Erikas Vertreibung

Schon seit mehreren Wochen befassen sich die rechtsnationalen Journalisten und Redakteure hiesiger Qualitätsmedien mit der „Vertriebenen-Chefin“ Erika Steinbach.

Sie fordern im Sinne ostpreussischer Gutsherren und Junker einen Posten für Steinbach im Vorstand der sogenannten „Vertriebenen-Gedenkstätte“.

Franz Josef Wagner, der Gossengoethe von BILD, erfindet pflichtgemäß gleich mal eine passende Vertreibungslegende für das vermeintliche Vertreibungsopfer Steinbach:

Mit dem nächsten Schiff, das nach der „Wilhelm Gustloff“ (versenkt von einem russischen U-Boot, 9000 Tote) auslief, überlebten Sie mit Ihrer Mutter die Flucht über die Ostsee.

Das alles symbolisiert die Präsidentin der Vertriebenen. Das alles ist geschehen. Es war so, es ist in meinem Gedächtnis.

Liebe Präsidentin der Vertriebenen, bleiben Sie hart. Sie sind eine Stimme aus der Vergangenheit, aber eine wichtige.

Ahja… Steinbachs Erika „floh“ also als Vertriebene zum Kriegsende über die Ostsee. Und natürlich muss Wagner nach der Fernsehschmonzette auch noch die „Gustloff“ erwähnen.

Wahr ist:

Familie Hermann (Erika heißt erst seit 1972 Steinbach) stammte aus dem hessischen Hanau. Als Besatzer zogen sie (Vater Wilhelm Hermann war Feldwebel in Goerings Luftwaffe) ins „national-befreite“ polnische Rumia.

Die Wehrmacht hatte die polnische Bevölkerung wahlweise vertrieben oder umgebracht, so dass dort für das „Volk ohne Raum“ Platz geschaffen wurde.

Nachdem Vater Wilhelm die Polen gründlich vertrieben hatte, holte er seine Famile in die „Neuen Ostgebiete“ nach, worauf schon bald Klein-Erika zur Welt kam.

Es hätte alles so schön sein können…

Im Januar 1945 stellte Familie Hermann fest, dass es wohl keine sonderlich gute Idee war, sich als Wehrmachtsbesatzer in Polen von der Roten Armee erwischen zu lassen.

Also packte man die Koffer und „floh“ mit Hilfe der Wehrmacht heim ins Reich.

Damit wurde die kleine Erika Hermann eine Vertriebene und ein Opfer des Stalinismus wie der Rest der heimkehrenden, aber noch kämpfenden Wehrmacht.

Familie Hermann ist übrigens in ihre alte Heimatstadt Hanau zurückvertrieben worden.

Revanchisten

Ihre Karriere beim „Bund der Vertriebenen“ begann erst 1994.

Durch ihre stete Forderung, der westdeutsche Anspruch „Rückgabe vor Entschädigung“ gegenüber den Ostdeutschen müsse auch gegenüber Polen gelten, machte sie schon 4 Jahre später zur Chefin besagter „Vertriebener“.

1997 war sie Gründungsmitglied der rechten Sammelbewegung Stimme der Mehrheit, die sich unter anderem gegen den „epidemischen Sozial- und Asylmissbrauch“ und den weiteren Zuzug von Ausländern einsetzen wollte.

Schon 1991 befand sie im Bundestag, dass die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ein „historischer Fehler“ sei, da es noch „legitime“ Eigentumsansprüche von ostpreussischen Gutsherren, Junkern und „Vertriebenen“ gäbe.

Im September 2008 erklärte sie, nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Deutschen in Polen, der Tschechei und in Jugoslawien einem Völkermord zum Opfer gefallen.

Bis heute leugnet sie die Tatsache, dass Ostpreussen und Schlesier zu den größten zivilen Unterstützern des Hitler-Regimes zählten. Schon 1936 forderten sie den Einmrasch der Wehrmacht in Polen, um nich länger mit „polnischen Untermenschen“ leben zu müssen.

Zahlreiche Gutsherren und Junker wurde dann auch als Offiziere oder „Sonderbeauftragte“ beim Überfall auf Polen eingesetzt.

Aber all das hat in der bundesdeutschen Opferlegende „2. Weltkrieg“ keinen Platz.

Man erklärt Stauffenberg zum „Widerstandskämpfer“, dreht reihenweise rührselige TV-Romane mit der blonden Veronica Ferres und erklärt jahrzehntelang, Hitler hätte das 3. Reich und den 2. Weltkrieg ganz persönlich geführt.

Der Führer grüßt zukünftige Vertreibungsopfer 1939 in Warschau.

Die Gerufenen

Die Ausstellung „Die Gerufenen“, organisiert von der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ mit der Vorsitzenen Erika Steinbach, soll die letzten 800 Jahre deutscher Siedlungsgeschichte in Mittel- und Osteuropa darstellen. Das 20. Jahundert wird ausgespart.

„Es gilt eine gute Geschichte von den Deutschen zu erzählen“, kündigte Erika Steinbach an.

Und zu den Millionen, Steinbach betont es waren 15 Millionen Deutsche, nur Frauen und Kinder, und alle Opfer , nicht einmal Mitläufer, nein, sondern sogar von den Nazis verfolgte Bürger, die sich in den „neuen Ostgebieten“ ansiedelten, sagt sie.

http://faktum-konvex.blogspot.com

Na sicher doch…und der Osterhase wohnt beim Weihnachtsmann zur Untermiete.

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One Comment - “Erikas Vertreibung”


  1. Tja, das ist so eine Sache mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Einerseits gibt es die offiziellen Darstellungen und andererseits kaum noch Zeitzeugen die Antworten geben könnten. Wobei immer beachtet werden muss, dass jede Aussage subjektiv ist, da jeder die gegebenen Situationen anders erlebt. Wirkliche Aufarbeitung ist eine mühsame Arbeit. Da ist es doch angenehm, wenn da einer ist dem die Schuld an allem in die Schuhe geschoben werden kann. Ich empfehle in solchen Diskussionen immer das Buch von Heinz Ratz, „Hitlers letzte Rede“.


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