Guidos Wunderwaffe

An diesem Wochenende fand in Köln der 61. Parteitag der korrupten Mövenpicker statt.

Eigentlich war es ja nur eine sinnfreie Wahlkampf-Show für die Medien ohne Neuigkeitswert.

Auf diesem Parteitag wählten sich die besserverdienenden Steuervermeider und Sozialstaats-Exorzisten einen neuen Generalsekretär: Christian Lindner.

Selbiger Lindner wurde kürzlich im Bundestag auf- und ausfällig, als er in einem Zwischenruf behauptete, Gregor Gysi bräuchte einen Psychologen. (Youtube-Video)

Das ging selbst dem CDU-Rechten Lammert zu weit und er erteilte Lindner eine offizielle Rüge.

Nun ist Lindner also FDP-Generalsekretär und die Medien sind voll des Lobes für den strebsamen Jung-Juppie.

Mangels Alternativen wurde er mit 95,6% gewählt, was Springers Hetzpostille gleich zur Überschrift

FDP liebt Westerwelles Wunderwaffe

veranlasste.

Nach einigen Sätzen des Jubels über den neuen marktradikalen Spitzenfunktionär an Westerwelles Seite erklärt BILD:

Außerhalb der Politik war Lindner von 1997 bis 2004 als Inhaber einer Werbeagentur und später eines Internet-Unternehmens tätig – letzterem blieb allerdings der Erfolg am Markt versagt.

Ok… „Politikwissenschaftler“ Lindner hat also schon als 18jähriger quasi „nebenbei“ eine Marketing-Agentur betrieben. Mit echter Arbeit als „Internet-Unternehmer“ hat er allerdings versagt.

Schon sehr früh (mit 16) engagierte er sich in der FDP und legte dort eine sehr flinke Karriere hin.

Selbstverständlich ist auch Christian Lindner Mitglied der neoliberalen Hayek-Stiftung, welche vom Finanz- und Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische AG gegründet wurde.

Prominentester Vertreter der kruden Hayek-Theorie („Wenn weniger gekauft wird wird mehr investiert“) ist übrigens Prof. UnSinn vom Münchner Ufo Ifo-Institut.

Christian Lindner ist also ein Marketingstratege und „gelernter Politiker“.

Das bedeutet nichts anderes, als das er gelernt hat, den Leuten (zumindest jene die ihm zuhören) ordentlich Honig ums Maul zu schmieren, bis sie sich freiwillig von ihm über den Tisch ziehen lassen. Das man im Marketing ganz selbstverständlich lügt bis sich die Balken biegen, sollte hinlänglich bekannt sein.

Ein paar kleine Kostproben aus Lindners „viel bejubelter“ Antrittsrede:

„Die Schwarmintelligenz der Gesellschaft ist einem politischen Diktat überlegen“

Schwarmintelligenz?

Hat die FDP nicht immer „Eigenverantwortung statt Sozialstaat„und „Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht“ gepredigt?

Mal ganz abgesehen von der gänzlich unbedeutenden Tatsache, das es sowas wie „Schwarmintelligenz“ überhaupt nicht gibt. Zumindest gehe ich jetzt noch davon aus, dass die Borg nur eine Erfindung von Gene Roddenberry sind. Obwohl selbst deren „kollektives Bewusstsein“ nur eine Illusion war…

Aber an diesem Satz ist gut zu erkennen, wie sehr sich die FDP von der Idee der Demokratie distanziert hat. Sollte in einer Demokratie nicht die Gesellschaft das „politische Diktat“ formulieren und bestimmen?

Vertritt FDP-Politiker Lindner nun die schwarmintelligente Gesellschaft oder das „politische Diktat“?

„Die Bilanz des Staates ist im letzten Jahrzehnt nicht zufriedenstellend.“ Er habe sich als Ordnungskraft der Wirtschaft und als Garant von Bildungschancen als schwach erwiesen.

Ahja…das neugewählte Generalsekret der FDP als Chef der Lobbyisten für „uneingeschränkte Arbeitgeber- und Marktfreiheit“ kritisiert also die „schwache Ordnungskraft des Staates gegenüber der Wirtschaft„?

Sowas nennt man dann wohl Wahlkampf-Populismus….

Die Tatsache der Kritik an der von der FDP favorisierten Rolle des Staates macht aus Lindner gleich noch einen heuchlerischen Demagogen.

Lindner kritisierte „die Allmächtigkeit des Staates“

Allmächtig? Der Staat? Autsch…

Bundesangela als „Staats-Chefin“ ist derart „allmächtig“, dass sie ohne Anweisungen der BILD oder der Deutschen Bank nichtmal den Mund aufmacht. Von „regieren“ ganz zu schweigen…

Wir leben in einer Zeit der nahezu uneingeschränkten Diktatur des Kapitals und Lindner halluziniert einen „allmächtigen Staat“ herbei. Was würde denn passieren, wenn man diesen „allmächtigen Staat“ heutiger Prägung noch weiter entmachtet?

„Ein Steuerrecht, welches sogar die Finanzbehörden nicht mehr verstehen oder administrieren können, hat seine Legitimität verloren“

Die FDP des Herrn Lindner regiert übrigens gern mit der CDU. Zum Bleistift in Hessen, wo das Personal der Finanzbehörden schnell in den Ruhestand geschickt wird, wenn es dem Steuerrecht Geltung verschaffen soll.

Wen hassen FDPler eigentlich mehr? „Sozialschmarotzer“ oder Steuerfahnder?

„Wir stehen für konsequenten Liberalismus, für mitfühlenden Liberalismus. Wir wollen ein Leben in Solidarität und Würde sichern“

und nochmal:

Wir wollen ein Leben in Solidarität und Würde sichern.

Das sagt Guidos „Wunderwaffe“. Ob er wohl wie sein großes Vorbild Solidarität und Würde für spätrömische Dekadenz hält? Es ist zu befürchten…

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5 Kommentare - “Guidos Wunderwaffe”

  1. Ron Says:

    Nun ja, als gescheiterter Unternehmer, hat er ja gute Vorraussetzungen um unseren saubern Staat zu retten. Zumindest kann er kaum noch was falsch machen!

  2. Nina Schultes Says:

    Bitte etwas besser recherchieren:
    „Selbiger Lindner wurde kürzlich im Bundestag auf- und ausfällig, als er in einem Zwischenruf behauptete, Gregor Gysi bräuchte einen Psychologen. (Youtube-Video)“

    Diesen Zwischenruf hat nicht Christian Lindner gemacht.

  3. wareluege Says:

    Stimmt…das war Martin Lindner.

    Schönen Gruß an Chef Christian, Frau Referentin.😉

  4. paul Says:

    …oha, dies ( http://www.rp-online.de/herzrasen/about_a_boy/Spinner-in-den-Landtag_aid_848126.html ) zu lesen tat echt weh. da mir email oder sonstiges hier fehlt, schicke ich den link per kommentar – ahoy

  5. Flying Circus Says:

    „Wen hassen FDPler eigentlich mehr? “Sozialschmarotzer” oder Steuerfahnder?“

    Steuerfahnder natürlich. Sozialschmarotzer tun der Clientel der FPD doch nicht weh. Divide et Impera lautet das Motto nach wie vor. Gib der Bevölkerung einen Prügelknaben, dann hält der Pöbel das Maul und läßt sich „durchregieren“.

    Was dieses von Paul verlinkte „Herzrasen“ bzw. „about a boy“ angeht, bin ich mir nicht ganz schlüssig, ob der Autor hier versucht hat, eine Satire zu Papier zu bringen. Leider wechselt er mittendrin das Thema und bleibt so oberflächlich bemüht witzig, daß ich mir ernsthafte Gedanken darüber mache, ob der Titel der Kolumne nicht besser „From a boy“ lauten müßte, oder noch besser „From a small, whiny boy“. Es würde helfen, wenn er seine Position etwas deutlicher vertreten würde. Dann könnte man ihn ggf. auch kritisieren. Oder erstmal ernstnehmen.

    Was den Generalchristian Lindner angeht, bei so viel Erfahrung macht er ja dem wirtschaftserprobten Verteidigungsminister schon Konkurrenz! Ob das man gut geht, so viel geballte Wirtschaftskraft in der Regierung …?


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