Theaterstück mit Koch

Vermutlich im Auftrag der CDU veröffentlicht die rechts-liberale FAZ ein „Gespräch“ mit Roland Koch. Fragen und Antworten offenbaren ein Theaterstück nach dem Prinzip „Wenn der Wolf mit den 7 Geißlein spricht“. Die FAZ liefert Koch fertige Stichworte, welche er bloß noch in zusammenhängende Sätze fassen muss. Eine Glanzstunde des Journalismus!

Die „hessischen Verhältnisse“ sind nicht gerade gesund. Dass sie herrschen – daran sind Sie mit schuld. Oder?

So lautet die Frage. Koch antwortet allerdings abweichend mit Hinweis auf „politisch spannendes Bundesland“. Eigentlich trifft diese Definition überall zu. Die Schuldfrage ignoriert er. FAZ akzeptiert diese „Antwort“ auf eine nicht gestellte Frage.

Hat Ihr letzter Wahlkampf, die personelle Zuspitzung auf den Wahlplakaten, die Bildung einer großen Koalition verhindert?

Eine dumme Frage, denn eine „Große Koalition“ stand in Hessen nie zur Debatte. Weder bei Koch noch bei Ypsilanti. Koch beklagt sich darüber, das er die „SPD“ nicht zur Geisel seiner Politik machen konnte, da sie „von der Mitte nach links gerückt“ sei. Aber wo sollte eine „Sozial-Demokratische Partei“ auch sonst stehen? Genau da, wo sich CDU und FDP „in der Mitte“ treffen? Wozu dann noch ein Mehrparteiensystem? Eine Koch-Partei würde doch reichen?

In der hessischen SPD-Fraktion sitzen nicht nur Linksradikale. Die anderen sind nur verstummt.

Ahja…alles links vom rechten Koch sind Radikale. Nicht-Radikale gibt es offensichtlich für die FAZ nicht in Hörweite. Koch gibt seinen Stichwortgebern recht und erklärt die Hessen-SPD zur „Extrem-Linken“. Staatsmännisch verweist er darauf, das er nach dem Outing der 4 „aufrechten Demokraten“ als Koch-Fans der SPD Gespräche angeboten hätte. Womit auch klar wird, was Metzger, Ewerts und Walter mit ihrer „Gewissensentscheidung“ erzwingen wollten: Die Kapitulation der SPD vor der CDU. Wie in der Bundespolitik auch.

Wird die SPD nach einer Niederlage am 18. Januar weiter links verharren oder in die Mitte zurückkehren?

Wie weit Koch die „SPD“ inzwischen rechts angekommen sieht, macht er mit dem Ausdruck „heftige Veränderungsbereitschaft“ deutlich. Schäfer-Gümbel ist für ihn nur ein ehemaliger „Helfer aus der 2. oder 3. Reihe“. Wen ausser Koch kennt man denn eigentlich noch bei der Hessen-CDU?

Dämonisieren Sie da nicht Thorsten Schäfer-Gümbel?

Nun passierts:

Überhaupt nicht. (…) Herr Schäfer-Gümbel ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ist aktiver und lautstarker Teil des Irrweges der hessischen SPD.

Koch dementiert…und dämonisiert gleich darauf wie aus dem Rhetorik-Lehrbuch.

Was müssen Sie leisten, um ein geliebter Landesvater zu werden?

Boah! FAZ will Koch als „geliebten Landesvater“ sehen. Aber Koch mag nicht: Er will lieber weiter gegen „den Konsens“ regieren. Ein echter Demokrat eben… FAZ nimmt es wie gewohnt einfach hin.

Sie geben sich in letzter Zeit ja auch lammfromm.

Das ist eine Feststellung, keine Frage! Der nette Herr Koch antwortet trotzdem. Er sieht sich als Opfer „heftigster Auseinandersetzungen“ und ist stolz darauf, mit dem SPD-Rechten Steinbrück schon Vereinbarungen getroffen zu haben. Das Koch mit seinem „Kommunisten!“-Wahlkampf nicht Opfer sondern Täter ist, sollte FAZ eigentlich wissen. Schließlich hat sie ihn darin aktiv unterstützt.

Bei der letzten Wahl hatten Sie ein miserables Ergebnis. Das lag auch an Ihrer Politik.

Von Koch natürlich keine Selbstkritik, sondern ein unverbindlicher Hinweis auf einen geheimnisvollen „Nachdenkprozess“ nach(!) der Wahl. Im Märchen hat der Wolf auch darüber nachgedacht, wie er die Geißlein wiederholt täuschen kann…

Früher der polarisierende Koch, jetzt der lernfähige Koch, der wider seine Überzeugung die Studiengebühren nicht wieder einführt. Haben Sie nicht auch ein Glaubwürdigkeitsproblem?

Kochs Radikalität wird verharmlosend „polarisierend“ genannt, sein Kreidefressen als „lernfähig“. Koch reduziert seine eigene Glaubwürdigkeit ungeniert auf die Frage „Ist die Linke demokratisch?“

Sie haben lange die Grünen umworben. Das ist jetzt auch wieder anders. Was gilt denn nun?

Koch antwortet radikal und verlogen: „Die Grünen haben im Sommer entschieden, auf Rot-Rot-Grün zu setzen und für sich den Linkskurs der SPD zu nutzen. Dann müssen sie sich auch für diese Entscheidung verhaften lassen.“

Eine Koaltion der Grünen mit der Linken stand nie zur Debatte. Es ging um eine Tolerierung unter Verzicht der Linken auf Forderungen, welche radikaler, aber inhaltlich gleich zur SPD waren. Zu gern benutzt Koch auch beim politischen Gegner das Wort „verhaften“. Er kann wohl nicht anders…

Koch behauptet weiter: „Die Grünen haben sich mit einem Vertrag an SPD und Linkspartei gebunden“

Das ist gelogen…einen Vertrag gab es mit der Linken nicht. Weder bei der SPD noch bei den Grünen.

Was passiert, wenn Sie Ende des Jahres in Berlin als Bundesfinanzminister gebraucht würden?

Koch behauptet von sich, er sei kein „Jobhopper“. Ich würde es anders ausdrücken: Koch mischt gern und aktiv in der Bundespolitik mit, möchte aber keine Verantwortung übernehmen. Er ist der aktivste CDU-Ministerpräsident bei der Bundesregierung.

Ihr Wunschpartner FDP schwört auf Steuersenkungen. Sie haben sich gegen Steuersenkungen als Konjunkturhilfe ausgesprochen.

Hier versucht FAZ eine Irreführung: Die FDP setzt immer und überall auf Steuersenkungen. Auch ohne Konjunkturprobleme. Koch verweist lediglich darauf, das Steuersenkungen einen gewissen Vorlauf brauchen, bis sie wirken. Er setzte sich aktiv dafür ein, das „sein“ Frankfurter Bankenviertel nicht mehr mit Vermögenssteuern, Heuschreckensteuern u.a. belästigt werden. Seine Steuersenkungspolitik ging so weit, das sogar die Frankfurter Börse in einen „billigeren“ Nachbarort umzieht. Trotz des Millionen-Aufwandes eines solchen Umzuges lohnt es sich für die Börse AG dank Kochs Steuerpolitik. Da staunte selbst die hessische FDP über so viel Großzügigkeit.

Der Kanzlerin ist vorgeworfen worden, sie habe zu zögerlich auf die Krise reagiert.

Obwohl Koch in der Vergangenheit mehrfach von Merkel abserviert wurde, hält er loyal zu ihr. Ihre Hilflosigkeit und ihre Handlungsunfähigkeit definiert er wie gewohnt um zu „klugem und besonnenem Handeln“. Aber auch hier lügt er, bis sich die Balken biegen:

„Die Kanzlerin hat am richtigen Sonntag die Spareinlagen gesichert.“ sagt er. Nur dumm, das Frau Merkel nicht reich genug ist, um so etwas zu können. Und ein Gesetz dazu gibt es bis heute nicht. Ganz im Unterschied zu den Garantien gegenüber den Banken zur Absicherung ihrer Renditen und der Sozialisiserung der Verluste. Er sieht bei Merkel ein „Krisenmanagement“ obwohl das Fehlen eines solchen weltweit kritisiert wird.

PS: Kann die FAZ die Kosten für dieses „Interview“ als Wahlkampfspende steuerlich geltend machen? 😉

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