tollwütiger Hundt

Pöbel-Dieter ist wieder da!

Nein…nicht der Depp ausm Fernsehen. Ich meine den Dummschwätzer der sog. „Arbeitgeberverbände“.

Selbiges Staatsoberhaupt, welcher ständig Hungerlöhne, Sklaverei & Tagelöhner, die Abschaffung von Feiertag und Feierabend u.v.a. mehr fordert.

Nachdem nun seine Sekretärin Angela M. auf dem DGB-Kongress die Beruhigungspille „Der Kündigungsschutz bleibt bestehen“ verteilt hat, ist der Dieter doch glatt vor Schreck vom Stuhl gefallen.

Nachdem ihm zur Beruhigung die Rendite- und Profitzahlen der Wirtschaft unter die Nase gehalten wurden, konnte er wieder auf seinem Stuhl Platz nehmen. Und als er dann wieder bequem saß, dachte er sich auch gleich ein „Positionspapier“ aus.

Um die Befehlskette einzuhalten, schickte er ein Exemplar davon ins Kanzleramt und eines zum Springer-Konzern.

Der Titel dieses Pamphletes eines tollwütigen Hundes:

Arbeit entlasten – Beschäftigung schaffen (WELT)

Mit einem dicken Beschäftigungsplus wollen die Arbeitgeber reagieren, sollte die neue Regierung die Sozialbeiträge senken.

Ahja…sie „wollen“ also. Interessant. Man könne glatt denken, die sog. „Arbeitgeber“ wären gutmütige Samariter, welche nur das Wohl der Allgemeinheit und nicht ihren persönlichen Wohlstand im Sinn haben.

Man müsse also bloß den widerlichen Sozialstaat abschaffen und schon würde die Wirtschaft mal eben Hunderttausend neuer Arbeitsplätze aus dem Hut zaubern.

Ja…ist denn heut schon Weihnachten?

Bei einer Senkung der Sozialversicherungsbeiträge um einen Prozentpunkt ergebe sich mittelfristig ein Beschäftigungsplus von 125.000 Personen

Achsoooo….denen geht es nicht um Arbeitsplätze, sondern um „beschäftigte Personen“. Alles klar!

Arbeit macht frei!

Die Sozialbeiträge machten rund zwei Drittel des Abstands zwischen Brutto-Arbeitskosten und Netto-Arbeitsentgelt aus, das sei zuviel.

Hmmm…. „zwei Drittel“ sind doch 66,6666%, oder?

Wir haben 15% Krankenversicherung, 20% Rentenversicherung und 3% Arbeitslosenversicherung. Macht zusammen 38%. Dazu noch die Pflegeversicherung und wir kommen auf rund 40% Sozialbeiträge (AN & AG!).

Könnte es etwa sein, dass Regierungschef Hundt mal eben die Lohnsteuern unter „Sozialbeiträge“ verbucht und mit einrechnet? Dann ergäbe sich womöglich tatsächlich eine medienwirksame „Schreckensbilanz“ von zwei Drittel des Abstands zwischen Brutto-Arbeitskosten und Netto-Arbeitsentgelt.

Die Arbeitgeber drohen damit, Arbeitsplätze ins Ausland verlagern zu müssen.

Wer eine Regierung zu einer Handlung erpresst, ist ein Verbrecher.

§ 106 StGB

Wer den Bundespräsidenten oder ein Mitglied eines Gesetzgebungsorgans des Bundes oder der Regierung durch Drohung mit einem empfindlichen Übel nötigt, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar. In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Aber wen interessieren in einer „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ eines Un Rechtsstaates die Gesetze, wenn man zu den Reichen und damit Mächtigen gehört?

Niedrige Sozialbeiträge senkten die Arbeitskosten und „verringern so den Druck, vorhandene Arbeitsplätze aus Kostengründen ins Ausland zu verlagern“, schreibt der Verband in dem Papier.

Auch nach der 250 000. Wiederholung wird keine Wahrheit daraus! Die sog. „Arbeitskosten“ sind so irrelevant wie die Frage, ob der Jupiter 5cm mehr oder weniger von der Sonne entfernt ist.

Wichtig sind nicht irgendwelche „Arbeitskosten“, sondern das Verhältnis aus Löhnen und Produktivität. Daraus ergeben sich die „Lohnstückkosten“. Die einzig entscheidende Größe betriebswirtschaftlicher Kalkulation.

Es wäre natürlich supertoll, hätten wir in Deutschland die „Arbeitskosten“ von Albanien. Damit würde sich das Verhältnis von Arbeits- und Kapitaleinkommen kurzfristig auf 5% : 95% „verbessern“.

Aber nur ein paar Tage lang…bis das letzte Mitglied aus Hundts „Arbeitgeberverband“ dem sozialverträglichen Frühableben zugeführt wurde.

Niedrige Arbeitskosten erhöhten die Rentabilität von Arbeitsplätzen und verringerten den Druck, Arbeit durch Maschineneinsatz zu ersetzen.

Rentabilität von Arbeitsplätzen: Profit

Der Druck, Arbeit durch Maschineneinsatz zu ersetzen, entsteht ebenfalls aus reiner Profitgier.

Wie müssten Menschen beschaffen sein, um zu einer Maschine konkurrenzfähig zu werden?

Wenn es tatsächlich einen „Druck“ zur Maschinenarbeit gäbe…warum fordern die „Arbeitgeber“ dann ständig „bessere Investitionsbedingungen“?

Sollte es dann zum „Druckabbau“ nicht sinnvoller sein, solche Investitionen mit Hilfe einer Wertschöpfungsabgabe (vulgo: „Maschinensteuer“) so teuer zu machen wie es einer menschlichen Arbeitskraft entspricht?

Insbesondere glauben die Arbeitgeber, dass Geringqualifizierte bei niedrigeren Sozialabgaben bessere Aussichten hätten, den Einstieg in Arbeit zu finden.

„Da die Produktivität einfacher Tätigkeiten nur gering ist, lohnen sich diese Arbeiten nur bei entsprechend niedrigen Arbeitskosten“, heißt es.

War ja klar. Da werden mal wieder sog. „Geringqualifizierte“ von der Wirtschaft als Geisel genommen, um den Staat zu erpressen.

Geringe Produktivität einfacher Tätigkeiten? Autsch!

Selbst modernste Supercomputer sind nicht in der Lage, menschliche Produktivität in einer arbeitsteiligen Organisation zu berechnen. Dafür gibt es weder mathematischen Formeln noch Messgeräte.

Beispiel:

Dieter Hundt ist als Alleingesellschafter Eigentümer der Allgaier-Werke GmbH & Co. KG.

Er lässt seine Lohnarbeiter dort Blechteile für die Autoindustrie herstellen.

Er beschäftigt in der Versandabteilung einen Unqualifizierten damit, Autobleche in die richtigen Versandkisten zu packen: VW zu VW, Audi zu Audi, Opel zu Opel usw. Sein Unqualifizierter muss nichteinmal Lesen und Schreiben können…er muss bloß die Marken-Logos der Kunden unterscheiden.

Das ist doch eine einfache Tätigkeit, oder? Und solch einfache Tätigkeiten sind doch nicht wirklich etwas wert, nicht wahr? Erst recht keinen Lohn über 3,50€ die Stunde!

Nun fordert der Unqualifizierte aber einen Mindestlohn von 10 Euro! Das ist natürlich ein krasser Widerspruch zu seiner Produktivität…er wird prompt entlassen. Ganz nach dem Motto „Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze“

Aber was passiert dann? Wer sorgt dann dafür, das die Autohersteller die richtigen Blechteile aus der Fabrik des Dieter Hundt bekommen?

Irgendwer muss dann die Sortier- und Verpackungsarbeiten zusätzlich zu seiner bisherigen Arbeit erledigen. Da aber aus Gründen fortlaufender Produktivitätssteigerungen alle Arbeitsprozesse bereits auf die Zehntelsekunde genau „getaktet“ sind, kann sich niemand wirklich mit dieser zusätzlichen Arbeit befassen.

Als Ergebnis dieser Arbeitsplatzeinsparung bekommen die Autohersteller ihre Blechteile dann entweder nur noch sporadisch oder gar nicht mehr geliefert.

Dieter Hundt kann seine Firma dichtmachen.

Ergo: Die „einfache Tätigeit“ des Unqualifizierten ist zwingend notwendig für die weitere Existenz der Firma. Dieter Hundt kann als Unternehmer nichts taugen, wenn er den Wert seines Unternehmens an einen Stundenlohn in Höhe von 3,50 Euro eines Arbeitnehmers  koppelt.

Gegenrechnung:

Differenz Stundenlohn 3,50€ zu Mindestlohn 10,00€ = 6,50€.

Lohnsteigerung = 185,65%

Wenn der Arbeitnehmer nun 50 Bleche pro Stunde sortiert und verpackt, ergäbe sich daraus eine Steigerung der Lohnstückkosten von 13 Cent pro Blech.Ein Auto (4-Türer) besitzt 11 Bleche an der Karosserie. Das Auto würde damit um unglaubliche 1,43€ teurer werden.

Da der Unqualifizierte aber gleichzeitig eine Lohnsteigerung von über 185% erhält, kann er sich erst jetzt überhaupt ein Auto leisten. Und eine Preissteigerung des Autos (10.000€) in Höhe von 0,0143% würde ihm wohl kaum weh tun.

Lohn + 185% ergäbe Preis + 0,0143%

Problem erkannt?

Es gibt weder „wertlose einfache Tätigkeiten“ in einem gewinnorientiert wirtschaftendem Unternehmen noch ein „Lohnkostenproblem“.

Wie am Beispiel von Arcandor/Quelle gut zu sehen ist: Nicht die Lohnkosten, sondern die Profitkosten ruinieren die Wirtschaft!

Sie (die Arbeitnehmer) hätten dann „mehr Kaufkraft und bessere Möglichkeiten zum Sparen und Vorsorgen“, argumentieren die Arbeitgeber. So werde auch der Konsum angekurbelt.

Man muss schon aussergewöhnlich geistig unterbelichtet sein, um so eine Behauptung in die Welt zu setzen.

Die „gesparten“ Arbeitnehmeranteile (die gesparten Arbeitgeberanteile behält der Unternehmer natürlich ein) müssen damit zwangsläufig in private Krankenversicherungen, Rentenversicherungen und Arbeitlosenversicherungen „investiert“ werden, wenn man überhaupt noch sozialversichert sein will. Für „mehr Konsum“ bleibt natürlich nichts übrig.

Das freut den Allianz-Aufsichtsrat Dieter Hundt natürlich!

Mehr Netto vom Brutto!

Durch Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge?

Rechnung:

RV-Beitrag 20% = 400 Euro bei 2000 Euro brutto

200€ Arbeitnehmer, 200€ Arbeitgeber (das nennt man „paritätische Finanzierung“)

Reduzierung des RV-Beitrages von 20% auf 10%:

100€ Arbeitneher, 100€ Arbeitgeber

Mehr Netto vom Brutto: 100 Euro! Toll! Klasse! Super!

Für die spätere Rente fehlen nun 200 Euro Beitragsgelder. Die Rente des Arbeitnehmers wird halbiert. Toll! Klasse! Super!

Lösung: Die heutige Bezugsdauer der Rente von etwa 10 Jahren (65 bis 75 bei Industriearbeit, Bauarbeiter etc) muss bei gleichbleibender Rente ebenfalls hablbiert werden.

Also wird das Rentenalter von 65 Jahre auf 70 Jahr erhöht. Wer mit 70 Jahren noch am Fließband oder auf dem Bau arbeitet, reduziert seine restliche Lebenserwartung um etwa 50%. Es geht also nach 2,5 Jahren Rente ab in die Gruft!

Rentenproblem gelöst!

Natürlich kann man auch noch etwas an seinem Leben hängen und den Wunsch verspüren, mit 65 Rentner zu werden. Aber dann muss man die fehlenden Beitragsgelder natürlich aus eigener Tasche in die Rentenkasse einzahlen.

Man spart zwar 100€ „Lohnnebenkosten“, muss aber 200€ (Einsparsumme AN & AG) für den Ausgleich der Rentenkasse aufbringen.

Ergebnis: 100€ Lohnebenkosten gespart, 200€ zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge bekommen (der Arbeitnehmer)

100€ Lohnnebenkosten gespart und somit 100€ mehr Profit bekommen (als Arbeitgeber)

Nebenwirkung:

Ohne Mindestlohn und bei fortdauernden Lohnsenkungen müssen die weggefallenen Arbeitgeberbeiträge durch Überstunden/Mehrarbeit zusätzlich „erwirtschaftet“ werden.

Auch das bringt reinen Profit, da ja nur etwa 60% der geleisteten Arbeit wirklich bezahlt wird.

In Niedriglohnverhältnissen sogar nur 30% und weniger!

Die Differenz nannte Karl Marx im Kapital den „Mehrwert“.

Die Unternehmen des Arbeitgeberverbandes haben allein im Wahlkampf 2009 an CDU und FDP mehr als 4, 8 Mio Euro „gespendet“. (ARD Plusminus)

Würde der Differenzbettrag der Geringverdiener zu einem gesetzlichen Mindestlohn mehr oder weniger kosten?

.

Anmerkung:

Im Forum des 1. FC Köln wurde dieser Artikel verlinkt.

User RitterDrogy schreibt:

Da ich bei einem Blechverarbeiter in der Automobilindutrie arbeite, möchte ich nur mal amerken, dass in der Karosserie eines Kleinwagens >250 Blechteile verarbeitet werden.

Aber Dein Auto hat sicherlich keinen Achsträger, kein Frontmodul, keine A- und B- Säule, keinen Unterboden und auch keinen Instrumententafelträger usw.

Die Rechnung ist nicht nett, sondern kompletter Humbug.

Interessant. Die von mir angegebene Zahl der Bleche (Dach, Türen Motorhaube) mit 11 Stück ist für die Lohnstückkostenrechnung völlig bedeutungslos.

Es geht um die Produktivität bei „50 Bleche einsortieren für 3,50€/h“. Da ist es völlig belanglos, ob es sich dabei um Türbleche oder um Abdeckbleche für das Handschuhfach handelt.

Aber was lässt man sich nicht alles einfallen, um mit Hilfe von Pseudo-„Fachwissen“ Niedriglöhne legitimieren zu wollen.

Ich habe schließlich nie behauptet, hier die komplette betriebswirtschaftliche Gesamtrechnung der Hundt-Firma vorzulegen. 😉

User Toni schreibt:

Wer würde ein Anheben der Hartz-Regelsätze finanzieren? Sicher wieder zu (gefühlten) 70% die sogenannte „Mittelschicht“ und „Besserverdienenden“. Durch die höhere Belastung wird diese Gruppe wieder weiter ausgedünnt.

Wer würde ein Festsetzen eines Mindeslohnes finanzieren? Genau, wieder die genannten Gruppen.

Wie kann nur jemand auf die merkwürdige Idee kommen, ein Mindestlohn würde von den Gehaltsempfängern der „Mittelschicht“ und der „Besserverdiener“ finanziert werden?

Ganz einfach: Es gehörte schon immer zur Anti-Mindestlohnkampagne, den Leuten einzureden, der Mindestlohn würde vom Staat über Steuern bezahlt.

Das ist natürlich Humbug.

Eine Erhöhung des Regelsatzes von 359 auf 500 Euro hätte eine Mehrbelastung von jährlich etwa 1 Mrd Euro zur Folge.

Allein die Steuergeschenke der Schröder-Regierung an Reiche, Konzerne und Spitzenverdiener haben zu einer Reduzierung der Einnahmen um 15  Mrd Euro jährlich geführt.

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2 Kommentare - “tollwütiger Hundt”

  1. Anonymous Says:

    Es bringt ja nix die berechtigten Interessen der Arbeitnehmer als Berserker hier vorzutragen. Wer soll das ernst nehmen? Bitte die politischen Kern-Punkte besser rausarbeiten und normal vortragen. Ne Rechnung damit ist auch immer sehr gut, muss aber auch stimmen bzw. die Realität zumindest versuchen abzubilden. Die Linken sind meiner Meinung nach oft handwerklich politisch nicht gut genug. Hier rumzuraunzen ist kontraproduktiv (wird auch von linken Politikern oft gemacht). Mit einer gemeinsamen Position immer in die gleiche Scherbe hauen und die Leute mitnehmen schon eher. Also Linke vereinigt euch, oder bleibt in der Opposition.


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