Reinhold Schnabel.

Gibt man „Reinhold Schnabel“ in eine Suchmaschine ein, findet man folgenden Treffer:

INSM-Studie mahnt zu Reformen: Eine Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung (GPV) wird immer drängender. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das Professor Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen über „Die Situation der Pflege bis zum Jahr 2050“ für die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ angefertigt hat. (INSM)

Der Schnabel der INSM sagt dem Focus:

Dann allerdings soll sich niemand beschweren, wenn der Rentenbeitrag in 20 Jahren bei 24 Prozent steht.

Ich kann Herrn Schnabel verbindlich garantieren, dass sich niemand beschweren wird.

Heute schon kostet die Rente den Arbeitnehmer 10% + 5% Riester + 5% betrieblich somit satte 20% AN-Anteil. Zusammen mit den Arbeitgebern (heute noch teilnehmend) kommt man im Jahr 2010 auf eine Rentenversicherung von 30%. Wie schön wären da doch nur 24%…

2: WELT

In Springers WELT darf sich Frau Siems mal wieder lauthals der Legende Mindestlöhne vernichten nur Arbeitsplätze widmen.

Naja…Sommerloch halt.

Der Staat sollte sich deshalb besser aus der Tarifpolitik heraushalten und Lohnabschlüsse nicht für allgemein verbindlich erklären.

Wo war diese Forderung, als „der Staat“ in einer ganz großen Vierparteienkoalition die Hartz-Gesetze beschlossen hat?

Gesetze, welche es dem Bürger bei Strafe verbieten, eine Arbeit unterhalb des Marktlohnes (=Lebenshaltungskosten) abzulehnen?

Der Solidargemeinschaft ist es durchaus zuzumuten, niedrige Löhne aufzustocken.

Achneee… DAS kann man der „Solidargemeinschaft“ also reinen Gewissens zumuten?

Alle anderen „Zumutungen“ (Erhöhung von HartzIV und Renten etc) sind hingegen „unzumutbarer Sozialismus“.

3: Stern

Auch die Bertelsmann-Postille STERN befasst sich mit den üblichen Propagandalügen:

Immer weniger aktive Arbeitnehmer müssen immer mehr Rentner finanzieren. Die Kinder werden immer weniger, die immer älter werdenden Alten immer mehr. Die Zahl der über Sechzigjährigen wird im Jahr 2040 rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen

Ahja…in 30 Jahren also.

Dann wären noch mindestens 20 Jahre Zeit für eine Reform, welche dazu führt, dass man sich 10 Jahre später wieder traut, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen.

Aber ob es die Linke in den nächsten 20 Jahren zu einer absoluten Mehrheit im Bundestag schafft?

Wie aber soll das System unserer Altersversorgung diese demografische Revolution verkraften? Im Prinzip nur durch Verlängerung der Lebensarbeitszeit noch über 67 Jahre hinaus.

Boah ey! Nach der Legende „Demografisches Problem“ kommt nun die Steigerung „Demografische Revolution“!

Alle Mann in Deckung!

Aber der Herr Schütz vom Stern hat völlig Recht: Wir brauchen ein Renteneintrittsalter von mindestens 75 Jahren.

Spätestens 2040! Nanu…schon wieder diese ominöse Jahreszahl?

Spätestens nach der Sommerpause wird „Rentenexperte“ Raffelhüschen den hochwissenschaftlichen Nachweis erbringen, dass Zeit und Raum in den nächsten 30 Jahren zum Stillstand kommen. Nur die Demografie macht eine Ausnahme.

Wir werden in 30 Jahren also immer noch 6 Mio Arbeitslose haben, in 30 Jahren wird immer noch mit den Mitteln und Methoden gearbeitet wie heute und natürlich wird es in den nächsten 30 Jahren auch keine neuen Tarifverträge oder Mindestlöhne geben.

Es ist ja auch nicht zu erwarten, dass es innerhalb von 30 Jahren zu irgendwelchen Veränderungen kommen könnte.

Oder ist etwa irgendwas zwischen 1900 und 1930, zwischen 1930 und 1960 oder zwischen 1960 und 1990 tiefgreifendes passiert? Na also…auf zur Rente mit 95! 😀

4: Sueddeutsche

Bei der bayrischen Sueddeutschen macht sich Marktprediger Marc Beise mal in einem Video voll zum Löffel.

Er bewertet die „relevanten“ Politiker der Regierung. Typisch für ihn: „relevant“ bedeutet nichts anderes als „wirtschaftsrelevant“, was er auch gleich am Beginn zugibt.

1. Merkel

Marc Beise verbreitet heute immer noch das Merkel-Märchen, unsere Bundesmarionette hätte sich „international wie auch europäisch“ für eine Finanzmarktregulierung eingesetzt und dafür gekämpft. haha…

Zumindest gibt er zu, dass Merkels schwarz-gelbe Regierungskoaltion ein einziger regierungs- und politikunfähiger Sauhaufen ist.

2. Schäuble

Schäuble ein „Finanzfachmann“! Ich hau mich weg…

3. Westerwelle

Guido wer?

4. Brüderle

Schwachstarter…aber heute ein „Ordnungspolitiker“.

Interessant, wie Beise den dummen Brüderle zum „Gewinner“ aufpustet. 😀

Angeblich wurde die Bevölkerungsüberwachung mit „Elena“ von Brüderle aus Gründen des Datenschutzes gestoppt.

Brüderle als Bürgerrechtler! Selten so gelacht! Marc Beise hätte vielleicht mal zuhören sollen: Dem Staatsfeind Brüderle ging es nicht um die Bürger, sondern wie immer um die Kosten für die „Arbeitgeber“.

5: FAZ

Die FAZ der hessischen CDU befasst sich mit einer DIW-Studie, nach der der Anteil der Mittelschicht von 64% auf 61,5% in den letzten 10 Jahren gesunken ist.

Und weil nicht sein kann was nicht sein darf…

Da kommt der „Soziologe“ (im Auftrag der INSM und der Deutschen Bank) Meinhard Miegel zu Wort und leugnet erstmal alles.

Nicht die Mittelschicht stürzt ab, sondern die Geringverdiener werden einfach nur mehr.

Woher diese Geringverdiener kommen, hat nicht zu interessieren.

Miegel hat die sozioökonomischen Daten, die das DIW für seine Studien erhebt, selbst ausgewertet und kam zu dem Ergebnis, dass von 4,1 Millionen zusätzlichen Personen in der untersten Einkommensschicht etwa 2,9 Millionen einen Migrationshintergrund haben.

Haben Ostdeutsche wie ich eigentlich auch einen „Migrationshintergrund“?

Schließlich wurde ich ja 1990 eingewandert von Kohl und der Ost-CDU-Misere… 🙂

6: Zeit

Deutsche mit wenig Lust aufs Kinderkriegen

Deutschland ist Schlusslicht in puncto Geburtenrate: In keinem europäischen Land wurden 2009 so wenig Kinder geboren.

Wie war das noch gleich mit der „einmaligen Erfolgsgeschichte“ des einkommenabhängigen Elterngeldes der Frau von den Laien?

und das Letzte:

7: BILD

a) DIHK-Chef Driftmann erklärt, wie man ein „neues Job-Wunder“ herbeizaubern könne:

„Bisher gilt der Kündigungsschutz nicht in Betrieben bis 10 Mitarbeiter. Diese Schwelle sollte auf 20 verdoppelt werden.“

häppchenweise…

„Viele Betriebe, die in der Krise gezwungen waren, gut ausgebildete Leute zu entlassen, würden sie jetzt gerne wieder einstellen. Allerdings erst einmal befristet, weil die Lage noch unsicher ist.“

Hä? Unsichere Lage? Der Typ sollte mal BILD lesen und Brüderle zuhören! Die Krise ist vorbei und wir erleben gerade mit einem Wachstum von 1,2% ein neues Wirtschaftswunder! Jawoll! Hurra!

„Das Recht erschwert hier Menschen den direkten Weg in Arbeit. Es wäre deshalb sinnvoll, das Wiederbeschäftigungsverbot rasch abzuschaffen und auch die sogenannte sachgrundlose Befristung von zwei auf vier Jahre anzuheben.“

Na sicher doch… Erst 2 Jahre, dann 4 und schließlich ist man lebenslang nur noch monatsweise befristet „beschäftigt“.

So kommt vom dummen Pöbel keiner auf die hirnlose und wachstumsfeindliche Idee, irgendwann mal eine Lohnerhöhung zu fordern!

„Es passt nicht mehr zur Lebenswirklichkeit, wenn 16-jährige Lehrlinge bis höchstens 22 Uhr arbeiten dürfen und nicht bis 23 Uhr – etwa in der Gastronomie.“

Oh man…was könnte man doch für „Lohnkosten“ sparen, wenn man seine Auszubildenden auch in der kostenintensiven (Zuschläge!) Nachtarbeit einsetzen könnte!

Zumal uns die Globalisierung dazu zwingen wird, auch im Bereich „Kinderarbeit“ international wettbewerbsfähig zu werden…

b)

Der grosse Krankenhaus-Report 2010

Arbeitslose sind am häufigsten in der Klinik – Schwaben am wenigsten

Na wie gut, das keine Schwaben arbeitslos sind!

Wie dem auch sei…jetzt kann man endlich eine „Studie“ präsentieren, wonach die faulen Sozialschmarotzer daran Schuld sind, dass der Herr Rösler unbedingt eine „Gesundheitsreform“ mit „Zusatzprämien“ und Leisutngskürzungen durchführen muss.

Dabei hatte man bei BILD schon Angst, die Pharmaindustrie oder die renditegeilen Klinikkonzerne erwähnen zu müssen.

BILD-Leserkommentar:

Jetzt wissen wir endlich dass es die Arbeitslosen sind die alle keinerlei Beiträge zahlen aber tüchtig rausholen. Wie immer und überall, wo es was zu holen gibt das ist Hartz4 sofort ganz vorne dabei.

Noch Fragen?

c) das Allerletzte

5 bittere Wahrheiten über die Renten-Garantie

Nur ein kleines „Wahrheits“-Häppchen:

Jahrzehntelang galt: Die Bezüge der Ruheständler entwickeln sie so wie die Löhne der Beschäftigten („Rentenformel”). Damit ist nun Schluss! 2009 sanken die Löhne der Arbeitnehmer wegen der Krise (vor allem im Westen) – ohne Folgen für die 20 Millionen Rentner.

Wahr ist allerdings:

In der Rentenpolitik wurden die Renten immer nach dem Durchschnitt der vereinbarten Tarifverträge erhöht. Es gab niemals Tarifverträge mit „3% Lohnsenkung“. Maximal einen befristeten „Verzicht“ auf Lohnerhöhungen.

Heute hingegen arbeiten die Rentenkürzer mit dem Begriff „Reallohn“.

Dieser ist aber unabhängig von den Tarifverträgen durch krisenbedingte Kurzarbeit gesunken.

Da es allerdinsg keine „Kurzarbeit“ bei Rentnern gibt…

So sehen sie (mal wieder) aus, die BILD-Wahrheiten…

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3 Kommentare - “sieben”

  1. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-07-29…

    Arbeitslosenstatistik Juli 2010: Weiterhin über 7,7 Millionen Leistungsempfänger Die LINKE deckt auf: Jede dritte Stelle wird mit Leiharbeitern besetzt 31 Prozent der 1,3 Millionen Alleinerziehenden haben weniger als 1.100 Euro Jeder Neunte verdient we…

  2. willi Says:

    Schöne Panoptikum des täglichen Wahnsinns der Verdummung. Ich hoffe doch sehr, die Zusammenstellung ist dir gelungen ohne das du dich übergeben musstest. Mir schlägt dieser ganze Schwachfug ab einer gewissen Menge mittlerweile auf’s Gemüt und und tue mir das nur noch in ganz kleinen Dosen und dann als Realsatire an.

    Probleme werden nicht mehr gelöst, sondern nur noch der rhetorische Aufwand beim Schönlügen des eigentlich Skandalösen weiter hochgefahren und die Qualtätsmedien posaunen es hinaus.
    Dieses Sytem ist am Ende.
    Vieles von dem, was unsere Politikdarsteller so von sich geben kann nicht einmal mehr ein Volker Pispers toppen.


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