Archiv für Februar 2010

Zukunft der Arbeit

24. Februar 2010

Die „dringend notwendige Sozialstaatsdebatte“ der Reichen und Mächtigen ist immer noch in vollem Gange.

In der deutschen Wirtschaft und ihren Medien herrscht die Befürchtung, eine „Reform der Reform“ könnte zu einer Erhöhung der Regelsätze und damit zu einem Ende des ungehemmten Lohndumpings in Deutschland führen.

Gemäß den kapitalistischen Verwertungsideologien konzentriert man sich dabei auf 2 Punkte:

  • „Arbeit muss sich wieder lohnen“ als Floskel für ein „Lohnabstandsgebot“ zwischen HartzIV-Empfängern und Tagelöhnern
  • „Keine Leistung ohne Gegenleistung“ als Floskel zur Wiedereinführung des „sozialen“ Reichsarbeitsdienstes

Prinzip von Leistung und Gegenleistung

Das marktradikale und arbeitgeberfinanzierte „Institut zur Zukunft der Arbeit“ (das sind die mit der Idee der Arbeitslosen-Versteigerung) hat dazu ein hochwissenschaftliches „Forschungsexperiment“ durchgeführt:

Drei Studenten sitzen in einem Raum und sortieren Blätter. Dafür bekommen sie sechs Euro die Stunde. Plötzlich kommt der Chef herein und verkündet, dass er einen feuern muss. Damit der Entlassene über die Runden kommt, sollen die anderen beiden einen Teil ihres Lohns an ihn abtreten. Dafür dürfen sie aber entscheiden, ob er das Geld ohne weitere Gegenleistung erhält, oder ob er ein bisschen unterstützen muss beim Blättersortieren. Alle drei Studenten votieren für die Mithilfe. Begründung: „Weil das gerecht ist.“

„Diese logische Denkweise ist in unserem sozialen Sicherungssystem abhanden gekommen“, sagt der Direktor für Arbeitsmarktpolitik am IZA, Hilmar Schneider. (Focus)

Tolle Logik: Die Wirtschaft entlässt ein Drittel der Arbeitnehmer und als „Gegenleistung“ für ihre Arbeitslosenunterstützung dürfen sie an ihrem alten Arbeitsplatz zum Nulltarif (für die Arbeitgeber) weiter arbeiten.

Und der Rest der Belegschaft finanziert das Ganze über „Lohnsharing“.

Und weil der Arbeitgeber zukünftig für ein Drittel seiner Belegschaft keinerlei „Lohnkosten“ mehr hat, ist das Ganze natürlich „fair“ und „sozial gerecht„.

Der Arbeitslosen-Versteigerer Hilmar Schneider (IZA-Direktor) sagt dazu:

„Was uns im Studentenexperiment noch als fair erscheint, gilt in der Debatte um Langzeitarbeitslose und Hartz IV nicht mehr.“

Das passt dann natürlich wieder zu Roland Kochs Vorschlag, Arbeitslosenhilfe regulär an den Fließbändern der Kapitalbesitzer „abarbeiten“ zu lassen.

Das ist für den „Focus“ der FDP natürlich eine willkommen Vorlage, um die braune Suppe seines Helden Westerwelle am köcheln zu halten:

Genau darin liegt wohl auch die Brisanz der Äußerungen von Guido Westerwelle. Westerwelles Forderung, sich wieder verstärkt auf das Prinzip Leistung und Gegenleistung zu besinnen, ist der Aufreger der Nation.

Dann liefert der Focus noch das bekannte Westerwelle-Beispiel „Schnee schippen“ und lässt den IZA-Direktor ganz nach DIW-Vorbild darüber klagen, das zu wenig Sanktionen gegen „Arbeitsunwillige“ verhängt würden und das es im Internet angeblich Anleitungen zum Widerstand gäbe.

Danach folgen die unweigerlichen Zahlenspielereien fernab der Realität:

Ein alleinstehender ALG-II-Empfänger ohne Arbeit erhält ein Transfereinkommen von rund 650 Euro monatlich. Unterstellt man einen – für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Langzeitarbeitslose mit entwerteten Qualifikationen hohen – Bruttostundenlohn von 7 Euro, läge das Nettoeinkommen bei Vollzeittätigkeit um 900 Euro. Wegen des entfallenden Transferanspruchs beträgt der effektive Stundenlohn also weniger als 1,50 Euro. Die wenigsten dürften bereits sein, zu diesem Lohnsatz zu arbeiten.

Ganz selbstverständlich wird also hingenommen und unterstellt, das unter HartzIV berufliche Qualifikationen per Gesetz neutralisiert werden und das es für Vollzeitjobs einen Stundenlohn von max. 7 Euro geben muss.

Diese Zahlen stützen Westerwelle in seiner Kritik.

Achja? Wenn das der Wahrheit entsprechen würde…warum gibt es dann in der Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ inzwischen über 1.000.000 Menschen als „Aufstocker“, welche für weitaus weniger als das Alg2 oder 7 Euro/Stunde die Profite der Vermögenssteuer-Befreiten erarbeiten?

Es gehe um ein Umdenken in der Bevölkerung. Nicht umsonst sei die große Hartz-Reform von einer SPD-Regierung angestoßen worden. „Derartige Einschnitte können nur mit dem Vertrauen der Arbeitnehmerschaft bewältigt werden.“

So langsam scheint es der herrschenden Klasse zu dämmern, das der 2005 erfolgte Austausch des „sozialdemokratischen Reformers“ Schröder gegen die aussitzende Merkel doch keine gute Idee war.

Wenn Westerwelle mit seiner „Sozialstaatsdebatte“ den „sozial gerechten“ Arbeitsdienst in den Fabriken seiner Parteispender fordert, steht groß auf seiner Stirn „Ich bin ein Wirtschafts-Lobbyist“.

Bei Schröder hat man jahrelang behauptet, er sein ein „Sozialdemokrat“ und „Anwalt der Arbeiter und der Mitte“.

Viele Menschen sind auf diese Propaganda hereingefallen, genauso wie damals: 1933.

Schnee schippen

In Berlin hat man im Gegensatz zum IZA des Steuervermeiders Zumwinkel ein anderes Experiment gewagt. Am Berliner Experiment nahmen allerdings keine 3 BWL-Studenten teil, sondern 25.000 (!) arbeitslose HartzIV-Opfer.

Die Fragestellung lautete:

Wieviele HartzIV-Faulpelze melden sich zum Schneeschippen, wenn man ihnen statt 6 Euro (1-Euro-Job) 50 Euro pro Tag anbietet?

Ergebnis: Die Telefonzentrale brach zusammen und man stand plötzlich vor der Frage, wo man eigentlich 25.000 Schneeschieber und Straßenbesen herbekommen solle.

Dabei hätten diese 25.000 faulen Sozialschmarotzer eh nur 2 Tage arbeiten dürfen wegen der Einkommenanrechnung des SGB II…

Am Ende haben 650 von 25.000 „Bewerbern“ diesen Winterjob gekriegt.

Das entspricht einer Quote von 38,5 HartzIV-Faulenzern pro Job.

Und Focus -Online fragt:

Hat Westerwelle also doch recht mit seiner Behauptung, wer „dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“?

Nein!

Im alten Rom mussten die Herren noch selbst Geld ausgeben beim Kauf von Sklaven und für ihre „Lebenserhaltung“.

Heute fordern die Herren, die bereits vorhandenen Sklaven sollen per „Lohnverzicht“ den Ankauf neuer Sklaven doch bitte selbst finanzieren.

Im oben genannten „IZA-Experiment“ ging es ja nicht um „gesellschaftliche Arbeit“, sondern um Arbeit zu Gunsten des Chefs als Gegenleistung für die „Stütze“, welche von den anderen Studenten zu bezahlen war.

Neue Soziale Marktwirtschaft

Die Arbeitnehmer bezahlen „ihre“ Sozialsysteme aus eigener Tasche und die Kapitalisten empfangen die „Gegenleistung“.

Frage des Jahres 2010

19. Februar 2010

Georg Paul Hefty macht sich heute in der FAZ Gedanken über die FDP, Westerwelles Hetztiraden und die Ratlosigkeit der Regierung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes.

Er stellt dabei die Frage des Jahres 2010:

Wie können Kinder grundgesetzkonform so vor Armut bewahrt werden, dass ihre Eltern dadurch nicht von der Arbeitssuche abgehalten werden?

Ich hätte zur „Frage des Jahres“ eine Alternative:

Wann fordert jemand die Arbeitgeberverbände auf, „Arbeitsanreize“ zu schaffen?

Zahlen und Fakten

18. Februar 2010

Immer mehr Menschen leben in Armut

So titelt BILD in einem Artikel über die aktuelle DIW-Armutsstudie.

Aber BILD wäre nicht BILD und das DIW nicht das DIW, wenn Berichterstattung und Zahlen etwas mit Fakten und Realität zu tun hätten.

Danach sind bereits 14 Prozent der Bevölkerung gefährdet, vor allem kinderreiche Familien und junge Leute.

Soso… 14 % der Bevölkerung sind also „armuts-gefährdet“?

Fakt ist: Das DIW hat lediglich die Armen gezählt, welche wirtschaftsabhängig sind: also Arbeitnehmer, Geringverdiener, Tagelöhner etc.

Nicht gezählt wurden die Empfänger staatlicher Sozialleistungen.

Wenn wir also von etwa 8 Mio offiziell und inoffiziell gezählten Sozialfällen ausgehen, entspräche das einem Bevölkerungsanteil von etwa 10%.

Damit kämen wir auf eine Armutsquote von 14% + 10% = 24%.

Hinzugezählt werden müssen noch die Armutsrentner, welche nach einem langen Arbeitsleben zu stolz sind, um beim Sozialamt die Aufstockung mit Hilfe der Grundsicherung zu erbetteln.

Schätzungsweise nochmal 5Mio von 20Mio Rentnern.

Somit ergäbe sich ein Anteil von mehr als 34% der deutschen Bevölkerung, welcher in Armut lebt.

Nach EU-Norm mit weniger als 60% des mittleren Einkommens.

Dieses „mittlere Einkommen“ entsprach vergangenem Jahr 2575 € brutto.

Damit gilt als arm, wer in Deutschland weniger als 1545€ pro Monat vor Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen hat.

Und was sagt das DIW dazu?

Dies sei ein beträchtlicher Zuwachs gegenüber 1998 – „und das, obwohl der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und das Elterngeld diese Entwicklung bereits entlastet haben“.

Na klar doch. Als ob Kindergartenplätze und das Elterngeld für Reiche etwas an der Einkommensarmut ändern könnten.

Beachtlich die Frechheit, das Elterngeld auch noch zu erwähnen! Ausgerechnet den Armen wurde mit dem Elterngeld das ehemalige „Erziehungsgeld“ um mehr als 50% gekürzt.

„Höhere Hartz-IV-Sätze reduzieren zwar Einkommensdefizite“, erklärte Markus Grabka, einer der Autoren der DIW-Studie. „Sinnvoller erschienen aber Investitionen in Kinderbetreuung und in verbesserte Erwerbschancen für Alleinerziehende und Familien mit jungen Kindern.“

Hehe...“verbesserte Erwerbschancen“! Noch hohler und leerer geht es wohl nicht?

Wie wäre es mit bezahlten Arbeitsplätzen anstatt mehrdeutig interpretierbarer „Erwerbschancen“?

Während der überaus erfolgreichen HartzIV-Ära stieg der Armutsanteil in der Bevölkerung damit um mehr als ein Drittel.

Ursache der flächendeckenden Verarmung: massive Kürzungen bei den Sozialleistungen, Ausdehnung und Deregulierung des Niedriglohnsektors und der Leiharbeit sowie die mit den Riester-Gesetzen beschlossenen Rentenkürzungen.

Aber diese Tatsachen sucht man in BILD vergebens…

Natürlich nutzt BILD auch hier wieder die Gelegenheit, um noch ein paar Paniksätze zur „Altersarmut“ einzuflechten. Schließlich ist man seinem „Werbepartner“ Allianz AG mit seiner „Volks-Rente“ ja auch irgendwie verpflichtet…

Der Bundesverband der Deutschen Banken fordert von der Regierung Weichenstellungen gegen eine zu befürchtende wachsende Altersarmut.

Schon heute mache die gesetzliche Rente durchschnittlich kaum mehr als 60 Prozent des Gesamteinkommens der Rentnerhaushalte aus, und die Quote werde weiter sinken, sagte Geschäftsführer Bernd Brabänder bei der Vorstellung der Studie „Risiko Altersarmut“ in Berlin.

Nicht erwähnt von BILD und dem Lobbyverband der Banken:

Diese Rentenkürzungen wurden von Rürup und Riester per Gesetz vorgesehen, um Banken und Versicherungskonzernen das Milliardengeschäft „private Altersvorsorge“ erst zu ermöglichen.

Die Schröder-Regierung des „nicht unabhängigen Finanzdienstleisters AWD“ hat übrigens eine gesetzliche Reduzierung der Renten auf weniger als 47% des durchschnittlichen Nettoeinkommens beschlossen.

Aber was erklären die Banken?

Die Gesetzliche Rentenversicherung mit ihrer demografisch bedingten Schieflage werde die Herausforderung Altersarmut voraussichtlich nicht bestehen.

Jaja…da isse ja wieder, die „demografische Schieflage“ als „Herausforderung“.

Fakt ist: Allein beim Familienbetrieb „VW-Konzern“ wird es in den nächsten 4 Jahren eine Steigerung der Produktivität um zusätzlich 10% pro Jahr(!) geben.

Allerdings unbezahlt. Die „Bezahlung“ erfolgt ersatzweise als „Arbeitsplatzgarantie“.

Dummerweise sind die Rentenkassen von bezahlter Arbeit abhängig und haben nichts von unbezahlter Mehrleistung. Ganz im Unterschied zu den Familien Porsche und Piech als VW-Eigentümer von Adolfs Gnaden seit 1938.

Fakt: Wir haben keine „demografische Schieflage“, sondern eine extreme Schieflage bei der Verteilung von Gewinnen und Produktivität.

Wenn die Produktivität bei gleichen Lohnkosten um über 40% in 4 Jahren ansteigt…wer soll eigentlich die vielen zusätzlich hergestellten Autos kaufen?

Müsste es dazu nicht auch zusätzliche Kaufkraft geben?

(nur mal so gefragt…)

631 Euro Alg2

Dipl.-Kaufm. Rüdiger Böker ist Mitglied des Deutschen Sozialgerichtstages e.V. und einer der Kläger-Gutachter im HartzIV-Prozess.

(komisch…bei „HartzIV-Prozess“ weiß seit dem 9. Februar jeder, was gemeint ist)

Nach Auswertung des Urteils und der darin aufgeführten Kritikpunkte hat er den HartzIV-Regelsatz auf Grundlage der Einkommens- und Verbraucherstichprobe von 2003 (!) neu berechnet.

(ich musste die Tabelle etwas schmaler machen)

Es kann als ausgeschlossen gelten, dass diese Tabelle jemals von BILD, WELT, Focus o.a. Kapitalmedien offiziell zur Kenntnis genommen wird.

War sonst noch was?

Banken fordern Pflicht zur privaten Altersvorsorge (WELT)

Auch Westerwelle forderte schon vor der Wahl einen Wechsel „von der Pflicht zur gesetzlichen Versicherung“ hin zur „gesetzlichen Pflicht zur Versicherung„.

Naja…Banken und vor allem Versicherungen gehören auch zu den FDP-Kunden.

Laut einer Studie ist die Angst vor dem sozialen Absturz aus der Mittelschicht unbegründet (n-tv)

Auf deutsch: FDP- und CDU-Wähler brauchen keine Angst vor HartzIV zu haben. Stattdessen können sie sich über „Mehr Netto vom Brutto“ bei den bevorstehenden Alg2-Kürzungen freuen:

Liberale wollen Regelsätze bei Hartz IV kürzen (Welt)

In der FDP-Bundestagsfraktion gibt es derweil Überlegungen, die Hartz-Regelsätze im Zuge der vom Verfassungsgericht geforderten Neuberechnung zu kürzen.

FDP-Wirtschaftspolitiker Martin Lindner:

Man wolle „Aufstockern ermöglichen, mehr hinzuzuverdienen. Dabei wird auch darüber zu sprechen sein, ob man nicht im Gegenzug die Regelsätze absenken muss, damit Vollbeschäftigte besser dastehen als Teilzeitjobber“

Wenn man doch mal alle Einkommen mit dem Alg2 vergleichen würde…

Der Spiegel gräbt eine OECD-Studie aus um zu „beweisen“, dass die ansteigende Armut in Deutschland durch die sog. „Lohnnebenkosten“ und „zu geringen Arbeitsanreize“ hervorgerufen wird:

Auffällig ist der Untersuchung zufolge, dass Langzeitarbeitslose in Deutschland trotz Hartz-Reformen vergleichsweise wenig finanzielle Anreize haben, eine gering bezahlte existenzsichernde Beschäftigung anzunehmen.

Das Problem: Schon bei einem geringen Verdienst würden für sie relativ hohe Steuern und Sozialbeiträge fällig.

Woher kommt eigentlich die Behauptung, eine „gering bezahlte Beschäftigung“ wäre in Deutschland „existenzsichernd“?

Das Problem ist wohl doch eher der geringe Verdienst selbst und weniger irgendwelche „relativ hohen Steuern und Sozialbeiträge“.

Wieviele Geringverdiener kommen denn überhaupt über den Steuerfreibetrag? Sind sie dann noch „Geringverdiener“?

WELT der INSM

17. Februar 2010

Sei dankbar, undankbares Pack!

So tönt es seit vielen Tagen in nahezu allen Einheitsmedien der Kapitalbesitzer.

Ausgerechnet die neoliberale ZEIT stellt sich aus unerfindlichen Gründen gegen die allübliche „Arbeit macht frei!“-Propaganda und zerflückt (etwas halbherzig) Westerwelles „Argumente“.

Das ist auch nicht schwer, zumal Guido lediglich aus Springers BILD vorgelesen hat.

Ohne Sinn und Verstand…wie immer.

Auferstanden aus Ruinen…

Mit dem regierungstreuen Urteil des „Bundesverfassungsgerichtes“ wurde endlich die lang vermisste „Reformdiskussion“ wieder angestoßen.

Diktator Schröder hatte den Stein mit seiner „Agenda2010“ ins Rollen gebracht, bis er 2009 in Wirtschaftskrise und Wahlkrampf erkennbar an Schwung verlor.

Angesichts der blamablen Vorstellung, welche CDU und FDP als „Regierung“ bisher abgeliefert haben,war es nun wieder an der Zeit, von Mövenpick, Kopfpauschale u.ä. geplanten Verbrechen kurz vor der NRW-Wahl noch einmal abzulenken.

Oberdemokrat Roland Koch wagte sich aus der Deckung und forderte offen die Wiedereinführung der Zwangsarbeit nach dem Vorbild des Reichsarbeitsdienstes.

Er war allerdings nicht sonderlich erfolgreich, was ausgerechnet seinem „guten Ruf“ als neoliberalem Hetzer gegen alles Soziale zu verdanken war.

Also beschloss man, ein in Sachen Volksverhetzung noch kleines Licht anzuzünden: Guido Westerwelle.

Seine Aufgabe war es, die von der FDP versprochenen Steuergeschenke an die Reichen und Mächtigen trotz der derzeitigen Widrigkeiten durchzusetzen.

Da ihm die Mär von den „armen Reichen“ nach der Aufdeckung milliardenschwerer „Steuervermeidung“ („Selbstverteidigung gegen den gierigen Steuerstaat„) nicht mehr geglaubt wurde, fokkussierte er die Aufmerksamkeit auf die „hart arbeitende Mitte der Gesellschaft“ ab 75.000 Euro Jahreseinkommen.

Mit diesem rhetorischen Trick gelang es dann (mal wieder), im Sinne der Agenda2010 die Geringverdiener gegen die Arbeitslosen aufzuhetzen.

Und das Kapitalistenpack sitzt in der Schlossallee und schaut fröhlich zu, wie die Unterschichten aufeinander losgehen.

Nachdem nun also Westerwelle mit Hilfe von BILD, WELT, Focus, Spiegel & Co den Stein wieder ins Rollen brachte, kriechen auch die altbekannten Schwätzer, Lügner und Heuchler der INSM wieder aus ihren Löchern, um noch etwas Benzin ins Feuer zu gießen.

Die WELT hat dazu 2 bekannte INSM-Maulhuren eingeladen, Hans-Werner Phrasenautomat und den „Historiker“ Arnulf Baring von der INSM.

Gestern Vormittag machte Hans-Werner den Anfang, am Nachmittag legte die INSM mit Baring noch eine Kohle ins Feuer.

Hans-Werner UnSinn in WELT:

„Perspektive der Leistungsträger kommt zu kurz“

Wer glaubt, das Sozialsystem auf Kosten der Leistungsträger sowie künftiger Generationen grenzenlos ausdehnen zu können, muss sich auf Verweigerung einstellen.

Hier soll ein Richtungswechsel eingeleitet werden: vom „Steuern zahlen müssen“hin zu „Steuern zahlen wollen“ nach dem Vorbild der Reichen-Besteuerung in der Schweiz. Dort können die millionenreichen Nichtsleister individuell ihre „Steuerlast“ mit den Kantonen aushandeln.

Realitätsverweigerung hat „sozialistische Züge“

Hans-Werner UnSinn benutzt mal wieder die Renten und das angebliche „demografische Problem“, um den Kritikern der Riester-Rentenpropanda „sozialistische Züge“ zu unterstellen.

Na sicher doch! Nachdem der Riester-Schwindel aufgeflogen ist und es bis heute keine Argumente für eine „Kapitalmarkt-Rente“ gibt, unterstellt man seinen Kritikern ganz pauschal eine „Sozialismus“-Ideologie.

Mit dem Satz „Das hat sozialistische Züge“ hat Westerwelle offenbar einen echten Volltreffer gelandet.

Unser Sozialsystem gewährt staatliches Geld überwiegend unter der Bedingung, dass man nicht arbeitet. Es schafft damit einen Mindestlohnanspruch.

Kann man diesen Anspruch irgendwo geltend machen, ohne dabei gegen Hartz-Gesetze zu verstoßen und hart bestraft zu werden? Nein!

Wenn dieser Mindestlohn über der Produktivität möglicher Arbeitsplätze liegt, führt das dazu, dass solche Arbeitsplätze eben nicht geschaffen werden.

BlaBlaBla…schon wieder dieser Unfug mit dem sog. „Grenzlohn“. Nun leg doch endlich mal die „Arbeitnehmer-Produktivitäts-Berechnungsformel“ vor, du elender Dummschwätzer! Seit vielen Jahren redest du davon, aber den Nachweis ihrer Existenz kannst du bis heute nicht liefern.

Schäm dich, Hans-Werner!

In Deutschland sind viele der Arbeitsplätze, die man in anderen Ländern findet, für die Unternehmen nicht rentabel.

UnSinn!

Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor der Welt. In Deutschland gibt es viel mehr „Arbeitsplätze“ weit unterhalb der notwendigen Lebenshaltungskosten als irgendwo sonst auf der Welt.

Selbst indische Kinderarbeit ist in Indien teurer als ein HartzIV-„Aufstocker“ in Deutschland. Wer in Indien zu wenig bezahlt, findet nichtmal Kinder zum Teppichknüpfen oder Ziegelsteineschleppen.

In Deutschland umgeht man dieses Problem mit Hilfe der Hartz-Sanktionsgesetze.

Zum anderen sollten die Kommunen verpflichtet werden, jedem Hartz-IV-Empfänger einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, für den er einen Lohn in Höhe des Hartz-IV-Gehaltes erhält.

HartzIV als Arbeitslohn. Wie originell…

Und was sagt der „Historiker“ Arnulf Baring im Auftrag der INSM vom Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“?

Aber jeder, der arbeiten kann, muss für Sozialleistungen, die für ihn aufgewendet werden, der Gemeinschaft der Steuerzahler seine Gegenleistung erbringen.

Jaja…die „Gemeinschaft der Steuerzahler“. Ich kanns nicht mehr hören!

Ein Drittel unserer Mitbürger zahlt überhaupt keine Steuern, ein zweites Drittel gerade einmal acht Prozent. Das dritte Drittel bringt über 90 Prozent unseres Steueraufkommens auf.

Man möge mir Bescheid sagen, wenn das „Drittel ohne Steuern“ gefunden wurde. Ich schließe mich dann an und spare eine Menge Mwst., Mineralölsteuer, Ökosteuer, Versicherungssteuer, Stromsteuer…

———————————————————————————–

Die von Westerwelle angestoßene Diskussion zur Aufhetzung der unteren Bevölkerungssschichten verfolgt offensichtlich ein klar bestimmbares Ziel:

Aus „Solidarität mit dem Steuerzahler“ soll Zwangsarbeit als „Gegenleistung“ wieder gesellschaftsfähig gemacht werden.

Da man die HartzIV-Regelsätze und damit Hans-Werners „Mindestlohnanspruch“ nicht ohne glaubhafte Begründung (Bundesverfassungsgericht!) weiter senken kann, muss eben zur Disziplinierung der Arbeitnehmerschaft der Reichsarbeitsdienst wieder her.

Beim VW-Konzern hats schon funktioniert: „Arbeitsplatzgarantie“ bis 2014 gegen 40%(!!) Produktivitätssteigerung.

Ohne Lohnausgleich…

Neue Soziale Marktwirtschaft!

Spiegel:

Es sind bedenkliche Zahlen, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) an diesem Mittwoch vorgelegt hat: Rund 11,5 Millionen Deutsche lebten einer aktuellen Erhebung zufolge im Jahr 2008 in Armut. Das entspricht gut 14 Prozent der Gesamtbevölkerung – und damit rund ein Drittel mehr als vor zehn Jahren.

14% der Bevölkerung leben in Armut, mit einer Steigerungsrate von 30% in den letzten 10 Jahren.

Festgestellt vom linksradikal-kommunistischem DIW.

Und was sagt Hans-Werner Unsinn?

Die Regierung von Gerhard Schröder hat mit der Agenda 2010 die Notbremse gezogen. Der Erfolg war beachtlich. Die Mindestlohnansprüche fielen wieder, und die Zahl der Jobs ist allein in Westdeutschland wegen der Agenda um eine Million gewachsen.

Wir sollten die eingeschlagene Reformrichtung fortführen.

Und sowas darf sich ungestraft „Wirtschaftswissenschaftler“ nennen!

Auf welcher Grundlage sollte eine Wirtschaft funktionieren, wenn zwar zu Billiglöhnen produziert, aber auch aus genau diesem Grund nichts mehr gekauft wird?

Vom Export?

Coole Idee! Zumal der Ifo-Dummschwätzer eben noch erklärt hat, ausserhalb des Niedriglohnes würden 45% der Erwerbstätigen hauptsächlich im Dienstleistungssektor arbeiten.

Gibt es ausser „Steuerhinterziehungsberatung“ noch andere exportfähige Dienstleistungen?

Übrigens:

Wird für eine Sozialleistung eine Arbeit als „Gegenleistung“ verlangt, wird aus der Sozialleistung automatisch ein Arbeitslohn.

Die Sozialleistung hört auf zu existieren und damit der vom Grundgesetz geschützte „soziale Bundesstaat“.

Es wäre hochgradig leichtsinnig, diesen drohenden Regimewechsel nicht ernst zu nehmen.

Wir müssen genau darauf achten, was jetzt und in Zukunft „umdefiniert“ wird.

Zumindest werden 3.-Reich-Vergleich wieder legitim und begründbar.

Aber ob diese Tatsache ein Grund zur Freude ist…?

gesucht und gefunden

13. Februar 2010

Fundstück #1

Am Freitag war hier mächtig was los.

Der Besucher-Zähler stieg und stieg und stieg…

Dabei war am Freitag nur „Guido zu Gast bei Freunden„…

Ich habe also in den Statistiken nach der Ursache gesucht und habe sie gefunden.

Dieser Blog wurde in den Adelsstand erhoben!

Die Nachdenkseiten haben ihn geprüft und für „Link-würdig“ befunden!

(Ich habe das bei meinem täglichen Nachdenkseiten-Besuch gar nicht gesehen)

Freude! Freude! Freude!

Fundstück #2

Die demokratischer und sozialer Gesinnung völlig unverdächtige FDP betreibt (wie alle anderen Parteien auch) natürlich eine eigene Stiftung.

Sie trägt den harmlosen Namen „Friedrich-Naumann-Stiftung“.

Gegründet wurde diese „Stiftung für die Freiheit“ 1958 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Ein aufrechter und freiheitlicher Demokrat, welcher 1933 als Abgeordneter der „Deutschen Staatspartei“ stolz dem Ermächtigungsgesetz eines gewissen Adolf Hitler zustimmte.

An ihrer freiheitlich-demokratischen Gesinnung hat sich bei der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ bis heute nichts geändert.

Sie stand den Militärs und Großgrundbesitzern bei ihrem Putsch in Honduras genauso „beratend“ zur Seite wie den Contras in Nicaragua oder dem Dalai Lama während des angeblichen „Aufstandes der Tibeter“ im Olympia-Jahr 2008.

Da nützt es den „linken Diktatoren“ herzlich wenig, das sie demokratisch in ihre Ämter gewählt wurden, wenn die „Liberalen“ rufen: „Kapitalisten aller Länder, vereinigt euch!

Der demokratisch gewählte „linke Diktator und Populist“ Chavez hat bei Amtsantritt vor einigen Jahren die „Berater“ der Friedrich-Naumann-Stiftung kurzerhand rausgeworfen und ihre Villa enteignet.

Er ist heute noch im Amt.

Nach dieser kurzen Vorstellung nun zur Sache:

Die FDP steht vor einem Scherbenhaufen. Nachdem sie für gutes Geld die Demokratie an den Mövenpick-Milliardär Baron von Finck verkauft hatte und Westerwelle nach dem HartzIV-Urteil in wilde Sozialismus-Hysterie verfiel, gingen ihre Umfragewerte in den freien Fall über. Selbst ihre Freunde von CDU und CSU haben die Marktradikalen nicht mehr unter Kontrolle.

Angesichts dieses Dilemmas sah sich die Friedrich-Naumann-Stiftung genötigt, auf „Erfolge“ der FDP hinzuweisen, welche ihrer Meinung nach zu Unrecht übersehen wurden:

Was man nicht sieht, ist auch bei den vielen 100-Tage-Bilanzen zur Koalitionsarbeit zumeist unter den Tisch gefallen. So ist es zu begrüßen, dass es keine auffällige Genderpolitik mehr gibt und keine Internetsperren. Es gibt auch keine Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte und keinen flächendeckenden Mindestlohn mitsamt der dazugehörigen Arbeitslosigkeit. Auf Lebensmittelpackungen steht weiter, was drin ist – keine großflächigen roten Ampeln, die dem Nachbarn in der Supermarktschlange signalisieren, dass man auch gerne mal was angeblich Ungesundes isst. Es gibt keine Einheitsversicherung und keine neuen Bürokratielasten, z.B. durch „aussagekräftige Berichtssysteme für Langfristigkeit und Nachhaltigkeit“ in der Wirtschaft,

keine Internetsperren

Naja… wenn man mal dezent ignoriert, das Zensursula von den Laien schon vor der Wahl festgestellt hat, das ihre Idee aus technischen Gründen nie eine Chance hatte.

keine Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte

Ich wüsste nicht, das irgendjemand sowas im Wahlkampf gefordert hätte. Was hat die FDP also „verhindert“?

keine großflächigen roten Ampeln, die dem Nachbarn in der Supermarktschlange signalisieren, dass man auch gerne mal was angeblich Ungesundes isst

War der „neugierige Nachbar“ jemals eines der FDP-Argumente gegen die Ampel? Sie wurde übrigens von der CSU schon Anfang 2009 in der EU verhindert. Die FDP hatte damit nichts zu tun.

keine Einheitsversicherung

Naja… noch nicht. Aber Rösler von der FDP hat ja schon mit Rücktritt gedroht, falls seine Einheitsversicherung „Kopfpauschale“ nicht kommt. Ist die FDP etwa stolz darauf, mit dieser asozialen „Gesundheitspolitik“ bisher erfolglos zu sein?

keine neuen Bürokratielasten

Mal ganz abgesehen von Elena, mit der ein totales Überwachungssystem der Lohnabhängigen geschaffen wurde. Mit Hilfe von Elena sollen sogar Streik- und Krankheitstage erfasst werden. Das sind natürlich wichtige „Bewerberinformationen“, welche die Arbeitsämter dann erfassen und auswerten können.

Somit kann die Wirtschaft per Datenbank gleich noch „Streikteilnehmer“ als „Vermittlungshemmnis“ aussortieren. Ist doch toll, oder?

keinen flächendeckenden Mindestlohn mitsamt der dazugehörigen Arbeitslosigkeit

Darauf kann die FDP natürlich stolz sein. So muss sie wenigstens mit ihren Parteispenden aus der Wirtschaft kein schlechtes Gewissen haben.

Fundstück #3

keinen flächendeckenden Mindestlohn mitsamt der dazugehörigen Arbeitslosigkeit

Hmmm…natürlich bilden „Mindestlohn“ und „Arbeitslosigkeit“ eine Einheit!

Die FDP hat sich auf die Suche begeben und ihr „Antibürokratieteam“ hat tatsächlich den Beweis dafür gefunden, dass ein Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet!

Man hat gesucht und „Amerikanisch Samoa“ gefunden!

Hä? Was fürn Ding?

American Samoa besteht aus 3 Inseln in der Südsee. Diese Inseln befinden sich 4000km von Australien und 7700km von den USA entfernt mitten im Pazifik.

American Samoa ist halb so groß wie Bremen und hat etwa 58.000 Einwohner.

Diese Inseln sind „exterritoriale“ Gebiete der USA, ohne wirklich (wie Hawaii) ein Bundestaat zu sein. Die Einwohner sind keine US-Amerikaner, können aber visafrei beliebig ein- und ausreisen.

In dieser weltweit bedeutenden Industrienation hat die FDP nun den Beweis dafür gefunden, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten:

In American Samoa war Thunfischverarbeitung der groesste Arbeitgeber. Sozialisten in Washington haben ein Gesetz erlassen, welches auf American Samoa den nationalen, Festlands-Mindestlohn einfuehrte.

Infolge dessen mussten einige der Dosenfabriken schliessen und wurden aufs Festland verlegt, da der Preisvorteil auf Samoa, der sich aus den dort niedrigeren Lebenshaltungskosten ergab, nicht mehr gegeben war. Damit nicht genug: Die Schiffe, die den in Dosen gepackten Thunfisch von Samoa abholten, brachten am Hinweg guenstig Lebensmittel mit. Jetzt fahren die Schiffe nicht mehr so oft nach Samoa, da es dort ja keinen Thunfisch zu transportieren gibt. Der Transport von Lebensmittel ist daher teurer geworden und die Lebenshaltungskosten sind infolge dessen massiv gestiegen. (Quelle)

Ahja…

Irgendwelche „Sozialisten“ in den USA haben auf American Samoa den Mindestlohn eingeführt, die Thunfischdosenfabriken wurden aufs Festland verlegt und die Arbeiter wurden alle arbeitslos.

Blödsinn!

Das zu American Samoa gehörende „Festland“ sind die 7700km entfernten USA. Wenn es an den US-Küsten Thunfisch gäbe, hätte man sich 200 Jahre lang viele Schiffsreisen mit Dosen-Frachtern sparen können.

An den Lebenshaltungskosten hat sich auch nichts geändert, da American Samoa schon immer von Neuseeland und Australien versorgt wurde. Die Rechnungen hat Washington bezahlt.

Was ist da wirklich passiert?

VOR der Einführung des Mindestlohnes hatten die Fischfabriken beschlossen, sich mit moderner Technik auszustatten.

Aber das ging auf den kleinen Südsee-Felsen nicht, da es dort ganz einfach nicht genügend Strom gab.

Man musste zum Betrieb und zur Wartung der neuen Technik also auf die besser ausgestattete Hauptinsel Tutuila ausweichen. Und um an den neuen Standorten Lohndumping zu verhindern und den bisherigen Angestellten eine faire Chance zu geben, beschlossen die Demokraten (nicht irgendwelche „Sozialisten„) in Washington die Einführung des US-Mindestlohnes auf den 3 Vulkan-Inseln.

Woher hat die FDP diese Grusel-Mär?

Quelle dieser Story ist ein „Ökonom“ der US-Republikaner: Peter Schiffer.

Er gibt stets damit an, die Finanzmarktkrise „schon“ 2007 vorhergesagt zu haben. Was 2007 in den USA auch nicht wirklich schwer war.

Peter Schiffer has been a vocal critic of the economic stimulus packages proposed by both President Obama and President George W. Bush, while other Republicans remained silent and on the sidelines.(von seiner Webseite als Senats-Kandidat)

Auf deutsch: Während sich die Republikaner angesichts der von ihr herbeigeführten Finanzmarktkrise verkrochen, hat dieser Peter Schiffer lauthals die Konjunkturmaßnahmen der US-Regierungen Bush und Obama kritisiert.

Was lernen wir daraus?

Die FDP hat eine unbekannte Südseeinsel gefunden, auf der angeblich Arbeitsplätze nach Einführung eines Mindestlohnes abgeschafft wurden.

Selbstverständlich gelten auf American Samoa die gleichen wirtschaftlichen Sachverhalte und Gesetzmäßigkeiten wie im vergleichbaren Deutschland.

Danken wir allen FDP-Wählern dafür, das sie uns eine Regierungspartei beschert haben, welche uns vor großem Unheil bewahrt!

Helau!

PS: Alle Fundstücke sind echt!

Westerwelle hat recht!

13. Februar 2010

Westerwelle hat recht! Jawoll!

In großer Hochachtung entschuldige ich mich beim Großen Weisen der FDP, Dr. Guido Westerwelle (auch als Nog bekannt), für meine unflätigen Artikel über seine wahrhaftigen Aussagen über den HartzIV-Sozialismus.

Der ebenso große und ebenso weise Sozialexperte Prof. Bernd Raffelhüschen (intern) von den gemeinnützigen Sozialverbänden INSM und „Stiftung Marktwirtschaft“ hat mir via BILD die

Sieben bitteren Wahrheiten über HartzIV

mitgeteilt.

Da ich nur ein kleiner Blogger bin ohne akademische Titel wie „Dr.“ oder „Prof.“ habe ich allerdings nicht so richtig verstanden, was mir der schlaue Prof. Bernd Raffelhüschen da eigentlich erklären will und so habe ich da noch ein paar dumme Fragen…

1. Hartz IV macht unmündig!

Früher war man stolz, ohne Hilfen vom Staat auszukommen. Das ist heute anders: Die Hemmschwelle, Geld vom Staat zu beantragen, ist erheblich gesunken. Zudem sind die Anreize falsch.

Heute ist man also stolz darauf, „Hartzi“ zu sein? Wie kommt es aber dann zu so negativen Adjektiven wie „faul“, frech“, „asozial“, gierig“, „betrügerisch“ in der medialen und gesellschaftlichen Anerkennung?

Und welche Hemmschwelle ist gesunken? Die Hemmschwelle, lieber Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen als zu verhungern oder zu erfrieren war doch noch nie sonderlich hoch, oder?

Und welche Anreize sollen falsch sein? Ich gebe ja zu…irgendwas ist da faul, wenn die vielen Millionen asozialen Schmarotzer täglich viele Millionen Stellenangebote einfach direkt vom Briefkasten in die Papiertonne werfen und das sozialistische HartzIV beantragen anstatt fleißig und bürgerlich zu sein…

Man muss doch als HartzIV-Faulpelz auch mal an die Briefträger und die Umwelt denken, anstatt millionenfach den Arno zu dübeln!

Wenn HartzIV „die falschen Anreize“ bietet…wer bietet dann die „richtigen“? Herr Hundt nicht, das hab ich schon selbst festgestellt!

2. Hartz IV bedroht Familien!

Ein Paar mit Kindern, das aber getrennt lebt, bekommt mehr Hilfe, als wenn es eine eheähnliche „Bedarfsgemeinschaft“ bilden würde. Wundert es da, dass die Gruppe der Alleinerziehenden in Deutschland viermal so stark wächst wie im OECD-Durchschnitt?

Würde man die Regelsatzkürzungen bei „Bedarfsgemeinschaften“ abschaffen…achneee…dann bricht ja gleich der Kommunismus aus und dann wird Deutschland zum Spiegelbild Nordkoreas.

Aber den Wohltätern der Hartz-Kommission haben die Einsparungen bei den Mieten und Heizkosten ja nicht gereicht…sie mussten ja unbedingt auch noch die Regelsätze kürzen.

Frage: Wenn es bei „normalen Menschen“ legtim ist, überall auf den eigenen Vorteil zu achten…warum machen die Hartz-Gesetze ihre Opfer dann unnormal, werter Herr Professor?

3. Hartz IV macht klagewütig!

Die Sozialgerichte stöhnen über die Klageflut der Arbeitslosen: 2005 gab es 52 000 Klagen gegen Hartz IV; 2008 waren es schon 170 000.

Das kann ich bestätigen! Habs selbst gesehen! Kaum hatte einer dieser faulen Arbeitslosen seinen HartzIV-Bescheid in Händen, hat sich sein Wesen völlig verändert!

Die Augen wurden größer, die Pupillen wurden weiter und verwandelten sich in kleine §-Zeichen.

Beim Anblick eines Gerichtsgebäudes bekamen sie heftige Zuckungen, der Geifer tropfte aus den Mundwinkeln und sie verfielen in unbändige Raserei.

Erst nachdem sie eine Klageschrift abgegeben hatten, beruhigten sie sich und wurden wieder ansprechbar.

Das hab ich gesehen! Isch schwör, Alda!

Wie schaffen die Hartz-Gesetze sowas, Herr Sozialexperte?

4. Hartz IV ist zu teuer und fördert Schwarzarbeit!

Die Kosten für Hartz IV steigen rasant: Der Staat gab 2009 rund 45 Mrd. Euro aus. Das sind rund 6,5 Mrd. Euro mehr als 2005 – obwohl die Zahl der Arbeitslosen im Aufschwung um 1,5 Millionen gefallen ist.

Im Aufschwungsjahr 2009 waren die HartzIV-Kosten 6,5 Mrd Euro höher als 2005?

Boah! Und das in einem Aufschwungs…hä? Was für einen Aufschwung gab es denn 2009?

Gerüchten zufolge einen massiven Aufschwung bei Entlassungen, Firmenpleiten, Kurzarbeit usw.

Ebenso aufschwingend war die Zahl der Hunger- und Tagelöhner von 2005 bis 2009.

Wie kann „HartzIV“ zu teuer sein, wenn sich nicht das Alg2, sondern die Zahl der Bedürftigen erhöht hat, werter Herr INSM-Sozialexperte Raffelbaffel? (oder wie Sie heißen…)

Viele Hartz-IV-Bezieher sind gar nicht faul. Sie nutzen ihre freie Zeit und verdienen sich mit Schwarzarbeit ordentlich etwas dazu. Unterm Strich haben viele damit mehr Geld als vergleichbare Arbeitnehmer.

Oooohhh…. wie denn nu? Dann gibt es wohl den Medienstar Arno Dübel gar nicht wirklich?

Dabei hat er doch eben noch in BILD erzählt, wie er „auf Knopfdruck k..tzen“ kann, um einen Krankenschein als „Arbeitsschutz“ zu bekommen! So ein Schwindler!

Legende von der Schwarzarbeit (intern)

5. Hartz IV kommt oft nicht bei den Kindern an!

In vielen Hartz-IV-Familien kommt das für Kinder vorgesehene Geld bei den Kindern nicht vollständig an, wird stattdessen von den Eltern z. B. in TV-Geräte, Stereoanlage etc. gesteckt. Das geht nicht! Für diese Kinder muss es künftig mehr Sachleistungen wie Schulhefte, Taschenrechner geben.

Nix zu fressen, nix zum anziehen…aber HartzIV-Schulhefte und -Taschenrechner in einem mittelalterlichen Schulsystem mit einer sozialen Selektion, wie es sie vormals zuletzt im 3. Reich gab.

Was soll das nützen, Herr „Stiftung Marktwirtschaft“-Vorstand?

Selbst wenn es an Schulheften und Taschenrechnern mangeln sollte… an der Tatsache Kinderarmut = Elternarmut ändert sich nichts.

Ausserdem dauert es mindestens 15-20 Jahre, bis ein „Bildungsschub“ Wirkung zeigt.

Ach nochwas, Herr Sozialexperte: Es gibt in den Hartz-Gesetzen gar keine Leistungen, „welche für Kinder bestimmt sind„. Kinder bekommen genauso Alg2 wie Erwachsene, nur eben viel weniger. Kindergeld, Elterngeld u.ä. „Kinderleistungen“ werden zu 100% als Einkommen vom Alg2 abgezogen.

Und in diesem Alg2 ist „Bildung“ nie vorgesehen gewesen. Weder bei Erwachsenen noch bei Kindern.

Auf welche Art und Weise machen die Hartz-Gesetze eigentlich aus Eltern „Kindervernachlässiger“? Hypnose? Drogen? Umerziehungslager?

Ich versteh das irgendwie nicht…

6. Hartz IV ist kein Recht auf Einkommen!

Hartz IV war ursprünglich als Zusatzleistung für Menschen gedacht, die mit ihrem regulären Einkommen nicht genug verdienen. Davon ist nichts geblieben: Die meisten Hartz-IV-Bezieher kassieren den vollen Regelsatz, dazu Miete und andere Leistungen. Damit wird die Idee vom „fördern und fordern“ missbraucht.

Wenn HartzIV „ursprünglich als Zusatzleistung“ gedacht war, wie Sie behaupten…warum wurden dann ausgerechnet die bisherigen Nicht-Zusatzleistungen Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe durch HartzIV ersetzt?

Warum kam das 4. Hartz-Gesetz nicht zusätzlich für „Aufstocker“ ins Sozialgesetzbuch II, Herr Professor Finanzexperte Rentenexperte Wirtschaftsexperte Demografieexperte Ökonomieexperte menno… Sozialexperte Raffelhüschen?

7. Hartz IV verhindert reguläre Arbeit!

Viele Arbeitslose haben mit Hartz IV mehr Geld, als sie in einem regulären Job verdienen würden. Z. B. bekommt ein verheirateter Hotelangestellter mit zwei Kindern knapp 200 Euro/Monat netto weniger als ein vergleichbarer Hartz-IV-Bezieher.

Kennen Sie überhaupt die Hartz-Gesetze, über die Sie hier „Sieben bittere Wahrheiten“ erfunden haben, Professor Maulhure?

Die 7. bittere Wahrheit muss lauten:

7. HartzIV verhindert reguläre Löhne!

Aber das wissen Sie und Ihre Auftraggeber besser als jene, die Ihre “ Sieben bittere Wahrheiten“ lesen und glauben sollen.

Raffelhüschen und die dunkle Seite der Macht

PS: Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Todesursache bei Sprechblasen und Bütteln des Kapitals wie Westerwelle, Raffelhüschen, Sarazzin….?

Ist doch logisch!

12. Februar 2010

Guido Sarazzin Westerwelle sagt:

„Die wütenden Reaktionen aus dem linken Lager zeigen doch, dass ich Recht habe“

Toyota sagt:

„Die Kritik an unseren defekten Gaspedalen zeigt doch, das wir alles richtig machen!“

Lidl-Eigentümer Schwarz sagt:

Die Kritik an meinen Überwachungsmaßnahmen zeigen, das sie richtig sind!

Papst-Darsteller Ratzinger sagt:

Die Kritik an meiner Kinderschänder-Sekte zeigt doch, das alles in Ordnung ist!

BILD-Chef Diekmann sagt:

Die Kritik von Bildblog an meiner Zeitung beweist, das wir seriös und wahrhaftig berichten!

George W. Bush sagt:

Die Kritik an der Erfindung der Massenvernichtungswaffen-Legende zeigt doch, das der Zweck alle Mittel heiligt!

Phillip Rösler sagt:

Die Kopfpauschale ist gerecht, weil Geringverdiener einen Zuschuss aus ihren eigenen Steuergeldern bekommen!

Jürgen Abraham (Cheflobbyist der Lebensmittelkonzerne) sagt:

Die aktuellen Preissenkungen von 30% und mehr haben nichts mit den Ermittlungen des Kartellamtes zu tun, sondern sind Stützungsmaßnahmen, um nach dem wetterbedingt schlechten Januar noch halbwegs die Umsatzzahlen halten zu können.

wareluege sagt:

Wenn Seifenblasen zu voll sind, platzen sie!

Hotelverband Dehoga sagt:

Wir werden die Mehrwertsteuersenkung nicht weitergeben, erklären aber trotzdem: Die Senkung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel helfe den Hotels nun, im Wettbewerb zu bestehen.

Professor UnSinn sagt:

Sind die Löhne nur niedrig genug, werden wohltätige Arbeitgeber jeden gesparten Euro für neue Arbeitsplätze ausgeben!

widerliches Kapitalistenpack sagt:

Wenn wir HartzIV halbieren, lohnt sich Arbeit für 3,50€ die Stunde wieder!

Martin Lindner von der FDP sagte in Illners Quasselrunde:

Wenn die HartzIV-Bezüge weiter steigen, dann wollen immer weniger Menschen arbeiten!

————————————————————————————–

Ich hör jetzt lieber auf, bevor ich noch Schmerzensgeld wegen Lachmuskelzerrung zahlen muss. 😉

PS: Obwohl ich kaum glaube, das es in diesem Artikel viel zu lachen gibt.