Techniken der Manipulation

Der neoliberale Focus liefert heute 3 sehr anschauliche Beispiele dafür, wie die Medien den Bürgern eine vorher festgelegte Meinung aufzwingen.

Es werden 3 unterschiedliche Techniken der Manipulation erkennbar, welche allerdings in den neoliberalen Einheitsmedien schon seit vielen Jahren der Normalfall ist.

Nur selten bekommt man aber die Gelegenheit, gleich 3 Varianten zeitgleich präsentiert zu bekommen.

Beispiel 1: Meinungs-Mehrheit

Ruf nach Lohnverzicht wird lauter

Nach Mittelstandsvertretern und Arbeitgeberpräsident Hundt fordern auch mehrere Wirtschaftsexperten einen Lohnverzicht.

Hagen Lesch, Institut der deutschen Wirtschaft: Lohnverzicht schütze vor Entlassungen

Hilmar Schneider, Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA): Lohnkürzungen machten Sinn für die Rettung von Jobs.

Roland Döhrn, Institut für Wirtschaftsforschung (RWI): Lohnverzicht vor allem bei Maschinenbau-Firmen denkbar.

Allen 3 „Instituten“ hatte ich in der Vergangenheit schon mehrfach eine radikal-neofaschistische Ideologie nachgewiesen.

Wirtschaftsweiser Peter Bofinger:  die Lohnsenkungsidee gehört zu den „unsinnigen Vorschlägen“.

Im Beispiel #1 kommt die bekannte Technik der „Mehrheits-Meinung“ zum Einsatz. Wie schon von Christiansen, Will. Plasberg & Co bekannt, wird „mehrheitlich“ ein identischer Standpunkt von „unterschiedlichen“ Personen (das INSM-Konzept) vertreten. Als Gegenmeinung wird allerdings nur eine einzige Person genannt, welche offensichtlich keinen wissenschaftlichen Hintergrund aus einem „Institut“ hat. Unerwähnt bleibt bei dieser Technik selbstverständlich, dass Peter Bofinger Professor für Volkswirtschaft an der Universität Würzburg und er der einzige „Wirtschaftsweise“ ist, welcher auf Grund seiner Qualifikation und nicht mit Hilfe von Netzwerken und Lobbyisten in den „Sachverständigenrat“ gekommen ist.

Solche nebensächlichen Details muss der Focus-Leser ja nicht wissen, gelle?

Der Mensch ist ein Herdentier

Wird ein Mensch in einen Zustand der Verunsicherung gebracht, orientiert er sich am Verhalten und den Meinungen der Mehrheit der Menschen in seiner Umgebung. Aus dieser natürlichen Tatsache sind Dinge wie „Demokratie“, aber auch die alltägliche Bekleidungsmode entstanden. Man möchte zwar persönliche Individualität besitzen, sich aber dennoch gesellschaftlich anpassen, „um nicht zum Gespött der Leute zu werden“.

Dieses menschliche Verhalten wird im Beispiel #1 zum Zwecke der Propaganda und Manipulation eingesetzt. Dem Leser wird die Mehrheit von 3 „Experten“ und die Minderheit einer Gegenmeinung vorgesetzt. Dem natürlichen Verhalten entsprechend ist zu erwarten, dass der Leser des Focus sich dieser „Mehrheit“ anschließt (sind ja schließlich schlaue „Experten“!) und zukünftig widerspruchslos der Kürzung seiner Einkommen zustimmt.

Beispiel 2: Streit-Simulation

Die Lehren aus der Krise

Ein Streitgespräch zwischen Ifo-Chef Hans-Werner Sinn und dem früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup.

Im Beispiel #2 führt Focus ein Interview mit den neofaschistischen Lobbyisten Prof. (Un)Sinn und Prof. Rürup.

Die Darstellung dieses Interviews erfolgt als „Streitgespräch“ und wird auch explizit so genannt.

Selbstverständlich vertreten diese beiden „Experten“ die gleichen Ideologien und Meinungen. Zum Streit (oder besser „Streitsimulation“?) kommt es lediglich um verschiedene verbale Darstellungen der Krisenursachen und ihrer angeblichen „Lösungen“.

Beide „Experten“ sind sich wie immer darin einig, das die Löhne und Sozialleistungen unbedingt abgeschafft gekürzt werden müssen.

Technik der bewussten Täuschung

Diese Technik der bewussten Täuschung und Verunsicherung ist auch aus der Klimawandel-Debatte bekannt. Beim Thema „Klimawandel“ haben Industrie, Energiekonzerne und ihre Lobbygruppen eine Handvoll „Wissenschaftler“ gekauft, um in den Medien Zweifel über die Ursachen des Klimawandels zu streuen. Es ging dabei nicht um die Widerlegung des (nachgewiesenen) künstlichen Klimawandels, sondern lediglich um die Erzeugung der Meinung „Die Experten sind sich nicht einig, ob Umweltschutz das Klima retten kann!

Nachdem diese Meinung künstlich hergestellt wurde, traten Konzerne und ihre Politik-Marionetten auf die Medien-Bühnen dieser Welt und verkündeten, erst dann das Klima retten zu wollen, wenn unter den Experten Einigkeit bestünde. Also nie.

Im Beispiel #2 findet diese Manipulation mit Hilfe des angeblichen „Meinungsstreites“ ebenfalls Anwendung.

Die „Experten“ (Un)Sinn und Rürup zanken sich verbal um die Ursachen der Krise, um eine klare Ursachenbenennung zu verhindern. Damit wird den Focus-Lesern „klargemacht“: Es gibt keine eindeutige Ursache, die Krise ist ein Unfall und daher Gegenmaßnahmen nur dann empfehlenswert, wenn sie prinzipiell unwirksam sind, sich aber toll anhören.

Einig sind sich beide Verbrecher darin, dass jede Form von „Staatswirtschaft“ schlecht sei, die Lohnspreizung mit Hilfe von tieferen Niedriglöhnen verstärkt werden müsse und das Bildungssystem mehr auf „Eliten-Kinder“ ausgerichtet wird.

Somit kommt dann auch noch zusätzlich das Prinzip „Mehrheits-Meinung“ zum Einsatz.

Gewünschte Lesermeinung: Politische Gegenmaßnahmen können gefährlich werden, da sich die Experten selbst noch nicht über die Krisenursachen einig sind. Lieber garnichts tun als etwas falsches!

Beispiel 3: dramatische Zahlenspiele

Krise fördert Schwarzarbeit

Experten rechnen damit, dass die Schwarzarbeit in diesem Jahr stark steigt.

Der Ökonom Friedrich Schneider von der Universität Linz prognostiziert, dass das Volumen der Schwarzarbeit auf 350 bis 355 Milliarden Euro steigen wird. 2008 lag die Summe bei 347 Milliarden Euro.

Zum genannten „Ökonomen“ Friedrich Schneider hatte ich schon im Januar einen Artikel geschrieben (letzter Absatz).

2008 lag die Summe bei 347 Milliarden Euro.

In Deutschland arbeiten laut Schneider geschätzte zehn Millionen Menschen schwarz.

Im Durchschnitt verdienten sie etwa 300 bis 400 Euro im Monat dazu.

Überprüfung:

347.000.000.000 € / 10.000.000 Menschen = 34.700 € im Jahr pro Person

34.700 € / 12 Monate = 2891,66 € / Monat

Man muss wohl „Experte“ sein, um den Unterschied zwischen „Durchschnitt verdienten sie etwa 300 bis 400 Euro im Monat“ und 2891,66 € / Monat als „vernachlässigbar gering“ zu empfinden.

Egon W. Kreutzer hat sich schon vor ein paar Jahren über diesen „Experten“-Unfug aufgeregt.

Ziel dieser Schwarzarbeits-Propaganda damals wie heute: Hohe Löhne und Sozialabgaben führen auf direktem Weg in kriminelles Verhalten und sind daher schädlich.

Technik des Zahlenspiels

Diese Technik der Manipulation entstand genau einen Tag nachdem das Geld erfunden war.

Um die „Reformwilligkeit“ der Bevölkerung zu steigern und die Politik zu den gewünschten Maßnahmen zu zwingen, wirft man mit frei erfundenen, aber beeindruckend hohen Zahlen um sich.

Vor allem die Dramatisierung finanzieller Auswirkungen scheint besonders erfolgreich zu sein. Wir kennen das aus zahlreichen „Reformen“ der letzten 10 Jahre, bei denen immer wieder Floskeln wie „Kostenexplosion“, „unfinanzierbar“, „dramatische Folgen für Bundeshaushalt und Sozialsysteme“ usw. angewandt wurden.

Bekanntlich bestand nie die Gefahr einer „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen, aber mit solchen „Ankündigungen“ konnte man diverse Reformen zum Schaden der Bürger politisch wie medial legitimieren.

Wenn Wirtschaft und Politik irgendwelche Ausgaben gut finden, sagen sie nicht „eine halbe Billion Euro“, sondern nur „500 Milliarden“. (siehe Banken-Fonds)

Sollen Ausgaben (Sozialsysteme, Renten etc) allerdings gekürzt werden, wird maßlos übertrieben. Da werden dann sehr fantasievoll irgendwelche Posten addiert, um eine möglichts hohe Zahl als Abschreckung und „dringenden Reformbedarf“ präsentieren zu können.

Es erübrigt sich der Hinweis, dass weder Medien noch „Reformpolitiker“ mit einem Taschenrechner umgehen können.

Schmankerl: INSM-Video zu „Lohnnebenkosten“

man beachte die Mittel der Manipulation:

  • als Arbeitnehmer wird eine Kellnerin gezeigt
  • ihr angeblicher Brutto-Lohn: 2400 Euro! (laut gehaltsvergleich.com aber real nur zwischen 400€ und 1400€)
  • die „Lohnnebenkosten von 970,00€ werden auf 1000€  aufgerundet
  • INSM-typisch wird wieder die „Belastung“ der Arbeitgeber in den Vordergrund gehoben

Aber der gemeinnützige Sozialverein „INSM“ hat noch mehr Lacher zu bieten:

Video Brutto/Netto (man beachte die Betonung von „Expertenmeinungen“ sowie die Gleichsetzung von „Staat“ und „Sozialversicherungen“

INSM-Video „Staatsquote („Die Wirtschaft weiß viel besser, wofür man Geld ausgeben sollte“, „Sozialleistungen dienen dem Wahlkampf“ und „ohne Staat wäre alles viel besser“

Am 20. April 1998 verkündete die RAF ihre Selbstauflösung.

„Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“

Fast genau 1 Jahr später verkündeten Gerhard Schröder und Tony Blair ihr „Modernisierungskonzept“, woraus Schröders Regierungsprogramm „Agenda2010“ entstand.

Sowas passiert halt, wenn die Mächtigen vor niemandem mehr Angst haben…

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6 Kommentare - “Techniken der Manipulation”

  1. Harald Says:

    Im Video Brutto/Netto ist noch ein weiterer gravierender Fehler: „Die Prozentsätze der Sozialabgaben sind bis auf die Krankenversicherung für alle gleich.“ Und das ist ebenfalls gelogen. Durch die Beitragsbemessungsgrenzen zahlen alle deren Verdienst darüber liegt Prozentual weniger als die deren Verdienst darunter liegt.
    Und die die über der Bemessungsgrenze liegen können komplett privat Vorsorgen, die zahlen überhaupt nicht in die gesetzliche Sozialversicherung!

  2. Uncool Says:

    Na ja, der Herr Bofinger wurde nicht nur wegen seiner Qualifikation in den Sachverständigenrat berufen worden, sondern durch den Ruf durch die Gewerkschaften, die ein Vorschlagsrecht haben (sog. „Gewerkschaftsticket“)! Ist leider so!
    Ist das jetzt auch eine Manipulation? Genauso wie das Durchstreichen und „Pseudo-korrigieren“->unbedingt abgeschafft/gekürzt?

    Wer im Glashaus sitzt….

  3. wareluege Says:

    Das ändert nichts an der Tatsache, dass keinerlei Informationen zu Bofinger genannt werden.
    Die Gewerkschaften haben Bofinger sicher nicht vorgeschlagen, weil er von ihnen für „seine“ Meinung bezahlt wird.
    Der DGB betreibt nur das Böckler-Institut. Die Wirtschaft gleich ein ganzes Dutzend. Vom HWWI übers DIW, das IW, das RWI bis runter nach München zum IFO des „Experten“ (Un)Sinn. Allein das stellt schon ein großes Potential zur Manipulation dar.

  4. Uncool Says:

    Der DGB betreibt nur das Böckler-Institut. Und die Unternehmen nur das IW und das HWWI! Die Mehreit der Institute werden öffentlich gefördert. Schon wieder eine Scheibe durch Pauschalisieren zerbrochen…

  5. wareluege Says:

    Schlimm genug, das diese Propaganda-Institute auch noch Steuergelder bekommen, obwohl sie ausschließlich die Interessen der „oberen Zehntausend“ vertreten. Das Gleiche gilt für diverse Renten- und Demografie-Abteilungen von Banken und Versicherungen. Siehe Raffelhüschen und Miegel.
    Du bist echt erfrischend!
    PS: „Öffentlich gefördert“ schließt nicht aus, Spendengelder sowie gut bezahlte Honoraraufträge zu bekommen. Und wer die Musik bezahlt… 😉

  6. Michael Mugge Says:

    Super Artikel. Es zeigt sich mal wieder, dass Journalisten zu 99% auch nur Lobbyisten sind. Wie man allerdings hier auch wieder sieht, haben noch nicht alle gecheckt, dass die Meinungsmache hauptsächlich in diese Richtung geht.

    Siehe auch http://www.bpb.de/publikationen/WJA3NK,1,0,Gesellschaftliche_Folgen_der_Medienkonzentration.html#art1


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