Realität ist doof

Was für ein herrlicher Sonntag!

Die erste Märzwoche ist rum und selbst Frühaufstehern blitzelt die Frühlingssonne in die verschlafenen Äuglein.

Frischen Mutes schreitet man zum Fenster um den Frühling hereinzulassen…

Aber dann: Schockstarre! Kurz vor dem Missgriff fällt der Blick aufs Thermometer: MINUS 12°C!

Ok…da war sie wieder, die dumme Realität! Da lässt man sich von Äußerlichkeiten beeinflussen und wenn dann die realen Messdaten ins Auge hopsen, befindet man sich im tiefsten Sibirien.

Aber zum Glück bin ich nicht der Einzige, dem Wahrnehmung und Realität heute einen Streich gespielt haben.

Da ist z.B. der Chefhetzer der WELT, Ulf Poschardt, mal wieder auf dem Kriegspfad. Und weil heute Sonntag ist und bei der Kälte nichtmal ein Poschardt in die Realität rausgeht, widmet er sich in einem Interview dem Berliner „Regierenden Bürgermeister“ Wowereit.

Und weil Wowi nicht nur SPDler und schwul ist, sondern auch noch ein „Kommunistenmitregierenlasser“, tritt ihm Poschardt mit Genuss erstmal ordentlich als Schienbein:

Wowereit geht nur ins Büro, wenn er Lust dazu hat

So lautete heute Morgen die (ursprüngliche) Überschrift des Interviews.

Poschardt leitet diese Überschrift aus einer Wowereit-Antwort ab:

Welt am Sonntag: Viele Beobachter glauben, Sie haben die Lust an Ihrem Job verloren.

Wowereit: Wenn das so wäre, könnte ich morgens nicht ins Büro gehen. Das geht nur, wenn man wirklich Lust auf diesen Job hat.

Ein paar Stunden und 100 Kommentare (komisch…die sind bei sowas nie „deaktiviert“) später lautet die Überschrift plötzlich:

„Haben Sie die Lust an Ihrem Job verloren?“

Sie bezieht sich auf die gleiche Frage (welch Zufall!), ist aber genauso realitäts- und antwortfern.

Iran

Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad hat in einer Rede erklärt, die Anschläge vom 11. September 2001 seien nicht das Werk irgendwelcher Moslems, sondern das Werk der US-Regierung, um (mal wieder) in den Krieg (diesmal gegen Afghanistan) ziehen zu können.

Hat lange gedauert…die Hälfte der Menschheit war schon ein paar Wochen nach dem 11. September davon überzeugt.

Aber egal was Ahmadinedschad auch sagt…die Springerpresse macht ihn sofort zum „Irren von Teheran“ und sich selbst gleich lächerlich:

Ahmadinedschad hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach die Tatsache bestritten, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden für die Anschläge vom 11. September mit fast 3000 Todesopfern verantwortlich ist.

Auch (fast) 10 Jahre nach dem Abriss der beiden Hochhäuser gibt es keinerlei Beweise für die Existenz oder Urheberschaft eines „Terrornetzwerkes El Kaida“ oder einer Beteiligung eines gewissen Osama bin Laden.

Selbiger „Ober-Terrorist“ wird nichtmal in den USA wegen des 11. September gesucht. Weder von der Polizei noch von CIA oder FBI.

Der iranische Präsident hatte wiederholt den Holocaust geleugnet und die Zerstörung Israels gefordert.

Blablabla…immer die gleichen Lügen und Legenden. Selbst die Merkel-Regierung musste 2007 schon öffentlich zugeben, bei ihrer Anti-Iran-Propaganda einfach nur gelogen zu haben.

Ahmadinedschad hat nie den Holocaust geleugnet oder die „Vernichtung Israels“ gefordert.

Das sind historische Tatsachen und haben damit keinen Platz in der „Realität“ des Springer-Konzerns.

Bundesarbeitsdienst

Frau Kraft aus NRW arbeitet verzweifelt am völlig realistischen Ziel einer rot-grünen NRW-Regierung ab dem 9. Mai.

Nachdem die Medien die gelbe Hohlbirne Westerwelle zum „Guido Superstar“ aufgeblasen haben, möchte die dumme Hannelore im letzten Moment auf das Trittbrett des abgefahrenen Zuges aufspringen.

Nachdem sie über das CDU-Stöckchen „Nicht mit den Linken!“ gesprungen war, will sie nun Westerwelles „Schneeschippen“ in der trügerischen Frühlingssonne durch „Straße fegen“ ersetzen.

Als Lohn für die langfristige Beschäftigung in gemeinnützigen Jobs reiche ein „symbolischer Aufschlag auf die Hartz-IV-Sätze“, der ohne Mehrkosten für den Staat realisierbar sei.

Da fällt mir ein: 1-Euro-Jobs sind weder langfristig noch gibt es einen nur „symbolischen “ Zuschlag zum Alg2.

Offensichtlich steht Frau „Kraft durch Freude“ in ungebrochener Tradition zu Schröder, Clement u.a. „Sozialstaatsreformern“.

Selbstverständlich macht sich die versammelte Pressemeute über die Westerwelle-Trittbrettfahrerin Kraft nur noch lustig. Zumal die „SPD“-Führung um Gabriel in Berlin kein gutes Wort für den Möven- und Rosinenpicker Westerwelle übrig hatte.

Und was macht WELT am Sonntag daraus?

CDU will Hartz-IV-Empfänger vor der SPD retten

Mit Empörung reagiert die Union auf den Vorschlag der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Hannelore Kraft, Hartz-IV-Empfänger sollten soziale Arbeit leisen.

Und wie sieht die Realität in diesem Fall aus?

Der Bundesvorsitzende des CDU-Sozialflügels, NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, nannte es dagegen „unerträglich“, dass die SPD- Landeschefin einem Viertel der Hartz-IV-Empfänger keine Chance mehr einräume.

Laumann ist also „die CDU“ und „reagiert mit Empörung“?

Mitnichten…seine Kritik bezog sich auf die Kraft-Aussage, dass etwa ein Viertel der HartzIV-Opfer „nie wieder einen richtigen Job finden werden“.

Gegen „Straße fegen zum Nulltarif“ als Ersatz für die bisherigen Arbeitsplätze bei der Stadtreinigung haben weder CDU noch FDP oder Grüne etwas.

Wer in NRW die HartzIV-Empfänger vor der SPD retten will, wählt jene Partei, welche im bereits laufendem Wahlkampf (wie immer) ignoriert wird.

Zu viel Geld ist gefährlich

Der neoliberale Extremist Ottmar Issing von der ZEIT hat auch ein Problem mit der Realität.

In seinem Artikel zieht er über den Keysianismus her und erklärt den mehrfach gescheiterten Milton Friedman zum „Heilsbringer aus der Krise“:

Die keynesianische Politik produziert hohe Staatsschulden und neue Finanzblasen. Der Monetarismus wird eine Renaissance erleben.

Der weltweite Anstieg der Vermögenspreise ist ohne die immense Ausweitung der Geldmenge und des Kreditvolumens nicht denkbar. Das Platzen dieser Blase hat die Weltwirtschaft in die größte Krise seit der Großen Depression gerissen.

In der Realität war es dann doch wohl eher so, dass die Geldmenge eben NICHT mit dem Kreditvolumen Schritt hielt und es daher zu einer Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise kam. Alle Zocker handelten nicht mit Geld, sondern mit irgendwelchen Schuldscheinen, bis dann einer der Zocker eines Tages zu seiner Bank ging und sich seinen „Gewinn“ auszahlen lassen wollte…

Die Kasse war leer und das Kartenhaus brach zusammen.

Aber das interessiert Issing nicht. Für ihn war die angebliche „Keynes-Geldpolitk“ Grund und Ursache der Krise und nur Freimarktler Friedman hätte die richtigen Rezepte als Gegenmaßnahmen.

»Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen« – diese für den Monetarismus fundamentale These Milton Friedmans wird sich immer wieder bestätigen.

Hoffentlich muss die Welt nicht erst durch eine neue Phase der Inflation an ihre Gültigkeit erinnert werden.

Dumm…dümmer…Issing.

Erst haben die Friedman-Anbeter mit ihren unregulierten Finanzmärkten die Weltwirtschaft ruiniert und dann die Staaten und Notenbanken um mehrere Billionen Euro/Dollar abgezockt.

Damit nicht auch noch der dumme Pöbel etwas vom Kuchen abbekommt, malen Issing & Co wieder die „Hyper-Mega-Super-Inflation“ an die Wand. Dabei sind angesichts der real existierenden Deflation die Chancen äußerst gering, dass das satte Kapitalistenpack ein paar Krümel vom Kuchen nach unten fallen lässt. Zur Not stehen Merkel und Westerwelle schon bereit, um die Krümel gleich wieder mit „dringend notwendigen Strukturreformen bei Kranken- und Rentenversicherungen“ aufzufangen.

Hotelsteuer und Bundeshaushalt

Die von CDU und FDP eingeführte „7%-Hotelsteuer“ auf Wunsch des Parteispenders Baron von Finck (Mövenpick) führt zu Einnahmeverlusten von etwa 1 Mrd Euro jährlich.

Der von CDU und FDP beschlossene Bundeshaushalt für 2010 sieht eine Kürzung bei „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“ in Höhe von 600 Mio Euro vor.

Wenn der Haushaltsplan beschlossen ist werden wir erfahren, wer die restlichen 40% „gegenfinanziert“.

Die Arbeitslosen, die Kranken oder die Rentner?

Zieht euch warm an!

Es ist kälter als es aussieht!

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2 Kommentare - “Realität ist doof”

  1. mattys Says:

    danke für diesen artikel ,ich hoffe immer mal was gute zu hören aber ,moment, ich wohne ja in diesem sogenannten deutschland.eine buchempfelung hätte ich noch albrecht müller ,machtwahn,einfach mal lesen

  2. Gioconda Says:

    Köstlich, die Geschichte mit dem Poschardt. Erinnert mich an den Klassiker mit dem Kardinal.

    Kardinal besichtigt eine Kleinstadt. Frage des Journalisten: Möchten Sie heute abend ein Nachtlokal besuchen? Kardinal: „Gibts hier überhaupt ein Nachtlokal?“

    Schlagzeile am nächsten Morgen: „Erste Frage des Kardinals: Gibts hier Nachtlokale?“


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