Capsaicin – Dressing

Nun haben wir den Salat.

Das die schwarze Pest mit der gelben Cholera zusammen die Macht bekommt, um mit einer ungebändigten Zerstörungslust durch die Sozialsysteme zu toben, war ja schon am 1. Januar 2007 klar. Damals ersetzte die „SPD“ die Merkel- durch die Müntefering-Steuer von 19% an der Ladenkasse.

Rückblickend kann man feststellen: Müntefering und Steinbrück taten es mit Vorsatz.

Im Jahr 2005 hatte sich die „SPD“ alle Mühe gegeben, vor ihrer Verantwortung zu fliehen. Nachdem es selbst in Kommunalwahlen für die Agenda2010-Parteien von Schröder und Fischer keinen einzigen Blumentopf mehr zu gewinnen gab, flohen sie vor ihrer Eigenverantwortung in Neuwahlen. Sie warfen alles hin, liefen weg und versuchten, mit einem Pöbel-Wahlkampf aus der Gosse keine Verantwortung für ihre Untaten übernehmen zu müssen.

Hat nicht geklappt. 2005 ahnten schon zuviele Menschen, das eine braune schwarz-gelbe Koalition die Verbrechen der „SPD“ gegen Volk und Vaterland problemlos überbieten würde.

Ausserdem war der vom Kapital befohlene „Reformprozess“ noch nicht abgeschlossen, so das man noch auf eine „soziale und demokratische“ Illusion in der Regierung angewiesen war.

Anstatt nun „SPD“ und CDU im Oktober 2005 Wort- und Wahlrechtsbruch vorzuwerfen, stimmte man fröhliche Gesänge auf eine „starke Koalition ohne Bundesratsblockade“ an.

Fortan tat man in der „SPD“ alles dafür, um wenigstens die Bundestagswahlen 2009 zu verlieren.

Man beförderte willentlich eine Finanzmarkt- und Wirtschaftkrise mit Hilfe des Finanzstaatssekretärs Jörg Asmussen, warf den Kapitalisten hunderte Milliarden Steuergelder in die gierigen Rachen und nutzte diverse Gelegenheiten in Hessen und andernorts, um sich möglichst unbeliebt zu machen.

Den Wahlkampf reduziert man auf ebenso billige wie hohle Phrasen und nun ist das Ziel erreicht: Die „SPD“ ist endlich von jeder Art von Verantwortung für ihre eigene Politik befreit!

Das war ein hartes Stück Arbeit für den Schröder-Fanclub an der Spitze und die Seeheimer am rechten Rand.

Die Erleichterung über die verlorene Wahl war bei Steinmeier nicht zu übersehen, als er das Wort „Oppositionsführer“ aussprach.

Nachdem auch die CDU keine Rechtfertigung für ihre Politik liefern konnte, wurden Aussenseiter wie der Pomaden-Kopp aus Bayern sowie die selbsternannte „Freiheitstatue Deutschlands“ zu Politik- und Medienstars aufgeblasen.

Vor allem der Versicherungsvertreter Westerwelle musste nichts weiter tun, als die uralte Konserve „Steuersenkung“ aufzuwärmen. Das passte dann gut in den Abschluss der jahrelangen Medienkampagne über den „gierigen Staat“, der doch nur die Sozialleistungen kürzen müsse, um die „Leistungsträger zu entlasten“.

Chef-Salat mit Capsaicin-Dressing

Es ist vollbracht!

Die Kapitalbesitzer haben 2008 in Hessen mit Hilfe einer beispiellosen Medienhetze den Chef-Salat angerührt, welcher nun am 27. September mit Hilfe von BILD, WELT, Focus, ZEIT, FAZ & Co geliefert wurde.

Die Freude war auf beiden Seiten groß!

Zuerst bei der „SPD“. Bei einem 23%-Wahlergebnis kann sich Fraktionschef Steinmeier sicher sein, das nur „ausgewählte“ Schröderianer von den Spitzen der Landeslisten in die Fraktion kommen. Er hat kaum Widerstand auf seinem weiteren Agenda2010-Kurs zu befürchten. Sein Anspruch auf den Job eines „Oppositionsführers“ hat dann auch klargemacht, das er keineswegs einen Politik- und Richtungswechsel der „SPD“ unterstützen wird. Vermutlich gelingt es ihm ohne Probleme, die grünen Kriegstreiber und Kanzlermacher an sich zu binden. Das die Grünen zur beliebigen Pfandflaschen-FDP verkommen sind, steht ausser Frage.

Zu jedem Chef-Salat gehört auch an anständiges Dressing. In der Salatbar wie auch in der Politik.

Bekanntlich bekommen die Salat- und Suppenkreationen, welche der Bürger auslöffeln darf, in der neoliberalen Politik eine ganz besonders würzige Note.

Da gibt es weder mildes Joghurt-Dressing noch kompromissfähiges Süß-Sauer im Angebot, sondern nur das beim Kapitalistenpack so beliebte Capsaicin-Dressing.

Capsaicin heißt das Zeug, welches Paprika und Chili so besonders bekömmlich macht. Es kommt auch gern zum Einsatz, wenn des Kapitals „Freund und Helfer“ mal wieder mit Pfefferspray auf den ungehorsamen Pöbel losgeht.

Um von Anfang an die Richtung vorzugeben, waren die Forderungen der reichen und mächtigen Fans der schwarz-gelben Diktatur des Kapitals schon seit mehreren Tagen für die Montagsausgaben der Medien vorbereitet. Man brauchte nur noch ein wenig Platz zu lassen für die Wahlergebnisse und das obligatorische Iran-Bashing.

Scoville-Grad 5000 (Tabasco)

Noch während der Montags-Schockstarre betrat das berüchtigte Kapitalistenpack samt ihrer „Wirtschaftsexperten“ die Medienbühne.

Ohne zu Zögern gossen sie reichlich „Tabasco extra scharf“ in den Salat, welchen die rechtsdrehenden Populisten und ihre einfältigen Wähler am Sonntag angerichtet und serviert haben.

(Ich lass jetzt mal die einzelnen Quellennachweise weg, ok?)

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert gegen die Krise Reformen der Erbschaft- und Unternehmensteuer, „Bündnis für Reformen“, Flexibilität am Arbeitsmarkt, Abschaffung Kündigungsschutz, mehr unternehmerische Freiheit,

Was haben diese Steuern mit der Krise zu tun?

Städte- und Gemeindebund warnt vor explodierenden Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger

Das mit den „explodierenden Kosten“ war auch schon beliebte Verdummung bei Gesundheits- und Rentenreformen. Fraglich bleibt, warum die Mieten bei den Hartz-Opfern „explodieren“ sollten.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verlangt Senkung von Steuern und Abgaben sowie eine Deregulierung des Kündigungsschutzes.

Mit „Abgaben“ meint er natürlich die Sozialversicherungssysteme.

IT- und Telekombranche rät zu einem neuen Innovationsministerium

Da geht den Urheberrechts- und Softwarepatent-Lobbyisten aber kräftig die Düse, obwohl die „Piraten“ nur auf 2% gekommen sind.

Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken- und Raiffeisenbanken:

mehr privat vorsorgen, Agenda 2010 wieder aufnehmen und den Arbeitsmarkt reformieren, strukturelle Defizit des Bundeshaushalts bis zum Jahr 2016 beseitigen

Im Westen nichts Neues (das Frankfurter Bankenviertel von mir aus gesehen).

Strukturelles Defizit? Nicht „krisenbedingtes Defizit„? Nachtigall, ick hör dir trabsen! Strukturelle Ausgaben sind z.B. die Sozialleistungen und Rentenzuschüsse. 😉

Pharmabranche: Forschung soll steuerlich gefördert werden

Forschungsausgaben wurden schon immer steuerlich gefördert. Vermutlich will man noch mehr Steuergeschenke für das beliebte Geschäftsmodell „alten Pharma-Plunder in neuer Mischung und neuer Verpackung zu Fantasiepreisen“ verhökern zu können.

Bundesärztekammer: nachhaltige Gesundheitsreform

Nur zur Erinnerung: Das ist der Verein, welcher die Patienten direkt abkassieren will, ohne Kostenkontrolle der Krankenkasse. Bisherige Lieblingsforderung: Kassenleistungen nur zur Lebensrettung

Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank (der Totalversager wird neuerdings „Starökonom“ genannt)

flächendeckende Studiengebühren, Pkw-Maut, deutlich höhere Selbstbeteiligungen bei gesetzlichen Krankenversicherungen, vertrauensbildende, marktorientierte Politik der neuen Regierung

Zumindest hat der Herr „Starkökonom“ die Folgen der 25%-Mwst. begriffen, obwohl sein geistiger Horizont nur bis „Schwarzarbeit“ reicht

Top-Ökonom Wolfgang Franz (bekennender Wirtschafts-Fascho mit Job des „Wirtschaftsweisen“)

Erhöhung der Mehrwertsteuer, kräftige Kürzungen im Umweltbereich, weitere Einschnitte in soziale Leistungen, Bezugsdauer des Arbeitslosengeld kürzen, System der Arbeitslosenversicherung reformieren, Arbeitsmarkt weiter deregulieren

Zimmermann vom DIW:

mindestens 25% Mehrwertsteuer

——————————————————–

Tolle Rezepte haben sie da, die Köche der zukünftigen schwarz-gelben Politik, nicht wahr?

Und wer soll die Suppe auslöffeln, die von den unnütz reichen Zockern angerichtet wurde? Ein Blick in den Spiegel im Bad reicht!

Natürlich finden sich in allem Medien diverse „Redaktions-Kommentare“ nach dem Motto: „Wird ja alles nicht so schlimm!

Vielleicht sind es gerade diese vorsorglich verabreichten Beruhigungspillen, welche bedenklich sind?

Merkwürdigerweise taucht nirgends die beliebte CDU-FDP-Forderung auf, das Alg II um 30% zu kürzen, „um Anreize zur Arbeit zu schaffen“. Ich vermute mal hinterhältigerweise, man wartet bis Frau Merkel die Krise per Kanzlerbeschluss beendet.

schwarz-gelber Nationalismus

Einen Tag nach Bekanntgabe des Großen Unglücks verkündeten Merkel und Westerwelle, ihre gemeinsame Regierung würde standesgemäß beginnen.

CDU und FDP streben die Regierungsbildung bis zum 9. November an, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls.

Was für ein trefflich-vorzüglicher Termin, um mit einem Mauerbau zwischen Arm und Reich zu beginnen!

reformen

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4 Kommentare - “Capsaicin – Dressing”

  1. Flying Circus Says:

    „Das mit den „explodierenden Kosten“ war auch schon beliebte Verdummung bei Gesundheits- und Rentenreformen. Fraglich bleibt, warum die Mieten bei den Hartz-Opfern „explodieren“ sollten.“

    Weil 1) es immer mehr Hartz-Opfer geben wird und 2) die Mieten generell wohl eher steigen werden. Hey, die MWSt wird erhöht, da wollen die Vermieter mehr in den Taschen haben. Außerdem soll das ganze natürlich 3) die Leute sturmreif schießen für den Pauschalsatz, den unser zukünftiger Außenminister [1] fordert. Je höher die Miete – desto weniger zum Essen. Das löst auf die Dauer natürlich das Hartz-Problem sehr elegant …

    Zugegebenermaßen ist 1) natürlich unsauber, weil nicht die Mieten an sich, sondern die Gesamtsumme derselben steigt, aber der Blödsinn hat Methode.

    [1] Bleibt zu hoffen, daß ihn mal ein „Gastland“ auf einem seiner Besuche einfach dabehält. 😀

  2. wareluege Says:

    Sie haben es so gewollt…
    Aber du hast schon recht. Ich hatte nicht an das Stillhalteabkommen zwischen Arbeitgeberverbänden und der CDU gedacht.
    Noch lustiger wird es, wenn das Alg1 von der FDP auf 6 Monate gekürzt wird, „um den Charakter als Versicherungsleistung zu betonen“.
    Oder es gibt nur noch eine Einmal-Zahlung. Mal abwarten.

  3. Flying Circus Says:

    Schätze, es wird darauf hinaus laufen, daß längerfristig auch die Arbeitslosenversicherung privatisiert wird – überleg doch mal, welch‘ fette Gewinne sich DA rausleiern lassen!! Angst vor Arbeitslosigkeit hat doch heutzutage jeder! Und natürlich wird das ganze allein von den Arbeitnehmern getragen.

    Daraus folgt

    1) Entlastung der Arbeitgeber um den bisherigen Arbeitgeberanteil Arbeitslosenversicherung
    2) Gewinne für die Versicherungen, die die Arbeitnehmer gegen die Arbeitslosigkeit versichern

    Unterm Strich: doppelt Kohle für die Ausbeuter.

    Genau so stelle ich mir Schwarz-Geld auch vor. (Nebenbei bemerkt, denkt außer mir noch jemand dabei sofort an Schwarzgeld, d.h. Bimbes-Kohleone?)

  4. wareluege Says:

    Das kann ja gar nicht sein! Schließlich arbeitet Sozialexperte Westerwelle ganz dolle ehrenamtlich in den Vorständen von AXA und Hamburg-Mannheimer.
    Und ausserdem…wozu sollten Banken und Versicherungen zusätzliche Einnahmen brauchen, wo sie doch für CDU und FDP allein 2009 schon 2,5 Mio Euro übrig hatten?
    🙂


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