Volkszersetzung in BILD

Zum 29574. Mal (Schätzwert) gibt es bei BILD mal wieder den „dümmsten HartzIV-Abzocker“ zu bestaunen.

Kurzfassung der BILD-Kurzfassung:

Ein HartzIV-Empfänger tauchte in einer TV-Show auf, bekam Geld dafür und meldete dieses Einkommen nicht seinem Fallmanager. Selbiger sah den „HartzIV-Abzocker“ im Fernsehen, überprüfte die Akte und erstattete Anzeige.

Ergebnis: Gericht befand auf Ordnungswidrigkeit, verhängte 300 Euro Geldbuße und die korrekte Anrechnnung des TV-Honorares.

Soweit so gut. Also nichts besonderes in einer Zeit, in der Arbeitslose von den Propagandamedien wie in mittelalterlichen Freakshows vorgeführt und zum Gespött bzw. Hassobjekt der Zuschauer gemacht werden.

Aber selbst aus dieser juristischen Nullnummer kann man in BILD noch ein lecker Süppchen kochen. Die verwendete Zutat in BILD: neumodisches Denunziantentum.

Denunzianten waren bei der Gestapo im 3. Reich sehr beliebt. Sie bespitzelten ihre Nachbarn als „Blockwarte“ und wenn sich jemand nicht arisch korrekt benahm, wurde er angezeigt und zur „Umerziehung“ nach Buchenwald, Auschwitz, Dachau oder Treblinka gebracht.

So schuf man ein System bedingungslosen Gehorsams und uneingeschränkter Unterwerfung im Denken und Handeln der Menschen.

Also ein System, welches auch heute noch dem Kapitalistenpack als wahres Schlaraffenland in ihren feuchten Träumen erscheint.

Dieses Schlaraffenland ist nicht mehr weit, die Merkel-Westerwelle-Regierung als Zeichen kollektiver deutscher Volksdummheit ist praktisch schon im Amt.

Aber zurück zu BILD und ihrem Wunsch nach Wiederherstellung von Recht und Ordnung durch gesinnungstreue Denunzianten und einer entsprechenden neofaschistischen Justiz:

Das ist Deutschlands dümmster Hartz-IV-Abzocker

Und was ist mit den anderen „dümmsten HartzIV-Abzockern“ seit 2005 geworden, liebe BILD?

Er schläft aus bis zum späten Vormittag, lümmelt danach auf seinem Sessel rum und motzt schließlich seine Frau beim Putzen an.

Und? Das tat Alfred Tetzlaff schon vor 40 Jahren im WDR und erntete jedes Mal Applaus und Gelächter, wenn er seine Frau „dusslige Kuh“ nannte.

So trat Sebastian J. (38), Hartz-IV-Empfänger aus Düsseldorf, im Herbst 2008 bei RTL II auf („Frauentausch“).

Für 1500 Euro würde jedes HartzIV-Opfer den „Bilderbuch-Sozialschmarotzer“ spielen. Schließlich würde es ja auch keinen Sinn machen, in solchen TV-Shows irgendwelche 0815-Ehegatten oder Hausfrauen auftreten zu lassen, oder?

Vor der Kamera spielte er den Macho, der trotz Arbeitslosigkeit modernste Flachbildschirme besaß.

Hier hat BILD die obligatorischen „4 Handys!“ vergessen. Macht aber nichts, wenn man (warum eigentlich?) modernste Flachbildschirme erwähnen kann.

Flachbildschirme sind allerdings schon seit den Olympischen Winterspielen 1998 „modern“. Ein „Besitzverbot“ für Alg2-Empfänger gibt es auch nicht. Was soll das also?

Diese modernsten Flachbildschirme werden offensichtlich nur deshalb eingefügt, um die medial inzenierte Empörung weiter anzuheizen. Ein anderer Sinn ist nicht erkennbar.

Der Betrug flog nur auf, weil die Zuschauer sich über das Benehmen des Arbeitslosen Pantoffel-Tyrannen aufregten. Sie zeigten ihn an.

Ahja…

Weshalb haben sie ihn angezeigt? Weil er in einer TV-Show seine Frau angepöbelt hat?

Ist das ein Vergehen, ein Verbrechen? Wurden diese „Anzeigen“ tatsächlich angenommen und zu einem Gerichtsverfahren weitergeführt?

Nein…natürlich nicht. Sowas ist völliger Unfug.

Wenn die Frau ihren Mann nicht anzeigt, gibt es kein juristisch verfolgbares Vergehen.

Der Betrug flog auch nicht wegen der Anzeigen auf, da die Zuschauer schließlich nicht wissen konnten, ob es ein Honorar gegeben hat und ob dieses Honorar ordnungsgemäß gemeldet wurde.

Was soll dieser offenkundige Schwachsinn?

Es geht um die Wiedereinführung des Denunziantentums nach Gestapo-Vorbild.

Dem BILD-Leser soll eingeredet werden, er könne „Sozialschmarotzer und HartzIV-Abzocker“ zum Schutz seiner Steuergroschen bekämpfen, wenn er sie wegen ihres Verhaltens bei der Justiz anzeigt.

Mit dieser neofaschistischen, unterschwelligen Propaganda kann man das Denunziantentum „gesellschaftsfähig“ machen.

Hier wird ein „Erfolg“ erfunden, welcher in dieser Art selbst im neolfaschistischen Deutschland (noch) nicht denkbar ist.

Wenn dieses „gute Beispiel“ aufrechter Deutscher Volksgenossen (Wenn das der Führer noch erlebt hätte!) zum Vorbild erhoben wird, findet schon bald eine flächendeckende Verfolgung der Schwächsten der Gesellschaft durch die eigene Bevölkerung statt.

Das Kapitalistenpack kann in aller Ruhe seine geraubten Vermögen und Profite in Sicherheit bringen, während sich der geBILDete Pöbel gegenseitig kannibalisiert.

Der nächste Schritt wäre dann die Forderung nach „Fangprämie“ für die Denunzianten.

Inzwischen gibt es in Deutschland etwa 5 Mal mehr „Sozialfahnder“ als Steuerfahnder. Im Unterschied zur Steuerfahndung sind diese Sozialschnüffler allerding nicht sonderlich erfolgreich, was die „Einsparung von Sozialleistungen“ betrifft. Umso wichtiger scheint es zu sein, selbige Sozialfahnder täglich im TV zu zeigen, um der Öffentlichkeit einen Sinn und Nutzen vorzugaukeln.

Und wenn es diesen Nutzen nicht gibt und damit das Verhältnis Kosten : Nutzen negativ ausfällt, muss man halt die „freiwillige“ Bevölkerung mit einbeziehen, welche dann gratis Jagd auf vermeintliche „Sozialbetrüger“ macht.

Und am Ende schmiedet man dann wieder die Worte Arbeit macht frei aus Deutschem Kruppstahl.

hartz4tor

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4 Kommentare - “Volkszersetzung in BILD”


  1. […] Volkszersetzung in BILD « Ware: Lüge / Preis: variabel […]


  2. […] immer wieder macht die braunblutrote Kampfpresse des Springer-Verlages Hasspropaganda gegen die Neuen Armen in der BRD, dass man gar nicht mehr mit dem Kotzen aufhören möchte. […]

  3. Hetman Says:

    wobei sich mir immer der gedanke aufdrängt, das der bildzeitungsbericht ebenso getürkt sein könnte, wie diese sendungen im fernsehen…
    ich habe mich mal mit einem „darsteller“ dieser gerichts- u. talkschows unterhalten, das sind zwar alles laiendarsteller, aber nichtdestotrotz sind die inhalte getürkt… – also warum nicht auch frauentausch?

    und das bild sich gern mal die realität so zusammenstrickt, das sie in ihr verlogendes weltbild passt, ist auch nicht unbekannt…

  4. Michael Mugge Says:

    Sehr guter Artikel. Die Bild ist natürlich Wortführer dieser Hetze, aber die anderen machen sich der Mittäterschaft schuldig, es gibt kaum ein Medium, das wirklich breitgefächert die Ärmsten der Gesellschaft mal positiv darstellt. Stattdessen wird rumgetrampelt und alle Hartz4er in mediale Sippenhaft genommen. Erbärmlich.


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