Wirtschaftswunder auf BILD-Niveau

„Experte“ Hüther ist zurück!

Der INSM-Dummschwätzer und „Wirtschaftsexperte“ des Kapitalistenvereins „Institut der deutschen Wirtschaft“ meldet sich wieder lauthals zu Wort.

Seine neue Halluzination: Das ostdeutsche Wirtschaftswunder!

Ich habe mir bei Phoenix die Pressekonferenz zu seiner „Ostdeutschland-Studie“ angeschaut und hätte diesem „Experten“ am liebsten gleich mal die dumme Hackfresse verformt.

Natürlich springt BILD gleich auf diesen Zug ins Nirgendwo auf und verkündet freudestrahlend:

Studie 20 Jahre nach dem Mauerfall

Das neue Wirtschaftswunder

Es gibt sie also doch, die „blühenden Landschaften“! 20 Jahre nach dem Fall der Mauer geht es dem Osten Deutschlands viel besser als erwartet. Das ist das Ergebnis einer Studie des „Instituts der deutschen Wirtschaft Köln“.

Soso…“besser als erwartet“. Ja, was hat man denn erwartet? Waren das nicht „blühenden Landschaften“ und „Angleichung der Lebensverhältnisse bis 1995“?

So sprach zumindest die Kohl-Regierung, damit der Bimbeskanzler mit Hilfe von BILD & Co zum „Einheitskanzler“ werden konnte.

Die ostdeutsche Wirtschaft ist nach dem politischen Systemwechsel doppelt so schnell gewachsen wie zuvor berechnet – und im Vergleich zu anderen Regionen der Welt, die ähnliche Ausgangsbedingungen hatten.

Wer hat denn da wann was „berechnet“? Kamen die Agenda2010 und die Verbrechen von Wolfgang Schäuble und Horst Köhler in diesen Berechnungen überhaupt vor?

In diesem Jahr erreicht das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf 70 Prozent des westdeutschen Wertes (1991: 33 %),

Boah! Ein Wachstum von 33% BIP/Kopf auf 70% BIP/Kopf?

Waaaahnsinn! Ein echtes Wunder! Ein Wirtschaftswunder!

Und woher kommt dieses Wunder?

Grund für das Turbo-Wachstum: die massive Förderung.

Hört sich gut an, ist aber völliger Unsinn.

Grund für dieses „Turbo-Wachstum“ ist die Massenarbeitslosigkeit im Osten!

Hä? Wachstum durch Arbeitslosigkeit?

Ja! Das ist Logik!

Nochmal langsam zum mitschreiben:

In diesem Jahr erreicht das ostdeutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf 70 Prozent des westdeutschen Wertes (1991: 33 %),

Also: Wir hatten in der DDR Vollbeschäftigung.

Angenommen, das BIP der DDR betrug 1990 genau 100 Euro. Daran waren in volkseigenen(!) Betrieben 100 Werktätige beteiligt.

Nach dem „politischen Systemwechsel“ wurde die Hälfte dieser Werktätigen Dank „Umstrukturierung“, westdeutschen Spekulanten Investoren und natürlich der glorreichen Treuhandanstalt arbeitslos.

Wenn diese 100 Euro dann nicht mehr von 100 Leuten, sondern nur noch von 50 erwirtschaftet werden, verdoppelt sich das BIP/Kopf. Kapiert?

In der Grafik des Herrn Hüther sieht das dann so aus:

wirtschaftswunder_ost

In den Jahren von 1991 bis 1994 gab es im Osten einen Aufschwung. Hauptsächlich getragen von Maßnahmen wie Häuser-Rekonstruktionen in Altstädten, Straßenbau, Telekommunikation und dem Abriss von Industrieanlagen.

Nach 3 Jahren war ein großer Teil des Werkes vollbracht und es kam zu den ersten Massenentlassungen, welche bis 1996 anhielten.

Da Arbeitslose keine Wertschöpfung im Sinne des BIP erbringen, legte das „Wirtschaftswunder“ ganz schnell 5 Jahre lang den Rückwärtsgang ein. Ab dem Jahr 2000 ging es dann mit Hilfe einiger „Leuchttürme“ (statistisch) wieder etwas aufwärts. Diese Leuchttürme lassen sich problemlos an einer Hand abzählen und den Ländern Sachsen und Thüringen zuordnen: AMD in Dresden, Porsche in Leipzig, Forschungszentrum Jena sowie natürlich die Solartechnik-Industrie.

Zusammen mit dem Wachstum der Weltwirtschaft (USA, China, Indien) wuchs auch die Nachfrage bei den ostdeutschen Lieferanten der westdeutschen Exportindustrie.

Nicht vergessen: Etwa die Hälfte der ostdeutschen Arbeitslosen sind inzwischen aus allen Statistiken entfernt worden!

Von 1991 bis 2008 ist das Gesamt-BIP im Osten um gerade 100 Mrd Euro angestiegen. Das mag sich erstmal viel anhören, ist aber kaum der Rede wert: Man darf weder die Inflation noch den allgemeinen technischen Fortschritt vergessen!

Ergo: Die herrschende Klasse des Kapitals hat nach der sog. „Einheit“ nur das vom Osten übrig gelassen, was es selbst zur eigenen Renditesteigerung benötigt hat. Dazu wurden bisher 96% der ehemaligen DDR an Westdeutsche und ausländische „Investoren“ privatisiert.

Apropos „Investoren“: Sinn einer jeden Investition ist es, mehr Geld als Rendite herauszuholen als man vorher „reingesteckt“ hat. (mal kurz darüber nachdenken!)

Aber nun weiter im BILD-Wirtschaftswunder:

Prognose: Dadurch wird der Osten bereits in 12 Jahren zu den schwächeren Westländern wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen aufschließen.

Ahja…in 12 Jahren also. Das wären dann insgesamt 32 Jahre „Aufholjagd“. Toll!

Die Mauer stand nur 28 Jahre! Da drängt sich mir der leise Verdacht auf: Ohne diese „Einheit“ zu Gunsten der Kapitalisten wäre der Rückstand zum Westen heute schon abgehakt.

Zum besseren Verständnis bitte nochmal einen Blick auf den BRD-DDR-Vergleich (pdf) werfen.

Empfehlung: Der Soli sollte in absehbarer Zeit abgeschafft werden! Heißt: Wenn der Solidarpakt II 2019 ausläuft, braucht der Osten keine Verlängerung mehr.

Na bitte…

Darum geht es also! Dieses ganze „Wirtschaftswunder“-Spektakel ist wieder nur eine Sprechblase zur Abschaffung des einkommensabhängigen(!) Soli-Zuschlages.

Der geringverdienende bzw. tarifentlohnte Bundesbürger wird von der Abschaffung des 7%-Zuschlages der Einkommenssteuer (nicht 7% vom Lohn!) naturgemäß kaum etwas bemerken. Aber da dieser Zuschlag auch auf Kapitalertrags- und Körperschaftssteuer fällig wird, ist er aus Sicht der Kapitalisten und ihrer Medienhuren wie Hüther natürlich ein Ärgernis.

Die Arbeitslosigkeit ist im gesamten Osten deutlich gefallen. Noch 2005 lag die Arbeitslosenquote im Schnitt bei 18,7 Prozent,

Im Oktober 2009 betrug die ostdeutsche Arbeitslosenquote im Schnitt nur noch 11,8 Prozent.

Die Wahrheit zu dieser Statistik findet man natürlich nicht in BILD, sondern bei Herrn Jahnke.

Dass der Osten Deutschlands vollständig zum Westen aufschließt ist unwahrscheinlich. Drei Gründe sprechen dagegen:

1. Zu wenig High-Tech-Technologie, Finanz- und IT-Dienstleister, Unternehmensberatungen. Hier steht der Westen noch weitaus besser da.

Sicher doch! Dem Ossi fehlen keine Arbeitsplätze, sondern Finanz- und Unternehmensberater!

2. Das Sorgenkind Berlin verschlechtert die Statistik mit seiner Schrumpf-Wirtschaft.

Berlin wird noch viele Jahre mit der Misswirtschaft des Herrn Diepken zu kämpfen haben. Aber das hat nichts mit dem ostdeutschen Wirtschaftswachstum, sondern mit einem rein statistischem Effekt zu tun.

3. Viele Abwanderungen in strukturstarke Regionen, dadurch bluten ganze Landstriche im Osten aus.

Der Alternativbegriff zu „strukturstarke Regionen“ lautet „Westdeutschland“.

Seltsam…dabei gibt es doch im Osten gar kein „SED-Regime“ mit „sozialistischer Misswirtschaft“ mehr. Warum laufen sie denn weg?

Schade…das verraten weder „Experte“ Hüther noch Springers BILD.

Ist Ostdeutschland eine Kolonie?

Als Kolonie bezeichnet man in der Neuzeit ein auswärtiges abhängiges Gebiet eines Staates ohne eigene politische und wirtschaftliche Macht.

Begrifflich hängt Kolonie eng mit Kolonisation zusammen. Bei der Kolonisation handelt es sich im Kern um eine Landnahme.

Die Kolonie ist daher in einem weiteren Sinne ein Personenverband in einem Gebiet außerhalb des angestammten Siedlungsgebietes. Im Bereich der Politik wird damit außerdem eine politische Abhängigkeit zum „Mutterland“ verbunden.

Die Bildung von Kolonien ist ein wesentliches Instrument der Machtausdehnung imperialistischer Staaten.

Herrschaftskolonie

In der Regel ist diese das Ergebnis militärischer Eroberung mit dem Zweck wirtschaftlicher Ausbeutung und der strategischen Absicherung imperialer Politik sowie nationalem Prestigegewinn.

Weitere Kennzeichen sind eine zahlenmäßig geringe koloniale Präsenz von Zivilbeamten, Soldaten und Kaufleuten. Diese siedeln dort nicht, sondern kehren nach gewisser Zeit ins Mutterland zurück und werden von anderen Beamten abgelöst.

Die Regierung geschieht ausschließlich durch das Mutterland. Dabei haben die ursprünglichen Bewohner oft gar keine oder nur verminderte Bürgerrechte. Zudem findet eine eigene und zielgerichtete Entwicklung des Gebietes nicht statt.

Siedlungskolonie

Typischerweise ist dieser Typ das Ergebnis einer militärisch gestützter Siedlungspolitik mit dem Zweck der Nutzung billigen Landes und billiger einheimischer Arbeitskraft, wobei soziale und kulturelle Lebensweisen entwickelt werden, die im Mutterland durchaus in Frage gestellt werden.

Siedler aus dem Mutterland sind als ansässige Farmer oder Pflanzer dauerhaft präsent. Diese Kolonisten entwickeln Ansätze zur Selbstregierung unter Missachtung der Rechte der einheimischen Bevölkerung.

(alles aus http://de.wikipedia.org/wiki/Kolonie)

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One Comment - “Wirtschaftswunder auf BILD-Niveau”


  1. Das mit der Kolonie ist für Ostdeutschland deckungsgleich. Die Abwanderung aus der ostdeutschen Kolonie ist statistisch absolut nachweisbar.
    Auch die Rückkehr der Beamten aus dem Mutterland in dieses wieder ist belegbar. Die menschlichen „Ressourcen“, die man (der westdeutsche Imperialismus)aus dieser Kolonie abziehen kann, ist natürlich einzigartig. Nur hat dieser kapitalistische Traum einen tödlichen Fehler: er kann leider nicht aufgehen. Der eingewebte Fehler im Kapitalismus lässt sich nicht beseitigen. Der alte Herr aus Trier hat das schon vor über 150 Jahren wissenschaftlich nachgewiesen. Wie bei allen Kolonien hat der Kapitalismus keine währende Freude daran. Und bei dieser „Kolonie“ wird sich das noch ganz besonders herausstellen.


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