Straubhaars Märchenstunde

Thomas Straubhaar ist Professor für Volkswirtschaft an der Universität Hamburg und Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Seit dem Amtsantritt Gerhard Schröders gehört Straubhaar zu den radikalsten „Experten“ des Neoliberalismus.

Zusammen mit sog. „Wirtschaftsexperten“ wie Sinn, Henkel u.a. war Straubhaar allgegenwärtig in den Medien vertreten, um den Menschen die neoliberalen Wahnvorstellungen als einzig geltende „wissenschaftliche“ Wahrheit zu verkünden.

So wurde er unter anderem mit der „Erkenntnis“ bekannt, das man nur das Alg2 weiter kürzen müsse, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Was natürlich hochgradig wissenschaftlich begründet ist: Würde man das Alg2 ganz abschaffen, verschwände auch die Arbeitslosigkeit. Ist doch logisch, oder? Natürlich äußerte sich der Herr „Wissenschaftler“ nie dazu, von was die dabei entstehenden 5-6 Mio Vollzeit-Garnichtsverdiener leben sollten. Von seinem 600-Euro-Brutto-Bürgergeld (inkl. Mieten usw) etwa? Von der Frage nach der Existenz von 5-6 Mio zusätzlichen „Arbeitsplätzen“ ganz zu schweigen. So isser halt, der Professor Dummschwätzer aus der Schweiz Hamburg.

Straubhaar ist Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Wie könnte es auch anders sein?

Beim Spiegel erklärt „Experte“ Straubhaar unter der Überschrift „Wer sich abschottet, schadet Europa“ dass der in Deutschland, Frankreich und England aufkeimende Protektionismus zum Zusammenbruch der EU führen könnte.

Selbstverständlich kann er keinerlei „wissenschaftliche“ Erkenntnisse für seine Theorie vorweisen, weshalb er auch die alte Propaganda des Neoliberalismus von „Freie Märkte = Wohlstand für alle“ wiederholt.

Nichts Neues also im Hirn des Pseudowissenschaftlers Straubhaar.

Sarkozy stützt Renault und Peugeot mit Milliarden, Berlin hilft der Commerzbank – in der Finanzkrise ist sich jedes Land selbst das nächste, EU-Vorgaben werden dreist ignoriert. Thomas Straubhaar warnt: Dieser protektionistische Kurs bedroht den Wohlstand Europas.

Ahja…den „Wohlstand Europas“ also. Das Otto Normalbürger in der europäischen Industrienation „Deutschland“ durch fehlenden Protektionismus in Wohlstand und Einkommen inzwischen um 15 Jahre zurückgeworfen wurde, scheint Straubhaar nicht zu wissen oder er ignoriert es einfach. Kein Wunder, ist er doch auch heute noch davon überzeugt, das der unverschämte Reichtum der Wirtschaftsbosse gleichbedeutend sei mit gesellschaftlichem Reichtum. Was für ein armseliger Depp…

Deutschen Kommunen ist wieder erlaubt, im Baubereich Aufträge unter einer Million Euro freihändig zu vergeben. Das zeigt exemplarisch, wie sehr die europäische Idee in den Hintergrund gedrängt wird und wie sehr nationale Interessen die politische Diskussion dominieren.

Straubhaar setzte sich schon immer vehement dafür ein, öffentliche Aufträge „im Geiste der europäischen Integration“ zum Zwecke des allgemeinen Lohndumpings auch an Firmen aus Hungerlohnländern wie Bulgarien, Rumänien und dem Baltikum zu vergeben. Wohl wissend, das auch diese Arbeitnehmer hier in Deutschland zu ihren Heimatland-Löhnen nicht gleichzeitig arbeiten und leben können.

Wenn nicht nationale Interessen die Politik dominieren, welche dann? Europäische Interessen? Wessen Interessen mögen das wohl sein? Europa ist weder ein Volk noch eine Kultur noch hat Europa eine (wie auch immer gewählte) Regierung. „Europäische Interessen“ findet man also nur bei jenen, welche nicht mehr auf Staaten und eigene Regierungen angewiesen sind: den multinationalen Konzernen. Erwähnt hatte ich schon, das Straubhaar bei der wirtschaftsfaschistischen INSM ist, oder?

Gerade die in den letzten Jahren vorangetriebene Europäisierung der nationalen Märkte hilft, die Rezession schneller zu überwinden.

Auf die Idee, das diese „Europäisierung“ durch Ausschaltung von Regeln diese Rezession erst begünstigt hat, kommt Straubhaar pflichtschuldig nicht.

Sie sorgt dafür, dass Waren, Personen und Kapital innerhalb der EU ungehindert nationale Grenzen überqueren dürfen.

Und? Was hat das mit den Konjunkturprogrammen zu tun? Hat irgendein Regierungshäuptling etwa gefordert, Grenzen und Zölle wieder einzuführen? Welche Drogen nimmt Straubhaar, um auf solche Ideen zu kommen?

So können Überfluss und Mangel einfacher und schneller ausgeglichen werden. So entsteht eine kostensparende europaweite Arbeitsteilung.

Richtig! Weil ja auch alle EU-Staaten völlig gleichartig entwickelt und industrielisiert sind, nicht wahr? Niemand würde je auf die Idee kommen, Arbeitsplätze hier abzubauen, um in Rumänien neue Jobs entstehen zu lassen, oder? Straubhaar lebt in einer Fantsiewelt (Drogen?). Nur die Geldgeber seines Institutes und seiner INSM profitieren von dieser kostensparenden europaweite Arbeitsteilung. Hier im „Westen“ verlieren Millionen Menschen Arbeitsplatz und Existenz, damit die Konzerne dann im „Osten“ in Fabriken produzieren können, deren Mitarbeiter sich die „eigenen“ Produkte niemals leisten können.

Dummerweise hat sowas mit „Arbeitsteilung“ nichts zu tun.

Nicht von ungefähr sind in der EU staatliche Monopole im Energie-, Transport- und Kommunikationssektor verschwunden. Eine radikale Reform der Wettbewerbsregeln hat zu niedrigeren Preisen und damit einer realen Aufwertung der Einkommen geführt.

Hier gleitet Straubhaar nun völlig in Halluzinationen ab. Er erklärt Privatisierungen (die allesamt in Europa gescheitert sind) zu „Reformen der Wettbewerbsregeln“. Was kommt morgen? Banküberfälle als „private Finanzdienstleistung“? 😀

Jedermann ist bekannt, das Privatisierungen nie zu niedrigen Preisen und höheren Einkommen geführt haben. Weder bei den Stromkonzernen, noch bei Zumwinkels Post oder Mehdorns Bahn AG (Bahn AG wird zu 100% renditeorientiert geführt). Von den Bahnen in England ganz zu schweigen. Die „Aufwertung der Einkommen“ fand ausschließlich bei den neuen Eigentümern, den Vorständen und den unzähligen „Beratern“ statt, wie man bei der Märklin-Pleite gesehen hat. Straubhaar gehört übrigens auch zu diesen Beratern…

Europäisierung ist kein Nullsummenspiel, bei dem die einen verlieren müssen, was die anderen gewinnen können. Die Europäisierung hat allen EU-Mitgliedsländern geholfen, den Lebensstandard ihrer Bevölkerungen zu heben.

Offenbar befindet sich Straubhaar in einem gnadenlosen Wettbewerb mit Baron Münchhausen. Nach dieser Aussage könnte er sogar vorn liegen. Die Existenz dieses „Nullsummenspieles“ haben die osteuropäischen Staaten bereits bewiesen: Litauen, Lettland, Bulgarien, Ungarn und Rumänien haben der EU und der Weltbank schon ihren Staatsbankrott erklärt. Sie wurden ungebremst mit Krediten (inkl. staatlicher Hermes-Bürgschaften) westlicher Großbanken versorgt, um im „vereinten Europa“ auf Steuern ausländischer Investoren verzichten zu können. Stattdessen wurde die eigene Bevölkerung geradezu ausgeplündert. Zu diesem Zwecke führt die EU u.a. eine Mindest(!)mehrwertsteuer von 15% in den Mitgliedsländern ein. Zusammen mit dem obligatorischem Zwang zur Privatisierung staatlicher Unternehmen. Es ging dabei nie um „europäische Integration“ sondern ausschließlich um die Ausbeutung von Niedriglohnländern. Das Schicksal der Bochumer Nokia-Fabrik in Rumänien ist schließlich kein Einzefall. Alle anderen Konzerne nutzen die osteuropäische Deregulierung ebenfalls gnadenlos aus. Auf Kosten aller EU-Bürger (mit Ausnahme der eigenen Aktionäre…).

Über Jahre ist in schwierigen Verhandlungen schrittweise ein gemeinsamer Binnenmarkt geschaffen worden. Die europäische Wirtschafts- und Währungsunion entstand. Der Euro löste symbolträchtiges nationales Geld ab.

Gab es sonst noch was? Mit dieser heutigen EU ist doch nur der feuchte Traum der Wirtschaft seit 2000 Jahren in Erfüllung gegangen. Nicht mehr die Politik bestimmt das Geschehen in Europa, sondern eine Handvoll Industrie- und Bankeigentümer.

Innerhalb Europas herrscht Frieden und Sicherheit in einem Maße, das unsere Großeltern noch für undenkbar gehalten hätten.

Da hat er Recht. Für unsere Großeltern war es damals undenkbar, das man Jugoslawien nicht nur mit Stukas, sondern auch mit F16 und Tarnkappenbombern aus den Landkarten verschwinden lassen kann. Zum Thema „Sicherheit“ fragen wir doch lieber nochmal bei Herrn Schäuble nach. Der kennt sich damit aus. Angeblich…

Diese Integrationsdividende sollte nicht durch einen Rückfall in nationales protektionistisches Denken gefährdet werden.

Das typische Denkmuster: Mehr als „Dividende“ fällt Straubhaar zur EU-Integration nicht ein. Warum auch? Es ging doch schließlich nur um Dividenden. Wer hat sie wohl kassiert, diese Dividende, auch „Gewinnausschüttung“ genannt?

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Danke, Herr Straubhaar! Ihre „wissenschaftlichen“ Reform-Empfehlungen an die Schröder- und die Merkel-Regierung waren für Ihre Auftraggeber offenbar sehr nützlich.

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