Brot aus Sägemehl

Minderwertiges Futter für minderwertige Menschen

Vor einiger Zeit erschütterte ein „Gammelfleisch-Skandal“ das Land. Medien und Politik heuchelten in gewohnter Manier ihre Empörung und umgaben sich mit heißer Luft, welche sie als „Verbraucherschutzgesetz“ bezeichneten. Dem dummen Pöbel wurde erzählt, dieses Gesetz würde ihn schützen, was natürlich nicht der Fall war. Auf Betreiben der Besitzer der Lebensmittelindustrie fügte man den Passus des Informationsfreiheitsgesetzes ein, nach dem Produkte und Namen der Hersteller als „Geschäftsgeheimnisse“ der Öffentlichkeit verschwiegen werden konnten.

Das funktionierte reibungslos. Erst entdeckte man den Betrug, man informierte den Schuldigen über die Entdeckung und selbiger musste bloß per Fax den Sachverhalt zum Geschäftsgeheimnis erklären. Ende gut, alles gut.

Nach dem Gammelfleisch kam die ESL-Milch, die Käse-Imitation und der künstliche Schinken. Die Schokolade ohne Schokolade, die Garnelen aus Fischabfall, die Putenbrust aus gepressten Resten von ausgekochten Suppenhühnern, Olivenöl aus Sonnenblumen und Raps sowie Vollkornbrot ohne Vollkorn. Vom „Erdbeerjoghurt“ und „Vanilleeis“ ganz zu schweigen….

Wieso Weshalb Warum?

Der Markt bestimmt den Preis. Eine alte Legende des Kapitalismus.

In den letzten 10 Jahren hat das Kapitalistenpack kein Verbrechen ausgelassen, um die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen. Wer nicht von Kapitalbesitz und Kapitaleinkommen leben konnte, wurde gnadenlos ins Elend verfrachtet. Dazu bediente man sich bekanntlich zahlreicher „moderner“ Reformen zur Absenkung der Einkünfte der Bevölkerung. Peter Hartz schuf die ersten 4 Armutsgesetze, Trulla Schmidt diverse „Gesundheitsreformen“, die Versicherungsbetrüger Riester und Rürup die „Rentenreformen“ und die Finanzgenies Eichel und Steinbrück schafften die Vermögenssteuer ab, um dann die Mehrwertsteuern u.ä. Verbraucherbelastungen zu erhöhen.

Nun steht man als Hersteller von Lebensmitteln natürlich vor einem unlösbaren Problem: Lebensmittel sind keine Exportgüter. Sie werden zum Leben gebraucht und damit auf dem Binnenmarkt, welcher schrittweise wegreformiert wurde.

Was tut man also, um noch „marktfähig“ zu sein? Man passt sich der Kaufkraft der Bevölkerung an! Was sonst?

Nun liegt es dummerweise in der Natur der Sache, dass die Bevölkerung in Deutschland offensichtlich soweit verarmt ist, das normale Lebensmittel nicht mehr gekauft werden können. Auch die Herstellung solcher Lebensmittel zu marktfähigen Preisen ist nicht mehr drin. Erst recht nicht, wenn man als Eigentümer von Lebensmittelunternehmen und Handelskonzernen Leute wie die Multimilliardäre Milch-Müller und Aldi-Albrecht zum Vorbild hat. Irgendwo muss der Profit ja herkommen, gelle?

Damit hat das Kapital genau das getan, was es immer schon tat: sich selbst den Ast abgesägt, auf dem es sitzt.

Jahrelang hetzte man gegen Geringverdiener und Arbeitslose. Mit Begriffen wie „Parasiten“ und „Sozialschmarotzer“ legitimierte man jedes weitere Verarmungsprogramm für den minderwertigen Pöbel. Die „Leistungsträger und Eliten“ hingegen machten ihren „Leistungswillen“ von immer höheren Steigerungsraten ihrer Einkommen abhängig. Ihre Marionetten als Volkszertreter der „Volksparteien der Mitte“ leisteten bedingungslosen Gehorsam gegenüber den Inhabern von Kapital und Macht.

Sie „reformierten“ Deutschland so lange, bis nur noch ein faschistisches Arbeitslager mit der neumodischen Bezeichnung „Standort Deutschland“ übrig blieb.

Sogar die selbsternannten „Sozialen Demokraten“ waren felsenfest davon überzeugt, das es nur auf die „Leistungsträger und Eliten“ ankäme und niemand zu essen haben solle, welcher nicht wirtschaftlich verwertbar war.

Bei den Vorbildern dieser Politik tat man von 1933 bis 1945 das Gleiche, was man heute wieder tut: Minderwertiges Essen für minderwertige Menschen. Damals wie heute mit dem selben Ziel: Steigerung der Profite des Kapitals.

In der ersten Version des Faschismus streckte man Milchpulver mit Gips und das Brot mit Sägemehl und Rübenschnitzeln. Wer das überlebte, wurde 1945 von den Allierten aus den „Arbeit macht frei!“-Lagern zurück in menschliche Obhut gebracht. Viele waren es nicht, wie man weiß…

Heute geht man da subtiler und technologisch anspruchsvoller ans Werk. Statt „Reichsarbeitsdienst“ spricht man heute von „1-Euro-Jobs“ und statt „Zwangsarbeit“ von „Arbeitsgelegenheit“. Um die Kosten für die Lagerhaltung wirtschaftlich Unnützer zu sparen, schrieb man Residenz- und Meldepflichten ins „Sozialgesetzbuch“, legte einen umfangreichen Katalog für Strafen & Sanktionen fest und ersetzte die Lagerwachen durch sog. Sozialfahnder.

Alles diente (damals wie heute) einem guten Zweck: Dem Schutz der Reichen vor den Armen.

man ist, was man isst

Die Hamburger Verbraucherzentrale hat sich (im Unterschied zu den Gerichten und dem Senat dieser Millionärsmetropole) schon in der Vergangenheit große Verdienste erworben. Sie deckte erst den Betrug mit den angeblich rentablen Riester-Renten auf und nun in Kooperation mit Foodwatch die Tatsache, das neofaschistische „Ernährungsprodukte“ als Ersatz für richtige Nahrung auf dem Tisch der Bürger landen.

Wohlwollend nennt man diese Ersatz-Lebensmittel daher „Lebensmittel-Imitate“. Die Verbraucherschutzzentrale Hamburg hat eine kleine Liste mit Beispielen hergestellt, welche allerdings keineswegs vollständig ist. Ich habe mir die Frechheit erlaubt, diese Liste hier auf den Server hochzuladen und zum Download freizugeben:

Plagiat-Lebensmittelliste (pdf, 2,0MB)

Noch(!) erscheinen diese „Lebensmittel“ ungefährlich. aber wenn man sich vor Augen führt, mit welchen Geldsummen Konzernlobbyisten in Brüssel und Berlin um sich werfen, um Politiker und „passende“ Grenzwerte zu kaufen, ist auch da erheblicher Zweifel angebracht.

Nicht vergessen: Auch Grundnahrungsmittel wie Mais, Soja und Kartoffeln werden via Gentechnik „billiger“ gemacht. Rein zufälliger Nebeneffekt: Jede einzelne Pflanze, jedes einzelne Saatkorn (ganz gleich in welcher Generation) wird immer durch die unveränderliche Existenz von patentierten Genen Eigentum des Gentechnik-Konzerns sein und bleiben.

Wer die Nahrung besitzt, besitzt die Menschheit.

Was kann man tun?

Heute? Gar nichts!

Auf den Packungen der Tiefkühlpizza wird die künstliche Käse-Imitation sowie der künstliche Belag als „Zubereitung aus Käse“ oder „Zubereitung aus Schinken in veränderlichen Anteilen“ bezeichnet.

Preisfrage: Ist mit „Zubereitung“ nun die ganze Pizza oder nur der Belag gemeint? 😉

Kann man wirklich nichts tun?

Doch…aber heute noch nicht. Um uns und den Rest der Bevölkerung vor der entgültigen Versklavung zu bewahren, müssen wir (leider) bis zum 27. September warten.

An diesem Tag gibt es die Möglichkeit, eine Partei bestehend aus „Wegläufern“, Demagogen, Polemikern, Gleichmachern, Stalinisten, Stasispionen und DDR-Wiederhabenwollern zu wählen. Gewaltlos und demokratisch.

Merkels CDU bekam im Jahr 2008 vom Kapitlistenpack mehr als 1.896.966€ (nur Summen über 50.000 Euro erfasst).

Westerwelles FDP bekam im Jahr 2008 vom Kapitalistenpack mehr als 1,2 Mio €.

Münteferings „SPD“ bekam im Jahr 2008 vom Kapitalistenpack mehr als 750.000€.

Die Grünen bekamen für ihre Verdienste bei ihrer Mithilfe zur Privatisierung der Renten vom Allianz-Konzern 60.000 € „Dankeschön“.

Nur eine Bundestagspartei vertrat die Interessen der Bevölkerung und ging daher leer aus.

Die Höhe der „Parteispenden“ von Konzernen und einzelnen Mulitmilliardären wie Quandt und Klatten wird sich im Wahljahr 2009 locker verdoppeln. Schließlich legt man es darauf an, zur radikalen „Krisenbewältigung“ eine schwarz-gelbe Koalition an die Macht zu putschen pushen.

Dann werden sich noch viel mehr Menschen aus den Mülltonnen des Bürgertums bei den „Tafeln“ der McKinsey Company ihre Lebensmittel-Imitate abholen, während die Götter in ihren Palästen Champagner aus güldenen Bechern saufen und sich von Merkel und Westerwelle die Stiefel lecken lassen.

armut500

Im nächsten Jahr kann er seine Kinder und Enkel mitbringen. Dank der modernen und nachhaltigen Familien- und Sozialpolitik von INSM und Bertelsmann-Stiftung.

Was in der Suppe drin ist, will dann keiner mehr wissen.

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3 Kommentare - “Brot aus Sägemehl”

  1. Morla Says:

    Ich finde die Wahlempfehlung, die Egon W. Kreutzer gestern in seinem „Paukenschlag“ gegeben hat, recht pragmatisch. Sie sollte man eigentlich bis zum 27. 9., 8 Uhr, den lieben MitbürgerInnen immer und immer wieder vor die Nasen halten:

    Wer die bisherige Politik beibehalten und ggfs. noch schärfer und konsequenter erleben möchte, der mag getrost CDU, CSU, SPD, FDP oder Grüne wählen. Jede Stimme für eine dieser Parteien macht die Chance einer neuen, CDU-geführten Koalition wahrscheinlicher.

    Wer eine Änderung der bisherigen Politik, hin zu mehr Sozialstaat und mehr Ökologie, zu weniger Kriegseinsatz und weniger EU-Dominanz wünscht, der kann eigentlich nur die Linke wählen.

    Denn die SPD wird bei dieser Wahl eher unter als über der
    30%-Marke landen; die Grünen werden ein durchschnittliches
    Grünen-Ergebnis, rund um die 10%-Marke einfahren, was heißt,
    dass die Linke bundesweit auf deutlich mehr als 10% kommen muss, wenn die Konstellation rot-rot-grün eine bessere Chance
    haben soll als die Konstellation schwarz-gelb-grün.

    Nur zur Erinnerung:

    Ausschlaggebend für die Zusammensetzung des Bundestages

    ist die Zweitstimme.

    Mit der Erststimme kann im Grunde jeder wählen, wen er will.

    An den Machtverhältnissen im Bundestag ändert das normalerweise
    nichts.

    Weil jedoch unter glücklichen Umständen auch ein Überhangmandat
    für die SPD dabei herauskommen könnte, passt die Erststimme
    für den SPD-Kandidaten in jedem Wahlkreis sehr gut zur Zweitstimme für die Linke.

    Mal abgesehen von jenen Wahlkreisen in den neuen Bundesländern
    (einschl. Saarland), in denen der Wahlkreiskandidat der Linken
    eine reelle Chance hat, das Direktmandat zu gewinnen.

    Tschuldigung, das mit dem ordentlich formatieren, klappt nicht so recht. Ich habe das „Teil“ auch auf die Schnelle bei ihm „geklaut“. Aber, ich denke, er wird mir verzeihen.

  2. wareluege Says:

    Ich bin nicht so sehr davon überzeugt, das eine rot-rot-grüne Koalition wirklich sinnvoll ist.
    Bei „SPD“ und Grünen sitzt immer noch das gleiche Personal mit der gleichen Ideologie wie vor 10 Jahren.
    Uns bleibt nur zu hoffen, das die Verluste für „SPD“ und Grüne derart drastisch ausfallen, das es dort zu einem Generations- und Politikwechsel kommt. Erst dann werden diese beiden „Volksparteien“ koaltitions- und regierungsfähig.
    Für 2009 – 2013 ist der Zug abgefahren.
    Vielleicht hört das Volk die Signale, wenn CDU und FDP ungeniert „loslegen“.

  3. Morla Says:

    Sicher, allerdings ist in allen Parteien nicht alles perfekt. Wenn ich mir hier in unserem Lande die LINKE anschaue, dann ist das auch nicht das Gelbe vom Ei – jede Menge „Altkader“.

    Aber – gesetzt den Fall, die „drei“ könnten eine Koalition bilden, dann müssten sie sich gegenseitig übertrumpfen – schon um nicht unglaubwürdig zu werden. Der Druck wäre schon recht förderlich.

    Und warum so destruktiv? Wie sagt Volker Pispers: Stellt euch mal vor, dann müssten die sogar so handeln wie sie sonst immer reden.

    Also, ich finde den Gedanken gar nicht so schlecht. Ich möchte halt ab dem 28. September nur noch sehr wenig „Schwarze und Gelbe“ sehen.

    Das muss man einfach forcieren – die Typen sind nicht mehr länger zu ertragen.


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