Leb wohl, Hoffnung!

Ein paar Wochen lang trugen wir die Hoffnung in uns, Neoliberalismus wie Kapitalismus würden in einer so tiefen Krise stecken…das es zu einem Umdenken kommen könnte.

Aus die Maus…

Anstatt vor der selbstgeschaffenen Realität zu kapitulieren und sich in eine stille Ecke zu verkriechen, holt das neoliberale Fascho-Pack nun erst Recht zum Gegenschlag aus. Den eigenen Untergang vor Augen, schlägt man wild um sich um zu retten, was nicht gerettet werden sollte.

Während der verschiedenen Höhepunkte der Krise waren sie still und trauten sich nicht aus ihren Löchern, die Heilsprediger des Neoliberalismus, die Arbeitgeber-Lobbyisten, ihre „Wissenschaftler“ und „Experten“.

Nun sieht es so aus, als sei die größte Krise überwunden. Während Finanzwesen und produzierende Wirtschaft nach dem Domino-Prinzip zusammenbrechen, konnte der schlimmste Super-Gau abgewendet werden: die Systemkrise.

Wochenlang haben sich die Medien die größte Mühe gegeben, den Glauben an die Irrlehren des Neoliberalismus und des Kapitalismus aufrecht zu erhalten. Man hat ein klein wenig zur Belustigung des Pöbels auf den Bank-Managern herumgehackt und hinter den Kulissen kräftig aufgerüstet.

Viele Menschen waren erstaunt, als in der Bundesregierung plötzlich der geringqualifizierte (aber trotzdem gutbezahlte) Guttenberg-Schnösel auftauchte. Tagelang wurden Diskussionen darüber geführt, was dieser blaublütige Gutsherr wohl zu bieten hätte. Er hielt ein paar wohlfeile Reden, ohne dabei ein Wort zu sagen. Ein bekanntes Phänomen der Merkel-Regierung. Guttenberg lieferte eine willkürliche Ansammlung hohler Floskeln und Phrasen ab, hinter denen er sich fortan versteckte. Dabei wirkt er auf die Zuhörer genauso einschläfernd wie sein Vorgänger Glos.

Viele hielten Guttenberg für eine Fehlbesetzung. Aber das war ein Irrtum!

Seit Montag nun lichtet sich der Nebel etwas.

Als der Februar seine letzten Kalenderblätter verlor, verabschiedete sich der Finanzmarktlobbyist Chef der „Wirtschaftsweisen“ Bert Rürup aus dem „unabhängigen“ öffentlichen Dienst des Sachverständigenrates, um zukünftig offiziell Propaganda für den „Finanzoptimierer“ und Rüruprentenvermittler AWD zu machen.

Zu wenig wurde seine Rolle als neoliberales Arschloch im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung diskutiert. Seine Vorschläge und Forderungen lösten ausserhalb neoliberaler und wirtschaftsfaschistischer Netzwerke und Medien blankes Entsetzen aus.

Dieser „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ (kurz „Wirtschaftsweise„) geriet während der Krise aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Man starrte wie hypnotisiert auf Börsenberichte und Bundesregierung ohne nach dem Rat der „Weisen“ zu fragen.

Aber das wird sich nun ändern! Als Nachfolger von Rürup als Oberweiser wurde Wolfgang Franz gewählt. Diese doch eigentlich wichtige Nachricht tauchte in den Medien (wenn überhaupt) nur in einigen Nebensätzen auf.

Wer ist dieser neue Oberregierungsberater?

Wolfgang Franz ist der Direktor des berüchtigten ZEW (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung). Dieses ZEW wurde in der Vergangenheit immer wieder dadurch auffällig, das es sehr merkwürdige Prognosen zur konjunkturellen Entwicklung ablieferte.

Dieses ZEW mit Wolfgang Franz an der Spitze geht bereits seit Oktober 2008 von einem Konjunkturaufschwung aus. An diesem Wahn hielt man auch in den folgenden Monaten fest, obwohl die deutsche Wirtschaft inzwischen in den freien Fall übergegangen war. Erst heute wurde bekannt, dass die Industrieaufträge um fast die Hälfte (zum Frühjahr 2008) zurückgegangen sind. Ein sicheres Anzeichen für bevorstehende hunderttausendfache Entlassungen und tausende Firmenpleiten. Aber was sagt das ZEW?  „Es geht aufwärts!„.

Sind die denn völlig durchgeknallt? Haben die nicht mehr alle Latten am Zaun, diese ZEW-Vollpfosten?

Mitnichten! Die wissen genau, was sie tun (sollen)!

Das ZEW ist ein Ebenbild des Ifo-Institutes des Professor UnSinn. Im Unterschied zum Münchner Deppen befragt das ZEW für seine „Prognosen“ aber keine Unternehmen, sondern „Finanzexperten“. Also jene kriminelle Spezies, welche den gesamten Planeten ins Unglück gestürzt hat. Der ZEW-Index gilt als richtungweisend für den prominenteren ifo-Geschäftsklimaindex.

Nun ist dieser Wolfgang Franz also „unser“ neuer Ober-Wirtschaftsweiser. Bekommen hat er diesen Job auf Anweisung eines gewissen Dieter Hundt, auch als „Chef der Arbeitgeberverbände“ bekannt. Nachfolger von Franz im Gremium der Wirtschaftsweisen ist Christoph Schmidt, der Chef des Essener Forschungsinstitutes RWI. Auch das RWI gehört zu den „wirtschaftswissenschaftlichen“ Instituten, welche im Auftrag des Kapitalisten-Packs die pseudowissenschaftlichen Argumentationen für neoliberale Reformen der Agenda2010-Regierungen liefern.

Mit dieser radikal-faschistoiden Zusammensetzung der „Wirtschaftsweisen“ können wir dann auch noch den letzten Funken Hoffnung auf Besserung zu Grabe tragen. Ich persönlich hatte gehofft, man würde Peter Bofinger zum Chef ernennen. Schließlich war er bis heute der Einzige, dessen Prognosen auch tatsächlich wahr geworden sind.

Es hat nicht sollen sein…

Was wird geschehen?

Die Merkel-Regierung sowie ihre medialen Handlanger glänzen vor allem durch Inkompetenz und absolute Ratlosigkeit. Das ist natürlich in einem Wahljahr für die Kapitalisten und ihre 4 „bürgerlichen“ Parteien kein gutes Omen.

Was macht man also in so einer misslichen Lage? Man fragt um Rat. Bei Leuten, welche zu 99% ebenso inkompetent sind, aber in der Öffentlichkeit als „Wirtschaftsweise“ gelten. Selbstverständlich wird man auf dieses neoliberale Gesocks hören. Man wird wieder den Sozialstaat zur Wurzel allen Übels erklären und „dem Rat“ folgen bei den Vorschlägen zum weiteren Sozialabbau. Und wenn dann der Wirtschaftsfaschismus zu richtig aufblüht, wird man mit dem Finger auf die „Experten“ zeigen und sagen: „Wir haben doch nur auf den Rat der Weisen gehört!

Wie dieser Rat aussieht, konnte man beim ZEW und besonders bei Wolfgang Franz bereits ausgiebig sehen: Angefangen von der „wissenschaftlichen“ Erkenntnis, das Stundenlöhne von 3 Euro „völlig ausreichend“ seien bis hin zu diversen Forderungen nach „Investitionsförderungen“ durch Steuerabschaffungen für Reiche und Konzerne, Nachrangigkeit des Umweltschutzes bei Industrieprojekten, Abschaffung des Kündigungsschutzes, Ablehnung des Mindestlohnes und vieler weiteren Forderungen aus den Wichsvorlagen der Wirtschaftsbosse.

Man kann also mit gutem Recht davon ausgehen, dass das Gesülze der Merkel-Regierung zu Regulierungen der Finanzmärkte u.ä. nur heiße Luft ist. Die Arbeitgeberverbände regieren dieses Land zukünftig nicht mehr nur als herrschende Lobbyisten, sondern ab sofort auch ganz „wissenschaftlich“. Und welche Bundesregierung aus dem „bürgerlichen Lager“ würde es wagen, eine den „Wirtschaftswissenschaften“ widersprechende Politik zu machen?

Gute Nacht, Deutschland!

rip

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2 Kommentare - “Leb wohl, Hoffnung!”

  1. Schomi Says:

    Ganz toller Artikel!!! Ich möchte mich auch für alle vorherigen bedanken, und vor allem auch für den Schreibstil. der es auch Normalbürgern ermöglicht, die Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen.

  2. Silberling Says:

    NICHT VERGESSEN! Ab 300% Profit geht der Kapitalist über Leichen! Was hast du denn erwartet, das diese Pleitegeier friedlich bei Seite treten und ein freiwilliges Umdenken zu lassen. Über die ehemaligen Betonköpfe der DDR kann man denken was man will, aber sie sind lieber in einer friedlichen Revolution untergegangen, als das sie auf das Volk das Feuer eröffnet hätten. Obwohl es solche Überlegungen gegeben hat, zum Glück haben die klugen Köpfe überwiegt!

    Warum wohl, möchte Herr Schäuble, die Armee auch im Innern einsetzen dürfen? Zum Verkehr regeln wohl kaum! Dieses neoliberale Fascho-Pack wird NIEMALS freiwillig zurücktreten und sollte das Volk auf die Idee kommen, das zu verlangen, wird in Deutschland wieder auf das eigene Volk geschossen werden!


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