Lichtschutzfaktor

Sommer Sonne hitzefrei!

Es ist Sommer. Und wie zu dieser Jahreszeit üblich, fällt man gelegentlich in ein Sommerloch.

Man verkrümelt sich in seinen (Mini)-Garten und beschäftigt sich stundenlang unter völliger Verachtung aller Risiken für Leib und Leben mit dem Faltmöbel „Klappstuhl“.

Nachdem man diese von einem völlig Verrückten ausgedachte Erfindung endlich in die vorgesehene Form gebracht hat, kann man sich endlich in eine hochgradig angenehme Körperhaltung bringen.

Ein mit merkwürdigen Blümchen bedruckter Sonnenschirm spendet etwas Schatten, so das man sich entspannt einer anregenden Lektüre widmen kann.

Allerdings ist die Auswahl in diesem Jahr etwas mickrig ausgefallen: ein aufregender Thriller sowie das Handbuch („User-Manual“) meines neuen Mini-Laptops standen zur Auswahl.

Schwer verständlich und voller absurder Texte war allerdings nur das Handbuch.

Da liegt man also stundenlang im Schatten rum und versucht, umständlich beschriebene Tasten und Funktionen an der real existierenden Hightech zu finden und zu verstehen.

Während man also Geist und Nerven in einen groben Konflikt mit seinem Sommer-Sonne-Liegestuhl-Empfinden bringt, bemerkt man nicht, das sich die Erde trotzdem weiter dreht und die Zeit entgegen der persönlichen Wünsche nicht stehenbleibt.

Und irgendwann merkt man dann, das man vom schützenden Schatten verlassen wurde und mit einer unangenehmen Hautröte bedeckt ist.

Dann fällt einem wieder ein, wie vergesslich man doch im Alter wird: Eine chemische Substanz mit Lichtschutzfaktor 30 hätte sicher geholfen.

Normalerweise wird man unter Einfluss diverser Lichtschutzfaktoren nicht rot, sondern braun. Dummerweise gilt das nicht nur für sommerlich-getönte Haut.

Auch ausshalb meines kleinen Paradieses waren mächtige Lichtschutzfaktoren am Werke, um die Nebenwirkungen unserer schwarz-gelben Sonne in eine zunehmende Bräune zu verwandeln. Mit dem fast vergessenen Lichtschutzfaktor „Stürmer ’33“

Kurz vor dem Absturz ins Sommerloch haben die Kapitalbesitzer ihre schwarz-gelben Puppen nochmal so richtig tanzen lassen:

Rösler hat mal wieder eine „Gesundheitsreform zustande gebracht, welche fast ausschließlich aus „Zu“ besteht: Von Zuzahlung über Zusatzgebühr bis Zusatzprämie.

Selbstverständlich wurde die weitere Beteiligung der „Arbeitgeber“ an der Finanzierung des Gesundheitssystems nun endgültig gestoppt. Sowas muss man schließlich tun, bevor man den Rückwärtsgang einlegt, um das Ziel privat-unfinanzierbarer Kopfpauschalen ohne „Arbeitgeberanteil“ erreichen zu können. Das lernt man bereits in der ersten Stunde in jeder Fahrschule.

Die frisch vermählte Familienministerin hat ihrerseits klargestellt, das Sozialleistungen nur jenen gehören sollen, welche sie nicht nötig haben. Das war nicht sonderlich überraschend für eine realitätsferne Tusse wie sie, welche ihre politischen Weihen am Rockzipfel des brutalstmöglichen Wegläufers Roland Koch erhalten hat.

Apropos Koch… nachdem er seine Amtsflucht verkündet hat, schloss sich auch gleich sein völlig korruptionsferner „Finanzminister“ Weimar an. Das gefiel den Kapitalisten überhaupt nicht, hat doch Weimar stets dafür gesorgt, dass die „Leistungsträger“ auch weiterhin der Gruppe der „Steuerzahler“ fern bleiben können.

Was mich gewundert hat: Nachdem bekannt wurde, dass die Vermögensverwalter der Reichen vor einer Razzia der Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft gewarnt wurden

kam niemand auf die Idee, die von Schäuble eingeführte Vorratsdatenspeicherung zu nutzen, um die Quelle dieser hochgradig nützlichen Information aufzudecken.

Uschi von den Laien will das „Bürgergeld“ einführen. Die Medienmeute sowie ihre Auftraggeber aus der Wirtschaft stimmten sofort alle denkbaren Lobgesänge an.

Man erklärte der verblödeten Bevölkerung, nun würden endlich hunderttausende HartzIV-Schmarotzer in eine öffentlich-bezahlte Beschäftigung gebracht. 3 Jahre lang!

Hurra! Hurra! Hurra!

Natürlich vergaß man, auf den Haken hinzuweisen, an dem das angeblich soziale Sahneschnittchen hängt:

Vor Antritt einer Bürgerarbeit soll eine 6monatige „Aktivierungsmaßnahme“ stattfinden.

Ziel dieser „Vorbereitungsmaßnahme“ soll es sein, die Opfer solange zu quälen, bis sie „freiwillig“ auf ihre HartzIV-Leistungen „verzichten“.

Voller stolz verkündeten die Bürgerarbeit-Testkommunen, dass sich nach einer mehrmonatigen „Trainingsmaßnahme“ über die Hälfte der einberufenen Zwangsarbeiter „aus dem Leistungsbezug abgemeldet haben“.

Toll, nicht wahr?

Wir werden jetzt nicht darüber nachdenken, dass sich kein normaler Mensch freiwillig dem Hartz-System mit seinen Entrechtungen, Schikanen und Sanktionen unterwirft. Man muss wohl schon sehr unter Druck gesetzt und in die Egalität versetzt werden, um auf die letzte verbleibende Sozialleistung zu verzichten, nur um nicht länger amtlich „aktiviert“ zu werden.

Natürlich nahmen diverse „Experten“ wie der Goebbels-Verehrer Heinsohn den Ball auf und forderten prompt eine lebenszeitliche Begrenzung von Sozialleistungen auf 5 Jahre. Danach soll es dann entweder mit Sklaverei, Tagelöhnertum oder einfach nur dem bewährten Reichsarbeitsdienst weitergehen.

Das macht natürlich Sinn wenn man daran denkt, dass man ja plant, Straßen und vor allem Autobahnen zu privatisieren.

Also kauft man sich eine beliebte Autobahn, gründet einen „gemeinnützigen Verein“ oder eine entsprechende „Stiftung“ zur Steuervermeidung der Mauteinnahmen und bestellt sich dann im Leyen-Katalog ein paar hundert „Bürgerarbeiter“ auf Staatskosten, welche dann unter Vermeidung kostenintensiver moderner Technik mit Hacke und Schaufel die Wirtschaftsführer-Autobahnen bauen.

Alles schonmal dagewesen…

Der Lichtschutzfaktor „Medien“ hat ganze Arbeit geleistet: Nahezu alle Reformvorschläge inklusive des Sparpaketes wurden flächendeckend als „alternativlos“ bzw.“sozial gerecht“ dargestellt.

Und somit bekommt im strahlenden Sonnenschein des „überraschenden Wirtschaftswunders“ mal wieder kaum jemand mit, wie intensiv schwarz-gelbe Politik dieses Land der ehemaligen Dichter und Denker in ein neofaschistisches Braun eintaucht.

In dieses Bild passt dann auch perfekt das Ramelow-Urteil.

Der sogenannte „Verfassungsschutz“ sowie das regierungseigene Bundesverwaltungsgericht betrachten es als „staatsfeindlich“, zu einer Oppositionspartei jenseits der radikalkapitalistischen Vierparteienkoalition zu gehören.

Zu den „Beweisen“ gehörte auch die verfassungsschützende Aussage eines „Drangs zur Verstaatlichung“.

Die Profitverlust-Verstaatlicher von CDU, FDP, SPD und Grüne verhalten sich hingegen offensichtlich „systemkonform“.

Zumindest hat der „Verfassungsschutz“ offiziell zugegeben, dass die „Beobachtung“ der Linken ausschließlich dazu dient, die öffentliche Meinung über die Linke negativ zu beeinflussen. Aber derart systemische Kernaussagen wurden nichteinmal beiläufig erwähnt.

Unter dem Einfluss des braunfärbenden politisch-medialen Lichtschutzfaktors steht auch die öffentliche Meinung über die hochkompetente, soziale und korruptionsfreie Bundesregierung.

Man stellt mal wieder fest, dass selbige Bundesregierung von der eigenen Bevölkerung mehrheitlich ins Höllenfeuer verdammt wird.

Nun kann man diese öffentliche Meinung (wie in der Vergangenheit) mehrfach ausnutzen: Man kann die Meinung so interpretieren, als würde sich die Bevölkerung über „mangelnde Strukturreformen“ beklagen (hat bei Schröder mehrfach gut funktioniert) oder auch die mangelnde Selbstdarstellung der Regierung als kritikwürdig auslegen.

Nach den radikal-asozialen Reformplänen vor dem schwarz-gelben Sommerurlaub entschloss man sich, an der öffentlichen Darstellung der Regierung zu arbeiten.

Aus dem Nichts tauchen plötzlich die einschlägig bekannten „Experten“ auf um zu verkünden, wir würden uns am Anfang eines fundamentalen Wirtschaftswunders befinden.

Selbst der Oberdepp Brüderle konnte sein dummes Maul nicht halten und erklärte ein prognostiziertes(!) Wachstum von unglaublichen 1,4% (boah!) zur Legitimierung des asozialen „Sparpaketes“.

Selbst Hans-Werner Unsinn, welcher in letzter Zeit eher zurückhaltend war, stürmt plötzlich wieder Zeitungen und Talkshows in selbsterfundener „Partylaune“.

Um die Partylaune bei den Kapitalbesitzern zu sehen, muss man allerdings kein von ihnen bezahlter „Experte“ sein.

Es wird zukünftig ein großes Füllhorn von sozialen Wohltaten an die reichen und mächtigen 10% der Einkommenspyramide ausgeschüttet:

Man verzichtet regierungsamtlich auf jegliche Form von Regulierungen der Spekulanten-Casinos, man setzt lohnsenkende „Reformen“ in allen Ministerien durch und freut sich darüber, dass Frau Bundesmerkel bedingungslos die uneingeschränkte Macht und Diktatur des Kapitals anerkennt.

Wer würde da nicht laut jubeln?

War noch was?

Achjaaa… Darling Angela hat dem Bertelsmann-Sender RTL ein „Interview“ gegeben.

Peter Klöppel fragte Angie nach dem Binnenmarkt, dem Konsum und ihren Plänen, durch Sparen die Staatsverschuldung zu reduzieren.

Klöppel: In Deutschland halten sich aber die Bürger derzeit beim Konsum zurück…das heißt also, das Ankurbeln der Wirtschaft geht nich sooo schnell wie man sich das vorstellt, gleichzeitig ist die Sparquote so hoch wie seit 20 Jahren fast…haben Sie Verständnis dafür dass die Menschen in Deutschland vorsichtig sind?

Merkel: Ja… und ich habe auch immer wieder mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama darüber gesprochen dass in Deutschland die Menschen eher das Geld ausgeben wenn sie den Eindruck haben, die Staatsfinanzen kommen wieder in das richtige Fahrwasser, wir bauen Defizite ab und haben eine sichere Zukuft vor uns.

Wenn die Unsicherheit da ist „was passiert da?“ dann ist es in Deutschland immer schwierig mit dem Konsum und deshalb verstehe ich die Menschen… darf ihnen aber sagen: Wir tun alles, damit unsere Kinder und Enkel auch Gestaltungsspielräume haben!“

Oh man…und sowas darf in Deutschland nicht nur frei rumlaufen, sondern auch regieren! Man glaubt es kaum!

Frau Bundeswirtschaftsmarionette glaubt tatsächlich, die Bundeswbürger hätten die Taschen und Konten voller Geld (Klöppel weist natürlich elegant auf die sog. „Sparquote“ hin) und der Konsum würde nur deshalb zurückgehen, weil den Bürgern die von Merkel selbst erzeugte Staatsverschuldung schlaflose Nächte bereitet?

Wie stellt sie sich das vor? Dass die Leute vor ihrem Einkaufsbummel bei Aldi, Lidl & Co erstmal Finanzakrobaten Schäuble wegen der Staatsverschuldung befragen?

Sollte es (auch angesichts der Merkel-Mehrwertsteuererhöhung 2007) nicht sinnvoller sein, den Leuten zu sagen: „Macht euch keine Sorgen, geht einkaufen!“.

Sinnvoll schon..aber nach unzähligen Agenda2010-Reformen wohl eher reines Wunschdenken.

Das wäre wenigstens ein Beitrag zur Erhöhung der Steuereinnahmen. Aber solange man von „Kaufzurückhaltung“ redet, während der Pöbel „tafeln“ geht, werden Logik und Verstand weiterhin von Skrupellosigkeit in der Bundesregierung verdrängt.

———————————————————————————————

Des Führers BILD besinnt sich auf die alte Wehrmachtstradition von 1943.

Damals befahl die Reichsführung, das Deutsche Volk müsse seinen „treuen und mutigen Soldaten“ im Kampf gegen den „bolschewistischen Feind“ mit Hilfe der Feldpost per Postkarten, Briefen und kleinen Päckchen „Mut und Zuversicht auf den Endsieg“ zusprechen.

In einer Zeit, in der an der Front immer mehr daran gezweifelt wurde, den „Blitzkrieg“ gegen die Sowjetunion überhaupt gewinnen zu können.

Aber mit solchen Propaganda-Maßnahmen gelang es doch noch, Volk und Wehrmacht in Kriegslaune zu halten. Zumindest bis 1945 auch den letzten Führerbefehlfolgern klar wurde, dass ein russischer T34 schneller von Ost nach West fahren konnte als ein „Tiger“ von West nach Ost.

Die Invasion und Besatzung Afghanistans durch die „westliche Wertegemeinschaft“ gilt nun auch offiziell als gescheitert.

Während Karsai schon seine Flucht ins Exil vorbereitet, lenkt man in Deutschland die kriegsverweigernde Bevölkerung mit einer Wehrpflicht-Diskussion ab.

Der blaublütige Multimillionär Guttenberg (derzeit noch Kriegsminister) besinnt sich ebenfalls auf glorreiche Zeiten für Volk und Vaterland.

Er möchte häppchenweise die Neue Wehrmacht in eine „Freiwilligenarmee“ umwandeln.

Das ist aus Sicht seiner sozialen Schicht auch sinnvoll:

Wie im goldenen Mittelalter wird den Armen angeboten, sich doch als Soldaten zu betätigen, anstatt den wohlgeborenen Herren per Sozialstaat auf der Tasche zu liegen.

Auch der neuzeitliche Goebbels Heinsohn hatte schon vorgeschlagen, noch häufiger durch wirtschaftsfreundliche Eroberungskriege den Pöbel zu reduzieren, damit sie keine Karriere-Konkurrenz zu Seinesgleichen bilden können.

Für den Kriegsbaron wäre es ein toller Erfolg:

Die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik der herrschenden Klasse sorgt für einen nahezu ungehinderten Nachschub an billigen und willigen HartzIV-Söldnern, während die Sprösslinge der Reichen und Mächtigen freiwillig mit Lust und Laune nach Abschluss der Offiziersschule zur Befehlsausgabe übergehen können.

Ohne wie die einfachen Leute erst noch monatelang durch den Dreck zu kriechen…

Und wenn sich schon so viele „freiwillig“ zur Neuen Wehrmacht melden, muss man ihrem Dasein schließlich auch einen Sinn geben.

Zum Bleistift mit der Befreiung iranischer Ölquellen oder ähnlich wirtschaftswachstumsfördernden Arbeitsgelegenheiten….

Explore posts in the same categories: Uncategorized

One Comment - “Lichtschutzfaktor”

  1. Raze Says:

    Ja, da hat sich ein wahrhaft ungenießbarer Themenauflauf angesammelt. Willkommen zurück!

    Und das schönste zu „unserem“ Kriegsminister: Als der Herr Reserveoffizier in eine Gefechtszone zu geraten drohte, was tat er da? Er ließ umkehren! Klingt für mich irgendwie nach Fahnenflucht…


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: