Heiliger Althaus

Sie verbrennen wieder Bücher…

Wie alle anderen kapitalistischen Medien mischt auch der Focus (FDP) kräftig im Wahlk(r)ampf mit.

Auf der Sonderseite „Wahlen 2009“ wird mit typisch „journalistisch“ über die Vorzüge von CDU und FDP, aber auch über die unwählbarmachenden Nachteile von „SPD“, Grünen und Linken „berichtet“.

Althaus und die Detektive

Der Focus-„Korrespondent“ Olaf Opitz (Hardcore-FDPler) macht sich große Sorgen darum, dass der fahrlässige Totschläger Dieter Althaus die Landtagswahlen in Thüringen verlieren könnte.

Also fühlt sich Opitz dazu berufen, Dieter Althaus (CDU) einen Heiligenschein zu verpassen und alles mit verbaler Gewalt aus dem Weg zu räumen, was einem CDU-Wahlerfolg gefährden könnte.

Opitz fand ein Buch. Nicht irgendeines: Es handelt sich dabei um eine politische Biografie des Dieter Althaus. Aber nicht von ihm selbst, sondern vom wissenschaftlichen Mitarbeiter der Linke-Landtagsfraktion Stefan Wogawa. Selbiger Wogawa ist von Beruf Soziologe und Wissenschaftshistoriker.

Er schrieb das Buch „Vom Sonnenkind zum Sorgenkind“ über Althaus als Wendehals, Opportunist und Kreationist.

Das gefällt dem Focus-Schreiberling Opitz überhaupt nicht. also verfasst er einen Kommentar eine Rezension einen Artikel über dieses Buch als „politisches Konstrukt“.

Er scheut dabei nicht davor zurück, zwecks Heiligsprechung seines Freundes Dieter mit viel Dreck zu werfen und zugleich haarsträubenden Unfug über Althaus zu verbreiten.

Wie immer erfährt der Focus-Konsument nicht, das Opitz Hofberichterstatter für Herrn Westerwelle ist, dessen kriminelle Putschisten-Organisation „FDP“ liebend gern mit der CDU dieses Land in eine totale Wirtschaftsdiktatur führen möchte.

Die Junge Union (JU), nicht gerade als radikaler Kampfverband bekannt, bezeichnete den gebürtigen Niedersachsen auf einem Postkartenmotiv als „falschen Thüringer“.

Seit wann ist die JU kein radikaler Kampfverband? Der Youtube-Kanal dieser rechtsradikalen „Angie-Jubelperser“ beweist die Radikalität eindeutig.

Souveräne Spitzenpolitiker stecken solche Mätzchen mit lockeren Sprüchen weg. Thüringens linker Kandidat fürs Ministerpräsidentenamt jedoch beklagte sich, die JU gab die Kampagne auf.

Ahja…Ramelow ist also kein „souveräner Spitzenpolitiker“, sondern eine schnell beleidigte Leberwurst?

Und er beklagte sich und die arme JU musste „nachgeben“?

Autsch!

Die JU wurde wegen Verleumndung rechtskräftig verurteilt und muss bei einer Weiterführung der Kampagne eine Geldbuße von 250.000 Euro(!) zahlen.

Das waren also keineswegs „Mätzchen“ einer Nachwuchs-Organisation, sondern schon ernste Straftaten. Das Gericht schloss sich dem Vorwurf „Verleumndung eines politischen Konkurrenten“ an. http://www.zeit.de/online/2009/32/junge-union-ramelow

Nachdem Focus-Opitz auf diese eindeutige Art und Weise Bodo Ramelow dem Leser „vorgestellt“ hat, widmet er sich der medialen Bücherverbrennung:

In der Tat ist das Werk ein Konstrukt. Ziemlich plump rührt es wenige Tage vor der Landtagswahl alle bereits bekannten Vorwürfe erneut auf…

Das „plumpe Aufrühren bereits bekannter Vorwürfe“ kennen wir doch? Gab es nicht eine (bis heute andauernde) 10jährige Hetzkampagne gegen den „verantwortungslosen Wegläufer“ Lafontaine?

Stand nicht der Focus selbst stets neben der BILD in erster Reihe, um gegen Lafonataine und Gysi zu pöbeln und mit Schmutz aus vergangenen Jahrzehnten zu werfen?

Die Buch-Attacke auf Althaus gipfelt in der Behauptung: „Er war in der DDR nicht nur einfacher ‚Mitläufer‘, sondern … als Mitglied der ‚Blockpartei‘ CDU sowie Karrierist im sozialistischen Bildungssystem eine Stütze der DDR-Verhältnisse. Er ist heute noch dazu Landesvorsitzender einer Nachfolgepartei des katholischen Zentrums, dessen Abgeordnete im Reichstag am 23.3.1933 für Hitlers ‚Ermächtigungsgesetz‘ gestimmt haben.“

Dumm für Althaus, dass diese Behauptung der Wahrheit entspricht. Aber das leugnet Opitz mit einer unglaublichen Frechheit.

Wer wie Althaus im DDR-Bildungssystem Karriere gemacht hat, stieg entweder (wie Althaus) in der „Oppositionspartei“ CDU weiter auf oder wurde wegen eines „falschen“ Parteibuches nach der Besetzung der DDR durch die westdeutschen Kapitalisten mit Berufsverbot und/oder Rentenkürzungen bestraft.

Eine Vielzahl dieser Opfer der Sieger-Gesinnungsjustiz nahm sich in den 90er Jahren das Leben. Dabei waren sie in vielen Fällen nichteinmal „politische Lehrer“.

Auch Althaus´ Ski-Unfall vom Neujahrstag 2009, bei dem eine Frau durch seine Schuld ums Leben kam, wird ausführlich als Regierungsmakel gebrandmarkt.

Ahja…Opitz gibt erstmalig zu, das Althaus kein Opfer, sondern Täter bei dem „Skiunfall“ war.

Ob er diesen Fauxpas überhaupt bemerkt hat? Offensichtlich nicht.

Für den Links-Schreiber ist er ein „wegen fahrlässiger Tötung verurteilter Spitzenkandidat“.

Tjo…nicht nur für ihn, sondern für alle anderen Menschen auch. Oder wurde Spitzenkandidat Althaus nicht rechtskraftig wegen des Totschlages verurteilt, Herr Opitz?

Bekanntheit und Popularität wuchsen sogar, muss selbst Wogawa zugeben.

Kein Wunder nach der beispiellosen Medienpropaganda für das bedauernswerte „Skiunfall-Opfer“ Althaus.

Fast jeder Satz des Buches wird zum Vorwurf, wie etwa: „Dissident war er nie.“ Das hatte Althaus auch nie behauptet, denn zum heldenhaften Widerstand hat es bei ihm wie Millionen anderer DDR-Bürgern nicht gereicht

Tja…man muss halt nur in der „richtigen“ Partei sein, um einer Bestrafung durch die bundesrepublikanischen „Sieger“ wegen „Verweigerung heldenhaften Widerstandes“ zu entgehen.

Selbst die längst bekannte und heute wegen des Titels eher peinliche Verleihung der Medaille „Für hervorragende Leistungen bei der kommunistischen Erziehung in der Pionierorganisation Ernst Thälmann in Gold“ im Jahr 1989 wird wieder aufgetischt.

Ja…das ist natürlich ein Skandal!

Skandal! Skandal! Skandal!

Aber über das wiederholte Auftischen des Honecker-Besuches im Saarland vor 25 Jahren mit Begrüßung durch Lafontaine beklagt sich niemand. Im Gegenteil. Das wird bis heute den Bürgern brühwarm aufgetischt.

Aber wenn ein stellvertretender Schuldirektor eine Medaille für „Hervorragende kommunistische Erziehung“ noch 1989 bekam, muss er schon dunkelroter als dunkelrot gewesen sein.

Entweder ist Althaus ein karrieregeiler Wendehals oder ein charakterloser Opportunist.

Zudem sei er (Althaus) sogar „zeitweise beim Hauptfeldwebel … als Spießschreiber eingesetzt gewesen“. Fragt sich, was daran verwerflich sein soll. Der Job war bei den NVA-Soldaten sogar beliebt, weil der Schreiber Zugang zu den begehrten Urlaubsscheinen hatte, um der sozialistischen Kaserne mal für ein paar Tage ins Private zu entfliehen.

Was ist denn das für ein Unsinn? Man stelle sich vor, der Handlanger eines Bundeswehr-Hauptfeldwebels würde „einfach so“ Urlaubsscheine ausstellen! Der würde wochenlang „in den Bau“ wandern!

Aber Opitz manipuliert die Realität, wie es ihm gerade in den Kram passt.

Da wird dem NVA-Soldaten Althaus mal eben eine „Unschuldsbescheinigung“ von Opitz ausgestellt, weil er angeblich in der Lage gewesen wäre, die „Flucht aus der sozialistischen Kaserne“ zu ermöglichen. Unglaublich, aber wahr!

Aber diese Althaus-Heiligsprechung des Herrn Opitz wiederholt sich noch einmal:

Ebenso soll noch ein längst bekannter Brief an den Bezirksausschuss für Jugendweihe in der DDR am Tag des Mauerfalls 1989 Althaus zum Verhängnis werden:

„Als Tradition der freireligiösen Vereinigungen (seit 1859) sollte die Jugendweihe wieder den Inhalt einer marxistisch-leninistischen Weltanschauung haben.“

Althaus wollte damit jedoch den Jugendweihezwang innerhalb der Schule abschaffen.

Womöglich war das für den linken Agitator schon zuviel Reformwille – denn den entscheidenden und erklärenden Althaus-Satz ließ er in seinem Buch-Text einfach weg: „Christlich erzogene Schüler, besonders in einem geschlossenen katholischen Gebiet wie dem Eichsfeld, sind nicht mehr gewillt, an der Jugendweihe teilzunehmen.“

Hmmm…ergibt das irgendeinen Sinn?

Althaus schrieb am 9. November 1989:

„Als Tradition der freireligiösen Vereinigungen (seit 1859) sollte die Jugendweihe wieder den Inhalt einer marxistisch-leninistischen Weltanschauung haben.“

„Christlich erzogene Schüler, besonders in einem geschlossenen katholischen Gebiet wie dem Eichsfeld, sind nicht mehr gewillt, an der Jugendweihe teilzunehmen.“

Kinder von Christen in der DDR waren nie gewillt, an der Jugendweihe teilzunehmen. Sie konnten dafür die christlichen Rituale in diesem Alter durchführen (auch mit staatlicher Unterstützung).

Offensichtlich gefiel es dem Christen Althaus nicht, das die Jugendweihe nur ein Bekenntnis zum Staat, aber im Unterschied zur Konfirmation kein Bekenntnis zur einer Ideologie enthielt.

Wenn sich schon die Christen-Kinder zur Ideologie des unmenschlichen Christentums bekennen mussten, sollte dieser Zwang zum Ideologiebekenntnis auch in der Jugendweihe eingeführt werden.

Was aber „erklärt“ Focus-Opitz?

Althaus wollte damit jedoch den Jugendweihezwang innerhalb der Schule abschaffen.

Wie würde eine solche Althaus-Forderung die Jugendweihe „abschaffen“ können?

Einen „Jugendweihezwang“, wie Opitz „erklärt“, hat es in der DDR nie gegeben. Die Teilnahme war immer freiwillig, schließlich konnte man sich auch für ein religiöses Ritual entscheiden (wenn man ein Ritual zum „Erwachsenwerden“ überhaupt wollte).

althaus_bild_focus

Althaus-Bild im Focus (Originalgröße)

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Ramelow-Bild im Focus (ebenfalls Originalgröße)

Vom Sonnenkind zum Sorgenkind – Greifenverlag

Information:

Die Jugendweihe findet auch heute noch statt. Natürlich in ganz Deutschland und auf freiwilliger Basis. Organisiert vom Jugendweihe Deutschland e.V.

Meine eigene „kommunistische Zwangsjugendweihe“ fand 1986 oder 1987 (weiß nicht mehr so genau) statt.

Wir haben uns alle sehr darauf gefreut, da wir an diesem Tag als „Erwachsene“ schicke Anzüge tragen durften, mit Erlaubnis der Eltern konnten wir uns die Birne mit allerlei Alkoholika zudröhnen und tolle Geschenke (vom Kassettenrekorder bis zum Moped) gab es auch.

Der von der heutigen Siegergeschichte unterstellte Einfluss der Schule beschränkte sich auf 3 Dinge: den Festsaal, die Blumen und das Buch „Vom Sinn unseres Lebens“ (habe ich natürlich noch) und die 20-Minuten-Rede vom Schuldirektor.

Jugendweihe-Gelöbnis:

LIEBE JUNGE FREUNDE!

Seid ihr bereit, als junge Bürger unserer Deutschen Demokratischen Republik mit uns gemeinsam, getreu der Verfassung, für die große und edle Sache des Sozialismus zu arbeiten und zu kämpfen und das revolutionäre Erbe des Volkes in Ehren zu halten,
so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR! (der Verfassungsteil)

Seid ihr bereit, als treue Söhne und Töchter unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates nach hoher Bildung und Kultur zu streben, Meister eures Fachs zu werden, unentwegt zu lernen und all euer Wissen und Können für die Verwirklichung unserer großen humanistischen Ideale einzusetzen,
so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR! (der Bildungs-Teil)

Seid ihr bereit, als würdige Mitglieder der sozialistischen Gemeinschaft stets in kameradschaftlicher Zusammenarbeit, gegenseitiger Achtung und Hilfe zu handeln und euren Weg zum persönlichen Glück immer mit dem Kampf für das Glück des Volkes zu vereinen,
so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR! (der Solidaritäts-Teil)

Seid ihr bereit, als wahre Patrioten die feste Freundschaft mit der Sowjetunion weiter zu vertiefen, den Bruderbund mit den sozialistischen Ländern zu stärken, im Geiste des proletarischen Internationalismus zu kämpfen, den Frieden zu schützen und den Sozialismus gegen jeden imperialistischen Angriff zu verteidigen,
so antwortet:

JA, DAS GELOBEN WIR! (der Friedens-Teil)

Nach diesem Gelöbnis folgte noch das Glückwunsch-BlaBla diverser Wichtigtuer und dann ging es zum vorbestellten Festmahl. 🙂

großes Jugendweihe-Bild #1 (nein..ich bin da nicht drauf 😉 )

großes Jugendweihe-Bild #2 (auch hier nicht)

Man sieht deutlich, wie sehr die Jugendlichen unter der Last des kommunistischen Kult-Rituals litten.

Wer die Chance bekommt, sich das Jugendweihe-Buch der 60er-70er Jahre zu besorgen, sollte unbedingt zugreifen.

Vor allem die Kapitel zur Erde (Geografie und Geologie) , dem Weltall sowie zum Menschen (Evolution) sind auch heute noch von einmaliger Qualität.

Die Kapitel „Sozialismus“ und „Kommunismus“ sind allerdings selbst für mich schon sehr heftig übertrieben. Interessant sind auch die damaligen Vorstellungen vom „Leben im Jahr 2000“

weltall-er

Den Einband gab es in jährlich wechselnden Versionen.

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3 Kommentare - “Heiliger Althaus”


  1. Ein sehr guter Kommentar,
    Sie haben die Manipulationsmasche von Focus-Opitz sehr gut dargestellt. Dreist ist die wahrheitswidrige Behauptung von Opitz, der „entscheidende und erklärende Althaus-Satz“ aus seinem Brief an den „Bezirksausschuss für Jugendweihe“, dem er damals selbst angehörte, sei von mir weggelassen worden. Der Brief findet sich komplett (im Volltext) im Buch abgedruckt (und zwar als Faksimilie).
    Interessant ist inn diesem Zusammenhang die Vergangenheit von Opitz: Blockpartei-Handlanger beim „Zentralorgan“ der LDPD, der Tageszeitung „Der Morgen“. Seine Phantastereien zu meinem Althaus-Buch hat er wahrscheinlich unter das Motto „Wendehälse aller Blockparteien vereinigt euch!“ gestellt. 😉
    Viele Grüße
    Stefan

  2. Sebastian Heiligstedt Says:

    Glückwunsch, Focus! Ein solchen Schmierfinken ans Werk zu lassen, hat schon mehr als einen faden Beigeschmack. Die Verdrehung von Tatsachen oder das einfache Weglassen gehörte ja bekannterweise schon zum journalischen Handwerkszeug eines gelernten DDR-Redakteurs und ehemaligen LDPD-Mitglieds. Die führende Rolle seiner SED noch vor Augen, fällt es solchen Schmierfinken auch heute offenbar nicht schwer, in eine neue Untertanenrolle zu schlüpfen. Voll eklig.


  3. Na bitte,
    Olaf „der Vermuter“ Opitz vom Focus hat seinen Text geändert (Stand 21.8.). Jetzt heißt es abschließend: „Abgedruckt ist er lediglich in einem schwer zu lesenden Faksimile.“ Vielleicht das nächste mail die Filzbrille besser putzen, Olaf?
    Gruß
    Stefan


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