Der gut gemeinte Mindestlohn

Der gut gemeinte Mindestlohn

Unter dieser Überschrift ereifert sich Georg Gafron in BLÖD über den Beschluss, Pflegedienste und Entsorgungsunternehmen (vulgo: Müllabfuhr) in das „Entsendegesetz“ zwecks gesetzlichem Mindestlohn aufzunehmen. Allerdings legt nicht der Staat die Höhe des Mindestlohnes fest, sondern die „Tarifpartner“. Dieses „Entsendegesetz“ sagt also nichts anderes aus, als das die Untergrenze in den Tarifverträgen auch in jenen Unternehmen gilt, welche nicht tarifgebunden sind. Zahlreiche Unternehmen haben in der Vergangenheit von der Möglichkeit gebrauch gemacht, aus dem „Tarifverbund“ ihrer Branche auszusteigen und die Belegschaften zu Dumpinglöhnen zu erpressen. Zumindest in den Branchen des „Entsendegesetzes“ soll damit Schluss sein.

Wie schon seit dem Einstieg des Axel-Springer-Konzerns in die Branche der Briefzusteller via PIN AG bekannt ist, bekämpft der Konzern jede Form von Mindestlohn.

Heute nimmt sich Georg Gafron als Kommentator der BILD dieses Themas an. Seine „Argumentation“ ist an Dummheit nicht zu überbieten:

Viele Unternehmen, beispielsweise in der Altenpflege oder der Entsorgungsbranche, werden höhere Löhne nicht bezahlen können. Sie werden schließen müssen, weil natürlich niemand ihnen Mindesteinnahmen garantieren kann.

Mit diesem „Argument“ müsste man aber auch alle Arbeits- und Tarifverträge abschaffen können, oder? Schließlich wird darin auch „im Voraus“ festgelegt, wie hoch die Entlohnung ist. Ohne das ein Unternehmer weiß, wie hoch seine zukünftigen Einnahmen sein werden.

Aber auch sonst ist dieses „Argument“ einfach nur dumm: Schon seit Jahren wird den Bürgern damit Angst gemacht, das mit zunehmendem Lebensalter der Bevölkerung auch die Zahl der Pflegefälle steigen wird. Was auch ein Grund für die „Reform der Pflegeversicherung“ der Ulla Schmidt während der Schröder-Diktatur war. Ein Zusammenbruch dieser Branche ist also eher unwahrscheinlich. Bei den Entsorgern beträgt der Mindestlohn übrigens 8,02 Euro. Brutto!

Die Leidtragenden sind die Menschen, die ihren Job verlieren.

Eine der beliebtesten Legenden des Kapitals und ihrer Dummschwätzer. Nirgends auf dieser Welt konnte bisher bewiesen werden, das Mindestlöhne Arbeitsplätze kosten. Aber es reicht ja auch hin, diesen Unfug immer und immer wieder zu wiederholen. Irgendwann wird es dann doch geglaubt. Mr. Orwell lässt grüßen..

Zu befürchten ist dagegen ein weiterer Anstieg von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung. Schon jetzt werden dadurch jährlich rund 360 Milliarden Euro am Staat vorbeigemogelt.

Hä? *Taschenrechner hol*

Wir haben in Deutschland 45 Mio Arbeitskräfte. Etwa 40Mio sind in Arbeit, 5 Mio sind es nicht.

Unterstellen wir mal frech, die Hälfte der Arbeitnehmer und die Hälfte der Arbeitslosen würden jeden Monat Schwarzarbeit machen.

360.000.000.000 € : 22.500.000 Leute : 12 Monate = 1333,33 €.

Jeder Schwarzarbeiter in Deutschland käme also auf 1333,33€ im Monat. Nehmen wir weiter an, der Stundenlohn bei Schwarzarbeit liegt bei etwa 7,50 Euro. Warum 7,50€? Ein höherer „Schwarzlohn“ würde keinen Sinn machen, da der Auftraggeber dann auch gleich „legal“ bezahlen könnte bei 8 Euro Mindestlohn.

Am Ende kommt heraus: Jeder dieser 22.5 Mio(!) Schwarzarbeiter müsste täglich(!) mindestens 6 Stunden Schwarzarbeit leisten, damit ein BILD-Kommentator einmal im Leben die Wahrheit gesagt hätte. Sehr realistisch, nicht wahr?

Übrigens…

Diese 360Milliarden Euro entsprechen etwa der Hälfte der ausgezahlten Nettoeinkommen aller Arbeitnehmer. Der Kommentar von Georg Gafron wird allerdings allein schon dadurch unsinnig, da man im Regelfall die Hälfte seines Netto schon für Miete, Strom, Heizung, Auto usw. ausgeben muss.

Wie kommt man bei BLÖD nun auf diese 360 Milliarden Euro?

Es ist der Prof. Dr. Friedrich Schneider, der seit vielen Jahren mit dem sog. „Bargeldansatz“ das Volumen der Schattenwirtschaft in Österreich, der Schweiz und Deutschland schätzt.

Dabei zählt er zum Volumen der Schattenwirtschaft jede Leistung, die erbracht, aber aus welchen Gründen auch immer nicht im BIP ausgewiesen wird. So ist nach dieser Definition auch das, was der Heimwerker zu Hause am eigenen Haus, am eigenen Auto renoviert, repariert oder sonstwie arbeitet und selbstverständlich auch die legale Nachbarschaftshilfe ein Teil der Schattenwirtschaft.
Die eigentliche Schwarzarbeit ist folglich nur ein Teil dieser sog. Schattenwirtschaft.

Da sich der Bargeldbedarf einer Volkswirtschaft automatisch erhöht, wenn bei Kontopfändung die EC-Karte gesperrt wird oder auch die „Leistungsträger“ ihre Millionen zwecks Steuerhinterziehung in Bargeld kofferweise nach Liechtenstein schaffen, ist dieser „wissenschaftliche Bargeldansatz“ zur Berechnung von Schwarzarbeit völliger Unfug.

Genauso wie sich auch alle bisherigen „Argumente“ gegen einen gesetzlichen Mindestlohn als Unfug herausgestellt haben.

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One Comment - “Der gut gemeinte Mindestlohn”

  1. tom Says:

    so ist es. der bildzeitunglesende deutsche proletarier wird dich nur insoweit nicht verstehen, weil er mit regelmässiger zuverlässigkeit die medienschei… vorgekocht aufs sofa gebeamt bekommt. und wer mal was sagt wird sofort als extrem abgestempelt.
    3 punkteprogramm zur rettung der deutschen wirtschaft:
    1. bildung. jeder muss sich anpassen wenn ein job nich mehr jeht, dann chance für den nächsten. neudeutsche: wer kein deutsch lernen will, bekommt auch kein geld basta! hier wird sinflutartig ignoranz nachgeboren und verdummt dass es einem die haare zu berge aufbäumt!
    2. wer hier ne aufenthaltsberechtigung bekommt, sollte sich anpassen wie wir alle auch. bei verurteilung strafe absitzen und raus aus germany. und das per gesetzänderung. es ist ne schande für die millionen ehrlichen ausländer hier sich mit sowas vergleichen lassen zu müssen.
    3. mindestlöhne. wer die nicht zahlen kann oder will soll sich vom markt verabschieden. raus! geh nach china und zahle strafzölle an die eu… das gehäule andauernd!
    wenn wir alle wieder aufschauen können und sagen arbeit lohnt sich wieder dann kaufen wir auch deutsche produkte und vermehren uns anständig (arbeitsplätze entstehen und geburtenraten steigen)

    arbeitslosigkeit um 50% gesenkt,
    problem gelöst!


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