getroffene Hunde

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hat die deutsche Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik der „Agenda2010“ scharf kritisiert.

In wahren Worten erklärte sie, dass anhaltendes Lohndumping und fortlaufende Entsozialisierung und Deregulierung des Arbeitsmarktes in Deutschland den anderen EU-Staaten große Probleme bereitet.

Angesichts des jahrelangen deutschen Lohndumpings ist die Wettbewerbsfähigkeit anderer EU-Staaten durch die Agenda2010-Reformen bewusst und gezielt zerstört worden.

Das Ergebnis wurde in der derzeitigen Krise deutlich sichtbar:

Während sich die deutschen Industriebarone rühmen, auf Kosten der übrigen Bevölkerung mit einem blauen Auge und nahezu ohne Vermögensverluste durch die Krise zu schweben, geraten andere Länder in Existenznot.

Wie üblich werden sie von der Springer-Hetzpresse auch noch getreten und bespuckt, während sie am Boden liegen. Man nennt sie verächtlich „Pleite-Griechen“.

Dabei sieht es in anderen EU-Staaten nicht besser aus: Irland, Italien, Spanien und Portugal stehen ebenfalls am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds.

Selbstverständlich herrscht in den Medien des deutschen Kapitals helle Aufregung.

Nahezu alle Systemmedien dementieren heftigst die Aussagen der Frau Lagarde und fahren auch prompt schweres Geschütz auf:

Focus

IW-Chef Hüther: „Deutschland betreibt kein Lohndumping“

Es gab kein Lohndumping in Deutschland. Wir haben trotz der moderaten Zuwächse in den vergangenen 13 Jahren noch immer die dritthöchsten Lohnkosten in Europa.

Es ist nicht so, dass der Konsum bei uns am Boden liegt.

Was für ein Heuchler…

ZEIT

Die Bundesregierung wies die Kritik zurück und verwies auf die Tarifautonomie: Deutschland sei kein Land, in dem der Staat Löhne oder Konsum festlege, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans.

Jemand sollte der Bundesregierung mal erklären, was die Hartz-Gesetze sind und wie sich die Merkel-Mehrwertsteuer auf den Konsum auswirkt…

WELT

Der Präsident des Bundesverbandes für Groß- und Außenhandel (BGA), Anton F. Börner:

„Deutschland habe nur seine Hausaufgaben gemacht. Davon hätten auch die anderen EU-Länder profitiert. „Schließlich ist Deutschland der größte Beitragszahler in den EU-Haushalt“.“

Ahja…Deutschland hat also „seine Hausaufgaben“ gemacht? So reden in dieser Situation nur geistesgestörte Egomanen mit völligem Realitätsverlust.

Sein Hinweis auf den EU-Haushalt ist besonders frech: Während er und seine Industriellen-Kumpanen sich mit Hilfe von Leiharbeit und Lohndumping im Export ein paar Extra-Milliarden in die prallen Taschen stopfen, muss der normale Bundesbürger den EU-Haushalt mitfinanzieren.

Du bist Deutschland!

„Unser Erfolgsrezept ist nicht der Preis“, sagte der Sprecher. „Unsere wichtigsten Verkaufargumente sind Qualität und Innovation.“ Allein über den Preis könne die deutsche Industrie mit Niedriglohnländern wie China nicht konkurrieren.

Was der Chef-Exportlobbyist nicht sagt:

Die deutsche Industrie konkurriert überhaupt nicht mit China!

Die deutschen Kapitalisten exportieren Industriegüter, Maschinen usw. Die Chinesen hingegen Billigklamotten, Billigspielzeug u.ä. Discount-Konsumartikel.

Die Chinesen haben es bis heute nicht geschafft, zumindest irgendwelche Autos in die EU zu exportieren, ohne kräftig auf die Nase zu fallen beim ersten Crashtest.

Deutsche Autokonzerne hingegen haben sich schon vor 25 Jahren in China breitgemacht. VW hat sogar die komplette Passat-Stufenheck-Produktion in den 80er Jahren nach China ins eigene Werk bei Peking verlagert.

Daran verdienen die VW-Eigentümer heute noch Millionen!

WELT:

Ausgerechnet Frankreich! Das Land, das mit seiner staatlichen Industriepolitik ständig den internationalen Wettbewerb verzerrt, fordert nun die Bundesregierung auf, den Außenhandelsüberschuss zu verringern. Deutschland müsse seine Inlandsnachfrage stärken, damit die anderen europäischen Volkswirtschaften leichter aus den roten Zahlen herauskommen.

Niemand hat mit seiner staatlichen Wirtschaftspolitik den „internationalen Wettbewerb“ so sehr verzerrt wie die deutschen Regierungen in den letzten 10 Jahren.

In keinem anderen Land der Welt wird ein Bürger vom Staat mit Existenz-Entzug bestraft, wenn er vom Arbeitgeber diktierte Arbeitsbedingungen nicht widerspruchslos akzeptiert.

FAZ

In der FAZ darf sich auch die Glos-Kopie Brüderle als Wirtschaftsminister-Darsteller zu Wort melden:

Dass Länder, die in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse gelebt und ihre Wettbewerbsfähigkeit vernachlässigt haben, jetzt mit dem Finger auf andere zeigen, ist zwar menschlich und politisch verständlich, aber trotzdem unfair.

Nanu? Hieß es in den Kreisen der Kapitlaistenmarionetten von Schröder über Hotte Köhler bis hin zu Merkel nicht immer: „Deutschland hat über seine Verhältnisse gelebt!„??

Ja…wie denn nun?

Die notwendigen strukturellen Reformen zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit sind ja durchaus schmerzlich, wie das griechische Beispiel zeigt. An ihnen führt aber kein Weg vorbei, und eine konsequente Umsetzung bringt auch Erfolg.

Am großdeutschen Wesen soll die Welt genesen…

Aber an dem Hinweis, die Deutschen würden zu wenig konsumieren und importieren, ist schon was dran?

Das ist ja kein Ergebnis einer wirtschaftspolitischen Strategie, sondern der Entscheidungen von Unternehmen, Arbeitnehmern und Konsumenten weltweit.

Sicher doch… die Hartz-Reformen waren das Ergebnis einer globalen demokratischen Entscheidung…

Sag mal Brüderle…gehts noch?

Für die Löhne sind bei uns die Tarifvertragspartner zuständig, und das soll auch so bleiben. Im Übrigen liegt die deutsche Industrie trotz der relativen Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre bei den Lohnkosten weiterhin an der Weltspitze.

Ahja…die Lohnkosten! Welche denn? Die der deutschen Leiharbeiter? Oder die der 1-Euro-Jobber? Oder die hohen Lohnkosten der HartzIV-Aufstocker?

Die Lohnkosten in Deutschland sind so unglaublich hoch, dass man morgen früh eine allgemeine 30%-Lohnerhöhung beschließen könnte, ohne das sie irgendwelche Auswirkungen auf Preise oder „Wettbewerbsfähigkeit“ hätte.

Lediglich die Einkünfte der Industriebarone und ihrer Aktionäre würden sich auf EU-Durchschnitt reduzieren.

Aber natürlich kann eine FDP-Wirtschaftsmarionette seine Parteispender nicht öffentlich in dieser Art erwähnen…

In der sueddeutschen darf sich auch Medienhure Marc Beise wieder zu Wort melden:

Ein schwarzer Montag für Deutschland. Erst setzt die französische Finanzministerin Christine Lagarde dem Nachbarland einen Schuss vor den Bug (…)

Dann kommt das SPD-Präsidium zusammen und vollzieht signalhafte Korrekturen von der Hartz-IV-Politik früherer SPD-Regierungsjahre.

Und zu guter Letzt fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aus Solidarität mit den wirtschaftsschwachen südlichen Euro-Staaten ein Austrocknen des hiesigen Niedriglohnsektors.

Ob dieser „schwarze Montag“ wohl in die Geschichtsbücher eingehen wird?

Höhere Sozialausgaben und am besten auch Steuern, Mindestlöhne auf breiter Front, noch mehr Staatseinfluss, ein strengeres Kündigungsschutzrecht: Das Instrumentarium ist wohlbekannt, wie man eine Wirtschaft in die Knie zwingt.

BlaBlaBla…

Deutschland hat Probleme genug, aber ist vergleichsweise besser als andere durch die große Krise gekommen, dank der konzertierten Tatkraft von Wirtschaft, Tarifparteien und Politik.

Wer ist „Deutschland“?

Und die Tarifparteien üben seit Jahren Mäßigung zu Lasten der Einkommen der Arbeitnehmer, aber zugunsten von deren Jobs und allgemein der deutschen Wettbewerbsfähigkeit.

Merckle, Märklin, Quelle und noch viele andere binnenmarktorientierte Unternehmen verkünden Dank „Lohnzurückhaltung“ jede Woche neue Rekord-Umsätze.

Und erst die deregulierten Leiharbeits-Unternehmen! Deren Verwaltungen müssen selbst am Wochenende  im Akkord Arbeitsverträge unterzeichnen und paketweise zum Postamt schleppen!

Was für ein unglaublicher Reformerfolg!

Beise…du hast nicht mehr alle Latten am Zaun!

Wer vorankommen will, orientiere sich am Beispiel der Erfolgreichen und versuche nicht, diese auf sein eigenes schwächeres Niveau herunterziehen.

Am großdeutschen Wesen…das hatte ich schonmal, oder?

Stulle statt Spaghetti

WELT:

Kantinenbetreiber klagen: Arbeitnehmer verzichten aus Kostengründen häufiger auf die warme Mahlzeit im Personalrestaurant. Die Mitarbeiter essen wieder mehr mitgebrachte Pausenbrote.

Restaurantbesuche sparen sich die Verbraucher angesichts der Krise, melden die Marktforscher der GfK. Selbst wenn es um das meist subventionierte Essen im Betrieb geht.

Was sagte INSM-Schwätzer Hüther im Focus?

Es ist nicht so, dass der Konsum bei uns am Boden liegt.

Ganz und gar nicht!

Denn die Wirtschaftsflaute drückt nicht nur über eine Konsumzurückhaltung der Belegschaft auf die Umsätze.

„Wenn Bänder stillstehen, kommen automatisch auch weniger Mitarbeiter in die Betriebsrestaurants“, sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

Dehoga…das sind die mit dem Westerwelle-„Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. 😉

Wieso stehen denn „die Bänder still“, wenn Deutschland doch so ein großes „Krisen-Vorbild“ ist?

Das kann ja gar nicht sein!

Der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann jedenfalls sieht bereits eine „Stulle-statt-Schnitzel“-Tendenz.

„Das fantasievolle Pausenbrot aus der eigenen Küche liegt voll im Trend.“

Na sicher doch…wenn sich die „lohnzurückhaltende“ Belegschaft nichtmal mehr Schnitzel mit Pommes leisten kann, wird das Pausenbrot eben zum „neuen Trend“ erklärt.

Was für eine wunderbare Märchenwelt!

Oben an der Spitze sitzen die Sadisten, unten quälen sich die Masochisten.

Und die Sadisten-Medien setzen alles dafür ein, um diese Märchenwelt Realität werden zu lassen.

Warum passiert sowas bei den Franzosen nicht?

Weil dort (im Unterschied zu Deutschland) Wirtschaft und Regierung noch Respekt vor dem eigenen Volk haben.

Von den Franzosen lernen heißt…den aufrechten Gang zu lernen.

In Deutschland folgte der Monarchie nicht die demokratische Republik, sondern das radikal-kapitalistische 3. Reich.

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2 Kommentare - “getroffene Hunde”

  1. Hetman Says:

    „Von den Frazosen lernen heißt…den aufrechten Gang zu lernen.“

    und das benötigen die deutschen dringend!!

  2. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-03-16…

    Lohndumping und Exportexzesse: Die Kritik an Deutschland wird lauter Das neue Hartz4-Konzept der SPD: Eiertanz in der Sackgasse NEU: SPD jetzt 15 Prozent sozialer! Westerwelle will SPD-Mann Hans-Ulrich Klose ins Auswärtigen Amt holen Kein Rausschmiß:…


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