Poschardt: Mein Kampf

Ulf Poschardt ist Chefredakteur der „Welt am Sonntag“. Bekannt wurde er in der Vergangenheit durch massiven journalistischen demagogischen Einsatz für Deutschlands rechten Rand in Politik und Gesellschaft.

Und so widmet er sich in WELT dem Thema „Integration von Einwanderern“. Unter der Überschrift „Migranten sind der neue Teil vom deutschen „Wir“.

Es folgt ein Artikel, dessen Grundlage wohl das Wörterbuch des „Stürmers“ gewesen ist:

  • angestaubte multikultureller Träume
  • Multikulturnostalgiker
  • Illusion eines multikulturell friedvollen Zusammenlebens
  • Kirchentagsmoral
  • Multikulturalisten
  • Sozialstaat hat von der Integration abgehalten
  • Arbeitsunwillige
  • Gutmenschen, die sich schützend vor Migrationsversager stellen
  • hartes „Fordern“ gegenüber Migranten

Es ist einfach unglaublich, mit welch primitiven Phrasen und Worthülsen aus den Fundus der NPD mal wieder ein neuer Nebenkriegsschauplatz eröffnet werden soll.

Mit dem Untertitel „Deutschland ist das Einwanderungsland Nummer Eins in Europa.“ zeigt Poschard eine Reihe von selbstgemalten Statistiken, welche allerdings schon auf den ersten Blick lächerlich sind.

Laut seiner eigenen Grafik ist der Ausländeranteil von 8,9% im Jahr 2001 auf 8,2% im Jahr 2007 gefallen. Innerhalb von 6 Jahren also um 0,7% gesunken. Aber was schreibt Poschardt unter seine Grafik? „Die Ausländerzahlen in Deutschland sind in den letzten Jahrzehnten gestiegen.“

Was nicht unbedingt richtig ist, da er die Besonderheiten der deutschen „Einheit“ ( Spätaussiedler aus Russland etc) dort mit echten Asylbewerbern vermengt. Egal…Ausländer ist Ausländer, gelle?

Deutschland ist das Einwanderungsland Nummer Eins in Europa (???)

Ich habe mir mal die aktuelle Statistik vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge genauer angesehen. Allein schon die Existenz des Schengener Abkommens (Abschiebung in sicheres Drittland) hat Deutschland „einwanderungssicher“ gemacht. Aber selbst wenn Nicht-EU-Ausländer per Flugzeug oder Schiff nach Deutschland kommen, heißt das erstmal noch nichts.

1991: 168.023 Asylanträge / 11.957 bewilligt (Quote 6,9%)

2008: 20.817 Asylanträge / 233 bewilligt (Quote 1,1%)

Der Rest bezieht sich auf Kriegsflüchtlinge u.a. Ausländer, welche gemäß internationaler Abkommen aufgenommen werden müssen. Sie wandern allerdings nicht ein, sondern sind nur gedultet, bis ihre Abschiebung angeordnet wird. Laut Schäuble sind allerdings selbst der Irak, Afghanistan und Gaza „sicher“.

Notfalls lässt man sich auch von afrikanischen Diktaturen telefonisch bestätigen, das die abgeschobenen Flüchtlinge bei ihrer Rückkehr nicht gefoltert oder umgebracht werden. Ist doch nett vom „Einwanderungsland Deutschland“, nicht wahr?

In Hamburg geht die CDU sogar noch einen Schritt weiter: Sie besorgt sich illegal in Ghana irgendwelche Ausweispaiere, um mit deren Hilfe „die Schwarzen“ leichter nach Ghana abschieben zu können. Dabei stört es die „Law & Order“-CDU auch nicht, das in Ghana die Einreise mit gefälschten Papieren eine Straftat ist.

Vor allem, wenn es sich bei den „Rückkehrern“ um Flüchtlinge aus dem Kongo oder Somalia handelt. Egal..die sehen doch eh alle gleich aus, gelle?

Kein anderes Land in Europa hat sich so sehr abgeschottet gegen Ausländer wie Deutschland. Dabei kam es den „deutschen Patrioten“ sehr Recht(s), das Deutschland von „sicheren Drittländern“ umgeben ist (Schengener Abkommen) sowie keine traditionelle Vergangenheit als Kolonialmacht hat. Im Unterschied zu Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden usw.

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Warum ich mich heute damit befasse? Ich habe mir heute einen leckeren Hähnchen-Döner gegönnt. Ohne die Ausländer hätte es nur eine fettige Bratwurst mit Senf gegeben. Ich wüsste nicht, wie es „beim Chinesen“, „beim Griechen“ oder „beim Italiener“ auf der Speisekarte aussieht.

Von vielen anderen Alltäglichkeiten ganz abgesehen, welche „die Ausländer“ mitgebracht haben. Das schwarze Zuckerwasser „Cola“ z.B. oder Schokolade, Kaffee und Tee sowie viele andere Dinge.

Eines Tages werden „wir“ den Asylantrag einer Familie mit 2 Kindern ablehnen und die Familie abschieben.

Eines der Kinder wird ein Genie und 10 Jahre später ein Heilmittel gegen Krebs erfinden. Aber dann wird es sich an „uns“ erinnern und das böse Deutschland von der Liste der Importeure und Lizenznehmer streichen.

2005 feierte man in Deutschland das „Einstein-Jahr“. Albert Einstein hätte 2005 keine Chance gehabt, in Deutschland aufgenommen zu werden. Als Schweizer Staatsbürger wäre er aus einem „sicheren Nicht-EU-Drittland“ gekommen. Ausserdem hätte man ihn 2005 als einfachen Sachbearbeiter des Schweizer Patentamtes nicht auf die Liste der „erwünschten Eliten mit mindestens 63.000 Euro garantiertem Jahreseinkommen in Deutschland“ gesetzt.

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2 Kommentare - “Poschardt: Mein Kampf”


  1. […] Ulf Poschardt (intern)wünscht sich eine SPD, die auf dem Weg zurück in die „Mitte“. […]


  2. […] WELT-Redakteur Poschardt (intern) gehört übrigens zu den lautesten Schreihälsen wenn es darum geht, Arbeitslosen und […]


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