Allianz AG vs. Maischberger

Gestern Abend bei Maischberger:

Im Unterschied zu manch anderen Talkshows zum Thema „Rente“ sah man im Studio ein ausgewogenes Verhältnis bei den Gästen.

3 Gäste pro Privatrente, 3 Gäste dagegen.

Wie nicht anders zu erwarten war, sind die 3 Privatrenten-Lobbyisten Bert Rürup (AWD), Bahr (ERGO Versicherungsn AG) und Ex-Manager Lothar Langer gnadenlos untergegangen.

Gegen Norbert Blüm, die Armutsrentnerin und die Putzfrau ( also 1 Profi und 2 Laien) hatten die „Rentenexperten“ keine Chance.

Aber es lief nicht so wie geplant. Man wollte mit der „Übermacht“ von 2 Versicherungslobbyisten und einem Manager mal wieder so richtig „Überzeugungsarbeit“ leisten und Blüm als „altmodischen Deppen“ hinstellen.

Hat nicht funktioniert. Pech gehabt.

Die Zuschauerreaktionen waren wohl zu eindeutig und so holt WELT nachträglich nochmal zum Gegenschlag aus.

Da die Allianz AG schon seit mehreren Jahren „Werbepartner“ des Springer-Konzerns ist, bekam Redakteur und „Fernsehkritiker“ Thilo Maluch die Aufgabe, dem Fernsehzuschauer einen Tag später zu sagen, was selbiger gefälligst gesehen haben soll.

Sandra Maischberger in der Populismusfalle

Die Werbung für Riester- und Rüruprente ist in dieser Sendung mal wieder wie eine Seifenblase geplatzt.

Und wer ist Schuld? Der Blüm-Populismus! Jawoll!

Angeblich ist in Deutschland also über Nacht der Manchesterkapitalismus ausgebrochen, jeder muss nun sehen wo er bleibt und vor allem alles (was eigentlich?) selbst bezahlen.

Ja…was eigentlich?

Tja Herr Maluch..ich helfe da gern weiter: Schauen Sie doch mal in den schwarz-gelben Koalitionsvertrag. Da wird vieles privatisiert: die Rente, die Krankenversicherung, die Pflegeversicherung, die Bildung…

Daniel Bahr von der FDP, der frisch gebackene Staatssekretär im Gesundheitsministerium, schlug sich tapfer und überzeugte mit Sachkenntnis und Argumenten.

Aua! Bei dem Satz bin ich vor Lachen vom Stuhl gekippt und hab mir den Ellenbogen angebufft.

Naja…geht schon wieder. Für Kränze und Beileidskarten ist es noch zu früh.

Versicherungsvertreter Bahr überzeugte also mit „Sachkenntnis“ und „Argumenten“?

Naja… mehr als „Lohnnebenkosten“ und „Arbeitsplätze“ hatte er nicht zu sagen. Sein hilfloses Gestammel war völlig frei von Sachkenntnis und seine „Argumente“ waren auch schon hundertfach widerlegt.

Seine Gegner – eine zornige Putzfrau und ein etwas verwirrter Norbert Blüm – machten es ihm aber auch nicht besonders schwer souverän zu wirken.

Das war wohl auch Sinn der Sendung. Allerdings war ein verwirrter Norbert Blüm nicht zu sehen. Eher im Gegenteil: Er musste sich mehrmals gegen Maischberger durchsetzen, um das Gelaber von Rürup und Bahr widerlegen zu können. Wie üblich war Maischberger stets dabei, schnell das Thema zu wechseln, wenn die Versicherungsvertreter ihren Unsinn verkündet hatten.

Wenn man Blüm zuhörte wie er sich in Rage redete, konnte einem angst und bange werden.

Doch die Relation von Wortwahl und Realität im deutschen Sozialstaat war nicht das einzige, was ihm aus den Fugen geriet.

Das System, mit dem er so hart ins Gericht ging, schien er jedenfalls noch nicht restlos verstanden zu haben.

Klar…wenn man nicht auf den Schwindel der Versicherungskonzerne hereinfällt, ist man mal wieder „zu doof“.

„Wenn jemand sechzehn Jahre lang Sozialminister war, dann sollte er eigentlich den Unterschied zwischen Kapitaldeckung und Umlagesystemen kennen,“ tadelte der ehemalige Wirtschaftswaise Bert Rürup den Politrentner,

Ahja… Rürup der „Wirtschaftsweise“ und Blüm der „Politrentner„.

Selbst als Rürup und Blüm versuchten, sie von den Vorteilen der Riester-Rente zu überzeugen, wollte sie das alles schon nicht mehr hören

Das ist schlicht gelogen. Ich habe mir die Maischberger-Sendung heute Vormittag nochmal als Wiederholung bei Phoenix angesehen. Blüm war weit davon entfernt, im Riester-Betrug irgendwelche Vorteile für Geringsverdiener zu erfinden.

Im Eifer des Gefechtes hat der Allianz-finanzierte WELT-Redakteur offensichtlich Blüm und Bahr verwechselt. Womöglich sogar mit Absicht…

Natürlich ist es legitim, auch Betroffene in eine solche Sendung einzuladen. Wenn es aber nur darum geht, zu zeigen, dass es tatsächlich Betroffene gibt, dann ist der Chronistenpflicht auch mit einem kurzen Einspieler genüge getan.

Genau! Wie bei Plasberg auch kann man sich die Äußerungen bei „Einspielern“ nämlich wunderbar aussuchen und am Schneidetisch hinbiegen wie man will. Aber Betroffene live ins Fernsehstudio einzuladen wo sie unkontrolliert ihre Meinung sagen…das geht nun wirklich zu weit!

Eine politisch relativ unbedarfte Putzfrau mit gebrochenem Fuß auf Politiker loszulassen hat zwar einen gewissen Unterhaltungswert, blieb aber doch billige Effekthascherei ohne jeden Erkenntnisgewinn.

Naja…so ganz ohne „Erkenntnisgewinn“ wars dann doch nicht. Zum Beispiel als sie fragte, wie sie mit ihren beiden Aushilfsjobs und 48h-Woche noch riestern oder im Krankheitsfall ohne Lohnfortzahlung noch „fürs Alter sparen“ soll…das war schon interessant. Zumal weder Rürup noch Bahr darauf antworten konnten.

Genauso wenig erhellend war es, Rentner im Einkaufszentrum danach zu befragen, was die denn von einer Nullrunde bei den Renten halten.

Aber wie erhellend war es, Rürup und Bahr zum Thema „Privatrente“ einzuladen? Das fanden Allianz und WELT offensichtlich „angemessen“.

Da Populismus aber unterhaltsam ist und anscheinend Zuspruch beim Zuschauer findet, hatte Sandra Maischberger einen weiteren Einspielfilm vorbereitet.

Rummmsss…. da fiel es zusammen, das Kartenhaus.

Was beim Zuschauer Zuspruch fand, war allerdings kein Populismus, sondern die Blüm-Argumentation, welche er mit Zahlen und Beispielen belegen konnte. Aber sowas ist natürlich „Populismus“, nicht wahr?

Und wenn die Zuschauer eher dem einen „Populisten“ glauben als den beiden „Experten“ muss man eben solche „Fernsehkritiken“ verfassen, nicht wahr?

Zum anderen setzten sich ausgerechnet Bahr und seine Partei seit Jahren dafür ein, die Politikerversorgung zu reformieren und die Volksvertreter selbst für ihre Rente vorsorgen zu lassen.

Natürlich! Für jeden Kunden bekommen Bahr und Rürup gut bezahlte „Vortragshonorare“ als Provisionen und verschleierte Schmiergelder.

Allerdings dürfen beide nicht fordern, das auch Politiker in die gesetzl. Rentenversicherung einzahlen. Eine Privatrente muss es dann schon sein…

Leider blieb Sandra Maischberger so in der Populismusfalle stecken.

Vor lauter Empörung über angenommene oder reale Missstände und düsteren Zukunftsaussichten blieb die Suche nach Lösungen für die anstehenden Probleme fast völlig auf der Strecke.

Als Blüm die gesetzliche Bürgerversicherung der Schweiz als Vorbild nannte, hatte die Presseabteilung der Allianz wahrscheinlich schon abgeschaltet.

Die erschrockenen Gesichter von Rürup, Bahr und Maischberger waren jedenfalls ein Genuss!

Screenshot fdp-muensterland.de mit Verweis aus daniel-bahr.de

Selbstverständlich hat kein Fernsehzuschauer bei Maischberger erfahren, dass Rürup und Bahr schon seit mehreren Jahren bei der Sozialstaats-Privatisierung eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig gut bezahlte Vorträge verschaffen.

Bildungsfernsehen: Rentenangst

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7 Kommentare - “Allianz AG vs. Maischberger”

  1. Michael Mugge Says:

    Ich guck mir diesen Spam ja schon lange nicht mehr an, jetzt habe ich wohl tatsächlich mal eine Sendung verpasst, wo die ‚Normalen‘ mal überlegen waren. Sonst werden die Gäste ja immer so ausgesucht, dass die Turbokapitalisten in der Mehrzahl sind. Dass die Welt nochmal nachkartet, ist kein schlechtes Zeichen, zeigt es doch, dass die Privatisierungsfreunde nervös werden.

  2. bojenberg Says:

    kann man sich hier anschauen! 😉 war auch angenehm ueberascht. bluem ist ein echter haudegen! bin gespannt, wann sie ihn aus der cdu entfernen.

  3. albern Says:

    selten einen so unsachlichem blödsinn gelesen. Wenn du anderer meiniung bist als der typ von der welt ist das ja fein, aber verschon mich bitte mit deinen verschwörungstheorien. schlecht geschrieben ist es auch noch…

  4. Flying Circus Says:

    Harharhar. Traumhaft. Wiewohl ich nie fern sehe, dieses Jammerstück hätte ich gerne …

    Besonders nett der rhetorische Trick, man würde ja seriöserweise auch nicht Rentner zur Rentenerhöhung befragen.
    Abgeordnete erhöhen sich ihre Diäten selbst.
    Top-Manager klüngeln die Gehälter untereinander aus (Aufsichtsrat und Vorstand wollen einander nicht weh tun!).
    Und die Politik hat immer das Ohr am Puls der Lobby.

    Nur bei den kleinen Leuten, da darf man so was auf keinen Fall machen!!

    Denkt immer dran: sie wollen nur Euer Bestes.
    Verweigert es ihnen!!

  5. wareluege Says:

    Was meinst du mit „Verschwörungstheorien“?
    Noch eine Theorie: http://www.bildblog.de/1233/was-bild-die-renten-kampagne-bringt

  6. thom Says:

    @albern, was du wolle ? Komme mit Eimer voll ohne Boden drinn ?

    Zum Artikel, amüsante Art der Auseinandersetzung mit dem Thema. Liest sich gut. Ich geb zu, ich bin schon länger Fernsehverweigerer, aber den hätt ich auch gern gesehen, na vielleicht hats jemand aufgezeichnet.

  7. bojenberg Says:

    @thom

    gugst du!


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