moderne Inquisition

sorry…sind wieder mehr als 1325 Wörter geworden 😉

Es geht voran!

Nachdem wir nun die Epoche 2005 – 1929 mit Hilfe diverser Reformen hinter uns gebracht hatten, ging es mit der Großen Koalition weiter vorwärts zurück ins Mittelalter.

Die Finanzmarktkrise und ihre Verantwortlichen haben die franz. Revolution wieder rückgängig gemacht und die Allmacht des Geldadels wieder fest etabliert. Kein Herrscher in einer westlichen „Demokratie“ wagt es noch, den Eigentümern weltlichen Kapitals zu widersprechen.

Die schwarze Pest ist im Verbund mit der gelben Cholera zurückgekehrt, um mordend, plündernd und marodierend durch die Straßen zu ziehen, um alles zu zerstören, was irgendwie mit „sozial“ in Verbindung steht.

Eigentlich wäre ja zwischen Bundesangela und der „Freiheitsstatue Deutschlands“ alles klar…wenn sie nicht so willenlose Marionetten des Kaptals wären. Nicht CDU und FDP haben die Macht erobert, sondern Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände.

Selbst das Merkel-Zäpfchen Hugo Müller-Vogg beklagt sich im Auftrag seiner Göttin darüber, dass die Herrscher jedes Maß verloren haben und die „Koalitionäre“ mit hunderten Bestellungen überfluten:

Diese Lobbyisten bombardieren die Unterhändler mit Mails und Faxen, Denkschriften und Forderungskatalogen, verweisen auch gerne auf die angeblich hinter ihnen stehenden Wählermassen.

Mensch Hugo! Wer soll denn sonst regieren wenn nicht die Wirtschaft mit ihren Lobbyisten? Wo warst du in den letzten 10 Jahren? Im Koma?

13. Jahrhundert

Inzwischen dreht sich das Rad der Geschichte immer schneller. Nachdem die Epoche 1929 – 1789 auch schon fortschrittlich überwunden wurde, bewegen wir uns raschen Schrittes auf das 13. Jahrhundert zu.

CDU und FDP haben bereits erklärt, wie Arbeitsmarkt und Sozialsysteme aus dieser Zeit für Wachstum und Wohlstand sorgen.

Ihr Ungläubigen zweifelt an meinen Worten? Niederes Pack, schämt euch!

bevoelkerungspyramide

So sieht sie aus, die angestrebte „Bevölkerungspyramide“. Da heute aber viel weniger Menschen zwischen dem Kindesalter und dem Rentenalter verrecken als noch im 13. Jahrhundert, erklärt man den heutigen Zustand zum „demografischen Problem“, damit die Bürger auch brav jeden Monat einen großen Teil ihres Haushaltsgeldes („frei verfügbares Einkommen“) an Banken und Versicherungskonzerne überweisen. Nicht wegen einer imaginären „privaten Altersvorsorge“, sondern um die Aktionäre reich zu machen. Was denn sonst?

Alternativ könnte man aber auch per Gesetz jedes Jahr die Hälfte eines Jahrganges einfach umbringen. Das würde doch die Rentensystem entlasten und stabilisieren, oder? Und die Arbeitslosigkeit würde auch stark reduziert werden!

Im 23. Jahrhundert wird eh niemand mehr älter als 30 Jahre. 🙂

zunehmende Alterung der Bevölkerung, die unsere sozialen Sicherungssysteme in Schwierigkeiten bringt und nach langfristigen Anpassungsstrategien verlangt.

(Quelle: Bundesministerium des Innern Chef: Wolfgang Schäuble)

Anstatt diese Entwicklung mit Hilfe einer entsprechenden Mortalitätsrate aufzuhalten, könnte man aber auch über „Umverteilung von oben nach unten“ nachdenken. Aber das sind wieder nur Gedanken eines Ketzers.

moderne Inquisition

Natürlich gehört auch eine ordentliche Inquisition zur Neuen Sozialen Marktwirtschaft der modernen Version des 13. Jahrhunderts.

Inquisition? Hä?

Als Inquisition werden mittelalterliche Gerichtsverfahren bezeichnet, die sich der Verfolgung von ungläubigen Ketzern widmeten.

Damit eine Ketzerinquisition stattfinden konnte, waren zunächst gewisse Voraussetzungen notwendig:

  1. Das Vorhandensein einer nennenswerten Zahl von Ketzern.
  2. Das Aktivwerden einer zuständigen Stelle zu ihrer Bekämpfung.
  3. Die Unterstützung des Vorhabens durch weltliche Machthaber.

Ketzer: Die Ketzer der heutigen Zeit ist natürlich die „Lafontaine Truppe“ (selten auch als „Linke“ bezeichnet) sowie deren Wähler. Diese Unholde glauben einfach nicht daran, dass der Kapitalist sowie seine politischen Marionetten ausschließlich zum Wohle der Gesellschaft handeln und nur „Wohlstand für Alle“ im Sinn haben.

zuständige Stelle: Na…wer könnte das Wohl sein? Die Aktivitäten dieser „zuständigen Stellen“ können jederzeit bei Google News verfolgt werden.

Unterstützer: Die weltlichen Machthaber (bzw. ihre Vertreter) sitzen stets bei Will, Plasberg & Co und drohen mit Entlassungen und „Verlagerung ins Ausland“, falls die Ketzer nicht mit allen Mitteln bekämpft werden.

Ketzer des Tages: Oskar Lafontaine

Die heutigen Inquisitoren widmen ihre ganze Aufmerksamkeit dem Oberketzer Lafontaine.

Wie üblich fungiert als „zuständige Stelle“ die mediale Umweltverschmutzung „BILD“.

Teil 1:

Warum hassen alle Lafo? fragt BILD und liefert eine Antwort, welche nur unter unter Ausschluss jeglicher Logik zustande kommen kann:

Am 11. März 1999 tritt Lafontaine von seinem Amt als Finanzminister und SPD-Chef zurück. Am 22. Mai 2005 verlässt Lafontaine endgültig die SPD.

Sein Rachefeldzug beginnt: Er macht die Linke stark und schadet somit seinen Ex-Genossen.

Rachefeldzug? Rache? Wofür? Bekanntlich sinnt man auf Rache, wenn man ungerecht behandelt wurde.

Wenn Lafontaine von Schröder und Müntefering rausgeworfen worden wäre oder sowas…dann gäbe es Grund zu einem „Rachefeldzug“. Aber angesichts der Realität wäre es da nicht verständlicher, wenn die Rachegelüste bei der „SPD“ auftreten würden?

So wie man im vorbildlichen 13. Jahrhundert den Ketzern vorwarf, mit Teufeln und Hexen im Bunde zu sein, so erfindet man auch bei Lafontaine ein Motiv für sein schändliches Treiben gegen die gottgewollte Macht der Kapitalbesitzer.

Die Republik rätselt: War es eine Kurzschluss-Reaktion oder steckt dahinter eine politische List?

Ketzer sind hinterhältig und listig…das weiß doch jeder!

Teil 2:

Lafo, der Zerstörer

Und damit auch ja niemand mehr diesem bösartigen Ketzer Lafontaine folgt, liefert BILD dann auch noch einen „politischen Nachruf„.

Genosse Gnadenlos Oskar Lafontaine (66) – jetzt hat er seinem Polit-Ziehsohn Heiko Maas (43) die schon sicher geglaubte Macht aus der Hand gerissen.

Was für ein pöser Pursche!

Er legte in Berlin kurzerhand das Amt des Fraktionschefs der Linkspartei nieder – und erklärte, künftig im Saarland mitzumischen.

Merkwürdig… diese Erklärung gab es doch schon, als Lafontaine vor vielen Monaten auf dem Landesparteitag der Linken im Saarland zum Spitzenkandidaten gewählt wurde.

Ach egal…man darf BILD-Leser schließlich nicht mit Fakten überfordern. Das schadet nur dem Glauben.

Auch im SPD-Präsdium herrschte gestern pures Entsetzen über die Vorgänge an der Saar.

Natürlich ist man entsetzt! Was denn sonst?

Seit der Machtübernahme Schröders im Jahr 1998 glaubt und tut die „SPD“ alles, was BILD so schreibt und befiehlt.

Und wenn BILD schreibt „Wegläufer Lafontaine“, dann glaubt man das eben. Und wenn dieser Glaube durch die Realität erschüttert wird, weil Lafontaine eben nicht wie erwartet „wegläuft“ ist man eben entsetzt. Genauso verhielt sich die Politik als man feststellte, dass die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht. Als Gegenmaßnahme versuchte man, die Ketzer bis zum glaubensverträglichen Frühableben über offenem Feuer zu erhitzen.

Der SPD bleibt nichts als ohnmächtiger Zorn auf ihren ehemaligen Vorsitzenden.

Die „SPD“ ist zornig und Lafontaine führt einen „Rachefeldzug“? Hä? Was für Drogen muss man nehmen, um sowas zu verstehen?

Bayern-Landeschef Florian Pronold zu BILD: „Da, wo Lafontaine hinkommt, macht er alles kaputt.“

Ich will endlich diese Drogen haben, die man bei BILD konsumiert!

Ohne diese Drogen halluziniere ich immer nur einen 21%-Wahlerfolg im Saarland und eine Steigerung von 8,6% auf 12% im Bundestag herbei. Das geht doch nicht!

Oder meint Herr Pronold aus der „SPD“-Hochburg Bayern etwa die Zerstörungsorgie der Heiligen Agenda2010? Aber daran war Ketzer Oskar doch gar nicht beteiligt…?

Oder spricht aus Herrn Pronold die pure Angst davor, Lafontaine könnte mit der Macht der Worte den erfolgreichen Aufstieg der Agenda2010-„SPD“ aufhalten?

Wohl wahr: Denn auch die Linkspartei im Saarland muss jetzt in die Oppo­sition.

Oskar ist schuld! Nicht die verlogenen und wortbrüchigen Grünen.

Merke: Egal was passiert, als CDU-Koalitionspartner begeht man keinen „Wortbruch“. Nie!

Als er am 11. März 1999 als Minister und Parteichef von allen Ämtern zurücktrat, war das für den damaligen Kanzler Gerhard Schröder zunächst wie eine Befreiung.

Und der Anfang vom Ende!

Man erinnere sich: Als Lafontaine Finanzminister wurde, hat ihn BILD monatelang zum „gefährlichsten Mann Europas“ erklärt.

„Wir fürchten nicht die Krise in Rußland – wir fürchten Oskar Lafontaine.“

(Dieter Hundt, Arbeitgeberverband, Stuttgarter Zeitung, 21.11.1998)

Denn von diesem Tag an hatte der Saarländer offenbar nur noch ein Ziel: die Zerstörung der SPD.

Nach bisherigen Erkenntnissen lässt sich allerdings feststellen, dass Lafontaine stets versucht hat, die „SPD“ zu retten. Anstatt über seinen Rücktritt nach Verkündung der Schröderschen „Reformpolitik“ nachzudenken, hat man lieber zusammen mit den Medien und den Wirtschaftsverbänden Schampus-Orgien gefeiert.

Teil 3:

Fortsetzung folgt…

plakat_spd_1998

Wahlplakat 1998: nur der „Wegläufer“ ist noch erfolgreicher Politiker 🙂

PS: Im Focus wird verkündet, dass mit der bevorstehenden „SPD“-Linke-Koalition das Bundesland Brandenburg nun von der Stasi regiert wird, welche auf Anweisung „des Kremls“ prompt den Kommunismus einführen wird.

Natürlich dürfen auch „Stasi-Experte“ Knabe und der Ex-Bundeswehrgeneral Schönbohm als „DDR-Experte“ zu Wort kommen.

Es hört nicht auf: Ewiger Zorn gegen Lafontaine (Focus)

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2 Kommentare - “moderne Inquisition”

  1. Morla Says:

    Bravo! Da ist keines, der 1325 Wörter zu viel!

    Ich bin Ihnen dankbar für diesen treffenden Vergleich mit dem finsteren Mittelalter. Einziger Trost: Der Inquisition folgten Reformation und später die Aufklärung. Sie haben den damaligen Machthabern den Gar aus gemacht. Bin gespannt, wann es mit den heutigen soweit sein wird.

  2. AntiINQU. Says:

    Leider gibt es sowas heute noch. Ich befinde mich da unter den Rädern. Heute muss ich zusehen, dass ich nicht jung sterben muss.


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