Wissen und Gewissen

Kriegsminister Baron Pomadenkopp gestern im Bundestag:

„Oberst Klein hat mein volles Verständnis dafür, dass er in den kriegsähnlichen Zuständen subjektiv von der Angemessenheit seines Handelns ausgegangen ist.”

„Er hat nach bestem Wissen und Gewissen zum Schutz seiner Soldaten gehandelt.”

Der Baron hat also vollstes Verständnis dafür, wenn ein Oberst im Krieg sein Hirn abschaltet und aus dem Bauch heraus willkürlich töten lässt?

Wozu gibt es dann überhaupt noch militärische Ausbildung, das Kriegsrecht, die Genfer Konventionen und all die anderen Vorschriften und Spielregeln?

Hat der Herr Kriegsminister dann auch vollstes Verständnis dafür, wenn die Generäle des Militärs eine Entscheidung der Politik ganz subjektiv für „falsch“ halten und eigenverantwortlich jemandem den Krieg erklären?

Werden Befehle zukünftig nur noch als Empfehlungen ausgesprochen, damit jeder Offizier nach gutdünken schalten und walten kann?

Was soll der Blödsinn, Guttenberg?

„Er hat nach bestem Wissen und Gewissen zum Schutz seiner Soldaten gehandelt.”

Reicht es nicht, dass du als Kriegsminister völlig inkompetent und offensichtlich handlungsunfähig bist?

Musst du auch noch so schamlos das Parlament belügen wie einst dein Vorgänger?

Was wusste Oberst Klein?

Die Tanklaster waren mehr als 6,5 km weit weg. Ausserdem waren sie nicht in der Lage, sich auch nur einen Zentimeter vor oder zurück zu bewegen.

Für das Bundeswehrcamp bestand also keine Gefahr.

Jeder Amateur hätte das auch ohne Militärakademie erkannt. Oberst Klein hätte lediglich bis Tagesanbruch weiter beobachten müssen, um dann mit seinen Soldaten und Panzern die Tanklaster bis zur Bergung zu sichern. Vermutlich hätten aber auch schon ein paar Warnschüsse ausgereicht, um die Taliban zu vertreiben.

Oberst Klein hätte zudem bei der Bevölkerung ein paar Pluspunkte sammeln können, wenn er selbst das Benzin an die Dorfbevölkerung verteilt hätte.

DAS hätte den Taliban weit mehr geschadet als die Schaffung neuer Martyrer!

Wie sieht das denn jetzt aus?

Die Taliban haben den Dorfbewohnern mit kostenlosem Benzin geholfen und sich damit Anerkennung verschafft, während die „Befreier“ als Massenmörder agiert haben. Daraus entsteht allerdinsg kein Vertrauen, sondern Hass und Rache.

Oberst Klein hat also nach bestem Wissen und Gewissen die Taliban tatkräftig unterstützt und zeitgleich seinen Bundeswehrsoldaten ein noch höheres Gefahrenpotential verschafft.

Reife Leistung!

Und die mord- unhd kriegslüsternde Bundesregierung hält das für völlig in Ordnung und gibt typischerweise nur zu, was eh schon feststeht: Der Luftangriff war unangemessen!

Unangemessene Gewalt im Krieg oder in kriegsähnlichen Zuständen sind aber nichts anderes als Kriegsverbrechen!

So steht es überall geschrieben: vom Völkerrecht bis hin zu den Genfer Konventionen.

Stört das jemanden? Nein.

Kapitulation

Die Stellungnahme des aktuellen Kriegsministers ist nichts anderes als eine Kapitulationserklärung.

Er gibt zu, das mit den Mitteln und Verfahren des Militärs in Afghanistan nichts mehr erreicht werden kann.

Statt nun den geordneten Rückzug zu planen, will man nun mit noch mehr Soldaten den Endsieg erzwingen.

Dabei geht es heute schon nicht mehr um die angebliche Befreiung Afghanistans von den Ex-Nato-Verbündeten „Taliban“, sondern nur noch ums nackte Überleben.

Dabei hat man vollstes Verständnis dafür, wenn die Offiziere auch ohne konkreten Anlass die Nerven verlieren und wild um sich ballern.

Das ist schon einmal schiefgegangen.

Von 1943 bis 1945 haben die Alliierten Luftangriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung geflogen, um „den Willen zu brechen“. Erreicht wurde das Gegenteil. Statt Kapitulation stärkte man nur die Verkünder von Durchhalte- und Racheparolen.

Erst als die Allierten später keine Bomben, sondern Schokolade aus ihren Flugzeugen abwarfen, änderte sich langsam die Einstellung zum „Feind“.

Was hat man daraus gelernt? Garnichts!

Noch immer gilt in der Bundeswehr der militaristische Korpsgeist aus den Zeiten der Wehrmacht. Man orientiert sich nur noch am „Wettbewerbsvorteil Feuerkraft“ und achtet darauf, seine Fehler und Verbrechen mit Hilfe der Politik zu vertuschen und zu verharmlosen.

Verantwortung

Worum geht es in diesem Krieg?

Es geht weder um einen „Anti-Terror-Kampf“ noch um eine „Befreiung Afghanistans“.

Um Osama bin Laden ging es eh nie.

Stattdessen erklären die „verantwortlichen“ deutschen Politiker, Deutschland würde am Hindukusch „verteidigt“ und man nähme mit der Bundeswehr in Afghanistan „internationale Verantwortung“ war.

Na toll!

Menschen umbringen als Beweisführung dafür, Menschen umbringen zu können und zu wollen.

Wo führt eine solche Politik hin?

In einen Wettbewerb der Nato-Staaten um die „wertvollste Kolonie“ wie vor 100 Jahren!

Neusprech

Gegen die heutige Definition von „internationaler Verantwortung“ hilft zum Schutz von Menschenleben nur noch „verantwortungslose Aussenpolitik“.

Kapitalismus und Imperialismus sind siamesiche Zwillinge.

Sobald die Gier nach Profit nicht mehr durch die Ausbeutung und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung zu stillen ist, widmet man sich den anderen Völkern dieses Planeten.

Die Marionetten sind und bleiben verantwortlich für das Wohl ihrer Strippenzieher, welche Kapitalbesitz, Reichtum und Macht in sich vereinen.

Und wenn man für die Interessen des Kapitals andere Länder und ihre Rohstoffe erobert, übernimmt man halt „internationale Verantwortung“.

Wenn man für den Frieden zwischen den Völkern eintritt, ist man „verantwortungslos“.

Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn.

10 Prozent und man kann es überall anwenden;

20 Prozent, es wird lebhaft;

50 Prozent, positiv waghalsig;

100 Prozent und es stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß;

300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.

Bringen wir das Kapitalistenpack endlich an den Galgen, bevor es auch noch das Monopol auf Leben besitzt!

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6 Kommentare - “Wissen und Gewissen”


  1. Mal unabhängig davon, was ich von der Aktion als solches halte, aber ..

    „…Der Baron hat also vollstes Verständnis dafür, wenn ein Oberst im Krieg sein Hirn abschaltet und aus dem Bauch heraus willkürlich töten lässt?…“

    Es gibt m.E. keine bessere Ausbildung zum Thema Entscheidungsfindung, bekannt als „Führungsvorgang“, als ich diese selbst im Rahmen meiner Ausbildung zum Offizier bei der Bundeswehr erleben durfte.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rischer_F%C3%BChrungsprozess

    Ich ziehe noch heute nach vielen Jahren meinen positiven Nutzen daraus.

    Mit besten Grüßen,

    Alexander E. Schröpfer

  2. wareluege Says:

    interessant…
    Aber schon an der „Lagefeststellung“ ist das Führungspersonal in Afghanistan und das in Berlin kläglich gescheitert.
    Die Handlungsweise des Oberst Klein wäre nicht einmal im Rahmen einer akuten und direkten Selbstverteidigung akzeptabel gewesen.
    Aber auch unnötig…er hätte sich ja mit seinen Soldaten im Wirkungsbereich des Luftangriffes befunden.
    Die Frage nach Selbstverteidigung hat er wahrheitswidrig positiv beantwortet.

  3. Michael Mugge Says:

    Ich wünschte wir würden mal einen Minister bekommen, der klar sagt, dass der Einsatz dort unten ein riesiger Fehler und die Tanklasteraktion das Hinterletzte war. Jemand, der sich mal traut aufzubegehren und die Sinnlosigkeit des Einsatzes aufzeigt. Davon abgesehen, dass so jemand niemals Minister werden könnte, weil ehrliche Menschen in solchen Posten nicht gefragt sind, wäre er (oder sie selbstverständlich) spätestens danach nicht mehr Minister, aber er hätte Deutschland möglicherweise aus der Lethargie geholt und diesen Herdentrieb vielleicht gebrochen.

    Schon wieder träume ich, ist echt schlimm mit mir.

  4. Flying Circus Says:

    @Alexander:

    „Es gibt m.E. keine bessere Ausbildung zum Thema Entscheidungsfindung, bekannt als „Führungsvorgang“, als ich diese selbst im Rahmen meiner Ausbildung zum Offizier bei der Bundeswehr erleben durfte.“

    Das Problem ist, daß Oberst Klein die durch diese Ausbildung zur Verfügung gestellten Fähigkeiten anscheinend nicht genutzt hat.
    Anders kann ich es mir nicht erklären, daß man offensichtlich bewegungsunfähige Tanklastzüge aus der Luft zusammenrotzen läßt.
    Daß die Afghanen nämlich Tanklastzüge zum Fliegen bringen können, halte ich für ein Gerücht. Und Beamen können sie wohl auch noch nicht.
    Ich stimme also wareluege bei seiner Einschätzung der Lage zu: es bestand keine akute Gefahr für das BuWe-Camp und daher war ein Luftschlag nicht nötig.

  5. D.Bakel Says:

    „Wozu gibt es dann überhaupt noch…das Kriegsrecht, die Genfer Konventionen und all die anderen Vorschriften und Spielregeln?“

    In der Praxis war das bisher immer, um den VERLIERER hinterher leichter anklagen, aburteilen, abkassieren und kontrollieren zu können.

  6. Radioheadhörer Says:

    Führungsvorgang ???
    Selten so gelacht. Ihr „Kommentar“ ist doch nicht wirklich ernst gemeint.
    Da wäre ja so, als würde ich bei den Zuständen im Land aufs Grundgesetz verweisen. Oder vor Gericht den gesunden Menschenverstand einfordern.
    Das ist schon fast Science Fiction.


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