Kein Wohlstand für alle!

2009 – es wird offiziell festgestellt, dass der Aufschwung der Jahre 2006-2008 nahezu spurlos an den Werktätigen vorbei gegangen ist. Einzige Ausnahme: ein Boom bei den Sklavenhändlern (vulgo: Leiharbeit).

Ebenfalls 2009 stellt man fest, das man sich „völlig überraschend“ in einer Wirtschaftskrise befand, was auch prompt zu einem Boom bei der Arbeitslosigkeit derselben Leiharbeiter führte.

Aber es geschah 2009 noch mehr:

Die Verursacher dieser Krise erklärten sich für systemisch und verlangten vom Opfer ihrer Untaten die Erstattung ihrer Spekulationsverluste.

Frau Bundesmerkel und ihr hochkompetenter Finanzminister Steinbrück fackelten nicht lange, griffen tief in die Taschen der Bürger und stopften den Eigentümern diverser Banken sowie zahlreichen spekulierenden Gesellschafts-Parasiten hunderte Milliarden Euro in ihre nimmersatten Mäuler.

Ein Haupttäter Hauptopfer dieser Krise war die Deutsche Bank. Sie hatte wie immer ihre dreckigen und bluttriefenden Finger überall mit drin und konnte somit global hemmungslos auf Raubzug gehen: Vom kleinen Häuslebauer in den USA bis hin zum steuerzahlenden Bundesbürger, welcher auf Wunsch der BILD den Gangster Ackermann für einen „vorbildlichen“ Manager halten soll.

Anfang des Jahres 2010 verkündete Ackermann stolz, die Deutsche Bank hätte erfolgreich „gewirtschaftet“ und man würde daher den 580.000 Aktionären einen Profit von 5.000.000.000 (in Worten: fünf Milliarden) Euro auszahlen.

5 Milliarden Euro fürs Nichtstun.

5 Milliarden Euro Arbeitsleistung fremder Leute, welche ihren eigenen Lebensunterhalt in den meisten Fällen nicht ohne staatliche Hilfe bestreiten können…

Angesichts der von selbigen gierigen Kapitalisten in die WELT gesetzten Diskussionen um Kürzungen bei Renten und HartzIV sowie ganz allgemein um die typischen „Reformen des Sozialstaates“ durch den nebenberuflichen Teilzeit-Aussenminister Westerwelle wurde es selbst dem Kapitalistenpack langsam unwohl.

Wie konnte man Millionen Menschen um den Lohn für ihre Arbeit und ihre Steuergelder betrügen und gleichzeitig mehrere Milliarden Euro „verdienen“, ohne dass der Pöbel durch die Schlossallee zieht und die „führenden Köpfe“ auf Holzspießen vor sich her trägt?

Wachstum ohne Wohlstand

Wie immer in solchen kritischen Situationen schicken die Reichen und Mächtigen ihre „Experten“ in die Medien, um die „gesellschaftliche Wahrnehmung“ zu manipulieren und in ihrem Sinne zu verändern.

Diesmal suchte sich die Deutsche Bank ihren treuen „Gesellschaftswissenschaftler“ Meinhard Miegel aus.

Mal wieder…

Miegel war schon sehr aktiv für die Deutsche Bank tätig als es darum ging, Millionen Menschen mit Hilfe der Privatrenten-Propaganda um ihre Ersparnisse zu betrügen.

Sie finanzierte ihm zu diesem Zweck sein „Institut für Wirtschaft und Gesellschaft e.V.“ (man beachte die Reihenfolge), welche nach erfolgreicher Mission im Jahr 2008 still und heimlich wieder geschlossen wurde.

Miegel als professionelles Mietmaul blieb nicht untätig und schuf sich ein „Denkwerk Zukunft – Stiftung für kulturelle Erneuerung“.

Selbstverständlich mit den gleichen Aufgaben und Auftraggebern. Auch dieses „Denkwerk“ gehört zum Netz der Porpaganda des Kapitals. Mit engen Verbindungen zur INSM, zum „Bürgerkonvent“ und zum „Frankfurter Zukunftsrat“.

Ausserdem ist Miegel tätig in der „Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen“ zusammen mit dem allseits beliebten „Wissenschaftler“ Bernd Raffelhüschen.

Die „Rechte zukünftiger Generationen“ bestehen darin, für Vermögens- und Kapitalbesitz keine Steuern zu zahlen und ohne gesellschaftliche Verantwortung millionenschwere Erbschaften verprassen zu können. Selbstverständlich unterhält man enge Kontakte zum selbsternannten „Bund der Steuerzahler“ u.ä. Lobbyvereinen der oberen 5%.

Nun wurde Miegel vom FDP-nahen Focus zu einem Interview gebeten:

Wohlstand als Religionsersatz

In diesem „Interview“ lässt sich Miegel auf 5 Seiten darüber aus, das auch in Zukunft wirtschaftliches Wachstum vom allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung „entkoppelt“ werden muss. Er beruft sich dabei auf den ökologischen Aspekt wirtschaftlicher Tätigkeiten als Argumentation für seine „wissenschaftlichen Erkenntnisse“:

Ich plädiere nicht für eine Abkehr vom Wachstum. Vielmehr sage ich, dass es das Wachstum, an das wir uns in vielen Jahrzehnten gewöhnt haben, in den frühindustrialisierten Ländern künftig nicht mehr geben wird.

An welches Wachstum war man denn gewöhnt? An das typische Wirtschaftswachstum, welches auch ein Wachstum an Wohlstand für die Bevölkerung zur Folge hatte. Früher nannte man dies „Zeichen für soziale Marktwirtschaft“.

Das Wachstum der Wirtschaft kommt bei der Bevölkerung nicht mehr als materielle Wohlstandsmehrung an.

Das ist ein Naturphänomen, ausgelöst durch die vom Himmel gefallene „Globalisierung“.

Oder vielleicht doch ganz anders?

Weil wir uns zunehmend in der Lage von Menschen befinden, die eine überschuldete Erbschaft angetreten haben. Denn spätestens seit Ende der 1970er-Jahre beruht das Wirtschaftswachstum in den frühindustrialisierten Ländern – je länger, je mehr – auf dem rasanten Verbrauch natürlicher Ressourcen, namentlich fossiler Energieträger, der weitgehend kostenlosen Nutzung der Umwelt als Müllkippe und dem Verschleiß von Gesellschaft.

Was Miegel nicht sagt: Wirtschaftswachstum beruhte schon immer auf dem Verbrauch natürlicher Ressourcen. Allerdings hat eine forcierte Politik der „Liberalisierung und Deregulierung“ der Wirtschaft dazu geführt, das dieser Ressourcenverbrauch hemmungslos und verschwenderisch wurde („Wegwerfgesellschaft“). Dass dies keineswegs gesellschaftliche, sondern profitsteigernde Gründe hatte, zeigt die Gründung der „Grünen“ Ende der 70er Jahre.

Hinzu kommt, dass zur zusätzlichen Stimulierung des Wachstums immer größere Schuldenberge aufgetürmt wurden.

Wahr ist: Seit 30 Jahren gilt „Stimulierung der Wirtschaft ist teuer, führt zu Verschuldung und ist nur ein Strohfeuer“.

Eine Ideologie, welche Miegel bis heute vertritt. Was er hier als „Ursache“ präsentiert, hat seit 30 Jahren nicht mehr stattgefunden.

Wenn man allerdings ein milliardenschweres Steuergeschenk an Baron Finck als „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ bezeichnet…

Werden künftig die Leistungen von Umwelt und Natur ordnungsgemäß bezahlt und zugleich die Schuldenberge abgebaut, haben wir zwar alle Hände voll zu tun, aber diese Arbeit schlägt sich nicht mehr nieder in der Mehrung materiellen Wohlstands.

Ahja…wenn es also kein „Wohlstandswachstum“ mehr gibt, sind Staatsverschuldung und Umweltschutz daran schuld.

Das Umweltschutz auch materiellen Wohlstand schaffen kann (Solarenergie, Recycling usw) wird schlicht geleugnet. Ebenso, das eine intakte Umwelt schon für sich einen gewissen Wohlstand darstellt.

Und natürlich (wie könnte es anders sein?) müssen die Staatschulden bei einer wohlhabenden Minderheit durch Wohlstandsverlust der großen Mehrheit bezahlt werden.

Man könnte ja auch das Geld, welches sich der Staat borgt, über Steuern bei den gleichen Leuten holen.

Aber das war schon in der kommunistischen Diktatur des Helmut Kohl ganz ganz schlimm, nicht wahr?

Während des längsten Teils der Geschichte gab es kein Wachstum, und trotzdem haben die Menschen gearbeitet…

Da hat er Recht! In der Geschichte der Menschheit gab es tatsächlich (fast) nur Phasen, in denen die arbeitenden Menschen kein Wachstum sahen. Das waren die Zeiten des Feudalismus und des Kapitalismus. Waren?

Wenn er allerdings ganz allgemein „Wirtschaftswachstum“ meint…dann ist Miegel einfach nur ein verlogener Spinner.

Für die Beschäftigung entscheidend ist nicht die Zahl der Menschen, sondern deren Produktivität.

Achneee… „Forscher “ Miegel hat die Produktivität entdeckt! Und morgen schon schwätzt er über die Sozialsystem, dass sie wegen der „Demografie“ unbedingt gekürzt und privatisert werden müssen.

FOCUS Online: Und die soziale Sicherung? Wir zählen immer weniger arbeitende Menschen und immer mehr Leistungsempfänger. Woher soll denn das Geld für Leistungen kommen ohne Wirtschaftswachstum?

Miegel: Unser heutiges Wohlstandsniveau pro Kopf der Bevölkerung liegt fünf- bis sechsmal höher als 1950. Wir werden keinen Absturz auf die Lebensbedingungen dieses Jahres erleben. Aber es ist nicht auszuschließen, dass sich das Niveau um ein Zehntel, vielleicht sogar um ein Fünftel verringern wird.

Damit für seine abzockenden Geldgeber alles wie bisher weiter geht, muss der Wohlstand der Bevölkerung um 10-20% reduziert werden.

In der Folge werden die Leistungen in allen Bereichen der sozialen Sicherung sinken.

Miegel stellt also fest, das wir eine stetig steigende Produktivität haben, welche bei ausfallendem Verbauch und Konsum zu Arbeitslosigkeit führt.

Aber die Idee, diese Produktivität gesellschaftlich gleichmäßiger zu verteilen und damit auch den Wohlstand, ist dem „Wissenschaftler“ Miegel noch nicht gekommen. Wäre ja auch blöd für die Deutsche Bank, wenn ihre Aktionäre von ihrem unverdienten Reichtum etwas abgeben müssten…

FOCUS Online: Sie würden also das Absenken dieser Unterkante (Existenzminimum, HartzIV) akzeptieren?

Miegel: Wenn die politische Entscheidung so ausfällt – also die Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht ist, das müsse so gehandhabt werden -, wäre das für mich eine Möglichkeit.

Jaja,,,die Illusion einer „herrschenden Demokratie“. Schon Helmut Kohl hat vor 30 Jahren damit aufgehört, politische Entscheidungen nach dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung zu treffen.

Aktuelles Beispiel: die Aufstockung und Verlängerung des Afghanistan-Kreuzzuges.

Wenn nach Schätzungen der EU zwei Billionen Euro aufzubringen sind, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, ist das nichts anderes als die Bezahlung für etwas, das wir bereits genossen haben.

Wir„? Wer ist „wir„? „Wir“ haben uns mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, das „unsere“ Autoindustrie mit Grenzwerten bei Feinstaub und Abgasen belastet wird. „Wir“ haben immer mit Massenentlassungen gedroht, falls „wir“ Geld für Umweltschutz-Bauteile ausgeben sollten. „Uns“ waren die jährlichen Gewinne viel wichtiger! Erst die bösen Japse und Koreaner haben „uns“ vor 20 Jahren dazu gezwungen, aus „aufpreispflichtigem Katalysator“ eine Sereinausstattung zu machen.

Zum Glück konnten „wir“ bei der Umwelt-Abwrackprämie die Abgas-Grenzwerte verhindern, welche die Öko-Terroristen und Klimawandel-Schwindler immer gefordert haben.

Wir sind Deutschland!

Wem es nicht gelingt, immaterielle Wohlstandsquellen für sich zu erschließen, der wird künftig arm dran sein. Daran sollte es keine Zweifel geben.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Heinrich Heine, September 1844

Was meine ich? Wenn niemand zu Abstrichen bereit ist, könnten wir massenhaft erleben, was sich bereits jetzt andeutet. Da werden zum Beispiel Theater geschlossen oder Mitarbeiter entlassen, weil Mittelkürzungen unvermeidlich sind.

Warum eigentlich? Es wäre doch auch möglich, dass sich alle Beteiligten auf ein etwas niedrigeres materielles Niveau einstellen und erklären: Zwar sind unsere Einkommenskürzungen nicht schön, aber wir werden weiter Theater spielen, so wie wir dies mit der finanziellen Ausstattung, sagen wir des Jahres 1995, getan haben.

Ganz schlimm wäre es, wenn die Bevölkerung auf materielle Wohlstandseinbußen mit einer Haltung des Wir-machen-nicht-mehr-mit reagieren würde. Das würde zu wirklichen Problemen führen.

Das wäre wirklich schlimm! Wacht der deutsche Michel auf und sagt Wir-machen-nicht-mehr-mit, werden Leute wie du eine schnelle und scharfe Klinge im Nacken spüren! Nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber dafür nachhaltig!

Geld oder allgemeiner Besitz wird bei uns gleichgesetzt mit Leistung.

Von wem wohl?

Mit der Aufklärung vermittelte die tradierte Gottesvorstellung vielen Menschen keinen Lebenssinn mehr.

Da ist es ja, das „Eiapopeia vom Himmel“ des „Gürtel-enger-schnallen“-Wanderpredigers Miegel von der Deutschen Bank.

Deshalb muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass sich das große Sinn- und Heilsversprechen dieser Gesellschaft – die immerwährende materielle Wohlstandsmehrung – nicht länger einlösen lässt.

Und Leute wie du und der Focus sorgen dafür, das eine wohlhabende Minderheit von diesem Bewusstsein verschont bleibt.

PS: Selbstverständlich führte der Focus dieses „Interview“ aus reiner Sorge um die Zukunft und nicht etwa, weil ein Dummschwätzer ein Buch verkaufen will!


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3 Kommentare - “Kein Wohlstand für alle!”

  1. Hetman Says:

    dieser artikel gehört so allgemein publiziert, das jeder ihn lesen kann!

    wunderbar geschrieben!

  2. Anonymous Says:

    Aufgelesen und kommentiert 2010-03-14…

    Westerwelle verkaufte hohen Posten im Aussenministerium für 160.000 Euro Westerwelle verteidigt sein Verhalten auf Auslandsreisen CDU-Ministerpräsident Rüttgers und sein Kampf gegen kritische Berichte Berliner S-Bahn hat nur einen Ersatzzug – und der i…

  3. willi Says:

    Miegel ist ein erstaunliches Phänomen. Als er vor längerer Zeit mit seiner Thesen vom demographischen Wandel und der Unfinanzierbarkeit des Rentensystems überall herumgereicht wurde
    und er später, als man ihm nach wies, dass sein „Institut“ wohl vergessen hatte den Produktivitätsfortschritt mit zu berücksichtigen, kleinlaut auf „erneutes Nachdenken“ plädierte, hätte man seinen Laden unter Kleinkunst/Kabarett einsortieren müssen.
    Stattdessen darf er weiterhin mit all den anderen Taschenspielern den Leuten Glasperlen aufschwatzen. Das Niveau der öffentlichen Diskussionen ist mittlerweile so unterirdisch, dass Leute, die noch über einen funktionieren Verstand verfügen sich nur noch mit Grausen abwenden. Man wird es irgendwann leid, gegen all die Dummheiten, die täglich immer und immer wieder unters Volk gebracht werden anzugehen. Doch solange es genug Leute gibt, die den Quatsch glauben -und das Heinezitat zeigt leider, dass die wohl so schnell nicht aussterben- wird sich nichts an dem Zustand, dass einige wenige Besitzende sich an der Mehrheit der Besitzlosen, die keine Wahl haben, bereichern. Blöd nur wenn die meisten Looser das auch noch gut finden, weil sie es nicht durchschauen.


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