Geschichtsrevisionismus 2009

Wahlen stehen vor der Tür. Und wie in der Bundesrepublik üblich, besteht die herrschende Klasse der Kapitalisten auch weiterhin auf ihre Allmacht. Um den Anschein einer „Demokratie“ zu wahren, besitzen die Kapitalisten verschieden klingende Parteien, wie z.B. „SPD“, „CDU“, „CSU“, „FDP“ oder auch „Grüne“.

Um den Wähler keine Wahl zu lassen, werden Alternativen grundsätzlich bekämpft und in den Augen der Öffentlichkeit „unwählbar“ gemacht.

Deutlich wurde dies 2008, als man im Hamburg-Wahlkampf eine DKP-Kandidatin (Frau Wegener) durch gezielte Manipulation der Berichterstattung durch die Hamburger Panorama-Redaktion des NDR massiv diskreditierte.

Durch falsche Vorab-Meldungen und ein manipulativ geschnittenes „Interview“ wurde eine Kandidatin präsentiert, welche „die Stasi und die Mauer wiederhaben wolle“. Es ist kein Zufall, dass das Rohmaterial inkl. der (herausgeschnittenen) Fragen bis heute beim NDR unter Verschluss liegt. Auf mehrmalige Anfrage wich der NDR nicht davon ab, diese Manipulationen seien von der „Pressefreiheit“ gedeckt. Dumm nur, das mit dem Hinweis auf die Pressefreiheit gleichzeitig die (dem Zuschauer verschwiegene) Manipulation des Intervies zugegeben wurde. Aber solange dies kein Bürger bemerkt und der Fall nur von der Jungen Welt aufgegriffen wurde…

Nun ist mit 2009 ein „Superwahljahr“ angebrochen. Und wieder steht der Feind ganz links. Würde er unterwürfig im Staub kriechen, wäre dies ja nicht so schlimm. Aber aufrecht der herrschenden Klasse die Stirn bieten? Das geht nun wirklich nicht!

Dummerweise haben inzwischen so viele Menschen in Deutschland die Segnungen des Kapitalismus in Form von Not und Elend der Hartz-Gesetze zu spüren bekommen, dass das Schreckensbild von der „Diktatur unter Stalin“ als einzig gültige Definition des Sozialismus die Wähler nicht mehr nach rechts zieht.

Wer heute noch Lafontaine oder Gysi als Populisten oder Demagogen bezeichnet, erntet vielfach nur noch Mitleid wegen seines Aberglaubens an den Kapitalismus als System von „Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand“.

Also holt man die DDR aus der 20 Jahre alten Mottenkiste zwecks ideologischer Abschreckung. Offensichtlich sind die Kapitalisten doch nicht so fortschrittlich und innovativ, wie sie immer von sich behaupten.

Seitdem man in Hessen zu brutalstmöglichen „Demokraten“ greifen musste, um eine sozialdemokratische (aber noch keine „linke“!) Politik zu verhindern, setzt man nun das alte Schreckgespenst „DDR“ wieder in den Medien ein. Getragen von der Hoffnung, die Wähler könnten sich wegen „Stacheldraht, Stasi und Mauer“ als angebliche Kapitalismusalternative doch noch von der Linken abwenden.

Schon im Dezember 2008 häuften sich im Fernsehen „Dokumentationen“ mit dem Untertitel „Leben in der DDR“.

Da ich nun diese TV-Bilder aus früheren Zeiten im Original kannte, fand ich die heutigen Interpretationen nur noch ärgerlich.

Beispiele:

Sa 03.01 21:00 (Phoenix)
Winterschlacht in der DDR
Dokumentation von Katja Herr

Die Schlacht an der Kohlefront war existenziell. Neben der minderwertigen Braunkohle gab es keine Alternative zur Energieversorgung des Landes. Und trotz ausgefeilter Katastrophenpläne kollabierte im Winter mit Regelmäßigkeit die Kohleförderung in den Tagebauen. Bereits im Frühjahr wurden die Erfahrungen des vergangenen Winters ausgewertet und Gegenmaßnahmen ergriffen. Im Sommer zogen die ersten Inspekteure los zur Kontrolle der Vorbereitungen für den Winter. Im Herbst wurden Sonderschichten gefahren, um einen Planvorsprung für den Winter zu haben. Am Tag X im Herbst begann dann die so genannte „Winterbereitschaft“: die Überprüfung der Ausrüstung vor dem Einbruch der Kälte. Und wie jedes Jahr versammelte sich im Winter die halbe DDR in der Braunkohle. Neben den Kumpels standen Bauern, Soldaten, Studenten im Schlamm oder Eis. Selbst politische Häftlinge mussten in der Kohle schuften – sozusagen als Erziehungsmaßnahme. Mit Magnesiumlauge, brennendem Altöl oder umgebauten Flugzeugtriebwerken wurde versucht, die eingefrorene Kohle dem Tagebau abzuringen – ein gefährliches Unternehmen, das nicht immer gut ging.

Es gab also „keine Alternative“ zur Braunkohle und „die halbe DDR“ war „in der Braunkohle“?

Was für ein Unfug! Neben der Braunkohle gab es auch noch Erdgas und kleinere Atomkraftwerke zur Energieversorgung. Von den vielen Wasserkraft- und Pumpspeicherwerken der DDR ganz zu schweigen. Bekanntlich wurde in der DDR „bis zum Schluss“ mit Kohle in Kachelöfen geheizt. Aber auch das war kein Problem: Kohle bestellt man sich bekanntlich im Sommer und nicht erst, wenn der Frost die Kellerfenster zugefroren hat.

Das „politische Häftlinge“ in die Braunkohletagebaue geschickt wurden ist auch Unsinn. Wie bei den politischen Gefangenen der Bundesrepublik auch wurden sie aus dem Knast nicht herausgelassen. Nichtmal zum Arbeiten.

Was hätte wohl die BRD gemacht ohne die unterirdische Steinkohle des Ruhrgebietes oder der Nordsee mit ihrem Erdgas und Erdöl? Warme Decken verteilt und um einen raschen Frühling gebetet?

Mi 07.01 09:00 (Phoenix)
DDR geheim: Die Schattenreiche der Genossen
Reportage, Deutschland 2004
Autor: Von Michael Erler
Paul Bergner ist kein Höhlenforscher, aber eine Art Unterwelt bewegt ihn doch. Er ist Experte für eine ganz besondere Hinterlassenschaft des Kalten Krieges: verlassene Bunker. Der erste Teil begibt sich mit ihm in die geheimen Bunkerwelten von Politbüro, Militär und Stasi. Ehemalige Befehlshaber dieser dunklen Gefilde berichten über das Leben in den atombombensicheren Schattenreichen.

Zum Glück waren/sind die Atombunker von Bundesregierung und Nato in der BRD öffentliche Einrichtungen, nicht wahr?

Mi 07.01 10:00 (Phoenix)
DDR geheim: Die Schattenreiche der Roten Armee
Reportage
Autor: Von Michael Erler
Als 1994 der letzte von 546.200 sowjetischen Soldaten deutschen Boden verlässt, bleibt eine gigantische Hinterlassenschaft zurück: Flughäfen, Kasernen, riesige Übungsgelände und ein Netz von Bunkern und verbunkerten Befehlsständen der sowjetischen Westarmee. Elf Jahre später geht ein Filmteam diesen unterirdischen Spuren der Geschichte nach, z.B. auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflughafen Finsterwalde.

Was ist eigentlich aus den Schattenreichen der US-Armee in der BRD geworden, in denen heute noch F16 mit angeschnallten Atombomben stehen? Warum sind die immer noch „in Betrieb“?

Mi 07.01 10:30 (Phoenix)
DDR geheim
(sic!): Die Jahrhunderttrasse
Gas um jeden Preis
Reportage
Autor: Von Lutz Rentner
Eine neue Erdgastrasse sollte Mitte der achtziger Jahre die DDR-Industriestandorte Buna und Leuna versorgen. Die Arbeit vor Ort in der Sowjetunion geriet zu einem gewaltigen Kraftakt, die DDR ging an ihre wirtschaftlichen Grenzen.

Diese Trasse war bis zu ihrer Privatisierung an westdeutsche Energiekonzerne Volkseigentum der DDR-Bürger. Kein einziger dieser Bürger bekam auch nur einen Pfennig vom (symbolischen) Verkaufserlös von der Kohl-Regierung. Auch eine Form der Enteignung. Dabei sollen Enteignungen doch „typisch sozialistisch“ sein, oder?

Mi 07.01 11:00 (Phoenix)
DDR geheim: Die Atomwaffen der DDR
Geheimoperation Fürstenberg
Reportage
Autor: Film von Michael Erler
Eine Dezembernacht 1958: Russische Kommandos riegeln Straßen und Orte ab. Ein gespenstische Szenerie. Riesige Zugmaschinen sind in Richtung Fürstenberg unterwegs, die angehängten überlangen Lafetten mit Planen verhüllt. Damit beginnt die wohl geheimste und brisanteste Militäraktion auf deutschem Boden nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sowjets stationieren, knapp 100 Kilometer nördlich Berlins, in Vogelsang und Fürstenberg, Mittelstreckenraketen. Vier Monate später treffen die dazugehörigen Atomsprengköpfe ein. Weder NVA-Führung noch DDR-Regierung sind eingeweiht.

Angesichts des letzten Satzes fehlt der Sinn im Titel „DDR-Atomwaffen“. Bis heute kann keine Bundesregierung darüber Auskunft gene, welche Waffensysteme die US-Krieger in ihren Stützpunkten Westdeutschlands vorrätig halten. Was stand eigentlich im Nato-Doppelbeschluss? Doch nicht etwa etwas über Pershing2-Raketen mit Atomsprengköpfen bei der Bundeswehr? Offiziell natürlich unter US-Kontrolle….

Mi 07.01 11:30 (Phoenix)
DDR geheim: Die Atomwaffen der DDR
Eskalation und Abzug
Reportage
Autor: Film von Michael Erler
Seit Anfang der 60er Jahre lagert die Rote Armee immer mehr nukleare Waffen in der DDR, baut hier ihre schlagkräftigste Armee außerhalb der eigenen Grenzen auf, und Atomwaffen spielen die entscheidende Rolle in den militärischen Planspielen zur Eroberung Westeuropas. Niemand außer der sowjetischen Militärführung weiß genau, wie viele und wo die Atomwaffen in der DDR lagern. Mit der Wende und dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird dieses Bedrohungspotenzial überflüssig, die Sowjets ziehen ihre Atomwaffen ab, genauso klammheimlich wie sie sie hergeschafft haben.

Und schon wieder „Atomwaffen der DDR“. Sollte es nicht eher „Atomwaffen in der DDR“ heißen?

Und was soll die Unterstellung mit der „Eroberung Westeuropas“? Hat jemals irgendjemand „im Osten“ Besitzansprüche gegenüber dem Westen gestellt? Kaum war die „Bedrohung“ durch den „Warschauer Pakt“ beseitigt, flog die Bundeswehr die ersten Luftangriffe gegen souveräne Staaten. Mit freundlicher Unterstützung der Nato, der EU, Herrn Schröder und Herrn Fischer.

Bitte bei youtube „Es begann mit einer Lüge“ ansehen!

PS: Warum sprach man im Westen von „Warschauer Pakt“? Im deutschen Sprachgebrauch (der DDR) war immer von „Vertrag“ die Rede. Man benutzte „Pakt“ als Synonym einer „Absprache unter Ganoven“. Schon in der Auswahl der Begriffe schuf man damit ein Feindbild. Vermutlich mangels eines tatsächlich drohenden Feindes. Allein die geografische Lage der Bundeshauptstadt Bonn schloss eine konventionelle „Eroberung Westeuropas“ aus. Eine „nukleare Eroberung“ sowieso. Während die USA heute diesen Planeten 10x in eine Staubwolke verwandeln können, war dies bei der Sowjetunion „nur 2x“ möglich.

Aber egal…wichtig ist nur „DDR = Sozialismus = böse“. Mehr soll der Bundesbürger nicht wissen.

Mal sehen, wieviele Wähler auf „Linke = DDR = böse“ hereinfallen.

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