Rürup-Anbetung in faz

Die Roland-Koch-Postille Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) liefert heute ein klassisches Beispiel neoliberaler Heldenverehrung. Man begibt sich in die geistige Untiefe des Lobbyisten Bert Rürup.

Rürup wurde bekannt als „Wirtschaftsweiser“ der Agenda2010-Ära sowie als Privatisierungslobbyist der privaten Rentenversicherer und diverser „Finanzberater“. Nachdem offensichtlich wurde, das seine Vorhersagen (Sachverständigenrat) und Reformen (Rentenreform, Hartz-Reformen) Deutschland in die tiefste Krise seit Napoleons Waterloo gebracht haben, zieht sich der „Rentenexperte“ Rürup nun aus der offiziellen Beraterrepublik zurück und arbeitet direkt bei jenem Unternehmen, welches ihn schon zu Zeiten als Regierungsberater bezahlt hat: AWD.

riester_ruerup_maschmeyer

Nachdem Rürup bei seinem Geldgeber AWD über viele Jahre hinweg als „Rentensachverständiger“ in öffentlichen Diensten stand und Millionen neuer Kunden zum Abzocken verschaffte, wird er nun auch offiziell „Chefökonom“ dieses „Finanzdienstleisters“.

Nun widmet sich die faz diesem korrupten Herrn Rürup in einer umwerfenden Heldenverehrung. Offensichtlich hatte faz-Herausgeber Schirrmacher seine dreckigen Finger im Spiel. Schirrmacher wurde berüchtigt als Autor des Buches „Das Methusalem-Komplott“, in welchem er mit vielen (nachgewiesen gefälschten) Statistiken versucht, eine Überalterung der Gesellschaft herbeizureden und heftig Werbung für die „private Altersvorsorge“ macht. Mittendrin und stets dabei: AWD (klar…wer sonst?)

Das Rürup-„Portrait“ der faz beginnt mit

Bert Rürup

Der Leistungssportler in der Politikberatung

Wohl wahr! Rürup hat tatsächlich neoliberale Privatisierungs- und Sozialabbau- Propaganda zum Leistungssport gemacht. Er missbrauchte dazu nicht nur seinen Job als „Wirtschaftsweiser“, sondern war auch gern gesehener Gast bei Christiansen, Will und anderen Laberköppen.

„obersten Wirtschaftsweisen, dem routiniertesten Politikberater, dem Rentenexperten par excellence, dem Forscher und Lehrer aus tiefster Überzeugung“

So klingt es, wenn ein Lobbyist mediale Lorbeeren bekommt. Einfach nur widerlich wenn man sich daran erinnert, das Rürup „die großzügigen HartzIV-Leistungen“ zur Ursache der Arbeitslosigkeit erklärt hat. Als Chef-Wirtschaftsweiser!!

Im April beginnt dann sein nächster Lebensabschnitt – nicht als Rentner, sondern als Chefökonom und Sonderberater des deutschen Finanzdienstleisters AWD, der Chancen und Risiken der gesetzlichen und privaten Altersvorsorge in Russland und China ausloten wird.

War ja klar! Nachdem er den Versicherungskonzernen und „Finanzdienstleistern“ Millionen neuer Geldquellen in Form der „Renten-Sparer“ erschlossen hat, sollen nun Russland und China am deutschen Wesen genesen.

Hoffentlich sind die Russen und Chinesen nicht so dumm wie die Schröder- und Merkel-Regierungen. Warum ausgerechnet jetzt? Eine der ersten Maßnahmen Putins beim Amtsantritt im Jahr 2000 als russischer Präsident war eine Erhöhung der staatlichen Renten. Deutsche Versicherungskonzerne waren darüber empört, ging ihnen dadurch doch der angestrebte Milliarden-Markt „Russland“ prompt verloren. Natürlich sprach auch Rürup damals von einem „falschen Signal“. Wen wunderts?

Heute befindet sich Russland ebenso in der Krise wie alle anderen Staaten auch. Durch den Verfall der Ölpreise sowie der Weltmärkte könnte(!) Russland zu einer Kürzung von Sozialleistungen durch Weltbank und IWF gezwungen werden. Wenn es soweit ist, will AWD mit Rürup natürlich in den Startlöchern stehen.

In all den Expertenkreisen, Rentenkommissionen und Sachverständigenbeiräten hat den Wirtschaftswissenschaftler Rürup immer wieder fasziniert, wie schnell Politik „mit den Konsequenzen des eigenen Handeln konfrontiert wird“.

Hä? Wie bitte? Noch nie hat Politik Konsequenzen aus dem eigenen Handeln gezogen. Stets war man damit beschäftigt, positive Entwicklungen dem eigenen Handeln zuzurechnen und negative Entwicklungen auf die Opfer abzuwälzen. Ist aber schon irgendwie interessant, dass Rürup von etwas fasziniert ist, das es nicht gibt. Oder plant man Konsequenzen aus dem Zusammenbruch der Finanzmärkte für die Riester-Rente zu ziehen? Nein! Die Opfer dieser Rürup-und Riester-Politik überlässt man ihrem Schicksal.

„In einer Demokratie geht jedem gestaltenden Schritt ein mehrheitsbeschaffender Schritt voraus.“ Kurz:  Wer das weiß, sagt Rürup, kann „relativ gut Gutachten schreiben, weil er weiß, dass er die Umsetzung immer mit bedenken muss“.

Rürup kennt sich aus: Als beispiellos korrupter „Experte“ liefert er jahrelang „Gutachten“ auf Bestellung. Für die Versicherungskonzerne „Gutachten“ zur Altersarmut und für die Wirtschaftsverbände „Gutachten“ zur „positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes durch Sozialkürzungen“. Unter „mehrheitsbeschaffender Schritt“ ist nichts anderes zu verstehen als massive Medien-Propaganda. Wieso? Weshalb? Warum? (!! Schleichwerbung !!)

Möglicherweise wird Rürup nach seiner Emeritierung außer Gutachten über die Rentenlage in China und Russland auch ein Werk über seine Erfahrungen als Politikberater verfassen.

Oh Gott! Jetzt will der Kerl auch noch ein „Handbuch für Lobbyisten“ schreiben! Bleibt der Welt denn gar kein Unheil erspart?

Auch das aktuelle Krisenmanagement findet sein Lob. „Zur Bewältigung der Wirtschaftskrise gibt es kein Textbuch, weil sie einmaliger Natur ist.

Darin wird mal wieder deutlich, wie unqualifiziert Lobbyisten doch sind. Seit seiner Erfindung wird der Kapitalismus regelmäßig (und gesetzmäßig) von Krisen globalen Ausmaßes heimgesucht. Ein Grund für diese Regelmäßigkeit und die steigenden negativen Folgen war die Tatsache, das man nie das System „Kapitalismus“ verantwortlich gemacht hat, sondern immer andere Gründe erfand. Und eine Finanzmarktkrise ist keineswegs „einmaliger Natur“, wie dieser „Wirtschaftsweise“ hier erklärt.

Deshalb ist es eigentlich überraschend, wie instinktiv richtig die Regierungen gehandelt haben. Sie haben gezeigt, dass sie entscheidungsfähig sind.“

Und morgen lesen Sie in FAZ: „Galileo hat widerrufen! Die Erde ist doch eine Scheibe!“ 😀

Von welcher „Entscheidungsfähigkeit“ halluziniert Rürup da? Wochenlang haben Merkel und Steinbrück erklärt, es gäbe keine Krise und dann haben sie völlig ratlos Handlungsunfähigkeit bewiesen. Steinbrück hat monatelang erklärt, der Staat hätte keine 2,5 Mrd Euro für die Pendlerpauschale und anschließend verteilt er hunderte Milliarden an „notleidende“ Spekulanten und Kapitalbesitzer, damit sie Spekulanten und Kapitalbesitzer bleiben können.

Dazu schreckte er nicht davor zurück, im „Rettungsschirm“ das Beteiligungsgesetz ausser Kraft zusetzen.

Nicht die Bundesregierung hat über Maßnahmen entschieden, sondern die Banken höchstselbst, als sie „ihre“ Rettungs-Gesetze geschrieben haben. Aber vielleicht hat Rürup ja auch erkannt, wer die wahre Regierung in diesem Land ist…? 😉

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