Danke, Herr Blum!

Vor ein paar Tagen hat sich die Frankfurter Rundschau einen ungewöhnlichen Spaß erlaubt:

Man verglich die Aussagen von Politikern und „Experten“ zum Thema „Deregulierung“ aus den Zeiten vor und nach Beginn der Profitsteigerungs-Krise.

deregulierung

(Fast) Gut zu sehen, welche „Experten“ zu den 100%igen neofaschistischen Maulhuren und Kapitallobbyisten zählen, welche allerdings mit „Wissenschaft“ im Sinne von „Wissen schaffen“ rein garnichts zu tun haben.

Natürlich gehören die üblichen Verbrecher wieder mit dazu: Straubhaar, (Un)Sinn und Zimmermann.

Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich Blum

Ein nahezu unbekannter, in den Medien selten vertretener „Experte“ vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle/Saale.

Ulrich Blum ist der Sohn eines ehemaligen BND-Chefs (tut aber hier nichts zur Sache) und gehört zu den Versagern, welche nach der Besetzung Ostdeutschlands durch die BRD mit Hilfe von „Buschzulagen“ in die annektierten Gebiete exportiert wurden. Da er im Westen (offensichtlich) zu nichts zu gebrauchen war, schickte man ihn 1992 nach Dresden, um dort eine Fakultät für pseudoreligiöse „Wirtschaftswissenschaften“ zu gründen.

Auf diesem Abstellgleis wurde er 10 Jahre lang zwischengelagert, bis seine marktradikalen Wahnvorstellungen im Jahr 2004 nach Verkündung der „Agenda2010“ plötzlich gesellschaftsfähig wurden.

So ernannte man ihn 2004 zum Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle/Saale.

In dieser (von der Wirtschaft hochbezahlten) Position vertritt er die bekannte Ideologie von der „Liberalisierung“ von Sozialsystemen und Leiharbeit. Völlig ungeachtet der Tatsache, das Zeitarbeitslobbyist Clement während seines Nebenjobs als Arbeitsminister die Leiharbeit in Deutschland bereits zu einem rechtsfreien Raum für Sklavenhändler und Tagelöhner gemacht hat.

Dem werten Prof. Dr. Dr. Blum ist die Aktion der Frankfurter Rundschau nicht entgangen. Und so setzte er sich wutschnaubend an seinen Mahagoni-Schreibtisch, um der FR zu antworten.

Danke, Herr Blum!

Wie es sich für neoliberale Fanatiker gehört, liefert er eine Antwort, welche ausschließlich aus sinnfreien Worthülsen und Phrasen sowie einer wirren Ansammlung von Nicht-Zusammenhängen besteht.

Er geht ganz offensichtlich davon aus, dass sein hirnloses Geschwafel seinen Ruf als „Wissenschaftler“ irgendwie retten kann.

Wie allerdings zu sehen ist: sein „Wissen“ wird nicht von der Realität tangiert.

Es ist die alte Methode: Man baut einen Strohmann auf, den man dann verprügeln kann, und gewinnt so öffentliche Aufmerksamkeit.

Sein Text beginnt damit, sich selbst zum Opfer einer Medienkampagne zu erklären.

Dieselbe Opferrolle haben Merkel, Steinbrück & Co eingenommen, als im Oktober 2008 eine „unerwartete Finanzmarktkrise“ vom Himmel fiel.

Nur zur Erinnerung: Der „Demagoge und Populist“ Lafontaine hat diese Krise bereits 10 Jahre zuvor angekündigt.

Deregulierer aber als solche darzustellen, die nichts kapiert haben und nun für Re-Regulierung sind, verkennt die Problematik der Lage. Diese simplistische Weltsicht hilft nicht weiter.

So spricht der „Experte“. Oder anders augedrückt:

Ihr seid doch alle viel zu doof, um die Hohe Lehre von der Heiligkeit des Marktes auch nur ansatzweise zu verstehen. Daher braucht es Hohepriester wie mich, um dem dummen Pöbel die Weisheiten der Gottes Profit zu verkünden„.

Auch heute spreche ich mich weiter für Deregulierung aus, weil man dem Staat in wirtschaftlichen Dingen häufig nun wirklich nicht über den Weg trauen kann.

Solange es also Gesetze gibt, an welche sich die Wirtschaft zu halten hat, wird es weiterhin Krisen geben. Ahja…

Und da dem Staat in wirtschaftlichen Dingen nicht getraut werden kann, sollte er das Kapitalistenpack besser in völliger Freiheit schalten und walten lassen?

Die Kalamitäten der Landesbanken oder der BaFin lassen grüßen

Jaaaa…natürlich fallen diesem Marktfetischisten wieder Landesbanken und BaFin ein. Nicht jedoch die krisenfesten und erfolgreichen Banken wie Lehman Brothers, HRE, Commerzbank, Dresdner Bank, Deutsche Bank usw.

Die Eigentümer dieser Konzerne werden dem Herrn „Wissenschaftler“ wohl verboten haben, ihre Unfähigkeit zur Unternehmensführung zu erwähnen.

Immer habe ich mich dafür eingesetzt, parallel zur Deregulierung den Ordnungsrahmen zu stärken.

Dümmer gehts immer…

Wie will man denn eine runde Ecke aus „Deregulierung“ und „starkem Ordnungsrahmen“ hinbekommen?

Wieder eine nichtssagende hohle Phrase mit dem Namen „Ordnungsrahmen“. Was das sein soll, was sich der Herr „Experte“ darunter vorstellt…keiner weiß es. Muss auch nicht sein, man soll diesen Dummschwätzern ja auch nur glauben.

Es ist geradezu abenteuerlich zu glauben, mit neuen Regulierungen könne man verhindern, dass Katastrophen wie die aktuelle wieder passieren.

Eine Begründung für diese Ansicht fehlt…wie immer. Aber die Wortwahl ist wieder aufschlussreich: Er bezeichnet Regulierer als „Abenteurer“ und verleiht sich selbst den Anstrich von Seriosität. Auch ein beliebtes Stilmittel der Manipulation.

Viele strikte Regulierungen haben doch versagt oder waren falsch

Achja? Als Beispiel bringt der „Experte“ die Ratings aus dem Basel II – Abkommen. Nur zur allgemeinen Erheiterung: Das Basel II – Abkommen diente der völligen Deregulierung europäischer Finanzmärkte und -transaktionen.

Man unterschrieb dieses Abkommen bewusst im schweizerischen Basel, weil damit im Abkommen kein EU-Recht gilt und somit nicht gegen diesen Wahn innerhalb der EU geklagt werden konnte.

Wir müssen einsehen, dass in einer hochkomplexen Welt die Probleme nicht mit den Mitteln beseitigt werden können, die sie verursacht haben.

Hier spricht wieder der Gelehrte zum bildungsfernen Pöbel. Die Welt ist halt „zu komplex“ um sie zu verstehen, weshalb sich auch jede Erklärung seitens der „Experten“ zur Krise erübrigt. So einfach kann man mit Totschlagargumenten um sich werfen…

Jegliche Regulierung hat die Genialität des Menschen in Rechnung zu stellen, die Regeln auszubooten.

Genau! Es ist eben ein Zeichen von „Genialität“ und nicht krimineller Energie, gesetzliche Regeln „auszubooten“. Da macht weitere Deregulierung natürlich Sinn, will man doch die „Leistungsbereitschaft“ der kriminellen genialen Elemente nicht ausbremsen.

Derartige „moralische Versuchungen“ sind gleichermaßen modernen Institutionenökonomen und alten Ordnungsökonomen bekannt (was die Unsinnigkeit des aufgebauschten Methodenstreits zeigt)

Manipulation und Dummschwatz in Reinkultur. Sich selbst als Institutsökonomen bezeichnet er frech als „modern“, und die „Anderen“ eben als „alt“. Und aus einem beidseitig bekannten Sachverhalt erzeugt er auch noch eine „aufgebauschte Unsinnigkeit“ der Debatte.

Klar…das herrschende Recht ist immer das Recht der Herrschenden. Wer nicht zum herrschenden Kapitaltistenpack gehört, ist eben automatisch im Unrecht.

Beteiligung der Handelnden an Erträgen und vor allem auch Verlusten – letzteres ein wesentliches Merkmal der Sozialen Marktwirtschaft

So sieht sie dann also aus, die Neue Soziale Marktwirtschaft. Sie definiert sich nicht mehr an der Beteiligung an den Gewinnen, sondern nur noch an der Beteiligung an den Verlusten. Das ist für diesen Kapitallobbyisten also ein „wesentliches Merkmal“.

Sozial ist, was die Profite steigert!

Gerade ich habe mich für diesen wichtigen Aspekt immer eingesetzt.

Eine gehörige Portion Eitelkeit und Größenwahn gehören auch bei Blum zum Alltag. Dabei waren andere „Experten“ viel lauter: (Un)Sinn, Straubhaar, Hüther, Westerwelle, Merz, Hundt, Rogowski, Henkel…

Das ist eine Herausforderung für Theologie, Philosophie, Wirtschaftsethik, aber auch die moderne Institutionenökonomik und insbesondere auch die experimentelle Ökonomik, um die zugrundeliegenden Dilemmastrukturen zu durchdringen.

Jetzt wird es wirklich schmerzhaft. Er erfindet „Dilemmastrukturen“ (vermutlich Arbeitnehmerrechte, Löhne, Sozialsysteme, Arbeitsschutz etc) und will die „Lösung“ von Theologen, Philosophen und Wirtschaftsethikern (seit wann gibt es Ethik in der Wirtschaft?) diskutieren lassen.

Das sind dann ja wohl die richtigen „Experten“.

Aber auch das macht Sinn: Man kann sich selbst Glaubwürdigkeit verschaffen, wenn man seine Meinung von „anderen Leuten“ bestätigen lässt. Wie man sowas anstellt, zeigt die neofaschistische INSM: Unter ihrem Dach sind gleichwohl „Experten“, „Historiker“, Politiker, Jesusanbeter u.a. Leute versammelt. So kommt niemand auf die Vermutung, sie würden ihre Weisheiten alle aus demselben Topf löffeln.

Das weiterhin gültige Plädoyer für Deregulierung und Entstaatlichung ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund der Forderung, die Rahmenbedingung zu ändern.

Seifenblasen platzen, weil sie zu voll sind. Das weiß doch jeder!

Ungeniert erklärt er den neoliberalen Deregulierungswahn für „weiterhin gültig“.

Ergibt dieser Satz überhaupt einen Sinn? Doch nur, wenn man die Deregulierung und Entstaatlichung als einzig gültigen Aspekt für eine „Änderung der Rahmenbedingungen“ ansieht, oder?

Die Bevölkerung wird sehen, dass die Staatsschuld Handlungsspielräume der Politik auf Dauer abwürgt und dass das Re-Regulieren allein nicht selig macht.

Dummheit kennt keine Grenzen! In seiner ideologischen Erklärungsnot erfindet der „Experte“ Blum dann auch prompt einen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung (bekanntlich eine Erfindung des Teufels persönlich) und Re-Regulierung. Als ob sich die Regulierung von wirtschaftlichen Vorgängen einzig auf die Steuereinnahmen auswirken würde. Wie dämlich ist DAS denn?

Aber in der größten Not ist halt keine Halluzination zu dumm, um sie nicht doch als „Argument“ auszuliefern.

Hoffentlich wird Herr Dullien (der Autor des ursprünglichen FR-Artikels) dann schreiben, dass die Regulierung der Jahre ab 2009 leider die Probleme nicht gelöst, Frustrationen über staatliche Machtlosigkeit damit ausgelöst hat – und unseren Staat verteidigen.

In der von Herrn Blum nicht wahrgenommenen Realität wird es weder 2009 noch in folgenden Jahren eine Regulierung der Finanzmärkte und der Wirtschaft geben. Das garantieren Merkel, Westerwelle und Müntefering.

Blum droht der Politik denn auch noch „Frustration über staatliche Machtlosigkeit“ an, sollte dennoch der Versuch von Regulierungen unternommen werden. Also das seit Jahren bekannte: „Tut was wir sagen oder morgen geht die Welt unter!“ der Kapitalisten, ihrer Medien und „Experten“.

Danke, Herr Blum!

Das meine ich wirklich! Nur sehr selten liefert ein neoliberales Arschloch (mit Verlaub, Herr Professor) wie Sie einen so klassischen und detaillierten Überblick über seine gängigsten Floskeln, Phrasen und Pseudo-Argumente. Joseph Goebbels wäre stolz auf Sie!

Früher…als es die RAF noch gab, waren Sie nicht so mutig, gelle? 😉

Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich Blum gehört zu den von der INSM bevorzugten „Wissenschaftlern“, wenn es um die Themen Mindestlohn, Kündigungsschutz und Leiharbeit geht.

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9 Kommentare - “Danke, Herr Blum!”

  1. luc Says:

    oh mein gott, is das scheisse.

  2. Reinhard Says:

    Inhalt: 1+
    Ausdruck: 4-

  3. wareluege Says:

    jaaa doch…ich weiß!
    Ich muss mich selbst nach 20 Jahren erst noch daran gewöhnen, das die Verpackung heute mehr zählt als der Inhalt.
    Man nennt sie „Unterschicht“ und behandelt sie wie Müll, ich machs halt andersrum.
    huch…schon wieder gesündigt 😦

  4. Karlheinz Says:

    Uhh, hier stinkts ja gewaltig…und damit meine ich den Autor, seine Selbstgerechtigkeit und Brutalität. Im Stile eines religiösen Fanatikers wird die Welt in zwei Lager getrennt, wobei dem anderen jede Vernunft abgesprochen wird. Beklemmend.

  5. Martin Says:

    Peinliche „Analyse“, denn klarer und ungehobelter kann man nicht darstellen, keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen und Problematiken zu haben. Angesichts des mäßigen Erfolgs der UDSSR und der DDR sollte man bei derart aggressiven Äußerung gegen Kapitalismus und Marktwirtschaft ein wenig Vorsicht walten lassen, denn offenbar klappt das bislang sehr viel besser – weltweit. Abgesehen davon ist Professor Blum in erster Linie Wirtschaftsforscher, nicht Politiker. Größte Unverschämtheit in meinen Augen ist jedoch die unterschwellig-ostalgische RAF-Glorifizierung.

  6. wareluege Says:

    Peinlicher „Kommentar“
    Wie „sehr viel besser“ der Kapitalismus funktioniert, sehen wir an den sich ständig wiederholenden Krisen inkl. der unaufhörlichen Entwicklung, immer mehr Reichtümer bei einigen Wenigen anzuhäufen.
    Ausserdem habe ich nicht behauptet, Herr Blum wäre ein „Politiker“.

    Wie aus einer einfachen Frage plötzlich eine „unterschwellig-ostalgische RAF-Glorifizierung“ werden kann musst du mir noch erklären.


  7. […] Ulrich Blum mal […]

  8. boku Says:

    angemessener Text auf die neofaschistischen Ziele der Wirtschaftselite..

    Daumen hoch! und weiter so!


  9. […] Prof. Blum (intern) vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) darf sich zu Wort […]


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