Metzgerin der Frau Ypsilanti

Heute war es soweit! Die Medien überschlagen sich mit Jubelmeldungen zur gescheiterten Probeabstimmung, bei der sich Frau Ypsilanti in Hessen der Stimmen ihrer eigenen „SPD“-Fraktion versichern wollte.

Diese Probeabstimmung ist gescheitert, genauso wie die Wähler von „SPD“, Grüne und Linke mit ihrem Votum gescheitert sind.

Medien, CDU und FDP sind voll des Lobes an Frau Metzger, welche „standhaft ihrem Gewissen treu geblieben“ sei. Ein Gewissen gegenüber ihren Wählern scheint diese Frau nie gehabt zu haben. Bis heute hat sie sich nicht für ihren Verrat entschuldigt. War sie doch wie alle anderen SPD-Landeskandidaten in den Wahlkampf gezogen, den Rechtsextremisten Roland Koch aus dem Amt zu verteiben. Dabei ging es aber nur um ihr Gewissen gegenüber der Familie ihres Mannes!

Wer ist diese Frau Metzger, von der vorher nie jemand gehört oder gelesen hat? Google und Wikipedia geben Auskunft.

Dagmar Metzger war 1961 zum Mauerbau 3 Jahre alt. Sie kann also unmöglich eine Erinnerung an den Mauerbau haben oder an ihre Großmutter. Zumindest ist die Tatsache aus ihren Erinnerungen erloschen, das die DDR-Rentner die ersten Bürger waren, welche im Falle familiärer Bindungen kurze Zeit nach dem Mauerbau „rüber“ konnten. Sie hat also vermutlich ihre Oma häufiger gesehen als ein Berliner Kind mit Großmutter im Ruhrgebiet oder in Süddeutschland…

Das sie auch nach 46 Jahren darunter „leidet“ (wie sie selbst sagt), ist zumindest zweifelhaft. Schließlich war sie nie bei einem Seelendoktor auf der Couch, um dieses tief sitzende Trauma zu verarbeiten.

Hat man bei ihr gesehen, das sie beim Anblick eines hessischen Abgeordneten der Linken einen hysterischen Anfall oder einen Weinkrampf bekommen hat? Mir sind derartige Vorkommnisse nicht bekannt.

Was streckt also dahinter?

Dagmar Metzger ist verheiratet mit dem Sohn von Günther Metzger. Selbiger Günther Metzger amtierte von 1981 bis 1993 als Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt. Er ist seit 1956 in der SPD.

Sein Vater Ludwig Metzger war von 1946 bis 1954 für den Wahlkreis Darmstadt-Stadt I direkt gewählter Landtagsabgeordneter in Hessen. Er gehörte dem Deutschen Bundestag von 1953 bis 1969 an und vertrat dort den Wahlkreis Darmstadt. Vom 29. Oktober 1957 bis zum 21. Januar 1970 war er auch Mitglied des Europaparlaments, wo er von 1966 bis 1970 Vizepräsident war.

Die nette Frau Metzger hat also in eine politisch sehr aktive und erfolgreiche Familie eingeheiratet. Ok…das kommt auch in besseren Familien vor. 😉

Wichtig ist allerdings ihr Schwiegervater, Günther Metzger.

Er gründete 1969 in der Bundestagsfraktion einen nach ihm benannten Metzger-Kreis, der als organisierter Vorläufer des heutigen Seeheimer Kreises gelten kann.

Dieser „Seeheimer Kreis“ galt damals wie heute als rechter Flügel der SPD. Deren Positionen sind nahezu deckungsgleich mit CDU und FDP. Der Seeheimer Kreis dient der SPD bis heute als Spendensammler bei Konzernen und Banken sowie als Stichwortgeber der „Agenda2010“-Vertreter um Schröder, Clement, Müntefering usw.

Hessen 2008

Frau Ypsilanti (sowie ihre Landes-SPD) wussten, das sie Koch nur mit einem wirklich sozialen und demokratischen Programm ablösen konnten. Und die SPD brauchte unbedingt einen Wahlsieg, denn seit 2005 hat es einen solchen für die SPD nicht mehr gegeben. Bundesweit!

Dies hätte aber zur Folge gehabt, das sich Frau Ypsilanti mit ihrer Landespolitik in Opposition zur Bundes-SPD gestellt hätte, welche lückenlos von den „Seeheimern“ beherrscht wird.

Wäre es den „Reformern“ möglich gewesen, eine SPD-Politikerin zu dulden, welche ausgerechnet in Hessen den Beweis dafür liefert, das diese „alternativlosen Reformnen“ doch nicht alternativlos sind? Niemals!

Also setzte man alles daran, ihren Wahlerfolg mit allen Mitteln zu verhindern.

Nun gehört es leider zum „guten Ton“ in Deutschland, alles links der SPD als Kommunisten, Stalinisten, Stasi-Spitzel, DDR-Wiederhabenwoller, Terrorsympathiesanten und natürlich auch als Extremisten und Verfassungsfeinde darzustellen. Ebenso gehört es zum „guten Ton“, sich von diesen „Verbrechern“ durch ständige Rechtsrucks fern zu halten.

Während des Wahlkampfes gab Frau Ypsilanti ein Interview, in dem sie durch mehrmalige (4 waren es) Nachfrage dazu genötigt wurde, zu den Linken „auf Abstand“ zu gehen. Wie in einer Demokratie üblich, gibt es bloß Koalition (miteinander), Opposition (gegeneinander) oder Duldung (je nach Fall). Da sie eine rot-grüne Koalition angestrebt hatte, fiel es ihr leicht, eine Koalition mit der Linken auszuschließen.

Man nahm dies in den Medien zur Kenntnis und prügelte nun pflichtbewusst auf die Linke ein. Ungeachtet der Absurdität der Vorstellung, die hessische Linke hätte die Mauer gebaut oder Menschen im Bautzner Stasiknast eingesperrt.

Nun kam der Wahltag, abends wurden die Stimmen ausgezählt und folgendes Ergebnis kam dabei heraus:

Das war für die Bundes-SPD, die CDU, die FDP, die Wirtschaftsverbände und die Medien der Super-Gau! Roland Koch hatte keine Mehrheit und Frau Ypsilanti weigerte sich in einem Krisengespräch mit Müntefering in Berlin, Koch in einer schwarz-roten Koalition zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Dieses Gespräch wurde den Medien zugespielt, welche auch prompt mögliche SPD-Koalitionen unter Ausschluss von CDU und FDP errechneten. Am Ende kam heraus: Nur rot-rot-grün kommt in Frage!

Aber hatte Frau Ypsilanti nicht kurz vor der Wahl eine Zusammenarbeit (landläufig „Koalition“ genannt) ausgeschlossen? Um die Linke (wie in Berlin) in die Falle zu locken, fragte man scheinheilig bei der Linken in Hessen nach. Ergebnis: erstmal keine Koalition, sondern eine Tolerierung.

Offiziell und öffentlich erklärte die Linke: „Wir werden Frau Ypsilanti als Ministerpräsidentin unterstützen, so lange sie sich an ihr Wahlprogramm hält!“

Es hat also nie eine „Zusammenarbeit“ mit der Linken gegeben. Weder einen Tolerierungsvertrag mit Linken-Inhalten noch eine Koalition oder etwas gleichartiges. Und wer kann schon verhindern, von einer anderen Partei toleriert zu werden? Niemand kann das, auch SIE könnten das nicht!

Aber das spielte nun keine Rolle mehr. Diese Tolerierung wurde prompt zur Koalition (Zusammenarbeit) umdefiniert und der Begriff „Wortbruch“ war erfunden. Wie blutrünstige Bestien stürzten sich nun (fast) alle Medien auf „Lügilanti“ und „Tricksilanti“.

Warum gab Frau Ypsilanti nicht auf? Weil Demokraten so etwas nunmal nicht machen. Roland Koch tat sowas ja auch nicht. Sie hatte ihren Wählern versprochen, Koch abzulösen und eine andere Politik zu machen. Ihr Gewissen ließ diesen Verrat an den Wählern einfach nicht zu.

Nun war guter Rat teuer. Und wenn es um Berater geht, ist der Seeheimer Kreis nicht weit. Also schickte man die unbekannte, unbedeutende Frau Metzger an die Front. Sie faselte etwas unbeholfen von „Mauer“, „Stasi“, „Kommunisten“ und ihrem bislang unentdecktem Gewissen. Keine 5 Minuten später wurde sie zum Medienstar und fast alle „Demokraten“ von NPD bis CSU jubelten ihr laut zu. Man erhob sie zur „aufrechten Politikerin“ und erklärte das persönliche Gewissen zur einzig gültigen Kraft eines Politikers.

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn man an die Gewissenlosigkeit von CDU-, FDP-, CSU- und Grünen-Politiker denkt. Die einen „vergessen“ einen deutschen Staatsbürger in Guatanamo, der andere vergisst die Herkunft seiner jüdischen Vermächnisse, die nächsten jubeln „Joschka“ zu, als er in „guter“ Tradition der Wehrmacht die Luftangriffe auf Jugoslawien organisierte (Youtube: „Es begann mit einer Lüge“) oder die Amigos der CSU, welche auch schonmal Leute wählen lassen, die schon lange auf dem Friedhof verbuddelt waren.

Niemand störte sich daran, als diese „Demokraten“ zusammen mit den Medien und Fraport unbemerkt das Wahlergebnis für ungültig erklärten.

Heute nun kam es zur letzten Probeabstimmung der SPD-Landtagsfraktion. Der Seeheimer Kreis zog seine Asse aus dem Ärmel, und seine Politik „Die SPD ist die CDU mit anderen Gesichtern“ doch noch zu retten. Ypsilantis Vize und innerparteilicher Konkurrent Jürgen Walter sowie die Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger, Silke Tesch und Carmen Everts kündigten in Wiesbaden an, Ypsilanti nicht zur Chefin einer von der Linkspartei tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung zu wählen. Sie boten der Fraktion aber ihre weitere Mitarbeit an. Alle vier zählen zum konservativen SPD-Flügel, dem Seeheimer Kreis.

Bis auf Metzger hatte bis gestern bzw. heute niemand etwas von diesen Leuten gesehen oder gehört. In politischen Kreisen nennt man sowas Hinterhalt oder auch Putsch.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es auf meiner Uhr der 3. Novemder 2008, 16:30 Uhr. Hier meine Prognose (hab eben nochmal schnell den Kaffeesatz umgerührt und die Kristallkugel poliert):

Andrea Ypsilanti wird zurücktreten von ihren politiechen Ämtern. Jürgen Walter wird als Vize den Fraktionsvorsitz übernehmen und mit tatkräftiger Unterstützung der Medien und der Bundes-SPD eine Koalition mit der CDU vereinbaren, wobei Koch Ministerpräsident bleibt und Jürgen Walter das Sozialministerium bekommt.

Im Wahlkampf wird die CDU dann mit dem Finger auf Hessen zeigen und die Bürger auffordern doch lieber gleich das „Original“ zu wählen anstatt eine billige CDU-Kopie mit dem Kürzel „SPD“.

Am Ende wird es dann wieder eine große Koalition geben und Frau Merkel wird zusammen mit Herrn Koch dieses Land regieren.

Gute Nacht, Deutschland!

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Erklärbar:

1) In Berlin wurde die damalige PDS in die Falle getrieben: Ohne Koalition mit der SPD hätte man ihr sowas wie „Verantwortungsverweigerung“ vorgeworfen, was den politischen k.o. bedeutet hätte. Mit einer Koalition hält man ihr nun ständig vor, zusammen mit der SPD „ja doch die Hartz-Gesetze durchzuführen“, was kombiniert wird mit einem hämischen Grinsen: „Im Bundestag reden sie anders, als sie in Berlin handeln! Sowas braucht niemand zu wählen, alles Populisten und Demagogen!“.

Nun gut…aber welche Landesregierung kann Bundesgesetze ausser Kraft setzen oder deren Durchführung verweigern?

2) In einem aktuellen Interview erklärt Herr Müntefering als Wahlziel 30%+x, was angesichts der heutigen 25% schon mutig ist. Selbst wenn das Duo Müntefering-Steinmeier der SPD noch abenteuerliche 10% Zuwachs verschafft, müssten die Grünen immer noch auf mehr als 15% kommen für eine rot-grüne Regierungskoalition. Angesichts des Hamburger schwarz-grünen Senates müsste da schon ein grünes Wunder geschehen.

Offensichtlich wäre ein Scheitern einer neuen „Großen Koalition“ das politische Ende von Müntefering, Steinmeier, Steinbrück u.a. aus dem Schröder Dunstkreis. Sie kann dann nur noch Ottmar Schreiner an die Spitze holen und die „Seeheimer“ abservieren, oder die Selbstauflösung bekanntgeben.

Der heutige Wirtschaftsfaschismus wird dann die gesamte Medienmeute auf die „linke“ SPD hetzen, um beide Varianten zu verhindern. Wer könnte besser die Hartz-Gesetze und den Abriss des Sozialstaates legitimieren als eine „SPD“?

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Schlusswort für diese Seite: Eines Tages, in ein paar Jahren, werden wir vielleicht amerikanische Verhältmnisse haben. Dann kann das Grundgesetz, welches immer noch „Demokratie“ vorschreibt, endgültig dem Altpapier-Recycling zugeführt werden.

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