Jörg Heulsuse

Brandenburg, ach Brandenburg…

Die Kapitalisten, ihre Medien und Politik-Marionetten kommen einfach nicht darüber hinweg, dass ihr Projekt „Kapitalismus für Alle“ nach 20 Jahren Gehirnwäsche immer weniger Fans hat.

In Brandenburg herrscht mit der neuen rot-roten Koalition nun der Stasi-Stalin-Kommunismus und die herrschende Klasse jammert über ihr „verlorenes Land“ im Osten.

Weil sich aber kein Mensch wunschgemäß darüber aufregt und die „Befreiung“ Brandenburgs durch NATO-Truppen fordert, holt BILD nun auch noch die letzten Hetzkadaver aus dem Morast, um im letzten Gefecht nochmal so richtig Stimmung zu machen.

Offensichtlich ist es der Springer-Presse in ihrem blinden Kapitalisten-Extremismus entgangen, dass es bis zu einer weiteren Landtagswahl noch mehr als 6 Monate sind und das Gejammer soviel Interesse erzeugt wie der berühmte Sack Reis in China.

Der heutige Gruftling heißt Jörg Schönbohm. Als Ex-Bundeswehrgeneral, westdeutscher Besatzer nach 1990 und einer 10jährigen „Erfolgsgeschichte“ als Brandenburger Innenminister, Kolonialbeamter und überzeugter Verkünder westdeutscher Siegergeschichte darf er sich angesichts seiner Abwahl nun in Springers BILD so richtig ausheulen.

Abrechnung mit der Ostalgie

Ahja… Die CDU ist also aus „Ostalgiegründen“ abgewählt worden? Na sowas aber auch!

Dabei hatten CDU und Schönbohm nun 20 Jahre Zeit, um die dummen Ossis von der Unfehlbarkeit und Vollkommenheit des Kapitalismus zu überzeugen. Hätten sie systembedingt nicht so grundlegend versagt, gäbe es heute den Begriff „Ostalgie“ gar nicht.

Schließlich gibt es auch keinen Begriff für „sentimentale Erinnerungen an das 3. Reich“, oder?

BILD: Mit welchen Gefühlen scheiden Sie aus dem Amt?

Jörg Schönbohm: Mit Dankbarkeit für das Erreichte. Aber auch mit Enttäuschung und Verbitterung über das Kommende. Ich habe immer für Brandenburgs Zukunft gegen Rot-Rot gekämpft. Nun ist diese Koalition da.

Anstatt heldenhaft gegen Rot-Rot zu kämpfen hättest du vielleicht besser eine ordentliche Politik machen sollen. Es wäre ausserdem sinnvoll gewesen, nicht so typisch arrogant wie ein westdeutscher Systemfunktionär die Ostdeutschen wie den letzten Dreck zu behandeln. Noch gut in Erinnerung, wie du die Folgen deines eigenen Versagens bei jeder Gelegenheit der DDR zuschreiben wolltest.

Aber dass bei der Linkspartei 20 Jahre nach dem Mauerfall so getan wird, als handle es sich um eine ganz normale Partei, verbittert mich schon.

Man stelle sich vor: Zwei frühere Stasi-IM haben den Koalitionsvertrag unterschrieben.

Heul doch! Deine eigene CDU hatte bereits 1945 keine Probleme damit, Funktionäre von NSDAP, SA, SS und Wehrmacht bei sich aufzunehmen. Ihr habt sie sogar zu Ministerpräsidenten, Bundeskanzlern und Bundespräsidenten gemacht. Ohne Schamfrist.

BILD: Warum schreckt die Nähe der Linken zum Unrechtsstaat DDR die Wähler nicht?

Hehe…geniale Frage!

Meine Antwort: Weil über 90% der Wähler als Ex-DDR-Bürger der DDR näher waren als jeder westdeutsche Import-Politiker.

Aber der jammernde Schönbohm sagt:

In den Neuen Bundesländern herrscht noch viel Unkenntnis über das alte Unrechtsregime.

Na sicher doch! Die westdeutschen Kolonialherren müssen den dummen Ossis noch viel öfter erzählen, wie ein DDR-Bürger in der DDR gelebt hat. Dann passt auch wieder die Siegergeschichte.

Allerdings haben das auch meine westdeutschen Freunde noch nicht begriffen: Sie fragen mich heute noch über die DDR aus anstatt das sie mich über das „Unrechts-Regime“ aufklären. Seltsam, nicht wahr?

Nur die Hälfte der Schüler weiß, dass die DDR eine Diktatur war. Und nur ein Drittel, wer die Mauer gebaut hat.

Nachweisbar hat kein einziger dieser Schüler die DDR noch erlebt. Ihr Wissen über die DDR stammt also nahezu vollständig aus dem Fundus der Kolonialmacht und ihrer Politiker wie Schönbohm.

Aber irgendwie ist dies auch ein bemerkenswertes Geständnis des Herrn Schönbohm.

Er gibt damit nicht nur zu, dass das bundesdeutsche Schulsystem ein Fall für die Mülltonne ist, sondern dass es auch (wie in der DDR) ein politisch-motiviertes Bildungsziel gibt.

Der verstärkte Einsatz der „Unterrichtshilfen“ von Bertelsmann und INSM ist Beweis dafür.

Viele Lehrer reden ohnehin ungern über die DDR. Oder verklären sie. Weil sie damals systemnah waren. Da verwundert es nicht, dass gut ein Viertel der Brandenburger die Linke gewählt hat.

Was nicht zur westdeutschen Siegergeschichte passt, wird prompt als „Verklärung“ an die Wand gestellt.

Dabei hat es vor 20 Jahren schon umfangreiche „Säuberungsaktionen“ bei „Systemnahen“ im öffentlichen Dienst gegeben. Ein Hauptverantwortlicher dafür: Brandenburgs Innenminister Schönbohm persönlich.

Offenbar haben sie vergessen, dass die große Mehrheit der Bürger die DDR aus gutem Grund hinweggefegt hat. Denken wir nur an die Probleme der täglichen Versorgung, die staatliche Bevormundung, die Umweltprobleme, die um Jahre geringere Lebenserwartung …

Würden die von Schönbohn genannten Gründe wirklich gelten, wäre auch schon die Diktatur des Kapitals „hinweggefegt“ worden.

Ich denke da nur an die Probleme der täglichen Versorgung bei Arbeitslosen, Geringverdienern und Rentnern. Oder die staatliche Bevormundung all derer, die nicht zu den „Leistungsträgern“ gehören oder als Hartz-Opfer eine staatliche Erlaubnis brauchen, wenn sie mal 24h ihren Wohnort verlassen wollen. Beispielhaft ist auch der Einsatz der Kapitalisten für eine saubere Umwelt sowie des Bestreben ihrer Politiker, die Lebenserwartung durch Privatisierung von Renten und Gesundheitswesen zu neuen Rekorden zu bringen.

Ich bin ja sowas von beeindruckt… 🙂

Man könnte höchstens sagen: Unser Leben haben wir unter den Bedingungen der DDR ganz anständig gestaltet.

Buuuuhhhh…. DDR-Verklärer!

Ich hatte vergessen, dass die DDR als einziges Ostblockland nur durch den Kommunismus bestand.

Schau erstmal ins Lexikon unter „Kommunismus“, bevor du hier einen solchen Stuss verbreitest.

Deshalb ist es hier viel schwerer, heute klarzumachen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war und nur noch von der Substanz und von Westkrediten lebte.

Na da können wir ja froh sein, dass es sowas im westdeutschen Kapitalismus nicht gibt.

Ein Staat der von Krediten lebt…der pure Kommunismus! bääähh…

Dabei hat Schönbohm als Innenminster mehr Kredite verbraten als die gesamte DDR in 40 Jahren.

BILD: War es ein Geburtsfehler Brandenburgs, dass der Stasi-belastete Manfred Stolpe hier erster Landesvater wurde?

Schönbohm: Stolpe wurde mehrheitlich gewählt.

Merke: Nicht die Stasi spielt eine Rolle, sondern das Parteibuch! Dass auch Rot-Rot mehrheitlich gewählt wurde, interressiert nicht.

Schönbohm: Es gibt eine verbreitete Stillosigkeit – im Umgang wie bei der Kleidung.

Richtig! Es ist auch nach 20 Jahren noch eine Folge der DDR-Diktatur, dass die Leute in Brandenburg keine Platin-Kundenkarten von Armani oder Mercedes in ihren Kroko-Brieftaschen haben.

Auch durch manche Behörden weht noch der Geist der DDR. Da fühlen sich Bürger dann wie Bittsteller vor der Obrigkeit.

Für die Behörden war Schönbohm 10 Jahre lang selbst verantwortlich. Offensichtlich hat er vollständig versagt.

Und dass sich die Bürger heute wie „Bittsteller vor der Obrigkeit“ fühlen, ist ein Verdienst der Diktatur des Kapitals in Ost und West gleichermaßen.

Während die Kanzlerin der Kapitalisten den Ackermann zu seiner eigenen Party ins Kanzleramt bittet, werden Millionen Menschen in diesem Land verzweifeln, wenn ihre Kinder heulend um den Weihnachtsbaum kriechen und vergebens die erträumte Modelleisenbahn oder das Puppenhaus suchen.

Als Bundeswehr-General fühlte sich Schönbohm in der Rolle eines Militär-Diktators pudelwohl. Er erteilte Befehle, welche mit unterwürfigem Gehorsam ausgeführt werden mussten und bestrafte jeden, der den Mut zu Kritik und Widerspruch aufbrachte.

Seine gesamte militärische und politische Karriere verdankt er dem sorgsam gepflegten Hass auf die DDR. Eine Grundbedingung für bundesdeutsche Generäle und Politiker.

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7 Kommentare - “Jörg Heulsuse”

  1. Pit Says:

    Da kann ich nichts kommentieren,besser kann man es nicht sagen,aber wenigstens das will ich sagen.

  2. rebel Says:

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – doch leider liest das von denen die es sollen keiner.


  3. […] hat der Inhaber vom “Ware Lüge”-Blog eine treffende Antwort […]

  4. bojenberg Says:

    die modelleisenbahn ist von heuschrecken gefressen worden! (maerklin) 😦

    gez. ein ungelernter brd-buerger und sozi, der nie gefragt wurde!

  5. Flying Circus Says:

    @bojenberg: Du und „ungelernt“? Dann sind Politiker ehrlich, Kapitalisten am Wohlergehen „ihrer“ Arbeitnehmer interessiert und wareluege ein FDP-Maulwurf. *g*

    @topic: sehr guter Artikel. Am schönsten finde ich das mit dem „als Bittsteller vor Behörden“. Ist doch hier genauso – Amtsgänge sind idR eine Strafe.

  6. wareluege Says:

    und wareluege ein FDP-Maulwurf
    menno…das sollte doch keiner wissen! 😦
    Während zahlreiche „Experten“ sich für ihre Äußerungen bezahlen lassen will ich doch eines Tages fett Kohle kassieren fürs „Klappe halten“. So als eine Art Schweigegeld…
    aber pssst… nicht weitersagen 😉


  7. […] kommt der große Spaß: Das Interview wird bei Ware Lüge treffend und humorvoll kommentiert. […]


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