Hugo Müller-Vogg hat Angst

Viele Jahre war Angela M. die angebetete Göttin von Hugo Müller-Vogg. Er ließ keine Gelegenheit aus, um ihr via BILD seine hündische Verehrung zu beweisen. Jeder, der seiner Angela zu nahe kam, wurde wütend in allerlei verbalen Ausbrüchen weggebissen. Bis er ihr wieder ungehindert die Stiefel lecken konnte.

Nun stellt sich heraus: Es ging ihm nie um Angela M. Er sah sie bisher nur als Sinnbild und Inbegriff einer bedingungslos wirtschaftsgesteuerten Maggie Thatcher-Kopie. Was für ein Heuchler!

Nun geht ihm der radikale Kommunismus einer 25,1%-Beteiligung ohne Mitspracherecht an der Commerzbank eindeutig zu weit. Nachdem er schon vor ein paar Tagen den Untergang des Abendlandes beim Wort „Konjunkturprogramm“ an die Wand malte, will er nun per „Analyse“ seiner vormals abgöttisch geliebten Angela M. einen kräftigen Tritt nach rechts verpassen. Zurück in den (seiner dümmlichen Meinung nach) einzig wahren, von allen Regeln befreiten Kapitalismus.

Für die Wirtschaftspolitiker von CDU/CSU wie FPD steht fest, dass Ludwig Erhard, der Vater der „sozialen Marktwirtschaft“, sich bei so viel Staatswirtschaft im Grabe umdreht.

Wenn bei Hugo die „Staatswirtschaft“ schon bei einem rechtlosen Aktionär „Staat“ anfängt, was mag er dann wohl von Gesetzen halten, welche Bürger und Staat vor der Willkür der Wirtschaft schützen sollen? In seinen Träumen dienen Staat und Gesellschaft nur als Handlanger des Kapitals. Und dann bezeichnet Hugo den Post-Mindestlohn wieder als „ordnungspolitische Sünde“. Über diese Schmach kommt der Springer-Konzern nie hinweg.

Natürlich (wie könnte es anders sein?) fällt ihm wieder allerhand zu „Merkels Vergangeheit“ ein. Er spricht von „geringer Leistungsfähigkeit der Planwirtschaft“, obwohl diese Legende längst widerlegt ist. Trotz massiver Mehrbelastung durch Reparationen nach 1945 sowie das Wirtschaftsembargo erreichte die DDR fast gleich gute Wachstumszahlen wie die BRD. Auch während des westdeutschen „Wirtschaftwunders“. Eine (echte) Analyse (pdf, 100KB) von Karl Mai zur Einschätzung der „geringen Leistungsfähigkeit“ der von Hugo Müller-Vogg so gehassten Planwirtschaft belegt dies.

Fast schon wehmütig erzählt er,, dass sich seine Angela früher einmal für Ludwig Erhard interessiert hätte. Dabei hat er wohl eine Erinnerungslücke: Angela M. war FDJ-Sekretärin für politische Agitation. Nicht Erhard, sondern Thälmann, Marx und Lenin standen in ihrem Bücherregal. Aber er ist ein guter Gesellschaft: Angela will sich daran auch nicht erinnern. Thälmann, Marx und Lenin sind schließlich keine CDU-Parteispender.

Trotzdem bleibt ein großer Widerspruch: Als CDU-Vorsitzende wollte Merkel einst die Ideen Erhards „unter den neuen Bedingungen der Globalisierung“ anwenden.

Als Kanzlerin einer Großen Koalition tut sie häufig das Gegenteil.

Natürlich tut sie das Gegenteil. Also genau das, was Hugo immer verlangt hat. Auch Hugo gehört zu jenen Wanderpredigern des Neoliberalismus, welche Sozialpolitik, Arbeitnehmerrechte und ähnliche „kommunistische Wunschträume“ für „Unvereinbar mit der Globalisierung“ halten. Unvergessen seine Freudentänze, als mit diversen „Reformen“ die Bevölkerung „fit für die Globalisierung“ gemacht wurde. Heute noch ist er fest davon überzeugt, dass man nur die bösen Löhne abschaffen müsste, um Arbeitsplätze zu schaffen. Prof. (Un)Sinn lässt grüßen…

Im letzten Satz seiner „Analyse“ verpasst er der Kanzlerin des Kapitals dann den angekündigten Tritt zurück in die rechte Ecke:

Höchste Zeit für die CDU-Kanzlerin, sich zu entscheiden: mehr Markt oder mehr Staat, Enkelin Erhards oder Erfinderin einer neuen Staatswirtschaft?

Würde Merkel tatsächlich über „Staatswirtschaft“ nachdenken, hätte sie vom gleichen Geld gleich 4 Großbanken gekauft. Ganz. Mit vollen Besitzrechten.

Hugo hat Angst. Angst davor, die Wahlkampfpolitik könnte einen realen Hintergrund haben. Dabei weiß er selbst ganz genau, was man den Bürgern einreden muss, damit sie „richtig“ wählen.

Nun kann auch er offensichtlich nicht mehr Wahlversprechen und Wirklichkeit auseinander halten. Ob ihn wohl die Trümmer der eingestürzten neoliberalen Ideologie ungünstig am Haupthaar getroffen haben?

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