BILD, Focus und die FDP

Heute ist/war Montag.

In sechs Tagen soll Westerwelle Vizekanzler werden. Darüber sind sich Wirtschaftsbosse und ihre Medien einig.

Groß war der Jubel und ebenso groß die Häme.

Am Wochenende verkündete Westerwelle stolz, er und seine FDP würden nur mit der CDU eine Koalition gegen Deutschland eingehen. Der Jubel in Medien und Wirtschaft war nicht zu übersehen. Auf allen Kanälen und in allen Zeitungen wurde dieses Statement pausenlos wiederholt. Die WELT verstieg sich sogar in die Behauptung, bald würden „endlich klare Verhältnisse herrschen“ und die schwarz-gelbe Mafia wäre eine Garantie für einen nicht näher erläuterten „Fortschritt“.

Was immer das heißen mag…

Vermutlich „fortschrittlich“ im Sinne der Gentechnik- und Kernkraft-Konzerne.

Ausgehend von dieser Westerwelle-Erklärung schlussfolgerte man messerscharf, das Steinmeier nun die Kanzlerschaft endgültig in die täglich geleerte „Rundablage“ neben seinem Schreibtisch werfen könne. Die Häme über den ehemaligen Kofferträger und Agenda2010-Aktivisten Steinmeier war ebenfalls nicht zu übersehen.

Nun scheinen die Fronten geklärt.

Die kompetenzfreie Grinsekanzlerin wurde von den Kapitalbesitzern und ihren medialen Stiefelleckern schon zur Wahlsiegerin ernannt. Man halluziniert in den Medien irgendwelche „Erfolge“ herbei, erklärt Merkel zur „Sozialdemokratin“ und lässt sie bei jeder Gelegenheit „bürgernah“ menscheln. Zumindest weiß der Pöbel nun, das Stasi-IM Erika „Artischocken in Dosen“ einkauft und das dann irre bescheiden findet.

Eine ostdeutsche Kanzlerin in ihrem Alter würde übrigens „Artischocken in Büchsen“ kaufen.

Allerdings sieht es wohl so aus, das sich nur etwa 35% des Wahlvolkes für die schwarze Pest „CDU“ entscheiden würden. Merkels Angela braucht also einen Koalitionspartner, welcher mindestens noch 15% beisteuert.

Da kämen nur die aSPD und die FDP in Frage. Das mit der aSPD hatten wir schon und das Kapitalistenpack braucht nun in der Krise kein „soziales und demokratisches“ Feigenblatt mehr, um seine verbrecherische Politik gegen die Menschen als „alternativlose Reformen zum Erhalt des Sozialstaates“ zu legitimieren. In der Krise eröffnet sich nun die Chance, die Rechtfertigungen aus der Schublade „Deutschland-Rettung“ zu holen.

Dazu braucht es die FDP. Dummerweise ist das Ziel von 15%-Wählerstimmen noch weit entfernt. Man gibt sich zwar jede erdenkliche Mühe, um die 12%-FDP mit Hilfe der Umfragen bei den Meinungsherstellern in die Nähe von 15% zu bringen, aber so richtig glaubwürdig ist das nicht. Zumal die meisten Menschen andere Sorgen haben als den Spitzensteuersatz.

Aber das ist systembedingt und kein Ausdruck irgendeiner politischen Kompetenz der FDP. Zumal man es trefflich versteht, die Steuererhöhungs-Orgien der letzten CDU-FDP-Regierung zwischen 1990 und 1998 zu „vergessen“.

BILD, Focus und die FDP

Nun ist es also an der Zeit, die neofeudale FDP noch zu ein paar Prozent Wählerstimmen zu pushen. Da die FDP aber keine Inhalte besitzt, greift man auf das traditionelle Thema „Privatisierung“ zurück.

BILD widmet sich der Privatisierung der Rente, der Focus der Privatisierung der Krankenversicherung.

Selbstverständlich ohne den eigentlich notwendigen Hinweis „FDP-Wahlwerbung„. Wie üblich stellt man die angeblichen „Argumente“ wieder als Tatsachen dar und lässt die berüchtigten „Experten“ wieder zu Wort kommen.

BILD und die Rente

Die Lieblingsthemen der Allianz AG BILD sind Rentenangst, Renten“wahrheit“, Rentenarmut, Rentenpanik und „Rentenschock“. Ganz so, wie es „Werbepartner“ Allianz wünscht, um durch die Verbreitung von Renten-Terror seine Umsätze bei „Riester & Co“ zu steigern.

Renten verlieren an Wert

Nach einer Studie des Mannheimer Forschungsinstituts MEA verlieren die gesetzlichen Renten durch die Krise im Schnitt 7% an Wert. Gleichzeitig müssen die Arbeitnehmer mit steigenden Beitragssätzen rechnen.

Ahja… eine „wissenschaftliche“ Studie des Versicherungslobbyisten Börsch-Supan. Da stellt er doch tatsächlich fest, das die Renten bei Arbeitslosigkeit geringer ausfallen als bei Vollzeit-Job mit Tariflohn.

Wahnsinn! Hat das jemand geahnt?

“Es ist daher grundfalsch zu behaupten, man müsse bei der Rente wieder verstärkt auf das Umlageverfahren setzen”, so Börsch-Supan.

Und da ist sie ja wieder, die Alternativlosigkeit der Abzocker.

Selbstverständlich erwähnt der Herr „Experte“ mit keinem Wort, das die Privatrente als „Alternative“ zur gesetzlichen Umlagerente schlichtweg nicht existiert.

Tausende auf diese „Experten“ Hereingefallene hatten mit ihrer privaten Altersvorsorge allein in den letzten 2 Jahren einen Totalverlust von 100%. Und dazu musste man noch nichteinmal arbeitslos werden! Nur auf die „Experten“ hören und mit „renditestarken“ Anlagen spekulieren war der Totalverlust sicher.

Selbst „Rentenexperte“ Rürup hat mehrere zehntausend Euro „privater Altersvorsorge“ mit Lehmans-Aktien versemmelt.

Insgesamt ergebe sich bis 2020 ein Nachholbetrag von bis zu 42 Milliarden Euro, der nach und nach abgebaut werden müsse.

“Wegen der Rentengarantie müssen die Rentner in den nächsten 10 Jahren auf großen Rentensteigerungen verzichten.”

Das die Rentner zukünftig aber auch auf kleine und große Rentenkürzungen verzichten „müssen“, sagt der Versicherungs“experte“ natürlich nicht. Das wäre ja auch nicht verkaufsfördernd für seine Auftraggeber, nicht wahr?

Bereits 2011 könnte der Rentenbeitragssatz von derzeit 19,9% auf 21% steigen

Jaja…die alte Leier mit den Beitragssätzen.

Das wäre natürlich schrecklich, wenn die Beitragssätze um 1,1% steigen würden, oder?

Naja..nicht wirklich.

Selbstverständlich ändert eine private Altersvorsorgen rein garnichts an der Krise und den Einkommensverlusten durch Arbeitslosigkeit. Denn wie sollte man auch eine Privatrente bezahlen, wenn man von „Transferleistungen“ leben muss?

Ganz abgesehen von der Tatsache, das die Privatrente ausschließlich auf „Verlust“ konzipiert ist und eine tatsächliche Auszahlung von Beiträgen und Renditen schon systembedingt nicht stattfinden wird.

Aber das kann man sich gern nochmal im Bildungsfernsehen unter „Rentenangst 1 -5“ ansehen.

Und nun raten wir einmal gemeinsam, welche Partei traditionell gegen die „Freiheitsberaubung durch staatlichen Rentenzwang“ und gegen das Rentenkürzungsverbot in Erscheinung tritt…

Westerwelle: Die FDP fordert die Abschaffung der gesetzlichen Versicherungspflicht zugunsten einer Pflicht zur Versicherung.

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linker Bildrand: Oliver Santen, Allianz AG-Presssprecher;

rechter Bildrand: Jan W. Schäfer, der Autor

Focus und die Krankenversicherung

Auch der Focus schließt sich (natürlich) der inoffiziellen FDP-Wahlwerbung an.

Da das Thema Rente schon an die BILD vergeben war, widmet sich Focus der Frage „Braucht Deutschland eine Bürgerversicherung?„. Autorin des Artikels mit „Faktencheck“ ist die bekannte Lobbyistin Catrin Gesellensetter

Aus Zeitgründen nur eine Kurzfassung (sonst gibts wieder Schimpfe) 😦

Frau Gesellensetter reitet wieder den toten Demografie-Gaul, um PKV-Werbung zu machen. Selbstverständlich kommen wieder „Experten“ zu Wort, welche den üblichen Unsinn aus den Lobbyisten-Redekarten der Versicherungskonzerne vortragen.

Kostprobe aus dem „Fazit“:

„Wir kommen nicht umhin, in Zukunft über weitere Leistungskürzungen nachzudenken, die dann durch private Zusatzversicherungen abzudecken sind“, so der Experte.

Wie schon beim Rentenschwindel von Rürup und Riester liefert man dem Pöbel immer wieder den gleichen Unfug. Oft genug wiederholt, steigt der Glaube daran automatisch.

Westerwelle zur allgemeinen Bürgerversicherung:

„Denn dabei handelt es sich um nichts anderes als um eine sozialistische Zwangskasse. Das ist DDR- light.“

Na da ist es ja gut, dass Westerwelles „Pflicht zur Versicherung“ keinen Zwang darstellt, nicht wahr?

Naja… Der Zwang zur Beitragszahlung soll nach Willen der FDP ausschließlich für Kapitalisten und deren Spitzenverdiener wegfallen, der dumme Pöbel soll die Kosten für Renten- und Krankenversicherung zukünftig voll aus eigener Tasche bezahlen. Also das „Mehr Netto vom Brutto“ gleich wieder mit 100%-Aufschlag (Arbeitgeberanteil muss ja auch übernommen werden) an Versicherungskonzerne wie die Hamburg-Mannheimer überweisen, in deren Aufsichtsrat Dr. Guido Freiheitsstatue Westerwelle sitzt.

Westerwelle-Interview (Achtung: großes Bild)

Man beachte seine Aussagen, welche über dem Foto abgedruckt sind.

Fazit

Kann man als BILD- oder Focus-Konsument jetzt noch eine andere Partei ausser der FDP wählen?

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4 Kommentare - “BILD, Focus und die FDP”

  1. Michael Mugge Says:

    Als Bild- und/oder Focus-Leser ist man eh auf schwarz oder gelb festgelegt, sonst würde man den Kram ja nicht lesen, denke ich mal (zu Schröders Zeiten war die Bild noch eher für die SPD, damit die Hartz 4 etc durchpeitschen konnten). Im Spiegel liest es sich auch nicht besser. Bei der Rheinischen Post lautet das Credo gar: hauptsache nicht die Linke, der Rest ist uns egal. Schauen wir mal was im Herbst kommt, wenn schwarz/gelb oder die GroKo an der Macht ist.

  2. Christoph Says:

    Natürlich ist ein Rentenzwang bzw. die Vorsorgepflicht falsch, so wie jede Form von Zwang bestenfalls eine ungerechtfertigte Bevormundung eines mündigen Bürgers ist, schlimmstenfalls einer (finanziellen) Vergewaltigung gleichkommt.
    Vor Bismarck war alles viel gerechter.
    Natürlich würden ohne Rentenzwang 50-60% aller Leute unter Altersarmut leiden. Das ist aber deren persönliches Problem, wenn sie es zeitlebens immer vorgezogen haben, nichts zu sparen bzw. alles auszugeben oder in falsche Investments gesteckt haben. So ist nun mal das Leben, man kann gewinnen und verlieren.
    Man sollte die „dummen Leute“ endlich mal zur Eigenverantwortung erziehen und ihnen einen vernünftigen Gerechtigkeitssinn beibringen, dann würden sie verstehen, daß der Rentenzwang zwar viel Gutes tut … nur leider auf Kosten der Gerechtigkeit, und genau deswegen ist er falsch, unmenschlich und Unrecht.
    Wir leben hier doch nicht in der Volksrepublik China oder in Nordkorea. Wem es dort besser gefällt, dem bezahle ich gerne das one-way Ticket, um einen Kommunisten mehr für immer los zu sein.

  3. wareluege Says:

    Was soll daran „gerecht“ sein, wenn Millionen Menschen ein Leben lang arbeiten, nur um eine Handvoll Kapitalbesitzer reich und fett zu machen?

    Wie kann es „gerecht“ sein, wenn 10% der Bevölkerung genausoviel Einkommen aus Kapitalbesitz erzielen wie die übrigen 90% aus Arbeit?

    Ausgerechnet jene wie du, welche stets den Begriff „Gerechtigkeit“ für eigene Interessen missbrauchen tun alles dafür, damit sich die Bevölkerung sowas wie „Eigenverantwortung“ überhaupt nicht leisten kann.

    Viva la Revolucion!

  4. Toni Schuler Says:

    Es wundert mich wirklich ,dass die Menschen sich alles gefallen lassen.Ich selbst bin bereit zur Revolution.Vielleicht ist noch eine Änderung möglich.
    MfG.Toni


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