BILD 2009: Privat vor Staat!

Man glaubt es kaum:

Weltweit werden marode Banken und Konzerne teil- oder ganzverstaatlicht, die Neoliberalen verkriechen sich ausser Sichtweite und überall hat man nur noch Wut oder hämisches Gelächter über die Marktprediger der letzten 5 Jahre übrig. Aber die Realität ist bekanntlich für BILD ein unentdecktes Land.

Und so versucht der stellvertretende Chefredakteur, Michael Backhaus, den Glauben an die neoliberalen Lehren zu retten. Seine „Argumentation“ ist nicht nur altbekannt, sondern angesichts der heutigen Erkenntnisse auch hochgradig lächerlich:

Warum soll der Staat, der bereits Banker ist, nicht auch Unternehmer spielen? Der wichtigste Grund, der dagegen spricht, lautet: Weil er es nicht kann.

Toller Grund! Nur zur Erinnerung: Es sind nicht die staatlichen Unternehmen, welche sich als Banken und Autokonzerne tarnen, um vom Staat gerettet zu werden. Die ständigen Krisen in den letzten 100 Jahren beweisen hingegen etwas anderes: Ab einer bestimmten Größe kann ein Unternehmen nicht mehr privat geführt werden. Herr Merckle hats bewiesen. Das Rettungspaket des „erfolgreichen“ Familienunternehmens Porsche heißt übrigens „Volkswagen AG“.

Wenn Staatssekretäre besser wüssten, wie ein Unternehmen heil durch eine Krise gebracht wird, dann gäbe es die DDR noch.

Behaupten kann man viel, wenn der Tag lang ist…

Aber wo ist der Beweis dafür, das private Großkonzerne in der DDR „erfolgreich“ gewesen wären? Was Backhaus vergisst: die DDR-Wirtschaft hatte ganz andere Prioritäten als „Rekordgewinne für Aktionäre“. Mit der damaligen Embargopolitik des Westens wäre auch die Bundesrepublik gescheitert. Aber nicht erst nach 40 Jahren… Von der Finanzierung der Sozialpolitik der DDR mit privaten Kapitalisten als Quelle ganz zu schweigen. Scheues Reh und so… 😉

Und wer soll den Anteil des Staates übernehmen, wenn eine Firma stabilisiert ist? Da werden die Steuerzahler, die das ja alles finanzieren, oft genug darauf sitzenbleiben.

Da schlägt sie wieder zu, die Volksverblödung! Mit dieser Begründung könnte man problemlos den Kapitalismus abschaffen. Was ist denn in diesem Szenario der Steuerzahler anderes als ein Aktionär oder Gesellschafter? Kaufen die auch billig Unternehmensanteile, um später „darauf sitzen zu bleiben“?

Nein! Sie kaufen Aktien (hier der Fall eines Verkaufs durch die Firma selbst), erwarten eine Stabilisierung der Firma und sacken dann jahrelang ihre Gewinnanteile ein.

Aber was unterstellt der Herr „BILD-Chefredakteur“? Die Regierung will angeblich in Firmen „einsteigen“ bis die Firmen wieder Gewinn machen und dann…? Die Anteile im Ofen verbrennen und auf den Gewinn verzichten, um „darauf sitzen zu bleiben“, wie der Herr Chefredakteur meint?

Warum sollte der Staat nicht an den Gewinnausschüttungen teilnehmen wie private Eigentümer (vulgo: Kapitalisten)? Weil das nicht zur kapitalistischen Grundlehre von der Heiligkeit des Privatbesitzes passt?

Könnte das sein? Oder ist ein BILD-Werbekunde ebenfalls Aktionär der Commerzbank und hat nun Angst, „der Staat“ könnte eine „Gewinnausschüttung auf Kredit“ verhindern?

Nein, das wird nicht passieren! Steinbrück hat zum 6fachen Preis nur 25,1% als „stiller Teilhaber“ gekauft und freiwillig auf die Mitsprache- und Entscheidungsrechte im Aufsichtsrat verzichtet. Warum weiß Herr Backhaus das nicht?

Fragen über Fragen… BILD ist halt fragwürdig. 😉

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