Bürgertum in Angst

Oskar Lafontaine (66) hat hingeschmissen. Wieder mal!

Sagt BILD.

Hatte ich nicht eben erst gesagt, das sein Rücktritt der „Wegläufer“-Legende hinzugefügt wird?

Langsam macht es echt keinen Spaß mehr, heute schon zu wissen, was das Kapitalistenpack morgen über ihre Medien verbreiten lässt.

Naja…was solls.

BILDs Schleimbeutel Franz-Josef Wagner ergeht sich in Mitleidsheuchelei.

Er wünscht Lafontaine, selbiger möge den Krebs besiegen und erklärt:

Ich habe Sie politisch bekämpft.

Wenn das Geschmiere und Geseier dieses Gossengoethe ein „politischer Kampf“ sein soll…auweia.

Bürgertum in Angst

Aber nun zum Thema.

Mit dem Rücktritt Lafontaines vom Partei- und Fraktionsvorsitz ist dem „Bürger“ der „bürgerlichen Parteien“ und der „bürgerlichen Medien“ ein hochwichtiges Feindbild abhanden gekommen.

Bisher konnte man sich auf die 10jährige Tradition der Lafontaine-Hetze noch verlassen.

Dabei ging das Spektrum von „Wegläufer“ über „SPD-Zerstörer“ bis zu „machtgeiler Napoleon von der Saar“.

Mit allerlei Propaganda und Manipulation (wie Frey im Sommerinterview des ZDF) baute man das Bild des „unwählbaren Populisten und Demagogen“ auf, um gleichzeitig die Linkspartei als „sozialnostalgische Spinner“, „DDR-Fanclub“ oder auch „SED-Nachfolgetruppe“ in Verruf zu bringen.

Die Welt war so schön, so einfach.

Wenn der „seriöse“ Einheitsbrei in tiefer Anbetung der Agenda2010 mal wieder Mist gebaut hatte, konnte man wunderbar zwecks Ablenkung auf die Linke oder direkt auf Lafontaine zeigen, um allerlei neoliberalen Unrat unter den Teppich kehren zu können.

Aber damit ist es nun vorbei!

Ohne den Prügelknaben Lafontaine als „Alleinherrscher und Gallionsfigur“ der Linken ist dem „Bürgertum“ das Feindbild verloren gegangen.

Nach einer kurzen Krisensitzung wurde nun beschlossen, die „führerlose“ Linke zu zerbröseln und sie in die Gruppe der neoliberalen Sekten CDU, FDP, „SPD“ und Grüne einzugliedern.

Ein gar treffliches Beispiel für diese mediale Weichenstellung liefert Kayhan Özgenc (interner Link) im Focus.

Unter der Überschrift Niemand muss sich vor den Linken fürchten liefert er Fahrplan und Drehbuch für die nächsten Monate. Das ganze Geschwafel hat er dann auch noch traditionsbewusst mit den üblichen Floskeln und Phrasen garniert.

Heute fürchten sich die Deutschen, vor allem bürgerliche Kreise, vor einer anderen Partei: den Linken.

Das Ende der Marktwirtschaft und die Rückkehr des Sozialismus verängstigt viele.

Ähnlich wie die Grünen erscheint heute die Linkspartei als chaotische Revoluzzer-Truppe, die mit unrealistischen Sozialträumereien und populistischen Anti-Bonzen-Parolen.

Die Linken sind mindestens genauso zerstritten wie einst die Grünen. Bei ihnen kämpfen etwa DDR-Nostalgiker, Wende-Verlierer und SPD-Abtrünnige gegeneinander.

Der zukünftige Umgang mit der Linken soll also eine Neuauflage der Spaltung und ideologischer Assimilation der Grünen werden.

Natürlich wird in Deutschland bei „Machtergreifung der Linken“ sofort per Dekret die Marktwirtschaft abgeschafft und der Sozialismus eingeführt. Was denn sonst?

Zumindest verzichtet Özgenc darauf, den heutigen Zustand noch „soziale Marktwirtschaft“ zu nennen. Irgendwie scheinen ihm beim Verfassen seiner drogenschwangeren Halluzination die „journalistischen“ Grundregeln der Realitätsverfälschung abhanden gekommen zu sein.

Soso…die Linke ist also „zerstritten“. In einen „Fundi-West-Flügel“ und in einen „Realo-Ost-Flügel“?

Aber wo isser denn, dieser „Streit“? Müssten die Medien nicht voll sein mit Statements und Interviews, in denen sich linke Ossis und linke Wessis gegenseitig angreifen?

Tja… lange gesucht und nichts gefunden. Wäre ja auch zu blöd für Özgenc gewesen, wenn es die „zerstrittene“ Linke wirklich gäbe.

Als Beispiel für „realpolitsches Verantwortungsbewusstsein“ hätte er nämlich die Brandenburger „Stasi-Truppe“ (BILD-Jargon) als „SPD“-Koalitionspartner in der Landesregierung erwähnen müssen.

Und als „Fundamentalopposition“ den „machtgeilen“ Wessi Lafontaine, welcher ja Ministerpräsident im Saarland werden wollte.

Und wenn die Realität nicht zur „bürgerlichen“ Hetze passt…wird sie einfach weggelassen.

Genauso wie alle anderen Medien bis heute keinerlei Beweise für „Richtungsstreit“ oder „Ost-West-Konflikt“ bei der Linken vorlegen können.

Sie betreiben eine Klientelpolitik, die auf die Herzen von Hartz-IV-Empfängern zielt.

Das geht natürlich nicht! Klientelpolitik ist nur erlaubt, wenn selbige vorher für ein paar Millionen Euro „Parteispenden“ gekauft wird und auch nicht 8 Mio Menschen, sondern nur einer Handvoll Millionäre und Milliardäre dient. Dann bekommt man auch die Ernennung zur „bürgerlichen Partei“.

Denn ohne Lafontaine erscheint jetzt das möglich, worauf die deutsche Linke schon lange gehofft hatte: eine noch stärkere Annäherung zwischen der SPD und der Linkspartei – und auch den Grünen. Die ticken, da darf man sich von schickem Outfit nicht täuschen lassen, immer noch ziemlich links.

Na sicher doch. Die Linke (die Partei?) strebt ein Bündnis mit der asozialen „SPD“ und den FDP-kompatiblen Grünen an? Ja…gehts noch? Welche Drogen werden in der Focus-Chefredaktion denn noch so herumgereicht?

Und dann erst die Behauptung, „SPD“ und Grüne seien „links“. Autsch!

Alle eint die Erkenntnis: Ohne Lafontaine erscheinen rot-rote oder rot-rot-grüne Allianzen einfacher.

Was man heute so alles „Erkenntnis“ nennen darf…

Droht uns bald also der Linksrutsch?

Hmmm….

Wenn mich meine paar grauen Zellen nicht in die Irre führen, ist dieser „Linksrutsch“ doch schon lange geschehen! Selbst die Merkel-CDU wird als „sozialdemokratisch“ verleumdet und als man den HartzIV-Regelsatz auf sagenhafte 359 Euro hochgesetzt hat, ist auch laut Focus in Deutschland der pure Kommunismus ausgebrochen, welcher die „Leistungsträger fesselt und knebelt im deutschen Wohlfahrtsstaat„.

Oder war das alles nur dümmliche Propaganda, um die „seriösen“ Parteien mit dem Vorwurf des „Linksrutsches“ noch marktradikaler und rechter machen zu können? Wäre so etwas vorstellbar?

Vielleicht auch deshalb, weil Schwarz-Gelb nicht gerade überzeugend regiert?

Tjo…wer hat denn von den „etablierten Parteien“ bisher „überzeugend regiert“?

„SPD“ und Grüne? Die sind 2005 vorzeitig vor ihrer Verantwortung und Politik aus allen Regierungsämtern geflohen.

CDU und „SPD“? Die sind beide nach ihrer „Großen Koalition“ 2009 nur mit Hilfe der Krise bis zum regulären Wahltermin gekommen. Und die herbeigesehnten politischen Großtaten hat es weder von Merkel noch von Agenda-Steinmeier gegeben. Dafür haben sie das getan, was für „demokratische Parteien“ in Deutschland zum Tagesgeschäft gehört: Die Reichen reicher und die Armen ärmer gemacht.

Nun ist ausser den Linken ja keiner mehr da, den man als „regierungsfähig“ bezeichnen könnte.

Es gibt hierbei zwei Optionen.

In der Post-Lafontaine-Ära könnte sich die Linkspartei selbst zerlegen. Sie präsentiert nach einem zermürbenden innerparteilichen Konflikt Nachfolger, mit denen sowohl Sozialdemokraten als auch die Grünen niemals ein Bier trinken gehen, geschweige denn eine Regierung bilden würden.

Ahja…die Linke hat laut Özgenc also 2 Optionen:

Option 1: Sie wird in „Flügelkämpfen“ zerlegt und so kommunistisch-bolschewistisch radikal, das niemand mehr mit ihr zu tun haben will.

Aber Moment mal… ist das nicht schon heute so? Erklären „SPD“ und Grüne nicht seit inzwischen 10 Jahren gemeinsam, nichts mit der Linken zu tun haben zu wollen?

Wie beim Hessen-Zirkus 2008 oder heute bei Frau Kraft in NRW?

Und die Grünen als billige FDP-Kopie im Saarland und in Hamburg sind offensichtlich auch ganz scharf darauf, mit der Linken eine Koalition einzugehen, oder?

Aber es soll da ja noch eine zweite Option geben:

Oder die Linkspartei einigt sich auf eine neue Parteispitze, die an einer linken Mehrheit im Land interessiert ist. Es spricht sehr viel für die zweite Variante.

Auch die bisherige Parteispitze des Populisten und Demagogen Lafontaine war an einer „linken Mehrheit“ interessiert. Allerdings fand man im Bundestag keine weiteren linken Parteien.

Pech gehabt…

Wenn die Linkspartei die Geschicke dieser Republik wirklich auf Dauer mitbestimmen will, wird sie den Weg der Grünen gehen. Sie muss sich von ideologischen Phrasen und lebensferner Propaganda verabschieden.

Ahja…die Linke soll als „den Weg der Grünen gehen„?

Und wo führt dieser Weg hin? Wo sind denn die Grünen angekommen? In der politikfreien Beliebigkeit.

Sie ist nichtmal im Bundestag stärker als die Linke verteten. Und ausser der Berufsheulsuse Claudia Roth gibt es auch keine bekannten Gesichter mehr in der Öffentlichkeit.

Toller Vorschlag! Echt genial!

Die Linke soll sich also von ideologischen Phrasen und lebensferner Propaganda „verabschieden“ und sich durch Anbiederung und Anpassung so überflüssig machen, dass das „Bürgertum“ der Reichen und Mächtigen keine Angst mehr vor ihr zu haben braucht.

Das letzte Gefecht?

Die Angst der selbsternannten „Bürger“ sitzt tief. Sehr tief.

Es hat nur ein paar Tage gedauert, bis der „demokratische“ Putz von der CDU-FDP-Fassade abgebröckelt ist.

Und in ein paar Wochen wollen die „bürgerlichen Parteien der Mitte“ (Anmerkung: die winzig kleine Spitze einer Pyramide ist auch immer in der Mitte) ihre populistische und zutiefst asoziale Macht in NRW unter „Arbeiterführer“ Rüttgers verteidigen.

Da verwundert es nicht, das der CDU-nahe Springer-Konzern zusammen mit dem FDP-eigenen Focus aus allen Rohren gegen die Linke schießt, um sie zu spalten und zu zersplittern.

Selbst wenn das nicht gelingt (was anzunehmen ist), reicht doch beim dummen Pöbel schon ein entsprechender Eindruck der „Zerrissenheit“.

Ihre größte Angst besteht darin, dass sich garnichts ändert. Die Linke bleibt auch ohne Lafontaine an der Spitze eine linke antikapitalistische Partei, welche sich nicht mit billigen Parolen und Schlagzeilen beliebig von den Millionären und Milliardären aus Wirtschaft und Medien steuern und lenken lässt.

Bei den Grünen hatte dies ja wunderbar funktioniert. Aus einer sozialen, ökologischen und pazifistischen Partei ist mit Hilfe massiver Medienpropaganda ein handzahmes Kätzchen geworden, welches zum Zwecke einer Regierungsbeteiligung selbst rechts- und marktradikale Hetzer liebevoll anschnurrt. Und diesen politischen Wackelpudding nennt man dann „Realpolitik“.

Als ob die Politik der Linken (wenn sie denn mal regieren sollte) irgendwie „unreal“ wäre.

Aber eine reale linke Politik löst beim wohlhabenden Bürgertum und ihren großzügigen „Parteispendern“ mit Namen wie Schlecker (Drogerie), Schwarz (Lidl), Quandt, Klatten (BMW) , Porsche usw. Angst und Panik aus.

Sollen sie doch!

Sollen sie doch Angst haben!

Ihre Macht basiert doch schließlich auch auf Angst. Der Angst der Bevölkerung vor ihrer „unternehmerischen Freiheit“, auch Willkür des Kapitals genannt.

Nichts kann einer Demokratie mehr nützen als der Zustand, in dem die Mehrheit keine Angst vor einer mächtigen Minderheit hat.

Angesichts dieser Tatsache erübrigt sich wohl die Frage, welche Partei im Bundestag demokratisch und damit Feindbild des „Bürgertums“ ist, oder?

Noch Fragen zur „Mitte“ und zum „Bürgertum“?

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2 Kommentare - “Bürgertum in Angst”

  1. Sina Says:

    Es ist doch wirklich nicht auszuhalten, was die Bildzeitung häufig von sich gibt. Jedoch muss ich ihnen zustimmen, es wird wahrscheinlich in Zukunft einen Linksrutsch geben. Deutschland ist mit der Regierung sehr unzufrieden und würde wahrscheinlich eine rot-rot-grüne Koalition in Kauf nehmen. Diese Koalition ist nach dem Ausscheiden Lafontaine’s auch denkbar. Doch nun fragt sich, ob er weiterhin der heimliche Vorsitzende sein wird, auch nachdem er zurück getreten ist.

  2. chriwi Says:

    Bei der Bild Zeitung immer das gleiche Schema. Wäre Lafontaine geblieben hätte er sich an die Macht gekrallt, so schmeißt er alles hin. Egal wie (außer er hätte sich dem neoliberalen Lager angeschlossen) wird es als Schelte verpackt.


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