verkommene Springer-WELT

In der Kombination „HartzIV-Urteil“ und „NRW-Wahl“ läuft die  WELT der Friede Springer zur Hochform auf.

Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Artikel oder Kommentar zur Legitimierung von Sozialkürzungen und zur Volksaufhetzung gegen Arbeitslose erscheint.

Nachdem die dumme Hannelore nun zurückgerudert ist und fortan von „freiwillig“ und „bezahlte Arbeit“ faselt (Was will diese Frau eigentlich?), lässt die Chefredaktion einen angeblichen „Sozialrechts-Anwalt“ und die unvermeidliche INSM die Westerwelle reiten.

Der angebliche Anwalt als anonymer „Gesprächspartner“:

O-Ton Deutschland

Hartz IV als Abbild einer verkommenen Gesellschaft

Ahja…dem Leser wird also der O-Ton Deutschland aufgetischt.

Das erinnert doch sehr an „Ganz Deutschland diskutiert über…“ der BILD, wenn in selbiger Redaktion mal wieder die Keksdose leer ist.

Der angebliche Anwalt lamentiert in bester FDP-Manier über Strukturen und Verwaltungen der Hartz IV-Behörden, beschwert sich über „Anspruchsdenken“ seiner klagenden Mandanten sowie über die von der FDP kritisierten ungenau definierten Rechtsnormen.

Nach seitenlangem Palaver über Dinge die eh schon jeder weiß, kommt der angebliche „Sozialrechtsanwalt“ zur Sache:

Hartz IV würde es in meinem Modell gar nicht geben.

Lieber soll der Staat das, was er jetzt als Hilfe gibt, als Gehalt bezahlen.

Wer dann allerdings freiwillig keiner Arbeit nachgeht, der würde bei mir auch nichts kriegen.

So soll er sich wohl anhören, dieser O-Ton Deutschland nach dem Willen der Kapital- und Medienbesitzer?

HartzIV als „Gehalt“ in Verbindung mit dem „neuen“ Bundesarbeitsdienst.

Da kann die BILD ja wieder titeln: „Sozialrechtsexperten fordern soziale Zwangsarbeit“.

Dazu noch ein bisschen Sarrazin, Clement & Co…und schon ist die öffentliche Meinung wieder „auf Linie“.

Natürlich darf auch die neofaschistische INSM nicht fehlen. Sie hat ihren „Wirtschaftswissenschaftler“ Hüther damit beauftragt, die Auswirkungen der Harztz-Gesetze auf den Arbeitsmarkt nach allen Regeln der Demagogie zu verharmlosen.

Und selbstverständlich wird diese INSM-Studie des „Institutes der deutschen Wirtschaft“ in allen Medien breitgetreten.

Was lässt die INSM denn verkünden?

Studie – Hartz IV zerstört keine Vollzeitjobs

Hartes Brot! Was seit 5 Jahren für jeden Blinden ersichtlich und für jeden Tauben hörbar ist, wird nun in der „wichtigen HartzIV-Debatte“ hochwissenschaftlich geleugnet.

Die Mittel und Methoden sind dabei Hüther-typisch vollkommen lächerlich:

Wie schon zehn Jahre zuvor hätten auch 2008 unverändert vier von zehn Menschen im erwerbsfähigen Alter unbefristet und Vollzeit gearbeitet, sagte IW-Direktor Michael Hüther und wandte sich damit gegen andere Darstellungen.

Ahja…nur noch 25% der „Menschen im erwerbsfähigen Alter“ haben also einen „guten Job“. Das war angeblich vor 10 Jahren auch schon so.

Aaaaaaber: Sollten es nicht (nach den Hartz-Gesetzen) wesentlich mehr sein?

Und gab es 2008 auch eine Wirtschaftskrise wie 1998? Dem Jahr als die gescheiterte Kohl-Regierung durch die korrupte Schröder-Diktatur abgelöst wurde?

Irgendwie seltsam, diese unhistorischen „Erkenntnisse“ des Herrn Hüther.

Danach geht die deutliche Zunahme bei geringfügiger, befristeter und Teilzeitbeschäftigung auf das Konto der zwischen 2003 und 2008 neu entstandenen 1,4 Millionen Arbeitsplätze. „Unbefristete Vollzeitstellen wurden nicht verdrängt“, lautet Hüthers Fazit.

Ahja…

Damit wird wenigstens zugegeben, dass in Deutschland seit vielen Jahren kontinuierlich ein stabiler und halbwegs sicherer Arbeitsmarkt durch eine völlig ungesichterte Variante „flexibler Arbeitsgelegenheiten“ ersetzt wird. Selbst echte Wachstumsphasen (2003 -2004 und 2006-2008) reichen nicht mehr aus, um richtige Arbeitsplätze zu schaffen. Stattdessen greift man lieber auf die „Flexibilisierung“ der Hartz-Clement-Reformen zurück mit Teilzeit, Niedriglohn und Leiharbeitss-Sklaverei und Scheinselbstständigen Ich-AG. Diese „Arbeitsplätze“ lösen sich dann schneller wieder in Luft auf, als sie entstanden sind. So wie 2009 gut zu sehen war.

Die Hartz-Reformen hätten aber zur Ausweitung flexibler Formen der Erwerbsarbeit beigetragen und als „Sprungbrett“ in den Arbeitsmarkt gedient.

HartzIV als „Sprungbrett in den Arbeitsmarkt“? Hä? Was ist das denn wieder für eine INSM-Halluzination?

Sprungbrett in die Tagelöhner-Gesellschaft mit staatlich finanzierten Hungerlöhnen…das wäre wohl realistischer. Aber sowas dürfen Leute wie Hüther & Co natürlich in der Öffentlichkeit niemals zugeben.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter seien die Vollzeitstellen ohne Befristung zwischen 1988 und 2008 von 40 auf 38 Prozent zurückgegangen. Dies sei weniger als allgemein diskutiert werde, sagte Hüther

Nungut… um seine HartzIV-Verharmlosung auf die Spitze zu treiben, langt Hüther mal eben 20 Jahre in die Vergangenheit zurück.

Das ist allerdings völlig dämlich:

2008 faselten alle denkbaren und undenkbaren Politiker etwas von „Vollbeschäftigung“ und ewig anhaltendem Wachstum.

Und was war vor 20 Jahren? Von 1985 bis 1989 ging es im Westen derartig in die Krise, das Kohl sich nur mit Mühe im Amt halten konnte. Jedem war klar: Die Bundestagswahl 1990 würde Kohl gegen Lafontaine verlieren. Nur seine überstürzte Wiedervereinigungs-Orgie mit den „blühenden Landschaften“ hat ihm das Amt gerettet.

Und sowas wird ernsthaft mit dem Boom 2007-2008 verglichen?

Hüther hat nicht mehr alle Nudeln in der Suppe!

Apropos…

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter seien die Vollzeitstellen ohne Befristung zwischen 1988 und 2008…

Welche „Gesamtbevölkerung“ gab es denn 1988?

Gemäß dieser INSM-finanzierten Hüther-Studie mit „kaum abgenommener Vollzeitarbeit“ müsste es doch in Ostdeutschland heute noch wie 1988 Vollbeschäftigung geben, oder?

Was hat Hüther da eigentlich „wissenschaftlich“ verglichen? Westdeutschland 1988 mit Gesamtdeutschland 2008 oder für 2008 auch nur Westdeutschland? Hat er überhaupt die Verlagerung von Produktionskapazitäten der volkseigenen Wirtschaft der DDR zu den Konzernen Westdeutschlands mit Hilfe der Kohl-Regierung und der „Treuhand“ berücksichtigt?

Ein Vergleich mit 1991 oder 1992 wäre wesentlich aufschlussreicher und ehrlicher gewesen. Allerdings hätte es dann eine andere Überschrift geben müssen…

Am Abstand zwischen den unteren Einkommen und den Sozialleistungen habe sich durch die Hartz-Reformen nichts geändert.

Natürlich nicht! Das war ja auch die Absicht der Hartz-Gesetze! Genauso wie man das Alg2-Niveau im Vergleich zu 2004 um 30% abgesenkt hat (HartzIV-Urteil!), so hat man dies auch mit den Löhnen getan. Brutto.

Da HartzIV nicht mehr an die Löhne, sondern an die Renten gekoppelt wurde, hätte sich der „Lohnabstand“ eigentlich nach mehreren Rentenkürzungen und -nullrunden stark erhöhen müssen. Eigentlich…

Für diesen Unsinn haben die Reichen jede Menge Geld übrig…aber für Löhne und Gehälter nicht.

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