Stephen King (Prophet)

Die Nacht leuchtete auf wie das zornige Gesicht Gottes und noch zwanzig Häuserblocks weiter regnete es Feuer vom Himmel. (1982)

Der letzte Satz auf der letzten Seite.

Ben Richards ist arbeitslos. Er hat eine kleine Tochter und eine (ebenfalls arbeitslose) Frau.

Er lebt 2025 in einer Welt, welche im Jahr 1982 noch unvorstellbar grausam erschien.

.

Stephen King schrieb das Buch „Menschenjagd“ 1982 unter dem Pseudonym „Richard Bachman“. Er beschreibt eine Zukunft, welche von einem einzigen Medienkonzern dominiert wird. Das Unterschichtenfernsehen besteht aus Unterhaltungsshows wie „Tretmühle zum Reichtum“.

Für diese Sendung werden nur chronisch Herz-, Leber-, oder Lungenkranke angenommen und ab und zu mal, zur Erheiterung, ein Krüppel. Für jede Minute, die der Kandidat auf der Tretmühle durchhält (wobei er sich ständig mit dem Conferencier unterhalten muss), erhält er zehn Dollar. Alle zwei Minuten stellt der Conferencier eine Bonusfrage aus dem Fachgebiet des Kandidaten, wobei dieser jeweils 50 Dollar gewinnen kann. Wird eine Frage nicht richtig beantwortet, werden fünfzig Dollar abgezogen und das Tretband wird auf eine höhere Geschwindigkeit eingestellt.

Damals fand man das Buch „Menschenjagd“ noch im Bücherregal mit der Aufschrift „Horror“. Ich habe es in den letzten Jahren so oft gelesen, das ich die 254 Seiten schon fast auswendig rezitieren kann.

Allerdings…der Grusel stellt sich nicht beim Lesen ein. Er kommt dann, wenn man das Buch weglegt und wieder in die reale Welt zurückkehrt.

Welche Welt ist das? Eine Welt, wie sie im Buche steht! 😀

Wir werden beherrscht von privaten Medien, Zeitungen und Fernsehsendern, welche uns täglich eine Gehirnwäsche verpassen, um uns zu willigen Untertanen zu machen.

Die Medienkonzerne Springer (BILD) und Bertelsmann (RTL) versorgen die Unterschicht täglich mit Berichten aus dem Dschungelcamp. Längst vergessene „Promis“ werden zur Belustigung der Untertanen mit allerlei „Aufgaben“ gefoltert, welche weit jenseits von Moral, Anstand und Menschenwürde angesiedelt sind. Aber das Konzept ist nicht neu. Schon seit vielen vielen Jahren gibt es den Schadenfreude-Voyeurismus als „Versteckte Kamera“ in den Medien. Auf allen Sendern! Dazu gehören die Casting-Shows genauso wie Shows mit diversen „Sozialfahndern“ und ähnlichen „Kontrolleuren“. Das nennt man „Reality-Unterhaltung“.

Natürlich kannte Stephen King schon 1982 solche Formate aus dem US-Fernsehen. Er hat nichts weiter getan, als „den Faden weiterspinnen“ und heraus kam ein Horror-Bestseller.

Die Welt ist so, wie sie ist, und Ben Richards mühte sich durch sie hindurch, nahm alles hin und stellte keine Fragen, sondern suchte Arbeit. Er ergatterte hier und da mal einen Halbtagsjob, der miserabel bezahlt wurde.

Dann bekam er überhaupt keine Arbeit mehr. Es war schlichtweg unmöglich, welche zu finden. Ein betrunkener Reicher in einem seidenen Sporttrikot pöbelte ihn eines Abends auf der Straße an, als er mutlos nach einem fruchtlosen Tag nach Hause schlenderte. Er sagte, er würde ihm zehn neue Dollar geben, wenn Richards die Hosen runterziehen und ihn sehen lassen würde, ob die Straßenräuber tatsächlich ellenlange Schwänze hätten. Richards schlug ihn nieder und rannte weg.

Wütend dachte er an die Direktoren der Spieleorganisation, die ein riesiges und mächtiges, weltweites Kommunikationsnetz aufgebaut hatten. Dicke fette Ärsche mit Nasenfiltern und Geld.

Zwanzig Jahre vor dem „11. September “ schrieb Stephen King als Horror-Fiktion folgende Zeilen in dieses Buch:

Leicht zur Seite geneigt donnerte die Maschine gegen das Spielegbäude. Sie hatte einen Gutteil des oberen Drittels erwischt. Die Tanks waren noch zu einem Viertel voll, und ihre Geschwindigkeit betrug noch immer etwas über fünfhundert Meilen pro Stunde. Die Explosion war überwältigend.

Als die Bildschirme ausfielen, bekamen die Menschen Angst.

Auch ich bekomme Angst. Jedes Mal, wenn ich den Bildschirm einschalte.

Der Horror dieses Buches verfolgt mich schon seit 10 Jahren. Und er wird täglich realer…

menschenjagd

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