Ware Lüge

Man stelle sich vor, es gäbe in einem Land Medien, welche sich der kollektiven Volksverblödung verpflichtet haben. Die Eigentümer dieser Medien unterstehen der Macht des Kapitals und sind ihrerseits Befehlsgeber der Politik.

Diese Medien würden den ganzen Tag lang im Auftrag der Reichen und Mächtigen dem Volk jede Menge Blödsinn erzählen und gleichzeitig der Politik die Befehle der Kapitalbesitzer übermitteln.

In einem solchen Märchenland gäbe es dann auch noch sogenannte „Blogs“, welche sich mit den Propagandalügen und Volksverdummungsgeschichten beschäftigen, um deren wahre Natur und den Sinn ihrer Verbreitung aufzudecken.

Nun stellen Sie sich vor, Sie wären stinkreich und zudem noch Besitzer dieser Medien. Würden Sie nicht auch hochgradig verärgert über diese fiesen „Blogger“ sein?

Wäre es nicht sinnvoll, seine Macht dazu zu nutzen, um den Unholden des Internets das Handwerk zu legen?

Wäre es nicht vielleicht zum Erhalt der eigenen Macht unbedingt erforderlich, die Aufklärung über die eigenen Machenschaften per Gesetz verbieten zu lassen?

Wäre es nicht angebracht, diese „Blogger“ in den Kerker zu werfen und sie damit vom Rest der Gesellschaft zu trennen?

Es wäre!

Nun sind diese fantasievollen Gedanken dummerweise keine Fantasie, sondern Realität.

Resolution gegen den geistigen Diebstahl

Die Eigentümer führender (gemessen an Marktanteilen) Medienkonzerne haben sich am 8. Juni 2009 getroffen, um der Politik zu befehlen, ihr Machtmonopol über Nachrichten, Informationen und Meinungen per Gesetz zu schützen.

Zu diesen Goebbels-Nachfolgern gehören:

  • Axel Springer AG
  • Bauer Media Group Ganske Verlagsgruppen GmbH
  • Gruner + Jahr AG & Co KG
  • Spiegel Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co KG
  • Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG

Man traf sich also in der bekannten Milliardärsmetropole Hamburg bei Champagner, Hummer und Kaviar um sich über das „Recht auf Volksverblödung“ zu unterhalten.

Getrübt wurde die gute Stimmung durch die Tatsache, das ihr bisheriges Meinungsmonopol zunehmend Konkurrenz durch Blogs erhält, welche sich der Wahrheit und nicht der Gunst der Wirtschaftsbosse verpflichtet haben.

Man saß also im Rauch kommunistischer kubanischer Zigarren zusammen und überlegte sich, welche „Schwachstellen“ der Feind ihrer Macht wohl haben könnte.

Da fiel ihnen und ihren Rechtsverdrehern das „Urheberrecht“ ein.

Bekanntlich ist es unter den widerlichen Bloggern üblich, den verbreiteten Unfug zu zitieren, um ihn anschließend mit einigen Sätzen und Fakten (oh Graus!) zu widerlegen. Nachdem man sich auf einen gemeinsamen Gegenangriff verständigt hatte, brachte man seine Machtgelüste zu Papier, um sie als „Resolution“ ganz resolut der Politik zur zeitnahen Umsetzung per Gesetz vorzulegen.

Natürlich musste man jede Form von öffentlicher Aufmerksamkeit vermeiden, um keine schlafenden Bürger Hunde zu wecken.

Aber wie das Leben so spielt…ein paar geschwätzige Mitwisser konnten ihr loses Mundwerk nicht haltenund so fand diese „Resolution“ doch einen Schleichweg ins Licht der Öffentlichkeit. Zum Glück war selbige gerade durch Krisenthemen derartig abgelenkt, das (fast) niemand begriff, was dort ins Rollen gebracht wurde.

Hier nun die Resolution der Meinungsmacher in bekannter und bewährter Form (noch legal):

Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance. Aber nur, wenn die wirtschaftliche Basis auch in den digitalen Vertriebskanälen gesichert bleibt. Das ist derzeit nicht der Fall.

Die wirtschaftliche Basis in den digitalen Vertriebskanälen sind schon immer die Werbeanzeigen und Werbe-Popups gewesen. Mit einem (wie auch immer) gestaltetem Urheberrecht hat das rein garnichts zu tun. Aber hier soll in meinungs-terroristischer Absicht Angst verbreitet werden. Angst davor, die Medien könnten Pleite gehen und damit die „Demokratie“ in diesem Land gefährden. Natürlich sagen sie nicht, das eine solche Pleite geradezu ein Befreiungsschlag für die Demokratie wäre.

Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen. Das bedroht auf die Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigem Journalismus.

Hier wird nicht nur die „Bedrohung“ wiederholt, sondern auch noch auf frei definierbare „Anbieter“ verwiesen. Wer könnte damit wohl gemeint sein? Andere Medien sind es nicht, sonst hätte man „Mitbewerber“ o.ä. als Ausdruck benutzt.

Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenlosen Zugang. Wir widersprechen all jenen, die behaupten, dass Informationsfreiheit erst hergestellt sei, wenn alles kostenlos zu haben ist.

Die Lüge ist die Ware, welche großzügig von den „Werbekunden“ bezahlt wird, um kostenlos verbreitet werden zu können. Die Wahrheit muss man sich offensichtlich erstmal leisten können. Wenn sie überhaupt im Angebot ist…

Der freie Zugang zu unseren Angeboten soll erhalten bleiben, zum Verschenken unseres Eigentums ohne vorherige Zustimmung möchten wir jedoch nicht gezwungen werden.

Man möchte also das gesetzliche Recht, für jeden kopierten Satz eine beliebig hohe Rechnung ausstellen zu dürfen.

Dabei sind diese Medienkonzerne selbst Weltmeister darin, unerlaubt fremde Quellen „anzuzapfen“, um an Bilder und Informationen zu Tätern und Opfern von Verbrechen, Unfällen u.ä. bluttriefende Vorfälle zu kommen. Natürlich ohne (gebührenpflichtige) Quellenangabe, wie Springers BILD täglich beweist.

Wir begrüßen deshalb die wachsende Entschlossenheit von Bundesregierung, Landesregierungen und den im Bundestag vertretenen Parteien, die Rechte von Urhebern und Werkmittlern weiter an die Bedingungen des Internets anzupassen.

Von einer „wachsenden Entschlossenheit“ kann in der Realität nicht viel vorhanden sein, wenn selbige so verbal betont werden muss.Vielmehr wird hier die Kritik daran ausgedrückt, das es immer noch kein Gesetz mit dem Titel „Die BILD hat immer Recht“ gibt.

Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. (…) Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben.

Ahja…“muss verboten bleiben„. Wozu die Aufregung, wenn es doch schon ein Verbot gibt? Wozu der ganze Hokuspokus?

Gaaaaanz einfach:

Es ist nach den Gesetzen des „gesetzlosen Internets“ wie auch im Patentrecht, Markenrecht usw. schon immer verboten gewesen, mit fremden Inhalten (also unerlaubt kopiert) Geld zu verdienen. Also fremdes „geistiges“ Eigentum gewerblich zu nutzen.

Dummerweise sind Blogger keine Gewerbetreibenden, sondern begreifen ihre Tätigkeit als die Erfüllung eines Bedürfnisses. Meist ist es das Bedürfniss, einfach nur ruhig schlafen zu können, wenn die Wut über das Kapitalistenpack nicht mehr mit einer Familienpackung Valium zu dämpfen ist.

Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus. Kein Wissen entsteht ohne faire Beteiligung an seinem wirtschaftlichen Ertrag.

Womit diese Propagandahetzer auf ihre eigenen Lügen hereingefallen wären. Es kann keinen unabhängigen Journalismus geben in einem System, in welchem das Prinzip „Privateigentum am Kapital“ auch für das Kapital „Zeitung“, „Zeitschrift“ und „TV-Sender“ gilt.

Womit Springer & Ganoven denn auch gleich die die Existenz der Diktatur des Kapitals mit den Worten Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus bestätigt haben. 😉

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4 Kommentare - “Ware Lüge”


  1. […] “Ware Lüge / Preis variabel” heute berichtet, versuchen folgende Lügenkonzerne die Gleichschaltung der Medien mithilfe der Beauftragung […]


  2. […] “Ware Lüge / Preis variabel” heute berichtet, versuchen folgende Lügenkonzerne die Gleichschaltung der Medien mithilfe der Beauftragung […]

  3. ludo Says:

    Seemannsgarn

    Gestatten mein Name ist Schick,
    ich finanziere jedermanns Glück
    ich kaufe und verkaufe Mäuse und Kröten
    und leite die Geschäfte der Autoritäten
    ich kaufe Zeitungen, wie Jedermann dieser Tage
    Informationen, Berichte ja ganze Verlage
    Meinungen gibt´s auf dem Meinungsmarkt jederzeit
    wie der morgendliche Blick in den Spiegel zeigt

    Ich diktiere, sie parieren auf Papieren und auf Servern
    Die Matrosen, gehorsam bei Fuß bei meinen Manövern
    Auf hoher See zählt nur der Überlebensinstinkt
    Wer nicht mitsingt, wem´s stinkt, ja, der sinkt
    Die Regeln sind einfach und leicht zu verstehn
    man muss nur sehn, wo die Winde wehn
    Ich zitiere Euch das Ende der Krise herbei
    Zufriedene Kunden bleiben gern treu

  4. HCL Says:

    pff….. der Artikel ist verdammt ausführlich


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