Rockstar Sarrazin

An diesem Wochenende fand an der Berliner Volksbühne das attac-Bankentribunal statt.

Ausser den üblichen Staatsfeinden von taz, Frankfurter Rundschau, Rote Fahne und Junge Welt hat sich von den Medien“schaffenden“ niemand dafür interessiert.

Dabei war die ganze Veranstaltung hochspannend, auch wenn der Online-Stream manchmal etwas bockig war.

Wer es nicht gesehen hat: attac wird das alles auf eine DVD pressen.

Wann und wieviel? Weiß ich nicht, das konnte mir der attac-Admin noch nicht sagen.

Thilo Superstar

Eine „Richterin“ beim Bankentribunal war Ulrike Herrmann von der taz. Sie hat zwischendurch auch etwas moderiert und auch Leute vorgestellt.

Insgesamt wirkte sie sehr kompetent und sachlich.

(Die Rede vom „Zeugen“ Axel Troost als Linker im HRE-Untersuchungsausschuss war übrigens genial)

Ulrike Herrmann hat ein Buch geschrieben: „Hurra, wir dürfen zahlen – der Selbstbetrug der Mittelschicht“.

Darin geht es um die sog. „Mitte“ welche sich von den Reichen am Nasenring durch die Manege führen lässt, nach oben kriecht und nach unten tritt.

Zur Buchvorstellung im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann (Medienkonzerne nennen sich jetzt „Kultur“) hatte sie sich als Gegenpart und Diskutanten den braunen Sozialrassisten Sarrazin eingeladen.

Aber selbiger Thilo Dummschwatz war als Diskutant ein Totalausfall, da von ihm keine Antworten, sondern nur superhochintelligente Phrasen zu hören waren.

Um Thilos Heiligenschein zu retten, begab sich ein gewisser Benjamin von Stuckrad-Barre von Springers WELT an seine Schreibmaschine, um eine hochgradig ekelerzeugende Lobpreisung des „Wahrsagers“ Sarrazin zu verfassen.

Thilo Sarrazin, der Rockstar der Sozialdemokratie

So nennt er sein Machwerk.

Ich habe versucht, etwas über den „Journalisten“ Stuckrad-Barre herauszufinden. Er ist Verfasser des Buches „Auch Deutsche unter den Opfern“. Zum Inhalt dieses Buches war auf der Homepage des Autors nichts zu erfahren. Seine Webseite ist stattdessen angefüllt mit allerlei Eigenlob als „Held der Zeitgeschichte“. Natürlich kommt auch „Fremdlob“ vor, allerdings nur von den einschlägig bekannten CDU- und FDP-Medien von FAZ über Spiegel bis zur ZEIT.

Nach dieser Feststellung kam mir nur ein Gedanke in den Sinn: Benjamin von Stuckrad-Barre und Thilo Sarrazin…da haben sich 2 eingebildete Volldeppen gesucht und gefunden.

Stuckrad-Barre nennt Sarrazin einen „Rockstar der Sozialdemokratie“. Aber auch nur, weil ihn eine Handvoll Leute bei dieser Buchvorstellung noch einmal „live“ (d.h. lebend) erleben wollten.

Obzwar Ulrike Herrmann laut Plakattext bekannt als „u.a. Diskutantin im ARD-Presseclub“ und ihr Buch „ein provokantes“, ja eins mit „aufrüttelnden Thesen“ sei, ist sie eher kein Zuschauermagnet; um Aufmerksamkeit zu erzeugen für ihr denkbar egales Sachbuch (nichts weiter als ein 222-seitiges Betteln um Einladungen in Talkshows), braucht sie Unterstützung, deshalb wohl steht Sarrazins Name auch über ihrem auf dem Plakat.

Eine lange Menschenschlange drängt sich durch das Kulturkaufhaus, der Name Sarrazin verspricht Spektakel.

Der erste Absatz ist tatsächlich 1 (in Worten ein) Satz. Und selbstverständlich ist das Buch kein Zuschauermagnet, sondern ein denkbar egales Sachbuch zum Betteln um Einladungen in Talkshows.

Das ist bei Bundesbankvorstand Sarrazin natürlich ganz anders: Als Bankvorstand gehört es zu seinen Dienstpflichten, in den Medien jede Woche neue Beispiele der Volksaufhetzung gegen „Kopftuchmädchen“ und Arbeitslose zu liefern.

„ich bin ja auf dem rechten Ohr fast taub“, murmelt er, und gibt allein damit schon wieder einer Heerschar drittklassiger Kabarettisten Material für hundert Abende bei den „Wühlmäusen“ oder in ähnlichen Schenkelklopfspelunken.

Zu den „drittklassigen“ Kabarettisten der Wühlmäuse gehören u.a. Urban Pirol Priol, Georg Schramm, Volker Pispers und Dieter Hallervorden.

Da kommt endlich auch Ulrike Herrmann, die formale Hauptperson dieser Veranstaltung, sehr überzeugend als „taz-Wirtschaftskorrespondentin“ kostümiert: Hochwasserjeans, rotes Reißverschluss-Sweatshirt, Rucksack, sogenannte praktische Kurzhaarfrisur.

Ahja… Frau Herrmann ist also „kostümiert“. Muss man ja wissen, nicht wahr?

Die SPD ist schon einigermaßen verrückt, ausgerechnet so jemanden mit einem Parteiausschlussverfahren zu behelligen, einen der wenigen, der mal aus der Blabla-Deckung kommt, der große Zustimmung und immense Abscheu evoziert, der, mit anderen Worten: überhaupt interessiert; wenn der Begriff „parteischädigendes Verhalten“ ernst gemeint wäre und nicht bloße Bestrafung vom Mittelmaß abweichender, also interessanter Gedanken, dann träfe er doch eigentlich weniger auf Sarrazin oder auch Wolfgang Clement zu als auf Andrea Ypsilanti, denkt man so vor sich hin und schweift also davon mit den Gedanken, während Ulrike Herrmann allerlei schockierende Zahlen aufführt, Statistik-Müll, man kennt das ja aus politischen Talkshows: „Ich möchte nur mal eine Zahl nennen“, heißt es dann immer, es folgen dieser Ankündigung aber stets mindestens zehn solcher Zahlen; Prozent, Millionen, Milliarden, Bundesbürger, Euros – auf Zuschauer wirkt das in der Regel wie Schäfchenzählen.

Auch das ist wieder 1 (in Worten ein) Satz!

Aber immerhin bringt er nach einer guten Stunde doch noch einen seiner Hits, die Korrelation von Kinderzimmer-Fernsehgeräten, Fettleibigkeit und geringer Bildung. Armut weniger als existenziell finanzielle denn als „Verhaltensarmut“ – also, „morgens aufstehen und den Kindern ein Schulbrot machen, das müsste eigentlich jeder können“.

Ahja… Thilos schwachsinnige „Wahrheiten“ sind also ein „Hit“. Oh man…wie geistesgestört muss man eigentlich sein, um WELT-„Journalist“ zu werden?

Hinterher sollen die Menschen natürlich das Buch kaufen, aber sie waren ja wegen Sarrazin gekommen, um ihm beizupflichten oder ihn anzuschnauzen, und das Buch ist schließlich nicht von ihm, es hat nichtmal richtigen Streit auslösen können, da liegt es nun auf Stapeln, die nicht signifikant kleiner werden.

So ist es: Alle wollen Sarrazin (tot oder lebendig).

Da fällt mir ein…beim Nürnberger NS-Kriegsverbrechertribunal war der Zuschauerraum im Gerichtssaal auch bis zum letzten Platz voll. Waren das alle Fans von „Superstar Goebbels & Band“? *grübel*

Als „ein interessantes, seriöses Buch“ hatte Sarrazin es gen Ende des verhinderten Streitgesprächs noch vollends erdolcht.

Na klar doch… Gott Sarrazinwird auch noch zum hochqualifizierten Literaturkritiker ernannt.

Was kommt morgen? Thilo Sarrazin das Universalgenie?

Hinter ihm die Massen (-medien)

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3 Kommentare - “Rockstar Sarrazin”

  1. theosoph Says:

    HALLO, WARELUEGE !
    Danke für Ihre sehr scharfsinnige-und -züngige Blogarbeit, das ist wirklich sehr erhellend und eben auch investigativ.
    Trotzdem treibt es mich, mal ein Veto gegen die Bemerkung zu den drittklassigen Kabarettisten einzulegen:
    so ist doch zumindest, was Georg Schramm und Urban Priol (auch Pispers gehört mit einigen Einschränkungen dazu) betrifft, bei diesen Herren zu sehen, daß sie eine ähnliche scharfe verbale Klinge führen, wie Sie auch selbst es tun !
    Ich kann das nur als erstklassig qualifizieren und mach mir sogar jedesmal nach der Sendung „Neues aus der Anstalt“ fast Sorgen darüber, wie lange die das noch durchziehen dürfen, bis Sie ‚mal von irgendjemand verklagt werden. Das ist nicht nur schonungsloser, agressiver und harter Kabarett-Tobak, darüber hinaus bekommt das Publikum auch noch Hintergrund-Infos, die per „Leit-Medien“ nicht zugänglich sind.
    Allerdings gebe ich Ihnen recht, was die „Schenkelklopf-Manieren“ des Publikums betrifft, denn:
    Bei dem, was sie hier zu hören bekommen, müßte eigentlich betretenes, eisiges Schweigen im Saale herrschen, statt dessen lachen die, als wären sie im Kasperle-Theater !!
    Was sagt uns das? Sie sind alle bis unter die Haarspitzen indoktriniert, die Mainstream-Propagandisten haben ganze Arbeit geleistet, das muß man Ihnen lassen.
    Keiner begreift, was hier vor sich geht, wie schlimm es wirklich aussieht und was auf uns zurollen wird !!
    Die Einzigen im Saale die das wissen sind: die Kabarettisten!
    (Wilfried Schmickler ist auch so ein „Erstklässler)
    Hier noch mal zur „Unterfütterung“:

    herzliche grüße theosoph

  2. Flying Circus Says:

    @theosoph: Das Stilmittel, das wareluege bei seiner Charakterisierung den „Wühlmäusen“ verwendete, heißt „Ironie“😉

    Ansonsten ist dem Artikel nichts hinzuzufügen. Den Herrn Stuckrad-Barre hatte ich höchst nebulös in Erinnerung, jetzt weiß ich: das muß ich nicht vertiefen. Welch ein unglaubliches Blech, um nicht zu sagen, Rotz.

    Mit die größte Frechheit: bringt mal eine(r) tatsächlich Zahlen, ist das NATÜRLICH langweilig!!!!11 Keiner hier will doch so etwas ekliges wie FAKTEN hören, oder? Eine geistige Bankrotterklärung sondergleichen, eigentlich nur getoppt davon, daß Herr Stuckrad-Barre anscheinend nicht begriffen hat – oder vorgibt, es nicht zu begreifen – was den Tatbestand des „parteischädigenden Verhaltens“ denn erfüllt.

    Frau Ypsilanti hat angeblich „gelogen“. Bullshit. Sie hat versprochen, nicht mit den Linken zu koalieren. Hätte sie nicht, sie wäre von ihnen geduldet worden. Das ist ein Unterschied. Wer den nicht kapiert, der hält sich bitte raus, wenn Erwachsene sich unterhalten.

    Clemens und jetzt auch Sarrazin dagegen äußern sich in einer Art und Weise, daß „parteischädigend“ noch ein viel zu freundliches Wort dafür ist. Eine Partei, die solche Typen in ihren Reihen beherbergt, ist für mich absolut unwählbar.

  3. Radioheadhörer Says:

    Hier ein netter Bildbeitrag der Titanic zu Stuckrad-Barre

    Fand Stuckrad-Barre überhaupt nicht lustig.
    ;-))


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