die WELT des Springer-Konzerns 2009

Auch die WELT schließt sich den Neujahrsbotschften von Merkel und Köhler an: „Macht euch keine Sorgen!“ Und um diesen Optimismus (fröhlich lächelnd in die Krise) zu begründen, zählt sie 7 „Fakten“ auf. hier klicken

Die historischen Vergleiche: übertrieben.

Treffen die derzeitigen Basisszenarien der Ökonomen ein, dann wächst die Weltwirtschaft 2009 um ein Prozent und 2010 um drei Prozent. Im Vergleich dazu fiel die Krise Anfang der 80er-Jahre schärfer und länger aus. Vergleiche mit der Großen Depression nach 1929 verbieten sich eigentlich sowieso. Damals erreichte die Arbeitslosigkeit in Deutschland und den USA 30 Prozent – Zustände, von denen wir weit entfernt bleiben werden.

Die „beliebtesten“ Ökonomen haben sich bislang fast ausnahmslos als bezahlte Handlanger der Wirtschaft und der Politik erwiesen. Bestes Beispiel ist „Sachverständiger“ und „Rentenpapst“ Rürup.

Natürlich wird im Aufschwung unter- und im Abschwung übertrieben. Irgendwie muss man ja „Lohnzurückhaltung“ und „Arbeitszeitverlängerung“ rechtfertigen. Wie groß die Krise wirklich wird, kann sowieso heute noch niemand wissen. Weder Ökonomen noch WELT-Redaktion. Nur eines weiß man: Die Banken wurden von der Merkel-Regierung nicht verpflichtet, ihre Risikobilanzen offenzulegen. Alternativ dazu wurde zur „Vertrauensbildung“ ein 500 Mrd-Paket mit Staatsgarantien für zukünftige windige Geschäfte geschnürt. Seit wann kann man „gegenseitiges Vertrauen“ für Geld kaufen?

2008 standen wir am Rande des Abgrundes, 2009 sind wir einen Schritt weiter.

Die Rezession: überzeichnet.

Selbst wenn die deutsche Wirtschaftsleistung für 2009 einen Wert von minus zwei oder gar drei Prozent aufweisen sollte: Es wäre nicht so schlimm, wie es den Anschein hat. Grund ist die Art und Weise der Berechnung. Sie führt dazu, dass die Wachstumszahl im Jahresdurchschnitt gedrückt wird, wenn die Wirtschaft im Herbst des Vorjahres schwächelt.

Nur zur Erinnerung: Bis heute besteht der Springer-Konzern darauf, der leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit 2007 und 2008 wären das Ergebnis der „Reformen“ und nicht der Weltkonjunktur. Dazu passt die Meldung „Verbraucher von Krise unbeeindruckt, Konsum steigt!“. Einen Tag vor Weihnachten! (man glaubt diesen Zynismus kaum)

Passt das Ergebnis nicht, wird eben „passend gerechnet“. Das hat schon bei der „Berechnung“ des Alg2-Regelsatzes kein Journalist bemerkt.

Der Ölpreis: abgestürzt.

Fünf Jahre hatte der Ölpreis gebraucht, um von 35 Dollar auf 145 Dollar zu klettern. Jetzt reichten fünf Monate, um ihn von 145 auf 35 Dollar zurückstürzen zu lassen.

Der Ölpreis ist also nicht „abgestürzt“, sondern hat sich nach einer irren Spekulationsblase wieder auf normales Niveau eingependelt. Wenn die Spekulanten nach dem „Industrie-Crash“ jetzt wieder ins Öl eintauchen, steigt der Ölpreis auch ohne die Nachfrage. Aber irgendwas müssen die Springer-Leute ja schreiben…

Die Finanzkrise: eingedämmt.

Der Abschwung hat die Finanzkrise mit ausgelöst, nicht umgekehrt.

Unfug! Kein Aufschwung der Welt hätte die Finanzkrise mit ihren aberwitzigen Renditevorstellungen verhindern können. Selbst in Deutschland war man stolz auf Ackermann und erklärte seine 25%-Renditeforderung zum Vorbild. Die Finanzkrise hat den Abschwung ausgelöst.

Herr…schmeiß Hirn vom Himmel und lehre die Springer-Redakteure das Lesen anderer Zeitungen!

Die Politikberater: fortgebildet.

Aber nicht zuletzt dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt ist es zu verdanken, dass Zentralbanken die Krise heute – anders als Anfang der 30er-Jahre – nicht durch eine Hochzinspolitik noch verschlimmern.

Oh man…wie dumm ist DAS denn? Als die Spekulanten erst den Ölpreis und dann die Nahrungsmittelpreise (mit „Investitionen“ in Ernten) hochtrieben, interpretierten EZB und FED dies als „Inflation“ und erhöhten fast täglich die Zinsen. Damit wurde das für die Binnenmärkte dringend benötigte Geld noch knapper.

Ob mal jemand die WELT-Redakteure daran erinnern könnte, dass die „Experten“ noch vor 12 Monaten stolz eine bevorstehende „Vollbeschäftigung“ verkündet haben?

Ausgerechnet die stets belächelten bzw. ignorierten Institute der Gewerkschaften lagen mit ihren Prognosen fast richtig. Erwähnt werden sie in WELT natürlich (wieder) nicht.

Die Populisten: zahnlos.

Bei aller Systemkritik bleibt die Fundamentalopposition schwach. „Unser Land, seine Bürger und die Politik haben klug und besonnen reagiert“, sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner Weihnachtsansprache – im Kern zu Recht. Die Linkspartei jedenfalls hat bisher aus der Krise kein Kapital schlagen können.

Mich dünkt, diesen Artikel hat Käptn Blaubär verfasst. Wo sind sie denn heute, die Marktprediger wie Ifo-Chef (Un)Sinn, Michael Hüther und andere? Verkrochen haben sie sich!

Die „Populisten“ (WELT meint damit Linke und Globalisierungskritiker) haben stets gewarnt und haben Recht behalten. Wozu sollten sie jetzt in verbale Hysterie verfallen, wo doch die Menschen am eigenen Leibe den Kapitalismus in Reinkultur erleben?

Übrigens: Nur die Linke hat einen nennenswerten Zuwachs an Mitgliederzahlen. Den „Volksparteien“ SPD und CDU laufen die Mitglieder scharenweise davon. Sie haben halt gesehen, wie „klug und besonnen“ ihre Große Koalition handelt. Ich würde sagen „gescheitert und hilflos“. Aber mich fragt ja keiner…

Der politische Mainstream: sachorientiert.

Und anders als in den 30er-Jahren gibt es nur wenige Versuche, sich auf Kosten Dritter gesundzustoßen. Einen wirklichen Subventionswettlauf hat es nicht gegeben, Protektionismus ist weitgehend Rhetorik geblieben.

„sachorientiert“? Das hört sich gefährlich nach „Sachzwang“ an.

Und gelogen ist es sowieso. Niemand stellt offener seine Freiheit von Sachkenntnis zur Schau als die Merkel-Regierung.

Und die Aussagen zum fehlenden Protektionismus sind ebenfalls frei von Realität. Mit der Verweigerung der Absenkung der Mehrwertsteuer (so wie in GB) sowie der Verweigerung von Mindestlöhnen und Konsumgutscheinen (wenigstens für die Armen) vollzieht die Merkelregierung einen Protektionismus wie aus dem Lehrbuch des nationalen Faschismus. In einem solchen Binnenmarkt wie in Deutshcland zu DIESEN Bedingungen haben Importe praktisch keine Chance. Hingegen wird die Exportwirtschaft weiter gefördert, da sie von Niedriglöhnen profitiert und von der Mehrwertsteuer nicht betroffen ist.

Ist es etwa kein Protektionismus, wenn großzügig Verluste sozialisiert werden? In anderen Ländern lässt man gierige Konzerne vor die Wand fahren, in Deutschland hingegen bekommen sie Gesetze zur Garantie weiterer Raubzüge geschenkt.

Oder hat schonmal einer der „Reformer“ aus Politik und Wirtschaft gesagt: „Wir setzen die Sanktionspolitik gegen Arbeitslose aus, da sie in diesen Zeiten eh mehr und nicht weniger werden!“??? Nein! Man hält stur daran fest, sich auf Kosten anderer Länder (vor allem in der EU) widerrechtliche Vorteile zu verschaffen (siehe Merkel-Rede zum Neujahr). Ist das etwa kein Hardcore-Protektionismus?

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