wie mans macht…

Wie mans auch macht…es ist immer irgendwie verkehrt.

Heute trafen sich auserwählte Wahlleute, um einen neuen Silvesteransprachen-Vorleser zu wählen.

Die Auswahl war eher bescheiden: der radikal-fundamentalistische „Christ“ und Hardcore-Neoliberale Christian Wulff, der Ex-„Bürgerrechtler“ mit Ambitionen für Kriege und Bevölkerungsverarmung Joachim Gauck, die Linke Lukrezia Jochimsen und der NPD-„Liedermacher“ Frank Rennicke.

Linkes Debakel

Nachdem die sog. „SPD“ und die Grünen auf Vorschlag des Springer-Konzerns Gauck zum Kandidaten nominiert hatten, nahm die Linke das gleiche Recht für sich in Anspruch und stellte Jochimsen vor.

Prompt kam es zur erwarteten Reaktion:

Anstatt diese Jochimsen-Kandidatur als „Ankunft in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ oder auch als „Bekenntnis zum Grundgesetz“ zu bewerten, geschah das Gegenteil:

Allerorten wurde behauptet, die Kandidatur würde nur stattfinden, um „SPD“ und Grünen in den Rücken zu fallen.

Luc Jochimsen wurde dann auch darauf festgenagelt, dass sie die Siegerlegende „Unrechtsstaat DDR“ nicht teilen wollte. Dass sie allerdings eine fehlende Definition des Begriffes „Unrechtsstaat“ bemängelte, wurde „zufällig“ in den Medien vergessen.

Über die tatsächlichen Gründe für die Ablehnungen von Wulff und Gauck erfuhr man wie immer nichts.

Für die Medien war die Bundespräsidenten-Wahl reine Parteipolitik mit dem Fokus auf der Hornissenkoalition. Das war schon deshalb lächerlich, weil ein Bundespräsident nur die Rolle eines Grüßaugust ausfüllt und keine politischen Kompetenzen besitzt.

Merkel und Westerwelle hätten Deutschland auch weiter ruiniert, wenn Lafontaine Bundespräsident geworden wäre.

Die Ablehnung Gaucks durch die Linke wurde völlig frei erfunden. Anstatt die Kritik der Linken an den Aussagen Gaucks zu Sozialabbau und Eroberungskriegen zu erwähnen, stellte man ständig einen Zusammenhang zur Gauck-Behörde her.

Hätte die Linke sich nun für Gauck entschieden, hätte sie ihre gesamte Glaubwürdigkeit im selben Augenblick verloren.

Die Medien hätten sich darauf gestürzt und monatelang die Linke zu orientierungslosen Heuchlern erklärt. Dann erst hätten sich die Medien daran „erinnert“, dass Gauck ja „auch“ Hartz- sowie Kriegsfan ist.

Die sog. „SPD“ und die Grünen hätten die Gelegenheit ergriffen, um die Linke unter Druck zu setzen, sich in eine neoliberale Partei zu verwandeln nach dem Motto: „Ihr habt unseren Gauck gewählt, jetzt müsst ihr auch damit aufhören, die Hartz-Reformen und den Afghanistan-Krieg zu kritisieren!

Unentschieden

Die ersten beiden Wahlgänge brachten keinen neuen Bundespräsidenten. Die Fraktionen zogen sich mit ihren Wahlleuten zu Beratungen zurück.

Am Ende dieser Beratungen trat Gysi vor die unfreie Presse und erklärte den Rückzug Jochimsens sowie die „Freigabe“ der Wahlentscheidung.

Noch während Gysi zur Pressemeute sprach, mischte sich der Grüne Werner Schultz flegelhaft ein und rief „Wäre man daran interessiert, über seinen SED-Schatten zu springen, hätte man das heute tun können!

Womit er dann auch klargestellt hätte, das auch er Gauck auf seine Stasi-Behörde reduziert hat. Gleichzeitig wurde erkennbar, das Gauck tatsächlich als Provokation gegenüber der Linken nominiert worden war. Was hätte sonst für Gauck gesprochen, welcher ja schon einmal von der CDU(!) als Bundespräsident vorgeschlagen wurde?

Kurz nach diesem Schultz-Eklat trat dann noch die obligatorisch-wehleidige Künast vor die Presse.

Sie behauptet: „Wenn nun durch die Enthaltungen der Linken Wulff gewählt wird, muss die Linke ihren Wählern die Unterstützung von CDU und FDP erklären!

Womit das Debakel dann perfekt war: Eine Wahl Gaucks hätte man zur „Annäherung der Linken an Rot-Grün und Abkehr von der Reform-Kritik“ definiert und die Wahl Wulffs (auch durch Enthaltung) zu „Linke fällt eigenen Wählern in den Rücken!

Natürlich durfte auch FDP-Niebel seinen hirnlosen Senf dazugeben:

Wenn Gysi erklärt, die Wahl der Linken im 3. Wahlgang sei ‚freigegeben‘, offenbart dass nur das fehlende Demokratieverständnis der Linken! Geheime Wahlen sind schließlich immer frei!

Offenkundig ist die FDP-Führung derart aus der Realität entrückt, dass Niebel völlig vergaß, dass „Franktionszwang“ keine Erfindung der Linken ist sondern zur „Demokratie“ der Bundesrepublik seit 1949 dazugehört.

Die letzte verbleibende Möglichkeit für die Linke war also die Empfehlung der Enthaltung nach der „Freigabe“.

Dies wird aber nun als „Regierungs- und Demokratieunfähigkeit“ dargestellt, so dass die Linke von Anfang an keine Chance hatte, bei dieser Wahl auch nur einen Hauch Ansehen zu gewinnen.

Schon bei der Vorbereitung auf diese Wahl durch die Medien spielten selbige genüsslich „Was wäre wenn…?“ mit der Linken.

Dass Jochimsen nach dem 2. Wahlgang die Kandidatur aufgibt, war schon aus traditionellen Gründen klar. Trotzdem stellte man diese Entscheidung als „Überraschung“ dar.

SPD-Chef Sigmar Gabriel appellierte vor dem entscheidenden dritten Durchgang bei der Wahl des Bundespräsidenten erneut an die Linkspartei, den Kandidaten von SPD und Grünen, mitzutragen.

Gabriel sprach von einer Riesenchance für die Linkspartei, „endlich die SED-Vergangenheit hinter sich zu lassen“. (n-tv)

Mit solchen Parteivorsitzenden braucht die „SPD“ keine Feinde mehr.

Das hätten Merkel und Westerwelle auch gesagt.

Wahlergebnis

Wulff = Retter der angekratzten Merkel-Regierung

Gauck = Beweisträger für die „SPD“ für ihre ideologisch-strikte Abgrenzung gegen „links“ sowie für allerlei „Unfähigkeiten“ der Linken.

Am Ende ist eh die Linke (mal wieder) an allem Schuld.

Der von Springer-Konzern und Bertelsmann zum „Superstar“ aufgeblasene Gauck hatte nie eine Chance. Aber nun kann man die Niederlage von Gauck der Linken anlasten anstatt den Mehrheitsverhältnissen von CDU, CSU und FDP in der Bundesversammlung.

So kann man bequem die Linke als „Volks- und Demokratiefeinde“ darstellen und medial sicherstellen, dass „SPD“ und Grüne keine Ambitionen zeigen, an ihrer gemeinsamen Politik zu zweifeln und den restlichen Sozialdemokraten in der „SPD“ jegliche Kontakte zur Linken strikt zu verbieten.

Merkel und Westerwelle als gehorsame Marionetten des Kapitals wären „gestärkt“, da sie ihren Wulff „durchgesetzt haben“, die sog. „SPD“ wäre wieder an die neoliberale Kette gelegt und die Linke hätte „wegen ihrer DDR- und Stasivergangenheit der Volks-Präsidenten verhindert„.

3 Stimmen

Wulff „gewann“ die Wahl mit satten 3 Stimmen Mehrheits-Überschuss.

Regulär hätten es allerdings 16 Stimmen mehr sein müssen.

Verloren haben Alle.

Merkel und Westerwelle, weil sie auch zum 3. Wahlgang nicht alle ihre Wahlmänner/frauen zur Wulff-Wahl überzeugen konnten.

Die „SPD“ und die Grünen weil Gauck die Wahl verloren hat.

Die Linke, weil sie mal wieder als „unfähig“ und „stasi-belastet“ dargestellt wird.

Das Volk, weil es sich von Medienkonzernen hat instrumentalisieren lassen und nun ein Staatsoberhaupt bekommt, welches eher das Bundesverfassungsgericht auflöst als eine Unterschrift unter ein verfassungswidriges Gesetz zu verweigern.

keine Luftangriffe zu erwarten

Christian Wulff ist Mitglied bei „ProChrist“. ProChrist ist ein radikal-fundamentalistischer Verein mit der Aufgabe der evangelikalen Missionierung.

Gleichartige Politiker in islamisch-geprägten Ländern wären sofort zu „radikalen Islamisten“ und „Terrorunterstützern“ erklärt worden. Einschließlich US-amerikanischer Luftangriffe zur „Eindämmung des islamistischen Terrorismus“.

Ausser Wulff unterstützen noch andere Leute „ProChrist“:

  • Dr. Günther Beckstein
  • Peter Hahne, Fernsehmoderator
  • Frank-J. Weise, Vorsitzender des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit
  • Erwin Teufel, Ministerpräsident a. D.

http://prochrist.org/Main/Verein/Leitbild.aspx

Das von Wulff unterstütze „Leitbild“ wäre für EU und NATO völlig ausreichend, um Deutschland zum „Schurkenstaat“ zu erklären.

Aber zum Glück gehen die „ProChrist“-Radikalen in Kirchen und nicht in Moscheen.

Glück gehabt, Deutschland!😀

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2 Kommentare - “wie mans macht…”

  1. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-06-30…

    Christian Wulff (CDU) for President NRW-Ministerpräsident Rüttgers (CDU) befördert noch engen Mitarbeiter vor Amtsabgabe Der Krieg gegen die Rentner ist eröffnet Die LINKE deckt auf: Immer mehr Rentner müssen mit saftigen Abschlägen in Rente gehen IAB…

  2. KL Says:

    Der Herr Schulz ist ein famoses Mitglied des Gemeinwesens. Hat er sich nicht damit bekannt gemacht, daß er Schröders Neuwahl-Coup 2005 aus Gewissensgründen nicht guthieß, öffentlich, in auffälliger Rede vor dem Bundestag ? Und hat er dafür nicht saftige Beschimpfungen seiner Parteifreunde einstecken müssen ? Die so waren, daß er dann eigentlich hätte als Unabhängiger kandidieren müssen ? Aber leider, leider traf man ihn vor der Neuwahl auf der Straße in Berlin, Wahlzettel zu verteilen: Werner Schulz in den Bundestag … für die Grünen ! Und nun wieder ganz Parteisoldat. Ob er um seinen Sitz kämpfen und sich bei Künast&Co. beliebt machen muß ?
    Sehe ich solche Typen, die behaupten moralische Politik zu machen, möchte ich mich übergeben, bis es grün kommt !

    KL


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